Auch wenn man vielleicht denken würde, Kommerzialisierung im Fußball und der Einfluss der Medien sind keine Phänomene, die erst in der letzten Jahren in den Sport Einzug gehalten haben, muss man festhalten, dass es schon lange bevor der Fußball zum Massensport wurde und somit das Interesse der Medien weckte, Tendenzen der ersten Kommerzialisierung gab. Gastwirte stellten in England ihre Gasthäuser als Umkleidekabinen zur Verfügung und diese fungierten auch als Treffpunkt für Spieler und Zuschauer. Damals war es wie heute: je erfolgreicher der Klub, desto mehr ‚durstige Kehlen’ gab es zu versorgen. Damit ist die Kommerzialisierung des Fuß- balls annähernd so alt wie die Vereine selbst. Zum Zuschauersport entwickelte sich der Ballsport in der Zeit der Industrialisierung, als auch die Arbeiterklasse mehr Freizeit für sich beanspruchen konnte.
Durch den Boom des Fußballs entwickelten sich auch eigene Fankulturen, die bis heute noch existent sind. Anfänge machten die legendären Stehplatztribünen ‚The Kop’ und ‚Stretford End’ in Liverpool bzw. Manchester, gefolgt von den enthusiasti- schen Fans in Italien, dem Fanzuwachs in Deutschland speziell durch die Europapo- kalerfolge des FC Bayern München, bis hin zum Hooligantum der 80er und 90er Jahre.
Es wurden schon sehr viele Bücher zum Thema Fußball und Medien veröffentlicht. Wissenschaftlich beschäftigten sich Pädagogen, Psychologen oder Soziologen mit dem ‚Volkssport’, der ‚schönsten Nebensache der Welt’. Doch meines Erachtens waren selten die Fans in der Kurve Gegenstand des untersuchten Bereichs. Klischees vom prügelnden, saufenden Idioten, forciert durch die Berichterstattung in den Me- dien, hielten sich in Veröffentlichungen hartnäckig bis Mitte der 90er Jahre. Erst von da ab gab es erste Untersuchungen, die den Fußballfan nicht vorurteilhaft belegten, sondern ihren Drang nach Eigenbestimmung und Identifikation zum ‚Fan-Sein’ dar- stellten. Aber auch in diesem Zusammenhang der ‚neuen’ Fankultur spielen die Me- dien, vor allem aber das Fernsehen, eine große Rolle.
In der vorliegenden Arbeit soll es deshalb nicht speziell und ausschließlich darum gehen, den ‚Fan’ als solchen beim Fußball zu charakterisieren oder gar eine neue Hooligan-Diskussion zu entfachen. Ich denke, dass vor allem in der Literatur in den
70er und 80er Jahren diese Subkulturen zu genüge behandelt worden sind und daher auch den Rahmen sprengen würden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG- ABGRENZUNG UND ZIELSETZUNG
2. FUßBALL ALS MASSENSPORT- ENTSTEHUNG DER ERSTEN FANKULTUREN
2.1) GROßBRITANNIEN ALS MUTTERLAND DES MODERNEN FUßBALLS
2.2) BEGINN DER KOMMERZIALISIERUNG
2.3) ENTWICKLUNG DES SPIELS IN DEUTSCHLAND
2.4) ENTWICKLUNG DES MODERNEN FUßBALLS IN ITALIEN
3. KOMMERZIALISIERUNG UND MEDIALISIERUNG IM MODERNEN FUßBALLSPORT
3.1) DER DURCHBRUCH DES KOMMERZIELLEN FUßBALLS
3.2) KRISE IN DEN 70ER JAHREN – ENTFREMDUNG DER SPIELER
3.3) GEWALT, KATASTROPHEN UND IHRE KONSEQUENZEN
3.3.1) Gewalt und die Berichterstattung in den Medien vor Heysel
3.3.2) Katastrophen
3.3.3) Gründe für die Katastrophen
3.3.4) Konsequenzen für den Fußball & die Fans – Taylor Report und ‚Thatcherismus’ in Großbritannien
3.3.5) Stadionsicherheit der 90er Jahre in Deutschland
3.3.6) Veränderung der Fankultur nach den Katastrophen
3.4) WARE FUßBALL – SPONSOREN, MERCHANDISING UND CO.
3.4.1) Sponsoring
3.4.2) Zahlen und Fakten- Etats, Umsätze und AGs
3.4.3) Merchandising
3.4.4) Internationalisierung im Fußballsport
3.4.5) Das Bosman-Urteil – Konsequenzen für Klubs und Fans
3.4.6) Exkurs: ‚Kirch-Pleite’als Konsequenz der Überkommerzialisierung und Übermedialisierung
3.5) FUßBALL ALS ROHSTOFF FÜR DAS FERNSEHEN – MEDIALE MASSENSPEKTAKEL
3.5.1) Fußball im Fernsehen – eine eigene Medienrealität
3.6) MEDIEN UND KOMMERZ – EINE ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG
4. DIE WELT DER FANS
4.1) AUSDIFFERENZIERUNG DER FANSZENE
4.2) ULTRAS
4.2.1) Sheffield & Co. – die Geburt der ‚Ultras’ in Deutschland?
