[...] Fraglich ist, in welchem
Verhältnis - Spannungsverhältnis - Vernunft und Wille stehen, wie sie sich gegenseitig
beeinflussen und was diese beiden Instanzen im Einzelnen eigentlich bedeuten. Darauf
möchte ich nun im ersten Abschnitt eingehen. Aus welchen Perspektiven wird Vernunft
gesehen und was sind ihre potentiellen Mosaikteilchen. Folgend, wie es im Verhältnis
zu Wille steht und wie Wille definiert wird und welche Rolle Subjektivität in diesem
Konzept spielt. Im dritten und vierten Abschnitt möchte ich dann die Gegenüberstellung
von zwei verschiedenen Denkansätzen skizzieren. Zum einen wird die Subjektivität,
also die Schwächen und Defizite in unserem Verhalten durchsichtig gemacht und
erkannt, mit dem Ziel die Dynamiken der Vorurteile und anderen Schwächen zu
überwinden. Im Grunde wird Subjektivität also als Störfaktor im Menschen gesehen,
welche es zu bereinigen gilt. Dem gegenüber steht die Annahme, dass die Subjektivität,
die Individualität, mit all ihren vielleicht auch hässlichen Facetten im Mensch-sein
angelegt sind. Viel weiter: nicht nur angelegt, sondern notwendig für den Lebenswillen
und dem Willen zum ICH, da dadurch Stabilisierung und Selbstdefinition erreicht
werden. All dies möchte ich dann im letzten Abschnitt im Spannungsverhältnis
zwischen Vernunft und Wille, an den Grundlagenvertrag zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik anwenden. Wie haben sie
Vernunft und Wille geäußert? Was genau waren die unterschiedlichen Willen der
beiden Staaten und wie wurde der Zusammenstoß der verschiedenen Positionen gelöst. In dieser Arbeit geht es also um die Frage wie sich das Spannungsverhältnis zwischen
Willen und Vernunft im politischen Handeln äußert angewendet am Beispiel des
Grundlagenvertrages zwischen der BRD und der DDR.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemrahmen
2.1 Spannungsverhältnis zwischen Wille und Vernunft
2.1.1 Vernunft
2.1.1.1 Affirmative Vernunft
2.1.1.2 Kritische Vernunft
2.1.1.3 Reflexivität
2.1.2 Wille
2.2 Wille und Vernunft im politischen Handeln
3 Subjektivität als Störfaktor
3.1 Platon: Höhlengleichnis
3.2 Francis Bacon: Die Idolenlehre
3.3 Le Chevalier de Jaucourt: Vorurteil
4 Subjektivität als Unauflösbares
4.1 Mensch-Sein
4.2 Innere und äußere Wirklichkeit
4.3 Identität und Individualität
4.4 Andersheit und Urteil
5 Vernunft und Wille im Grundvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik
5.1 Rahmenbedingungen des Grundlagenvertrages
5.2 Unvereinbarer Wille
5.3 Bewältigung des Zusammenstoßes der verschiedenen Positionen- Verhandeln als Lernprozess
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsverhältnis zwischen Vernunft und Wille im politischen Handeln, indem sie theoretische Ansätze zur Subjektivität auf die historischen Verhandlungen zum Grundlagenvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR anwendet.
- Grundlagen von Vernunft und Wille im menschlichen Handeln
- Subjektivität als potenzielle Fehlerquelle und notwendiger Bestandteil der Identität
- Analyse politischer Verhandlungsprozesse als Ausdruck eines vernunftgeleiteten Willens
- Die Rolle von Distanz und Reflexion bei der Bewältigung politischer Gegensätze
- Fallbeispiel: Der Grundlagenvertrag zwischen BRD und DDR
Auszug aus dem Buch
3.2 Francis Bacon: Die Idolenlehre
Eidos, aus dem Griechischen als Bild oder Idee übersetzt. Bacon gibt in seinem Text verschiedene Bilder und Ideen. Er konstatiert vier verschiedene Götzenbilder, welche die „Fehler“ des Menschen symbolisieren und den „menschlichen Geist besetzt halten“: Die Götzenbilder des Stammes, der Höhle, des Marktes und des Theaters. Die Götzenbilder des Stammes grunden auf die menschliche Natur, also dem Stamm, des Geschlechts oder dem Menschen selbst. Das bedeutet, dass Trugschlüsse und im Menschen selbst biologisch verankert sind. Wie bei Platon steht hier die Kritik der Sinneswahrnehmung im Vordergrund.
