Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat der kritischen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und seinen Mechanismen wieder die Türen geöffnet. Dadurch ist auch Joseph A. Schumpeters Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie erneut Teil der Diskussion. Denn wer das Werk liest, kommt zu dem Schluss, dass Schumpeter auf viele Schwächen des Kapitalismus bereits vor 60 Jahren hingewiesen hat. Seiner Theorie nach würde der Kapitalismus endogen, also wegen seiner eigenen Prozesse und Charakteristika zugrunde gehen und sich zu einem sozialistischen System wandeln. Schumpeter betonte stets, wie sehr ihm dieser Prozess selbst widerstrebte, hielt die Transformation aber für unaufhaltbar. Diese Renaissance von Schumpeters Werk nutzend, wird diese Arbeit einen Aspekt seiner Kapitalismustheorie genauer untersuchen: den Prozess der schöpferischen Zerstörung.
Der Prozess der schöpferischen Zerstörung sei zunächst als Schlüsselmechanismus des Kapitalismus zu verstehen. Da Schumpeter jedoch davon ausgeht, dass die kapitalistische Ordnung generell zugrunde gehen wird, kann jedes Charakteristikum des Kapitalismus gleichzeitig als Bedingung für den Sozialismus verstanden werden.
Diese Arbeit untersucht, ob sich der Prozess der schöpferischen Zerstörung anhand der Entwicklung des Personal Computers, schwerpunktmäßig am Beispiel des IBM-PC, empirisch belegen lässt. Wenn IBM auch nicht für die ganze Computerwirtschaft stehen kann, hat das Unternehmen doch Modellcharakter und war prägend für die Entwicklung der gesamten Sparte. Dass es zahlreiche weitere Firmen gibt, die einmal Marktführer waren – worauf nur am Rande eingegangen werden kann – ist ein Hinweis auf den schnellen Wandel dieser Industrie. Auch der Internetboom seit Mitte der 1990er Jahre hat bis heute erhebliche Auswirkungen auf die Computerwirtschaft. Zur besseren Abgrenzung erstreckt sich der Untersuchungszeitraum daher lediglich von Mitte der 1970er Jahre bis zur Jahrtausendwende. Da sich die Entwicklung des Personal Computers im Wesentlichen in den Vereinigten Staaten abspielte, beziehen sich die empirischen Bezüge entsprechend weitestgehend darauf. Die namhaften Firmen hatten und haben dort ihren Sitz, der Aufschwung der Computerwirtschaft in Südostasien geschah zu spät, um hier noch relevant zu sein.
Die Leitfrage lautet: Lässt sich Joseph A. Schumpeters Prozess der schöpferischen Zerstörung anhand der Entwicklung des Personal Computers zwischen Mitte der 1970er Jahre und der Jahrtausendwende erkennen?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. SCHUMPETERS THEORIE
2.1. ENTWICKLUNG UND INNOVATION
2.2. UNTERNEHMEN UND UNTERNEHMER
2.3. DER PROZESS DER SCHÖPFERISCHEN ZERSTÖRUNG
2.4. DIE THEORIE VOM NIEDERGANG DES KAPITALISMUS
3. ANALYTISCHER TEIL
3.1. VORGEHEN
3.2. PHASE I: INTRODUCORY PHASE
3.2.1. Die Anfänge des Computerzeitalter
3.2.2. Erste Kommerzialisierungen
3.3. PHASE II: GROWTH PHASE
3.3.1. Der IBM-PC setzt Standards
3.3.2. Shakeout-Mechanismus
3.3.3. Implikationen für Schumpeters Modell
3.4. PHASE III: MATURE PHASE
3.5. ZWISCHENFAZIT
4. FAZIT
4.1. ZUSAMMENFASSUNG UND BEWERTUNG
4.2. ENTWICKLUNG IN JÜNGERER ZEIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, ob sich der theoretische Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ nach Joseph A. Schumpeter empirisch an der Entwicklung des Personal Computers, insbesondere am Beispiel des IBM-PC, belegen lässt. Die Forschungsfrage fokussiert dabei den Zeitraum von Mitte der 1970er Jahre bis zur Jahrtausendwende, um Mechanismen des industriellen Wandels und die Dynamik von Innovationen zu analysieren.
- Grundlagen der Schumpeter'schen Theorie zu Innovation und unternehmerischem Handeln.
- Analyse des Lebenszyklus des Personal Computers anhand der Phasen nach Mazzucato.
- Untersuchung des Shakeout-Mechanismus und der Marktveränderungen durch Standardisierung.
