„Der Wechsel allein ist das Beständige.“ – Arthur Schopenhauer.
So auch in der heutigen Arbeitswelt. Veränderungen wie Stellenabbau, steigende Arbeitsanforderungen in Verknüpfung mit Zeit- und Termindruck, sowie der Übergang von einer Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft und die Inter-nationalisierung von Wettbewerb, Produktion und Vertriebswegen sind nur einige Charakteristika, welche die Dynamik des Wandels in der modernen Arbeitswelt beschreiben.
Nicht nur Unternehmen, sondern auch deren Mitarbeiter müssen sich diesen Veränderungen stellen und sich neu orientieren. Zunehmende Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Flexibilität hinsichtlich der Quantität und Qualität der Fähigkeiten sind u.a. die neuen Anforderungen an heutige Arbeitnehmer.
Immer häufiger führen die Verdichtung von Arbeitspensum und Anforderungen, der Wechsel von Informationsmangel und Informationsflut, sowie Schnittstellen , Kooperations- und Kommunikationsdefizite unter Einfluss der ständigen Umorganisation in Unternehmen und steigender Arbeitsplatzunsicherheit und Personalabbau zu einer zunehmenden Belastung bei Arbeitnehmern. (...)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung, Vorgehensweise und Ziele der Arbeit
1.2 Veränderungen in der Arbeitswelt
2 Begriffsbestimmungen und Grundlagen
2.1 Die Bedeutung psychischer Belastungsfaktoren für Arbeitnehmer und Unternehmen
2.2 Die Begriffe Belastung, Beanspruchung und Stress aus Sichtweise der Psychologie
3 Ursachen psychischer Belastungen und Darstellung bedeutender Stressoren
3.1 Über- und Unterforderung
3.2 Zeitdruck und Technologisierung
3.3 Flexibilität und Mobilität
3.4 Soziale Konflikte und Angst
4 Folgen psychischer Belastungen
4.1 Abgrenzung temporärer und chronischer psychischer Belastung und Belastungsfolgen
4.2 Ausprägungen der Folgen psychischer Belastung
4.2.1 Präsentismus und Absentismus
4.2.2 Arbeitssucht und Burnout
4.2.3 Innere Kündigung und Boreout
4.2.4 Alkoholismus – eine unterschätzte Krankheit?
5 Maßnahmen und Prävention psychischer Belastungsfaktoren
5.1 Ausgewählte Personalmaßnahmen
5.1.1 Personaleinsatz
5.1.2 Personalführung
5.1.3 Personalauswahl und – freisetzung
5.1.4 Personalentwicklung
5.2 Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements
5.2.1 Ausgestaltung und Förderung von Unternehmenskultur und Arbeitnehmerpartizipation
5.2.2 Verhaltensprävention im betrieblichen Gesundheitsmanagement
5.2.3 Verhältnisprävention im betrieblichen Gesundheitsmanagement
5.3 Kollektive und individuelle Maßnahmen
5.3.1 Coaching und Mentoring
5.3.2 Behandlung und Prävention psychischer Belastungen aus medizinischer Perspektive
5.3.3 Kündigung
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Ursachen, Folgen sowie Präventionsmöglichkeiten psychischer Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz aus einer personalwirtschaftlichen und organisationalen Perspektive. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und psychischer Gesundheit aufzuzeigen sowie konkrete Handlungsempfehlungen zur Minimierung von Belastungen für Unternehmen und Beschäftigte abzuleiten.
- Analyse der Ursachen psychischer Belastung (Stressoren) in der modernen Arbeitswelt.
- Untersuchung der kurz- und langfristigen Folgen wie Burnout, Boreout, Absentismus und Präsentismus.
- Darstellung personalwirtschaftlicher Maßnahmen zur Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsplätze.
- Erläuterung der Bedeutung von Führung, Unternehmenskultur und partizipativen Prozessen.
- Diskussion medizinischer und betrieblicher Interventionsmöglichkeiten zur Gesundheitsprävention.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Präsentismus und Absentismus
Nach SCHMIDT / SCHRÖDER befinden sich die Fehlzeiten in Betrieben seit 1975 auf einem konstanten Tiefstand von 2008 gemessenen 3,4%. Dieser niedrige Wert hat jedoch nur vordergründig den Anschein, dass die Beschäftigten gesünder seien, vielmehr ist es so, dass eine nicht unbeachtliche Zahl von Arbeitnehmern trotz Krankheit zur Arbeit geht. Dieses Verhalten wird in der Wissenschaft unter dem Begriff Präsentismus geführt. Die stetige Reduktion des Krankenstandes ist also nicht zwangsläufig oder zumindest nicht einzig und allein auf ein effizienteres betriebliches Gesundheitsmanagement zurückzuführen.