„Der menschliche Verstand gleicht einem Spiegel mit unebener Fläche für die Strahlen der Gegenstände, welcher seine Natur mit der der letzteren vermengt, sie entstellt und verunreinigt.“
Unsere gemeinsame Wahrnehmung durch unsere Sinnesorgane verzerrt also den „Spiegel“ des Verstanden und führt folglich zu Irrtümern. Natürlich kann ein Mensch nicht nur induktiv betrachtet werden Daher stellt das zweite Götzenbild der Höhlen diesen individuellen Bezug, da neben der „Höhle“ in der wir alle Leben jeder noch eine „besondere Höhle“, welche sich aus Erziehung und unterschiedlichen Erfahrungen zusammensetzt. Aus diesen Erfahrungen heraus bringt also jeder zusätzliche Urteile, Fehlurteile, Vorurteile- Irrtümer- mit. Ein weiteres Götzenbild ist das des Marktes beziehen sich auf die Kommunikationsebene zwischen Menschen und den Missverständnissen, die daraus resultieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage zum Verhältnis von Vernunft und Wille ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung sowie die Anwendung auf den Grundlagenvertrag.
2 Problemrahmen: Dieses Kapitel definiert Vernunft und Wille als allgegenwärtige Instanzen und untersucht deren gegenseitige Abhängigkeit im politischen Handeln.
3 Subjektivität als Störfaktor: Hier werden philosophische Denkansätze von Platon, Bacon und de Jaucourt diskutiert, die Subjektivität kritisch als Ursprung für Irrtümer und Vorurteile betrachten.
4 Subjektivität als Unauflösbares: In diesem Teil wird die Gegenposition eingenommen, die Subjektivität als essenziellen, notwendigen Bestandteil für die Identitätsbildung und den Lebenswillen hervorhebt.
5 Vernunft und Wille im Grundvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik: Das Kapitel wendet die erarbeiteten Theorien auf die historischen Verhandlungen zwischen BRD und DDR an und analysiert, wie diese zu einem vertraglichen Kompromiss führten.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, in der das Zusammenspiel von Vernunft, Wille und Subjektivität im Kontext des Grundlagenvertrags resümiert wird.
Schlüsselwörter
Vernunft, Wille, Subjektivität, Grundlagenvertrag, Politikwissenschaft, Identität, Erkenntnistheorie, Distanz, Vorurteile, BRD, DDR, Willensstärke, Reflexivität, Mensch-Sein, Handlungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und politischen Analyse des Wechselspiels zwischen Vernunft und Wille und deren Einfluss auf politisches Handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition der Vernunft (affirmativ, kritisch, reflexiv), die Rolle der Subjektivität als Störfaktor oder notwendige Identitätsgrundlage sowie die Analyse politischer Vereinbarungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche staatliche Interessen durch den Einsatz von Vernunft und Willensstärke in Form eines Vertrages miteinander in Einklang gebracht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursiv-analytische Methode, indem sie philosophische Theorien zu Subjektivität und Vernunft auf ein konkretes historisches Fallbeispiel, den Grundlagenvertrag von 1972, anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Subjektivität, Vernunft und Wille sowie die darauffolgende praktische Anwendung dieser Kategorien auf die Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Vernunft, Wille, Subjektivität, Grundlagenvertrag, Distanz und Reflexivität geprägt.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den Vernunftarten?
Sie unterscheidet zwischen der affirmativen Vernunft (Selbstsicherung), der kritischen Vernunft (Hinterfragen von Gründen) und der reflexiven Vernunft (Hinterfragen des Selbst und der Welt).
Welche Rolle spielt der Grundlagenvertrag im Fazit?
Der Grundlagenvertrag dient als Beleg dafür, dass trotz vermeintlich unvereinbarer Willen durch den vernunftgeleiteten Prozess eine gemeinsame Basis geschaffen werden konnte.
- Quote paper
- Kristianna Gasparjan (Author), 2013, Politisches Handeln im Spannungsverhältnis zwischen Wille und Vernunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214475