Mit der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, wo sich Robert Nozicks (1938-2002) 1974 erschienenes Werk Anarchie - Staat - Utopia im Kontext einer Gerechtigkeitsdebatte positioniert und gegenüber vorangegangenen Ansätzen dieses Themenfeldes abzugrenzen versucht. Es wird nicht beabsichtigt sein dies aus möglichst vielen Dimensionen zu tun, sondern lediglich aus jenen, welche uns der Philosoph Robert Nozick selbst bei seinen Betrachtungen auf andere vorgibt.
Hierbei soll hinterfragt werden, wie sich die Kerngedanken Nozicks in die philosophische Evolution des Gerechtigkeitsbegriffes einfügen und bei einer Betrachtung anderer Theorien, diesen zu etablieren versucht. Die hierbei von Nozick angewendeten Kriterien sollen, neben den generellen Maßstäben zur Definition eines Gerechtigkeitsmodelles, dazu dienen, Nozicks Instrument selbst zum untersuchbaren Objekt zu machen.
Folgende Fragen begleiteten hierbei die inhaltliche Ausarbeitung:
Zielt Nozick mit seinem Werk auf eine gerechtere Welt ab?
Spricht Nozick tatsächlich von Gerechtigkeit?
Wird auch Nozicks Theorie ihren eigenen Ansprüchen gerecht?
Keine Beachtung soll Nozicks eigenen Beweggründen geschenkt werden, welche später dazu führten, dass er sich inhaltlich doch von einigen der ursprünglich von ihm vertretenen Ansätze distanzierte. Die hierzu führenden Argumentationen weichen zu weit vom Vorliegenden ab, als dass sie eine Betrachtung an dieser Stelle ermöglichen.
Nozicks philosophisches Konzept einer, aus seiner Sicht, gerechteren Gesellschaft benennt er selbst als Utopie. Dies ist eine alternative Betrachtungsweise, welche er selbst zwischen Anarchie und Staat ansiedelt, und die aufgrund ihres Ansatzes die hier im Folgenden genutzte Herangehensweise regelrecht einfordert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Herleitung des gegenwärtig gebräuchlichen Begriffs der Gerechtigkeit
2.1 Die „Goldene Regel“ als Beginn sozialer Gerechtigkeit
2.2 Jedem was er verdient
2.3 Formale Gleichheit
2.4 Normengerechtigkeit
2.5 Die Dekonstruktion der Gerechtigkeit
2.6 Gerechtigkeit ist…
3 Über die Vertragstheorie zum Liberitarismus
3.1 Die Theorie der Gerechtigkeit
3.2 Der gerechte Liberitraismus
4 Einblick in Anarchie, Staat und Utopia
4.1 Anarchie
4.2 Staat
4.3 Utopia
5 Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Positionierung von Robert Nozicks Werk "Anarchie, Staat und Utopia" im Kontext zeitgenössischer Gerechtigkeitsdebatten, wobei insbesondere die philosophische Evolution des Gerechtigkeitsbegriffs und Nozicks liberitäre Gegenentwürfe kritisch analysiert werden.
- Historische Herleitung des Gerechtigkeitsbegriffs (von der Antike bis zur Gegenwart)
- Kritische Gegenüberstellung von Vertragstheorien (Rawls) und dem Libertarismus
- Strukturanalyse von Nozicks Modell (Anarchie, Minimalstaat, Utopie)
- Überprüfung der Eigenansprüche von Nozicks Gerechtigkeitstheorie
Auszug aus dem Buch
4.1 Anarchie
Aufbauend auf der Grundlage des Naturzustandes nach Locke akzeptiert Nozick einen Bedarf an Sicherheit, welche jedoch dem einzelnen elementare Grundrechte zu gewähren hat. Aus der Option, dass jeder einzelne seine eigenen Rechte privat (selbst oder im Kollektiv) verteidigen kann, entsteht laut Nozick die Gefahr, dass dieses Mittel zum Nachteil der Grundrechte anderer missbrauchbar wird. Aus eben jenen kollektiven Interessens- und Schutzvereinigungen, welche zueinander im Wettbewerb stehen, soll sich daher regional je eine vorherrschende Schutzvereinigung herausbilden und einerseits im entsprechenden geographischen Gebiet ein nur eingeschränktes Gewaltmonopol zum Wohle und im Interesse ihrer Klienten wahrnehmen und andererseits als Teil eines einheitlichen föderativen Rechtsprechungssystems an der Ausgestaltung eines solchen mitwirken.