- Bewertung der Rolle von Großkonzernen versus kleinen innovativen Unternehmen.
- Diskussion über die langfristige Prognose des Kapitalismus in Bezug auf technologischen Wandel.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Die Anfänge des Computerzeitalters
In der Literatur ist man sich darüber einig, dass die Anfänge des Computers ohne unbedingte kommerzielle Absichten geschahen und mit einer derartigen globalen Nachfrage und Bedeutung des Computers nicht zu rechnen war. In der Wissenschaft waren bis in die 1970er Jahre Großrechner im Einsatz, für den Privatgebrauch gab es den Heimcomputer, der vor allem ein Experiment, eine Beschäftigung für Bastler und Spieler darstellte. Die Verwendung für Büroarbeiten gewann erst um 1980 an Bedeutung mit der Vorstellung des Graphical User Interface (GUI), einer bedienerfreundlichen Oberfläche ohne die Notwendigkeit der einzelnen Eingabe jedes Befehls und dem Konzept WYSIWYG. Erst im Anschluss daran wurde der Computer zu einem Massenprodukt.
Daraus resultierend kann in den Anfangsjahren des Computers beim Nutzer kaum von einem Konsumenten im heutigen Verständnis gesprochen werden, der ein komplett ausgestattetes Gerät mit vollständig geschriebener Software kauft. Vielmehr handelt es sich um einen Tüftler, der technisch versiert ist und in seiner Freizeit Hardwarekomponenten zusammensetzt oder Software programmiert. Die für diese Phase charakteristischen fehlenden Standards und nebeneinander existierenden Konzepte implizierten viele Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung des eigenen Computers. Gestützt wurde dies durch teils offene Programmierungen, die bewusst auf Weiterentwicklung durch den Nutzer setzten. Das Konkurrenzniveau zwischen den Unternehmen war entsprechend gering. Jede Firma fand ihre eigene Marktnische und somit ihren eigenen Absatzmarkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Renaissance von Schumpeters Werk vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und Definition der Zielsetzung der Arbeit bezüglich des Personal-Computer-Marktes.
2. SCHUMPETERS THEORIE: Erläuterung der zentralen Konzepte wie Innovation, die Rolle des Unternehmers und der Prozess der schöpferischen Zerstörung als endogener Faktor des Kapitalismus.
3. ANALYTISCHER TEIL: Empirische Untersuchung des Computer-Lebenszyklus anhand der Phasen nach Mazzucato, inklusive der Analyse von Marktstandards und des Shakeout-Mechanismus.
4. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der empirischen Ergebnisse und Diskussion der Anwendbarkeit von Schumpeters Theorie auf die heutige Computerindustrie.
Schlüsselwörter
Schöpferische Zerstörung, Joseph A. Schumpeter, Personal Computer, IBM-PC, Innovation, Unternehmertum, Shakeout-Mechanismus, Kapitalismus, Marktentwicklung, Industrielebenszyklus, Technologie, Wettbewerb, Standardisierung, Wintel, Wirtschaftsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Joseph A. Schumpeters Theorie der schöpferischen Zerstörung auf die historische Entwicklung des Personal Computers anwendbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Innovation, die Dynamik von Marktphasen und die Verdrängung alter Technologien oder Firmen durch neue, effizientere Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung, ob der Prozess der schöpferischen Zerstörung anhand der PC-Entwicklung zwischen 1970 und 2000 nachgewiesen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der sich an den Lebenszyklus-Modellen von Mazzucato orientiert, um historische Marktdaten und Unternehmensentwicklungen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Phasen eines Produktlebenszyklus (Introducory, Growth, Mature) und untersucht die spezifischen Auswirkungen auf den Computermarkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Schöpferische Zerstörung, Innovation, Shakeout-Mechanismus, Marktdynamik und Kapitalismustheorie.
Welche Rolle spielte der IBM-PC in dieser Entwicklung?
Der IBM-PC setzte durch seine Architektur Industriestandards, die einerseits den Markt für Massenware öffneten, andererseits durch ihre Offenheit den Aufstieg zahlreicher Wettbewerber ermöglichten.
Warum wird der Begriff "Shakeout" für die Computerindustrie verwendet?
Der Shakeout beschreibt die Phase, in der durch einen intensiven Wettbewerb und Standardisierungen weniger effiziente Unternehmen aus dem Markt ausscheiden.
- Arbeit zitieren
- Johannes Kempen (Autor:in), 2010, Joseph A. Schumpeters Prozess der schöpferischen Zerstörung und die Entwicklung des Personal Computers, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214174