Unterricht stellt ein sehr komplexes System dar, bei dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Zielen gemeinsam, innerhalb eines festen Rahmens an einem Lerngegenstand arbeiten. Dabei kommt es immer wieder zu Störungen des von der Lehrkraft geplanten Unterrichtsverlaufs. In einer Schulklasse eine angenehme und möglichst störungsarme Lernatmosphäre herzustellen, ist für die Lehrkraft wohl eine der größten Herausforderungen (vgl. Wollenweber 2011).
Eine Unterrichtsstudie hat ermittelt, dass in Deutschland eine Unterrichtsstunde zu 65% aus Lehr- und Lerntätigkeiten besteht. (vgl. Keller 2008) Die restlichen 35% werden darauf verwendet, für die Disziplin und Ruhe zu sorgen. Wenn es schuljährlich 635 Millionen Unterrichtsstunden an 45.000 Schulen in Deutschland sind, sind sozusagen 222 Millionen Unterrichtsstunden ineffektiv. Wenn man davon ausgeht, dass eine Unterrichtsstunde 75 Euro kostet, beläuft sich der unterrichtliche Qualitätsverlust auf 16,9 Milliarden Euro pro Schuljahr (vgl. Keller 2008: 28).
Störungen im Unterricht belasten die Lehrkraft, verringern die Effektivität des Unterrichts und daher werden viel echte Lernzeit sowie Geld verschwendet. Aus diesen Gründen ist es notwendig, einen guten Unterricht zu schaffen, wobei möglichst wenig Störungen im Unterricht auftreten. Um eine Problemlösung leichter zu entwickeln, sollen zunächst das Problemverhalten des Schülers und dessen Ursachen genau beobachtet werden. Dieser Problematik widmet sich die vorliegende Arbeit.
Im ersten Teil wird versucht, den Begriff „Unterrichtsstörungen“ zu definieren. Danach werden Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen gezeigt. Weiterhin werden die Unterschiede in der Erklärung und dem Empfinden von Unterrichtsstörungen zwischen Lehrer und Schüler behandelt. Der nächste Teil legt Fokus auf die Ursachen und die Ziele von Unterrichtsstörungen. Bevor die Lehrperson eine Lösung für die Unterrichtsstörungen finden kann, ist es notwendig, die Ursachen für das auftretende Problem zu analysieren. Die Klärung von Unterrichtsstörungen vollzieht sich in 5 Schritten und die werden in dem weiteren Teil dargestellt. Zum Schluss werden einige im DaZ-Unterricht auftretende Störungen aus eigenen Erfahrungen dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Definition von „Unterrichtsstörungen“
3. Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen
4. Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht bzw. Schülersicht
5. Ursachen von Unterrichtsstörungen
5.1. Entwicklungsverletzungen
5.2. Aktuelle Entwicklungskrisen (Pubertät)
5.3. Neurobiologische Störungen
5.4. Familiäre Erziehungsfehler
5.5. Lehrperson als „Störfaktor“
5.6. Gesellschaftliche Einflüsse
6. Ziele von Unterrichtsstörungen
7. Klärung von Unterrichtsstörungen
8. Unterrichtspraxis: Ursachen von Störungen im DaZ-Unterricht
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielschichtigen Ursachen von Unterrichtsstörungen, um Lehrkräften ein besseres Verständnis für das Phänomen sowie Ansätze für effektive Präventions- und Interventionsstrategien zu vermitteln.
- Definition und Erscheinungsformen von Störungen im schulischen Kontext.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Wahrnehmungen von Lehrern und Schülern.
- Analyse psychologischer, familiärer und institutioneller Störungsursachen.
- Die Funktion von Unterrichtsstörungen als Indikator für Konflikte und Bedürfnisse.
- Systematische Klärungsprozesse für eine professionelle Problembewältigung.
Auszug aus dem Buch
5.4. Familiäre Erziehungsfehler
Aufgrund von Erziehungsfehlern können auch kindliche Verhaltensstörungen entstehen. Keller (2008) nennt fünf fehlerhafte Erziehungsformen wie:
- verwöhnend-permissive Erziehung: Die Eltern erlauben zu viel, setzen keine Grenzen und legen keinen Wert auf das Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung.
- inkonsistente Erziehung: Der elterliche Erziehungsstil pendelt zwischen Härte und Verwöhnung, die Kinder wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen.
- inkonsequente Erziehung: Für den Fall, dass ein Fehlverhalten erneut auftritt, wird eine Konsequenz angedroht. Überschreitet das Kind dann doch die Grenze, bleibt die Konsequenz aus. Es wird allerhöchstens geschimpft.
