Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff des Rahmens, mit dem Ziel aufzuzeigen, was Goffman mit diesem Begriff spezifisch meint und welche Funktionen ihm innewohnen.
Zu diesem Zweck wird in Kapitel 2 die begriffliche Differenz zwischen Rahmen und Rahmung vorangestellt wird, um im dritten Kapitel die primären Rahmen näher beleuchten zu können. Diese werden in zwei Kategorien unterteilt, womit sich das vierte Kapitel beschäftigen wird. Zudem dienen primäre Rahmen als Ausgangsmaterial für mannigfaltige Sinntransformationen. Goffmans Ziel ist es, Regeln anzugeben, nach denen primäre Rahmen in etwas anderes transformiert werden. Aus diesem Grund findet in Kapitel 5 eine Beschäftigung mit den Begriffen der Modulation und der Täuschung statt.
Letztendlich untersucht Goffman soziale Interaktionen mit einer Neugier auf das, was sich hinter der Maske tut. Dafür führt er die Begriffe der Vorder- und Hinterbühne ein, die in Kapitel 6 näher betrachtet werden sollen, bevor in Form eines abschließenden Resümees die Rahmentheorie Goffmans komprimiert dargestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rahmen und Rahmung
3. Primäre Rahmen
4. Soziale und natürliche Rahmen
5. Modulation und Täuschung
6. Bühnen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Erving Goffmans Rahmenbegriff systematisch zu erschließen, um aufzuzeigen, wie soziale Interaktionen im Alltag strukturiert und interpretiert werden. Dabei wird insbesondere untersucht, welche Funktionen Rahmen bei der Identifikation von Sinnzusammenhängen in unterschiedlichen sozialen Kontexten einnehmen.
- Begriffliche Differenzierung von Rahmen und Rahmung
- Klassifizierung primärer Rahmen
- Transformationen durch Modulation und Täuschung
- Selbstinszenierung auf Vorder- und Hinterbühnen
- Bedeutung der Rahmentheorie für die soziale Interaktionsanalyse
Auszug aus dem Buch
5. Modulation und Täuschung
Wie gezeigt werden konnte, besteht Goffmans These darin, dass Individuen mit Hilfe von Rahmen soziale wie natürliche Ereignisse einer Deutung überführen. Mit der Rahmenanalyse will er ein System dieser Rahmen herausarbeiten, mit dem die Gesellschaftsmitglieder Sinn herstellen, m.a.W. erkennen, was in einer Situation vor sich geht (Eberle 1991:168). Goffman ist dementsprechend fasziniert von der Frage, weshalb unsere Auffassungen von dem, was vor sich geht, so anfällig für verschiedene Umdeutungen sind (ebd.:182). Somit legt er seinen Fokus nicht auf die primären Rahmen, sondern auf die komplexer strukturierten Rahmen, denn erst diese machen die Vielschichtigkeit der Wirklichkeit deutlich (ebd.:183). Diese komplexeren Formen entstehen durch Transformationen von primären Rahmen, was als Modulation (keying) bezeichnet wird. Dabei werden bestimmte Tätigkeiten, die innerhalb eines primären Rahmens bereits Sinn machen, in etwas transformiert, das dieser Tätigkeit nachgebildet ist (Goffman 1977:55).
Dies ist möglich, da den Akteuren zum einen die Deutung des primären Rahmens bewusst ist und zum anderen diese den durch die Modulation erzeugte Differenz erkennen (Lübcke 2011:122f.) Innerhalb dieses rahmentheoretischen Schlüsselkonzeptes werden große Menge an tierischen und menschlichen Möglichkeiten erfasst, „[…] primär sinnvolle Aktivitäten interindividuell gemeinsam „als etwas anderes“ zu betrachten und entsprechend zu (be-)handeln“ (Willems 1997:62). Das bedeutet, die Person vollzieht einen bewussten Kontextwechsel. Beispiele dafür sind Spiele, Wettkämpfe oder das Theaterspiel.4 Dabei definiert Goffman Modulation unter den folgenden Gesichtspunkten:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Interesse an der Rekonstruktion von Sinn in Organisationen ein und stellt Erving Goffmans Rahmenbegriff als zentrales Werkzeug zur Analyse von Alltagserfahrungen vor.
2. Rahmen und Rahmung: Dieses Kapitel klärt die begriffliche Unterscheidung zwischen dem strukturellen Rahmen als Interpretationsschema und der aktiven, individuellen Rahmung als Handlungspraxis.
3. Primäre Rahmen: Hier werden primäre Rahmen als fundamentale Sinnstrukturen definiert, die es ermöglichen, anscheinend sinnlose Ereignisse als bedeutungsvoll zu identifizieren.
4. Soziale und natürliche Rahmen: Es erfolgt eine Unterscheidung zwischen rein physikalisch-natürlichen Ereignissen und sozialen Rahmen, die als Ergebnis intentionalen, menschlichen Handelns gedeutet werden.
5. Modulation und Täuschung: Das Kapitel behandelt Transformationen primärer Rahmen durch Modulation, etwa bei Spielen, sowie den bewussten Einsatz von Täuschungen zur Beeinflussung der Situation.
6. Bühnen: Hier wird Goffmans Konzept der Vorder- und Hinterbühne eingeführt, um die Prozesse der persönlichen Selbstdarstellung und deren Grenzen in sozialen Interaktionen zu verdeutlichen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont, dass Rahmen unerlässliche, komplexe Verstehensanweisungen zur Konstituierung von Sinn in der sozialen Welt darstellen.
Schlüsselwörter
Rahmenanalyse, Erving Goffman, Rahmung, Primäre Rahmen, Modulation, Täuschung, soziale Interaktion, Sinnstiftung, Vorderbühne, Hinterbühne, Selbstdarstellung, Deutungsmuster, Alltagserfahrung, Kontextwechsel, soziologische Theorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rahmentheorie von Erving Goffman und untersucht, wie Menschen durch bestimmte Deutungsmuster (Rahmen) sozialen Ereignissen einen Sinn zuschreiben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Unterscheidung von Rahmen und Rahmung, die Kategorisierung von Rahmen, deren Transformation sowie die Dynamik der Selbstdarstellung im sozialen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Erschließung und Analyse des Goffman’schen Rahmenbegriffs sowie seiner funktionalen Bedeutung für das Verstehen von sozialem Handeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die rekonstruktive Sozialforschung und eine theoretische Analyse der Fachliteratur, um Goffmans Konzepte systematisch darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Rahmen, die Unterscheidung zwischen natürlichen und sozialen Rahmen, die Analyse von Modulation und Täuschung sowie das Bühnenmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rahmenanalyse, Modulation, Vorderbühne, Hinterbühne, Deutungsmuster und soziale Interaktion.
Wie unterscheidet Goffman zwischen Modulation und Täuschung?
Während bei der Modulation alle Beteiligten den Kontextwechsel (z. B. im Spiel) kennen und anerkennen, ist die Täuschung ein einseitiger Akt, bei dem eine Partei bewusst über das tatsächliche Geschehen im Unklaren gelassen wird.
Welche Rolle spielt die „Hinterbühne“ in der Theorie?
Die Hinterbühne dient als notwendiger Rückzugsraum, in dem der Akteur die Kontrolle über seinen Eindruck loslassen kann, um die Inszenierung auf der Vorderbühne überhaupt erst zu ermöglichen.
- Quote paper
- Anna Block (Author), 2011, Der Begriff des Rahmens nach Erving Goffman, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203790