Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich, im Rahmen eines Proseminars für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, mit der kleinbürgerlichen Welt in den Romanen „Irrungen, Wirrungen“ (Textgrundlage ist das 1. Kapitel) von Theodor Fontane und „Stopfkuchen“ von Wilhelm Raabe. Im ersten Schritt soll das erste Kapitel des Romans „Irrungen, Wirrungen“ in einer Textanalyse auf die Darstellung der „kleinen Leute“ und deren Umfeld untersucht werden. Im zweiten Schritt wird sich die Arbeit auf die kleinbürgerliche Welt im Roman Stopfkuchen konzentrieren. Ziel ist es, am Ende beide Darstellungsformen miteinander zu vergleichen und etwaige Positionierungen der Autoren hinsichtlich der Thematik aufzuzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des 1. Kapitels des Romans ‚Irrungen, Wirrungen’ vor dem Hintergrund der Darstellung der „kleinen Leute“
3. Analyse des Romans „Stopfkuchen“ hinsichtlich der kleinbürgerlichen Welt
4. Vergleich und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die literarische Darstellung der kleinbürgerlichen Welt in Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ (erstes Kapitel) und Wilhelm Raabes „Stopfkuchen“, um die unterschiedlichen erzählerischen Positionierungen der Autoren zu dieser sozialen Schicht herauszuarbeiten.
- Analyse der Raumdarstellung und Farbsymbolik als Spiegel gesellschaftlicher Polarität bei Fontane.
- Untersuchung der Charakterzeichnung und Milieustudien in „Irrungen, Wirrungen“.
- Dekonstruktion des Kleinbürgertums und der Philister-Problematik im Roman „Stopfkuchen“.
- Kontrastierung der optimistischen, humanistischen Perspektive Fontanes mit der zynisch-pessimistischen Sichtweise Raabes.
Auszug aus dem Buch
Analyse des 1. Kapitels des Romans ‚Irrungen, Wirrungen’ vor dem Hintergrund der Darstellung der „kleinen Leute“
Im Folgenden soll das 1. Kapitel des Romans „Irrungen, Wirrungen“ von Theodor Fontane analysiert werden, wobei das Augenmerk der Untersuchung insbesondere auf die Darstellung der „kleinen Leute“ gerichtet ist. Dies impliziert sowohl die Herausarbeitung der Charakteristika auftretender Personen, als auch das direkte Umfeld, also des Lokals, in welches die Figuren „eingebettet“ sind. Gerade hinsichtlich unserer Fragestellung spielt das „Wie, Wo und Wann“ eine äußerst tragende Rolle, da das eine das andere ergänzt, wenn nicht gar bedingt.
Theodor Fontane schrieb am 18. August 1880 in einem Brief an den Schriftsteller und Literaturhistoriker Gustav Karpeles: „Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Seite, beinah die erste Zeile“. Diese Aussage des Autors führt mit aller Deutlichkeit vor Augen, welch hoher Stellenwert dem Anfang dieses Romans beigemessen werden muss; ja er fordert geradezu auf, den offenbar schnell zu überlesenden Beginn mit „anderen Augen“, das heißt mit einer differenzierteren Wahrnehmung zu sehen.
Im Weiteren soll nun ein kurzer Überblick des 1. Kapitels zur Orientierung gegeben werden, um darauf folgend eine literarische Interpretation des Textes vorzunehmen.
Der Roman handelt im Berlin der Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts und beschreibt zu Anfangs eine nahe dem Zoologischen Garten gelegene Gärtnerei, welche jedoch für den Betrachter auf Grund des davor befindlichen, kleinen Wohnhauses nicht sichtbar ist. Durch das hinter dem Wohnhaus befindliche Holztürmchen, eine ab und zu aufsteigende Taubenschar und nicht zuletzt einem gelegentlichen Hundegebell lässt sich jedoch erahnen, dass sich mehr hinter der „Kulisse“ befindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, die Darstellung der kleinbürgerlichen Welt in Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ und Raabes „Stopfkuchen“ vergleichend zu analysieren.
2. Analyse des 1. Kapitels des Romans ‚Irrungen, Wirrungen’ vor dem Hintergrund der Darstellung der „kleinen Leute“: Das Kapitel untersucht die Raumstruktur, Farbsymbolik und Charakterzeichnung bei Fontane, um die Polarität von öffentlichem und privatem Raum in einer kleinbürgerlichen Kulisse aufzuzeigen.
3. Analyse des Romans „Stopfkuchen“ hinsichtlich der kleinbürgerlichen Welt: Diese Analyse widmet sich Wilhelm Raabes Werk und der komplexen Figur des Heinrich Schaumann, um die kritische Auseinandersetzung mit Philistertum und gesellschaftlichen Vorurteilen zu verdeutlichen.
4. Vergleich und Fazit: Dieser Abschnitt kontrastiert die humanistisch-optimistische Weltsicht Fontanes mit der zynisch-pessimistischen Haltung Raabes in Bezug auf die Darstellung des Kleinbürgertums.
Schlüsselwörter
Realismus, Kleinbürgertum, Theodor Fontane, Wilhelm Raabe, Irrungen Wirrungen, Stopfkuchen, Milieustudie, Philistertum, Raumdarstellung, Farbsymbolik, Literaturanalyse, Gesellschaftskritik, 19. Jahrhundert, Literarischer Vergleich, Charakteranalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Darstellung der kleinbürgerlichen Welt in den Werken „Irrungen, Wirrungen“ von Theodor Fontane und „Stopfkuchen“ von Wilhelm Raabe.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Milieugestaltung, die Bedeutung des Raumes, gesellschaftliche Standesunterschiede und die Charakterisierung der sogenannten „kleinen Leute“ in der Literatur des späten Realismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Darstellungsformen beider Autoren zu analysieren und ihre Positionierungen hinsichtlich der Thematik des Kleinbürgertums miteinander zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literarische Textanalyse, die sowohl deskriptive als auch interpretative Ansätze (wie Farbsymbolik und Perspektivwechsel) nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse des ersten Kapitels von Fontanes Roman sowie eine Untersuchung der wichtigsten Motive und der gesellschaftlichen Kritik in Raabes Roman „Stopfkuchen“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Realismus, Kleinbürgertum, Philistertum, Symbolik und die spezifische Erzählweise der beiden behandelten Autoren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Fontane von der bei Raabe?
Während Fontane eine eher realistische, liebevoll-euphemistische Sicht auf die kleinbürgerliche Welt pflegt, wählt Raabe eine zynischere, gesellschaftskritische Perspektive, die das Philistertum schärfer angreift.
Welche Rolle spielt der Begriff „Kulisse“ in der Analyse?
Die Bühnenmetapher der Kulisse dient dazu, das Sichtbare vom Verborgenen zu trennen und die immanente Spannung zwischen privater Zurückgezogenheit und öffentlicher Welt in Fontanes Werk zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Jonathan Haß (Author), 2009, Die kleinbürgerliche Welt in Fontanes "Irrungen, Wirrungen" und Raabes "Stopfkuchen", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263089