- vernachlässigende Erziehung: Die Kinder wachsen sich selbst überlassen auf. Die materiellen Bedürfnisse werden zwar meist befriedigt, die Kinder bleiben jedoch seelisch unterernährt.
- strafend-unterdrückende Erziehung: Die Eltern setzen zu enge Grenzen, sie sind kaltherzig und lieblos und wenden harte körperliche und seelische Strafen an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Komplexität von Unterricht als System und verdeutlicht anhand statistischer Daten den negativen Einfluss von Störungen auf die Lernzeit und die Kosten im deutschen Schulwesen.
2. Zur Definition von „Unterrichtsstörungen“: Dieses Kapitel arbeitet den Begriffswechsel von „Disziplinschwierigkeiten“ hin zu einem breiteren, unterrichtsbezogenen Verständnis von Störungen heraus, welches Lehr- und Lernprozesse integriert betrachtet.
3. Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen: Hier werden fünf typische Kategorien – von akustischen und motorischen Störungen bis hin zu Verweigerung und Aggression – differenziert dargestellt.
4. Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht bzw. Schülersicht: Das Kapitel analysiert die Diskrepanz zwischen der lehrerzentrierten Sichtweise, die häufig auf Disziplinmangel fokussiert, und der schülerzentrierten Sichtweise, die den Unterricht selbst als Ursache für Störungen identifiziert.
5. Ursachen von Unterrichtsstörungen: Ein tiefgreifender Blick auf multifaktorielle Ursachen, darunter Entwicklungsverletzungen, neurobiologische Aspekte sowie pädagogische Fehler der Lehrperson.
6. Ziele von Unterrichtsstörungen: Schüler nutzen Störungen häufig als Signal zur Verfolgung individueller Ziele wie Aufmerksamkeit, Machtdemonstration oder den Schutz des eigenen Prestiges.
7. Klärung von Unterrichtsstörungen: Vorstellung eines fünfstufigen Modells, das eine objektive Diagnose, Selbstreflexion und einen Perspektivwechsel zur effektiven Problemlösung vorsieht.
8. Unterrichtspraxis: Ursachen von Störungen im DaZ-Unterricht: Ein Praxisbericht, der die besonderen Herausforderungen der Heterogenität in Sprachkursen für Erwachsene mit Migrationshintergrund illustriert.
9. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Unterrichtsstörungen unvermeidbare Begleiterscheinungen sind, deren Klärung als Feedback-Instrument für eine professionelle Unterrichtsentwicklung dienen sollte.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Disziplinkonflikte, Lehr-Lern-Prozess, Schulpädagogik, Erziehungsverhalten, Entwicklungspsychologie, Prävention, Intervention, Verhaltensauffälligkeiten, Lehrer-Schüler-Interaktion, Unterrichtsqualität, Diagnose, DaZ-Unterricht, Motivation, Schulalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Analyse von Unterrichtsstörungen, ihren Ursachen sowie professionellen Möglichkeiten der Klärung und Bewältigung im schulischen Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Definition von Störungen, die unterschiedliche Wahrnehmung durch Lehrer und Schüler, die Ursachenforschung sowie konkrete Handlungsschritte zur Verbesserung der Unterrichtsatmosphäre.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften das nötige Verständnis zu vermitteln, um Störungen nicht nur als disziplinarisches Problem, sondern als Signal zu begreifen und durch fundierte Analyse zielgerichtet darauf reagieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse renommierter pädagogischer Ansätze (z.B. Winkel, Keller, Wiater) sowie der Reflexion von Erfahrungen aus einem DaZ-Unterrichtspraktikum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Störungen, eine Analyse verschiedener Erscheinungsformen, die Erörterung von Ursachenbündeln (familiär, neurobiologisch, lehrerbezogen) und die Darstellung eines fünfstufigen Klärungsmodells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Unterrichtsstörungen, Disziplinkonflikte, Lehrer-Schüler-Interaktion, Prävention, Interventionsmaßnahmen und Lernatmosphäre.
Inwiefern spielt die Lehrperson selbst eine Rolle als „Störfaktor“?
Die Arbeit betont, dass durch ineffektives Lehrerhandeln – etwa durch mangelnde Planung, einen unpassenden Führungsstil oder ein Fehlen pädagogischen Konsenses – Bedingungen geschaffen werden, die Unterrichtsstörungen erst provozieren können.
Welche besonderen Erkenntnisse liefert die Arbeit für den DaZ-Bereich?
Im DaZ-Unterricht zeigt sich, dass hohe Heterogenität (Alter, Sprachniveau, Motivation) die Unterrichtsplanung erschwert, was institutionell bedingte Störungen fördern kann, die ein hohes Maß an Flexibilität von der Lehrperson erfordern.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Tam Nguyen (Autor:in), 2012, Ursachen von Unterrichtsstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/233624