Die fortschreitenden Innovationen und Verbesserungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien), führen zu einem kontinuierlichen und sich beschleunigenden Veränderungsprozess von Märkten und Produkten, den Unternehmen nur schwerlich beeinflussen können. Dadurch ist das wirtschaftliche Umfeld von einem dynamischen und komplexen Wandel geprägt, der sich in einem hohen Innovationsdruck niederschlägt. Toffler (1970) erkannte schon früh, dass es eine Abwendung von Massenmärkten hin zu einer Differenzierung von Angebot und Nachfrage geben wird. Dieser Vorgang konnte in den letzten drei Jahrzehnten beobachtet werden. Während dieser Periode, ist vor allen Dingen die Kundennachfrage immer heterogener geworden. Der Aussage von Kieser und Walgenbach (2003) zufolge, sind viele Verkäufermärkte zu Käufermärkten geworden, die durch einen scharfen Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet sind. Auf der einen Seite fordern die Abnehmer u.a. eine größere Typenvielfalt, was zu kürzeren Innovationszyklen führt. Auf der anderen Seite möchten Kunden allerdings auch eine höhere Termintreue und Produktqualität. Diese Situation ist für Unternehmen nicht neu, sondern hat sich über die letzten 30 bis 40 Jahre entwickelt. Das Besondere in der heutigen Zeit ist laut Reichwald und Piller (2009) jedoch, dass durch gesättigte Märkte, steigenden Wettbewerbsdruck sowie Innovationen und Verbesserungen der IuK-Technologien, Kunden eine neue Macht erlangen. Sie schaffen es, ihre Forderungen nach möglichst individualisierten Produkten und Dienstleistungen den Unternehmen gegenüber durchzusetzen. So betont Piller (2000) das Konzept der Mass Customization , durch das Kunden bedient werden, die das Bedürfnis nach anwendungsbezogenen Lösungen haben.
Ein gestiegener Umwelt- und Kostendruck führte in der Vergangenheit dazu, dass Unternehmen bspw. auf Outsourcing oder eine Just-in-time-Strategie gesetzt haben. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Umweltdynamik, reichen diese Maßnahmen in Zukunft allerdings nur noch bedingt aus, um den Fortbestand eines Unternehmens zu sichern sowie dauerhaft handlungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Unternehmen sind zunehmend gezwungen, sich mit verändernden Umweltgegebenheiten und -bedingungen auseinanderzusetzen und sich an ihr Umfeld anzupassen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 AUSGANGSLAGE
1.2 PROBLEMSTELLUNG
1.3 ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.4 AUFBAU UND METHODIK DER ARBEIT
2 THEMATISCHER BEZUGSRAHMEN DER ARBEIT
2.1 AKTUELLE RAHMENBEDINGUNGEN
2.2 DIE BEGRIFFE: ORGANISATION, ORGANISATIONSTHEORIE UND ORGANISATIONSSTRUKTUR
2.2.1 Definitionen und Abgrenzungen zu Organisationen und Organisationstheorien
2.2.2 Die Organisationsstrukturen von Hierarchie, Unternehmensnetzwerken und Markt
2.2.2.1 Markt und Hierarchie
2.2.2.2 Unternehmensnetzwerke
2.2.2.3 Zusammenhänge und Unterschiede von Hierarchie, Unternehmensnetzwerken und Markt
2.3 AUSGANGSPUNKT UND HYPOTHESE ZUR ENTWICKLUNG DER ORGANISATIONSSTRUKTUREN
3 ENTWICKLUNG VIER SZENARIOBASIERTER ORGANISATIONSSTRUKTUREN
3.1 DIE BIONIK
3.1.1 Überblick über die Bionik und Grund ihrer Anwendung
3.1.2 Erweiterung der Bionik um die Methode der 4Cs
3.1.3 Problemstellung und Vorgehen bei der Entwicklung der Organisationsszenarien
3.2 SUCHE NACH GEEIGNETEN VORBILDERN IN DER NATUR
