Indien hat eine lange militärische Geschichte, die mehrere Jahrtausende zurückreicht. Die erste Erwähnung von Armeen findet sich bereits in den Veden. So enthalten die Epen Ramayana und Mahabharata Informationen über die stehenden Heere und deren Kriegsführung sowie über die Verwendung von Streitwagen, Kriegselefanten und sogar von fliegenden Maschinen, die in den Kriegen zur Anwendung kamen.
Dabei muss jedoch festgestellt werden, dass es zwar viele im Bereich des Militär gut bewanderte und organisierte Regionalreiche und Dynastien in der Vergangenheit Indiens gab, wie das Gupta-Vakataka-Reich, die Nanda-Dynastie, die Maurya-Dynastie, Shatavahana-Dynastie, das Kushana-Reich, die Gupta-Dynastie, das Harsha-Reich, das Pandiyan- und das Chola-Reich usw., diese jedoch nie über solch große Territorien verfügten, um von einem „Indischem Reich“ als solchem sprechen zu können. Dieses kann man frühestens vielleicht mit der Errichtung des Dehli-Sultanats im Jahr 1206, mit Sicherheit aber ab 1526 mit dem Moghul-Reich und da-mit auch von einer „Indischen Armee“. Das Kernland des Reiches lag zwar in der nordindischen Indus-Ganges-Ebene um die Städte Delhi, Agra und Lahore, jedoch umfasste das Moghulreich auf dem Höhepunkt seiner Macht im 17. Jahrhundert fast den gesamten Subkontinent und Teile des heutigen Afghanistans und übertraf damit alle Großreichsbildungen der indischen Geschichte.
Im Kontext des Themas des Hauptseminars "Vom Moghulreich zum British Empire" befasst sich diese Arbeit deshalb mit der Entwicklung der "Indischen Armee" von der Moghulzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Briten. Die folgenden Abschnitte widmen sich vorwiegend der militärischen Seite der Moghul-Dynastien, bevor ich mich der indischen Armee unter der Herrschaft der Briten zuwende.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Militär während der Moghulzeit
2.1. Organisation und Verwaltungsstruktur des Militärs
2.2. Truppenteile und Ausrüstung
3. Das Militär während der britischen Herrschaft
3.1. Das Militär unter den Briten bis 1857
3.2. Die „Sepoy-Mutiny“ 1857
3.3. Änderungen nach 1857
4. Zusammenfassung und Fazit
5. Quellen
5.1 Literatur
5.2 Internet (Stand: 16.07.2007)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Militärwesens in Indien, ausgehend von der militärisch geprägten Verwaltungsstruktur des Moghul-Reiches bis hin zur Etablierung einer professionellen Armee unter britischer Kolonialherrschaft, wobei ein besonderer Fokus auf den Transformationsprozessen nach dem Aufstand von 1857 und der ideologischen Konstruktion der „Martial Races“ liegt.
- Strukturelle Organisation des Militärwesens in der Moghul-Ära
- Militärische Strategien der East India Company und die Rolle der Sepoy-Armeen
- Die Auswirkungen des indischen Aufstands von 1857 auf die britische Rekrutierungspolitik
- Die Theorie der „Martial Races“ als Rechtfertigung für ethnisch selektive Rekrutierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Militär unter den Briten bis 1857
Von Anfang an beschäftigten die europäischen Handelsgesellschaften lokale Sicherheitskräfte. Schon im späten 17. Jahrhundert unterstützten Inder die kolonialen Eroberer im Krieg gegen das Moghul-Reich in „irregulären“ Hilfstruppen. Schon damals wurde recht schnell klar, dass die gut gedrillten „regulären“ europäischen Truppen den unausgebildeten indischen Irregulären weitaus effektiver in den Kämpfen waren. Aus dieser Erfahrung heraus waren die nächsten logischen Schritte der Drill, das Training und die Bewaffnung der indischen Rekruten im europäischem Sinne.
