Bilder umgeben uns in unserem Alltag. Egal wo wir uns befinden, überall stoßen wir auf Bilder, egal welcher Art. Ob in der U-Bahn, in der Werbung oder in der Zeitung, ja selbst auf alltäglichen Gegenständen, finden wir sie. Bilder sind ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens. Umso logischer wäre es doch, Bilder im Unterricht zu thematisieren. Doch lassen sich Bilder wirklich im Unterricht einsetzen? Die Forschung zeigt, dass dies schon seit langem gängige Praxis an den Schulen in Deutschland ist . Doch mit welchem pädagogischen Nutzen lassen sich Bilder als Unterrichtsmedien einsetzen? Wo liegen ihre Stärken und was muss man bei ihren Einsatz berücksichtigen? Diese Fragen gilt es zu klären, um den Einsatz von Bildmedien im Unterricht so effizient wie möglich zu gestalten.
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, der Antwort auf eine dieser Fragen zumindest ein Stückchen näher zu kommen. Anhand der Bildmedien, die speziell im Geschichtsunterricht eingesetzt werden, soll sich der Antwort auf die Frage: „Was muss man beim Einsatz von Bildern als Unterrichtsmedien beachten?“ angenähert werden. Dazu ist es zunächst notwendig, das Unterrichtsmedium Bild im Allgemeinen zu betrachten. Daher erfolgt zunächst eine Kategorisierung von Bildern. Anschließend daran werden ihre Funktionen herausgearbeitet. Um den Einsatz von Bildmedien im Unterricht so schüler-gerecht wie möglich gestalten zu können, ist es unabdingbar, die psychologischen Grundlagen dafür zu analysieren, wie Bilder als Mittel zum Lernen eingesetzt werden können. Dies geschieht in Kapitel 2.3.
Nach diesen allgemeinen Voraussetzungen für den Bildeinsatz im Unterricht, folgt die spezielle Betrachtung des Bildeinsatzes im Unterrichtsfach Geschichte. In diesem Kapitel der Arbeit, werden sowohl die typischen Bildmedien dieses Fachs, als auch deren Besonderheiten vorgestellt. Anschließen daran wird im Kapitel 2.5 die zentrale Arbeitsthese dieser Arbeit aus den bis dahin gewonnen Erkenntnissen der vorherigen Kapitel abgeleitet und aufgestellt. Diese These wiederum an eine unterrichtspraktischen Beispiel zu überprüfen, ist Ziel von Kapitel 3. Im letzten Kapitel, werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit nochmals zusammengefasst, sowie anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein Ausblick für den Einsatz von Bildmedien im Unterricht gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Psychologische und pädagogische Grundlagen des Einsatzes von Bildern als Unterrichtsmedium
2.1 Arten von Bildern
2.2 Funktionen von Bildern
2.3 Lernen mithilfe von Bildern nach Weidenmann
2.4 Bilder als Medien im Geschichtsunterricht
2.5 Entwicklung der Arbeitsthese
3 Überprüfung der Arbeitsthese anhand eines Unterrichtsbeispiels
3.1 Präsentation des Unterrichtsbeispiels
3.2 Überprüfung der Arbeitsthese
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Voraussetzungen für einen effizienten Einsatz von historischen Bildmedien im Geschichtsunterricht zu untersuchen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit Bildmedien allein in der Lage sind, neues historisches Wissen zu vermitteln, und ob eine mediale Ergänzung durch andere Quellen oder Texte zwingend erforderlich ist, um ein historisches Verständnis auf Seiten der Schüler zu ermöglichen.
- Kategorisierung und Funktionen von Bildern als Unterrichtsmedium
- Psychologische Lernprozesse beim Betrachten von Bildern
- Bedeutung der Subjektivität und Kontextgebundenheit historischer Abbilder
- Analyse der Wirksamkeit von Bildmedien im kompetenzorientierten Geschichtsunterricht
- Erprobung einer Unterrichtssequenz zur historischen Bildinterpretation
Auszug aus dem Buch
2.2 Funktionen von Bildern
Unabhängig von der Bildart betrachtet, erfüllen Bilder zahlreiche didaktische und pädagogische Funktionen. Zunächst übernehmen sie wichtige motivationale und affektive Aufgaben. So konnte nachgewiesen werden, dass Bilder nicht nur das Interesse der Schüler an einem Lerngegenstand steigern, indem sie beispielsweise „Einstellungen aktivieren und Gefühle auslösen“, sondern auch die Aufmerksamkeit der Schüler auf ein Thema lenken können, was wiederum eine intensivere Arbeit mit diesem zur Folge hat.