3.3 DIE VIER ORGANISATIONS-SZENARIEN
3.3.1 Das Wolf-Szenario
3.3.1.1 Darstellung eines Wolfsrudels
3.3.1.2 Abstraktion - Von der Tier- auf die Unternehmenswelt
3.3.1.3 Entwicklung der Organisationsstruktur eines Wolfsrudels
3.3.2 Das Honigbienen-Szenario
3.3.2.1 Darstellung eines Honigbienenvolkes
3.3.2.2 Abstraktion - Von der Tier- auf die Unternehmenswelt
3.3.2.3 Entwicklung der Organisationsstruktur eines Honigbienenvolkes
3.3.3 Das Fledermaus-Szenario
3.3.3.1 Darstellung einer Fledermauskolonie
3.3.3.2 Abstraktion - Von der Tier- auf die Unternehmenswelt
3.3.3.3 Entwicklung der Organisationsstruktur einer Fledermauskolonie
3.3.4 Das Fischschwarm-Szenario
3.3.4.1 Darstellung eines Fischschwarms
3.3.4.2 Abstraktion - Von der Tier- auf die Unternehmenswelt
3.3.4.3 Entwicklung der Organisationsstruktur eines Fischschwarms
4 KLASSIFIZIERUNG DER SZENARIOBASIERTEN ORGANISATIONSSTRUKTUREN
4.1 KLASSIFIZIERUNGSKRITERIEN
4.2 KLASSIFIZIERUNG DER ENTWICKELTEN ORGANISATIONSSTRUKTUREN
4.2.1 Klassifizierung des Wolf-Szenarios
4.2.2 Klassifizierung des Honigbienen-Szenarios
4.2.3 Klassifizierung des Fledermaus-Szenarios
4.2.4 Klassifizierung des Fischschwarm-Szenarios
4.3 VISUALISIERUNG DES KLASSIFIZIERUNGSERGEBNISSES
5 BEWERTUNG DER ORGANISATIONSSTRUKTUREN
5.1 DAS BEWERTUNGSMODELL
5.1.1 Überblick über das Modell
5.1.2 Inhalte des Bewertungsmodells
5.1.2.1 Erfolgskriterien der Unternehmensführung
5.1.2.2 Erfolgskriterien von Prozessen und Systemen
5.1.2.3 Erfolgskriterien von Kooperationen und Ökosystem
5.1.3 Kritische Diskussion der entwickelten Organisationsstrukturen
5.2 BEWERTUNG ANHAND ZWEIER UNTERNEHMENSBEISPIELE
5.2.1 Automobilproduktion bei New United Motor Manufacturing, Inc. (NUMMI)
5.2.1.1 Überblick über NUMMI
5.2.1.2 Kritische Diskussion von NUMMI
5.2.2 Entwicklung eines Betriebssystems mithilfe der Linux Foundation
5.2.2.1 Überblick über die Linux Foundation
5.2.2.2 Kritische Diskussion der Linux Foundation
5.2.3 Kritische Diskussion der Organisationsstrukturen
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung und Bewertung szenariobasierter Organisationsstrukturen, um aufzuzeigen, wie Unternehmen zukünftig aufgebaut sein können, um in einem Umfeld zunehmender Dynamik und Komplexität handlungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei wird insbesondere der Einfluss von Innovationen und Verbesserungen der IuK-Technologien auf die Organisationsgestaltung untersucht.
- Analyse aktueller Rahmenbedingungen für moderne Organisationen
- Bionik-basierte Entwicklung von vier Organisationsszenarien
- Klassifizierung der Szenarien in ein Kontinuum von Hierarchie bis Markt
- Entwicklung eines Bewertungsmodells für Organisationsstrukturen
- Anwendung des Bewertungsmodells auf Praxisbeispiele (NUMMI, Linux Foundation)
Auszug aus dem Buch
3.3.1.3 Entwicklung der Organisationsstruktur eines Wolfsrudels
Eine Organisation, die nach den Prinzipien eines Wolfsrudels aufgebaut ist, hat eine hierarchische Aufbauorganisation. Der Vorstand ist das Leitungsorgan des Unternehmens. Er vertritt dieses nach außen und kümmert sich im Inneren um die strategische Ausrichtung sowie die Führung und Kontrolle des operativen Geschäfts. Organisationen dieses Szenarios neigen dazu risikoavers und konservativ zu sein, weswegen sie Rücklagen für Krisenzeiten anlegen, sodass sie Konjunkturschwankungen gegenüber relativ robust sind.