4.2.2) ‚Ultras’- eine neue Fankultur
4.2.3) ‚Ultras’ in Italien in den 60er und 70er Jahren
4.2.4) ‚Ultras’ in den 80er und 90er Jahren in Italien
4.2.5) Der übernommene Ultrà-Gedanken aus Italien
4.2.6) ‚Ultras’ in Deutschland
4.3) DIE PROFESSIONALISIERUNGSTHESE
4.4) BÜNDNIS AKTIVER FUßBALLFANS- BAFF
4.5) FAN-INITIATIVE ‚PRO-FANS’
5. SCHLUSSBETRACHTUNGEN UND –FOLGERUNGEN
5.1) FANS IM SOG VON KOMMERZ UND MEDIALISIERUNG
5.2) DER ‚SICH-SELBST-INSZENIERENDE PROTESTFAN’
5.3) ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Veränderung von Fußball-Fankulturen vor dem Hintergrund zunehmender Überkommerzialisierung und Medialisierung. Das zentrale Ziel ist es, am Beispiel der Ultras aufzuzeigen, wie Fans auf die Entfremdung gegenüber Verein und Sport reagieren und welche Rolle dabei Protestformen spielen.
- Historische Entwicklung des Fußballs zum Massensport
- Kommerzialisierungs- und Medialisierungsprozesse im Profifußball
- Strukturwandel der Fankultur und Entfremdung der Anhänger
- Soziologische Analyse der Ultrà-Bewegung
- Rolle der Medienberichterstattung bei der Kriminalisierung von Fans
Auszug aus dem Buch
3.1) Der Durchbruch des kommerziellen Fußballs
‚Unter dem Tisch’ zahlten die Bundesligavereine den Spielern schon relativ hohe Gehälter. Schiedsrichter und Spieler wurden bestochen und sogar Spiele ‚verschoben’. Dies alles entwickelte sich zum größten Bundesligaskandal in der 40-jährigen Geschichte. Als Reaktion darauf gab der DFB am 8.Mai 1972, also 40 Jahre nach dem Beschluss zur Einführung des Professionalismus von 1932, den Markt frei und Gehaltsobergrenzen und niedrigste Ablösesummen gehörten der Vergangenheit an.71 Damit war der ‚Siegeszug’ der Kommerzialisierung nicht mehr aufzuhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG- ABGRENZUNG UND ZIELSETZUNG: Einleitung in die Thematik der Kommerzialisierung und Definition der Forschungsfrage.
2. FUßBALL ALS MASSENSPORT- ENTSTEHUNG DER ERSTEN FANKULTUREN: Darstellung der historischen Wurzeln des modernen Fußballs in Großbritannien, Italien und Deutschland.
3. KOMMERZIALISIERUNG UND MEDIALISIERUNG IM MODERNEN FUßBALLSPORT: Analyse der ökonomischen und medialen Einflussfaktoren auf den Fußballsport und deren Folgen für die Fans.
4. DIE WELT DER FANS: Detaillierte Untersuchung der Fanszene mit Fokus auf die Ultrà-Bewegung und theoretische Einordnung mittels der Professionalisierungsthese.
5. SCHLUSSBETRACHTUNGEN UND –FOLGERUNGEN: Fazit zur Situation der Fankultur im Spannungsfeld zwischen Kommerz, Protest und Identitätsverlust.
Schlüsselwörter
Fußball, Fankultur, Ultras, Kommerzialisierung, Medialisierung, Professionalisierung, Hooligans, Stadion, Faninitiativen, Identifikation, Stadionverbote, Massensport, Fan-Support, Fußballbusiness, Protest.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich Fußball-Fankulturen durch die zunehmende Kommerzialisierung und Medialisierung des Sports entwickelt und verändert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die historische Entstehung des Fußballs, die Auswirkungen der Kommerzialisierung (z. B. Sponsoring, Medienrechte) und die soziologische Analyse der Fan-Gegenbewegungen, insbesondere der Ultras.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass neue Fankulturen wie die Ultras nicht als bloße Modeerscheinungen, sondern als Reaktion auf die zunehmende Entfremdung und Kommerzialisierung entstanden sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine deskriptive historische Analyse mit soziologischen Theorien (z. B. Professionalisierungsthese) und greift dabei auf Fachliteratur und persönliche Erfahrungen zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der wirtschaftlichen Prozesse im Fußball und die detaillierte Betrachtung der daraus resultierenden Entwicklungen in der Fankultur und dem Verhältnis zu den Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Fußball, Kommerzialisierung, Medialisierung, Fankultur, Ultras und die Identifikationsproblematik der Fans.
Welche Rolle spielen die Katastrophen von Heysel und Hillsborough?
Diese Ereignisse fungierten als Wendepunkt, da sie zur massiven Kriminalisierung der Fans und zur "Versitzplatzung" der Stadien führten, was die Fankultur nachhaltig veränderte.
Wie stehen die Ultras zum Kommerz?
Die Ultras verstehen sich als Gegengewicht zum Totalkommerz, wobei sie versuchen, durch Proteste und eine eigene Identitätsbildung die traditionellen Werte und die Autonomie der Fankurve zu bewahren.
- Arbeit zitieren
- Torben Wegerhoff (Autor:in), 2003, Entwicklung und Veränderung von Fußball-Fankulturen aufgrund von Überkommerzialisierung und -medialisierung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/21061