Um zu vermeiden, dass eine dieser Organisationen beginnt sich über die Interessen ihrer Klienten hinwegzusetzen bliebe diesen die Möglichkeit eine entstehende Tyrannis mittels Boykott (im zuvor definierten Sinne Jeffersons) zu bekämpfen.
Die Schutzvereinigungen unterscheiden sich vermeintlich dadurch vom Staat, dass sie zum einen den Menschen weiterhin gestatten ihre Rechte selbst wahrzunehmen, zum anderen dadurch, dass diese nicht alle Menschen innerhalb ihres Tätigkeitsgebietes schützen. Das Fehlen eines umfassenden Gewaltmonopols, sowie eines, verglichen mit dem Schutzauftrag der Klienten, höheren Interesses hieran, definiere die Schutzvereinigung.
„Wenn also das System der privaten Schutzvereinigungen nichts moralisch Unberechtigtes tut, so fehlt ihm offenbar jeder monopolitische Zug, und daher bildet oder enthält es offenbar keinen Staat“
Trotz der aufgeführten Argumente, beendet Nozick den Teil Anarchie mit der Behauptung, sie sei doch ein Staat und leitet so in den nächsten Teil ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit definiert das Ziel, Nozicks Werk im Kontext der Gerechtigkeitsdebatte zu verorten und die philosophische Konsistenz seiner Argumentation zu hinterfragen.
2 Herleitung des gegenwärtig gebräuchlichen Begriffs der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Gerechtigkeitsvorstellungen von der Antike bis zur modernen Normengerechtigkeit und Dekonstruktion nach.
3 Über die Vertragstheorie zum Liberitarismus: Hier wird der Kontrast zwischen John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit und Nozicks liberitärem Gegenentwurf auf Basis des Eigentumsrechts und John Lockes Naturzustand herausgearbeitet.
4 Einblick in Anarchie, Staat und Utopia: Das Hauptkapitel analysiert Nozicks Modell, beginnend bei der Schutzvereinigung über den Minimalstaat bis hin zu seinem utopischen Konzept für eine ideale Gesellschaftsstruktur.
5 Auswertung: Die abschließende Analyse bewertet Nozicks Modell als kritische Reaktion auf existierende Theorien und prüft, inwieweit er einen eigenständigen, konsistenten Gerechtigkeitsansatz etablieren kann.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Robert Nozick, Anarchie, Staat, Utopie, Libertarismus, John Rawls, Naturzustand, Schutzvereinigung, Minimalstaat, Verteilungsgerechtigkeit, Eigentumsrechte, Vertragsphilosophie, Sozialethik, Gesellschaftsvertrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch Robert Nozicks Hauptwerk "Anarchie, Staat und Utopia" im Hinblick auf seine Bedeutung für die politische Philosophie und Gerechtigkeitstheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Gerechtigkeitsbegriffs, der Vergleich zwischen utilitaristischen Ansätzen und dem Libertarismus sowie die Struktur von Nozicks Staatsmodell.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Nozicks Thesen in die philosophische Debatte passen, ob er tatsächlich von Gerechtigkeit spricht und ob seine Theorie ihren eigenen internen Ansprüchen standhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptiv-analytische Methode angewandt, die durch historische Herleitungen und den direkten textimmanenten Vergleich von Nozicks Thesen mit anderen philosophischen Konzepten gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Entwicklung des Gerechtigkeitsbegriffs, die Auseinandersetzung mit John Rawls und eine detaillierte Betrachtung der drei Phasen von Nozicks Modell: Anarchie, Staat und Utopie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Gerechtigkeit, Libertarismus, Minimalstaat, Eigentumsrechte, Anarchie, Utopie und Gesellschaftsvertrag sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet Nozick zwischen Schutzvereinigung und Staat?
Nozick sieht die Schutzvereinigung als privaten Zusammenschluss, der kein umfassendes Gewaltmonopol besitzt, während der Staat als (zunächst) Ultraminimalstaat definiert wird, der ein solches Monopol beansprucht.
Warum lehnt Nozick den Begriff der Verteilungsgerechtigkeit ab?
Nozick betrachtet Verteilungsgerechtigkeit als unmoralischen Akt der staatlichen Nachsteuerung, da sie Eigentumsrechte verletzt, ohne dass zuvor ein Unrecht durch den Abgabepflichtigen begangen wurde.
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- Diplom Sozialpädagoge und Sozialarbeiter(D1) Thomas Lindwurm (Author), 2012, Zu "Anarchie, Staat und Utopia" von R. Nozick, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206608