Der Vorstand besitzt einen großen Handlungsspielraum und kann über Ressourcen entscheiden. Strategische und wichtige operative Entscheidungen werden auf Vorstands- und oberer Managementebene getroffen und an die unteren Stufen der Hierarchie weitergeleitet. Überwacht wird der Vorstand durch den Aufsichtsrat, dessen Mitglieder zugleich den Vorstand bestellen. In dieser Organisationsstruktur existiert ein Einliniensystem mit etablierten Führungspositionen. Mitarbeiter werden durch einen Top-Down-Ansatz geführt, durch den die Manager ihre Autorität betonen. Aufgrund des Einliniensystems und klarer Hierarchiestufen sind die Kommunikationswege zwar geregelt, allerdings sind diese auch sehr lang. Folglich werden Führungskräfte durch ihre Koordinationsaufgaben stark beansprucht. Hinzu kommt, dass mit steigender Hierarchieebene die Entscheidungs- und Weisungsbefugnisse ansteigen. Bei auftretenden Problemen kommt es daher zu folgendem Prozess: Je nach Problemlage müssen Problemstellungen erst über mehrere Führungskräfteebenen hinweg an eine obere Hierarchieebene geleitet und von dieser gelöst werden. Danach muss die Lösung wieder an die auszuführende Stelle zurückgeleitet und von ihr umgesetzt werden. Daraus resultiert die Gefahr von Verzögerungen im operativen Geschäft. Um die Kommunikation trotzdem möglichst effizient zu gestalten, sind die Leitungsspannen der Führungskräfte relativ groß. Hieraus resultiert wiederum eine hohe Stressbelastung der Führungskräfte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel erläutert die Ausgangslage durch veränderte Marktbedingungen, die Problemstellung der Transformation zur Wissensgesellschaft und definiert das Ziel, szenariobasierte Organisationsstrukturen zu entwickeln.
2 THEMATISCHER BEZUGSRAHMEN DER ARBEIT: Hier werden aktuelle Rahmenbedingungen analysiert und die theoretischen Grundlagen zu Organisation, Organisationstheorie und den drei Grundformen Hierarchie, Markt und Netzwerk gelegt.
3 ENTWICKLUNG VIER SZENARIOBASIERTER ORGANISATIONSSTRUKTUREN: Dieses Kapitel führt in die Bionik ein und nutzt diese Methode zur Entwicklung von vier spezifischen Organisationsszenarien, basierend auf dem Verhalten von Wölfen, Honigbienen, Fledermäusen und Fischschwärmen.
4 KLASSIFIZIERUNG DER SZENARIOBASIERTEN ORGANISATIONSSTRUKTUREN: Hier werden die entwickelten Szenarien anhand definierter Kriterien klassifiziert und in ein Kontinuum eingeordnet.
5 BEWERTUNG DER ORGANISATIONSSTRUKTUREN: Dieses Kapitel präsentiert ein neues Bewertungsmodell, wendet es auf die Szenarien an und diskutiert die Ergebnisse anhand der Fallbeispiele NUMMI und Linux Foundation.
6 FAZIT: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, validiert die aufgestellte Hypothese und gibt einen Ausblick auf den Forschungsbedarf zur Anpassungsfähigkeit von Organisationen.
Schlüsselwörter
Organisationsstrukturen, Hierarchie, Unternehmensnetzwerke, Markt, Bionik, Mass Customization, Transaktionskostentheorie, Unternehmensführung, Netzwerkarbeit, Organisationsentwicklung, IuK-Technologien, Wissensgesellschaft, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsmanagement, Skaleneffekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Bewertung zukunftsfähiger Organisationsstrukturen, die Unternehmen dabei unterstützen sollen, in einem dynamischen und komplexen Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Transformation zur Informationsgesellschaft, die Bedeutung von IuK-Technologien, organisationstheoretische Grundlagen und die Anwendung bionischer Prinzipien auf die Unternehmensgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, verschiedene Organisationsmodelle (Hierarchie, Markt, Netzwerk) mittels Szenarien zu entwickeln, diese zu klassifizieren und mit einem neuen Modell auf ihre Effektivität hin zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein bionischer Ansatz gewählt, bei dem Verhaltensmuster aus der Natur (Wolfsrudel, Bienenvolk etc.) auf die Unternehmenswelt übertragen werden (4Cs-Methode), ergänzt durch eine Literaturanalyse und eine fallstudienbasierte Bewertung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die szenariobasierte Entwicklung von Organisationsmodellen unter bionischen Gesichtspunkten sowie deren anschließende Klassifizierung und Bewertung anhand von Praxisbeispielen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind szenariobasierte Organisationsstrukturen, IuK-Technologien, Transaktionskosten, Unternehmensnetzwerke, Hierarchie versus Markt und bionische Organisationsgestaltung.
Warum wird das "Wolf-Szenario" als relativ robust eingestuft?
Das Wolf-Szenario zeichnet sich durch eine klare hierarchische Struktur und konservative Planung aus, was dem Unternehmen in krisengeprägten Zeiten durch das Vorhalten von Rücklagen eine gewisse Robustheit verleiht.
Wie unterscheidet sich das "Fischschwarm-Szenario" von anderen Modellen?
Es ist durch extreme Flexibilität und dezentrale Entscheidungsfindung geprägt, besitzt kaum feste Hierarchien und ist sehr stark auf die schnelle Anpassung an veränderte Umweltbedingungen und Marktbedürfnisse ausgerichtet.
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- Annika Kristin Riewald (Author), 2012, Arbeitsformen der Zukunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209112