Die ersten indischen regulären Einheiten unter der Führung europäischer Offiziere wurden von den Franzosen an der Westküste formiert. Diese Truppen, bekannt geworden als „Sepoys“ (abgeleitet aus dem Persischen „sipahi“ – Soldat), waren den militärisch unausgebildeten Indern im britischen Dienst weit überlegen, überrannten diese förmlich und eroberten so schließlich 1740 Madras. Nach diesem herben Rückschlag folgten auch die Briten dem Beispiel der Franzosen und stellten ihre eigenen Sepoy-Kompanien auf, die sie in den späten 1750ern in die Bataillone in Bengalen und Madras integrierten.
Die Anzahl der Sepoys im britischen Dienst stieg rapide; von 9.000 im Jahr 1765 zu ungefähr 155.000 im Jahr 1808 und 1830 bereits auf 187.000, denen lediglich 16.000 britische Soldaten zur Seite standen. Inder konnten jedoch bloß bis zum Rang eines Kompanieführers aufsteigen. 1856 beschäftigte die „East India Company“ mehr als 200.000 solcher indischen Sepoys, die eines der größten stehenden Heere nach europäischem Vorbild der Welt bildeten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die lange militärische Tradition Indiens und stellt die Forschungsfrage nach der Entwicklung der „Indischen Armee“ vom Moghulreich bis zur britischen Ära.
2. Das Militär während der Moghulzeit: Das Kapitel erläutert das „Mansabdari“-System und die Struktur der Streitkräfte, die durch ständige Expansionsnotwendigkeiten und geteilte Loyalitäten geprägt waren.
3. Das Militär während der britischen Herrschaft: Hier wird der Wandel von den irregulären Einheiten der East India Company über den Aufstand von 1857 bis hin zur Einführung der „Martial Races“-Theorie analysiert.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert den Übergang von einer Prunk-Armee der Moghule zu einer hochgradig selektiven, professionellen britisch-indischen Streitmacht.
5. Quellen: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendete Literatur sowie Internetquellen auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Indische Armee, Moghul-Reich, British Empire, East India Company, Sepoy-Mutiny, Mansabdari-System, Kolonialherrschaft, Rekrutierung, Martial Races, Militärgeschichte, Indien, Aufstand von 1857, Infanterie, Kavallerie, Militärreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die militärische Entwicklung in Indien über mehrere Jahrhunderte hinweg, von der Moghul-Periode bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen Organisation, der Rekrutierungspolitik, den soziopolitischen Auswirkungen der Kolonialherrschaft und der Entstehung militärischer Mythen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Wandel der indischen Armee von einer auf lokaler Landvergabe basierenden Truppenstruktur hin zu einer nach ethnischen Kategorien organisierten Kolonialarmee chronologisch aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen und militärhistorischen Berichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die militärische Organisation der Moghule, die Eroberungsstrategien der Briten, den Aufstand von 1857 und die darauffolgenden tiefgreifenden Reformen des Rekrutierungswesens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Mansabdari-System, die Martial-Races-Theorie, Sepoy-Aufstand, Kolonialarmee und das British Raj.
Warum war das Mansabdari-System für die Moghule problematisch?
Es führte zu einer geteilten Loyalität der Mansabdare gegenüber dem Herrscher und setzte eine ständige territoriale Expansion voraus, um die Lehnsansprüche und Besoldungen zu decken.
Welchen Einfluss hatte der Aufstand von 1857 auf das britische Militär?
Der Aufstand löste eine radikale Abkehr von der bisherigen Rekrutierungspraxis aus, die in der Etablierung der „Martial Races“-Doktrin gipfelte, um loyalere Truppen zu gewinnen.
- Arbeit zitieren
- Thomas Köhler (Autor:in), 2007, Die Entwicklung des Militärs von der Armee des islamischen Moghul-Reichs bis zu den kolonialen Truppen des "British Empire", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199247