Präsentismus beschreibt das Verhalten von Mitarbeitern trotz einer Erkrankung arbeiten zu gehen, anstatt sich krank zu melden. Die Beschäftigten sind dabei zwar physisch anwesend, ihr sonstiges Leistungslevel können sie aufgrund ihres Krankheitszustands jedoch nicht zuletzt durch eine reduzierte Aufmerksamkeitsspanne und einer erhöhten Fehlerwahrscheinlichkeit nicht erreichen bzw. halten. Dadurch, dass Erkrankungen oft nicht auskuriert werden, erfolgt eine Verschleppung der Krankheit, die nicht selten nach einiger Zeit zu längeren krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führt. Eine amerikanische Studie bestätigt dies mit der Tatsache, dass die Kosten aufgrund eingeschränkter Arbeitsfähigkeit bzw. Krankheit pro Mitarbeiter um ein zehnfaches höher ist, als entstandene Kosten für das Unternehmen aus reiner Fehlzeit.
Gründe für Präsentismus können für den Arbeitnehmer vielfältig sein. So ist beispielsweise die Angst vorhanden, Arbeit könne im Krankheitsfall liegen bleiben, da bestimmte Aufgaben von Kollegen nicht übernommen werden können. Ein weiterer Grund liegt in der Arbeitsethik, genauer in der grundsätzlichen Einstellung des Arbeitnehmers zu seiner Arbeitsstelle und dem Unternehmen. Einige Arbeitnehmer sind sogar der Auffassung, dass Krankmelden ein Eingeständnis von Schwäche sei, somit also ihre Leistungsfähigkeit und –bereitschaft in Kritik geraten könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung psychischer Belastung in der modernen Arbeitswelt ein, erläutert das Ziel der Arbeit und den strukturellen Aufbau der Untersuchung.
2 Begriffsbestimmungen und Grundlagen: Dieses Kapitel klärt psychologische und arbeitswissenschaftliche Grundbegriffe wie Belastung, Beanspruchung und Stress und beleuchtet deren Bedeutung für Arbeitnehmer und Unternehmen.
3 Ursachen psychischer Belastungen und Darstellung bedeutender Stressoren: Hier werden wesentliche Ursachen und Stressoren wie Über-/Unterforderung, Zeitdruck, Technologisierung sowie soziale Konflikte und Ängste identifiziert.
4 Folgen psychischer Belastungen: Dieses Kapitel analysiert die gesundheitlichen und betrieblichen Auswirkungen, insbesondere durch Phänomene wie Präsentismus, Arbeitssucht, Burnout, Innere Kündigung, Boreout und Alkoholismus.
5 Maßnahmen und Prävention psychischer Belastungsfaktoren: Dieses Hauptkapitel beschreibt detailliert personalwirtschaftliche Strategien, betriebliches Gesundheitsmanagement sowie individuelle und kollektive Maßnahmen zur Prävention und Bewältigung von Belastungen.
6 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont den hohen Handlungsbedarf für Unternehmen zur Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen.
Schlüsselwörter
Psychische Belastung, Beanspruchung, Stress, Burnout, Boreout, Arbeitssucht, Präsentismus, Absentismus, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Personalmanagement, Arbeitsplatzgestaltung, Führung, Arbeitszufriedenheit, Psychologischer Vertrag, Stressprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den psychischen Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, ihren Ursachen in der modernen Arbeitswelt sowie den resultierenden Folgen für Mitarbeiter und Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Definition von Stress und Beanspruchung, die Identifikation von Stressoren, die Analyse von Folgeerscheinungen sowie die Erarbeitung präventiver Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse und Beantwortung von Fragestellungen zu den Ursachen psychischer Belastungen sowie die Entwicklung von Lösungsansätzen für das Personalmanagement zur Minimierung dieser Risiken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis umfangreicher Fachliteratur und psychologischer sowie arbeitswissenschaftlicher Ansätze eine strukturierte Darstellung und Analyse des Sachverhalts vornimmt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Ursachen von Stress (Stressoren), dann die verschiedenen Ausprägungen von Belastungsfolgen und abschließend organisatorische sowie individuelle Maßnahmen zur Prävention behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind psychische Belastung, Stressprävention, betriebliches Gesundheitsmanagement, Burnout, Präsentismus und Arbeitssucht.
Wie unterscheidet sich der psychologische Vertrag von einem formellen Arbeitsvertrag?
Der psychologische Vertrag umfasst informelle, sozio-emotionale Erwartungen und Vereinbarungen (z.B. Fairness, Anerkennung), während der formelle Arbeitsvertrag rechtlich bindende Arbeitsbedingungen regelt.
Warum ist Präsentismus für Unternehmen gefährlich?
Präsentismus ist riskant, da erkrankte Mitarbeiter ihre Leistung nicht voll erbringen, Fehler verursachen und durch eine Verschleppung der Krankheit langfristig zu noch höheren krankheitsbedingten Ausfallkosten führen.
Inwiefern beeinflusst Führung die psychische Gesundheit?
Führungskräfte haben eine zentrale Rolle bei der Früherkennung von Belastungsindikatoren; ihr Verhalten und die Art der Personalentwicklung sind entscheidend für die Gestaltung eines gesunden Betriebsklimas.
- Arbeit zitieren
- Jan Klapproth (Autor:in), 2012, Psychische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199320