Stehen die Bilder selbst im Zentrum des Unterrichts und dienen nicht nur zur Motivation, können sie wichtige kognitive Funktionen erfüllen. Hier hat sich die Forschung bis zum Jahre 1991 überwiegend auf die Betrachtung von vier, der kognitiven Funktion dienenden Funktionen der Bilder, die im Unterricht ausschließlich in Verbindung mit Sprache beziehungsweise Texten genutzt wurden, beschränkt: die Repräsentativitätsfunktion, die Organisationsfunktion, die Interpretationsfunktion, sowie die Transformationsfunktion. Bilder wirken dann repräsentativ, wenn sie einen Text oder eine sprachliche Äußerung aufgreifen und deren wichtige Details möglichst realitätsnah abbilden. Werden Bilder eingesetzt, um das Verständnis von Texten durch gezielte visuelle Gliederung zu erhöhen, erfüllen sie die Organisationsfunktion. Beispielsweise dienen die Bilder in einer Montageanleitung häufig diesem Zweck. Bei anspruchsvollen Texten, beziehungsweise schwierigen Sachverhalten werden Bilder eingesetzt, um dem Rezipienten das Verstehen zu erleichtern. Sie bieten ihm einen Ansatzpunkt für eine Deutung, weshalb man hier von der Interpretationsfunktion der Bilder spricht.
Die Transformationsfunktion, oder auch Verwandlungsfunktion, erfüllen all die Bilder, die aufgrund ihres „originellen [Charakters] [...] als Eselsbrücken das Behalten von Begriffen oder Aussagen erleichtern“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Allgegenwart von Bildern im Alltag fest und leitet daraus die Relevanz für den Unterricht sowie die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Bildmedien ab.
2 Psychologische und pädagogische Grundlagen des Einsatzes von Bildern als Unterrichtsmedium: Dieses Kapitel systematisiert Bildarten und deren didaktische Funktionen und beleuchtet die psychologischen Mechanismen, die dem Verständnis von Bildern zugrunde liegen.
3 Überprüfung der Arbeitsthese anhand eines Unterrichtsbeispiels: Hier wird die Arbeitsthese anhand einer konkreten Unterrichtsplanung zum Thema "Nationalsozialismus" und dem "Tag von Potsdam" in der Praxis beziehungsweise in der Theorie reflektiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die These, dass Bildmedien im Geschichtsunterricht stets in einen Kontext weiterer Medien eingebettet werden müssen, um kritisches historisches Denken zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Bildmedien, historisches Lernen, Bildinterpretation, Weidenmann, Medienkompetenz, Historischer Kontext, Subjektivität, Nationalsozialismus, Tag von Potsdam, Unterrichtsplanung, Bilddidaktik, kognitive Funktionen, Vermittlung, Medienpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den pädagogischen Nutzen und die Grenzen von historischen Bildmedien im Geschichtsunterricht und analysiert, wie diese effektiv in den Unterricht eingebunden werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Kategorisierung von Bildern, ihre motivationalen und kognitiven Funktionen sowie die spezifische Problematik der Deutung historischer Bildquellen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob Bildmedien allein ausreichen, um neues, für Schüler unbekanntes historisches Wissen zu vermitteln, oder ob sie zwingend durch andere Medien ergänzt werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung aktueller medienpädagogischer Literatur (u.a. von Weidenmann) sowie auf die Analyse eines konkreten Unterrichtsentwurfs zur Überprüfung der aufgestellten These.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Bildarten, Funktionen, Verstehensprozesse) erörtert, bevor diese Erkenntnisse auf ein praktisches Unterrichtsbeispiel zur historischen Bildinterpretation angewendet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Geschichtsunterricht, Bildmedien, historische Bildinterpretation, Kontextgebundenheit und Medienkompetenz geprägt.
Warum ist das "Bild vom Tag von Potsdam" als Beispiel gewählt worden?
Das Bild ist als historisches Propagandamittel besonders geeignet, um aufzuzeigen, dass die intendierte Bildaussage ohne historisches Vorwissen von Schülern oft falsch oder gegenteilig wahrgenommen wird.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Unterrichtspraxis?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass Lehrer beim Einsatz historischer Bilder immer für einen ergänzenden Kontext (z.B. durch Sachtexte) sorgen müssen, da Bilder nie objektiv sind und erst durch Hintergrundwissen kritisch ausgewertet werden können.
- Quote paper
- David Frieten (Author), 2012, Die Notwendigkeit der medialen Ergänzung bei der Nutzung von historischen Abbildern im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/233381