Der Übergang von der Schule in den Beruf sind zu Schwerpunktthemen in den Bildungsberichten von 2008 und 2010 geworden und dies aus gutem Grund. Die verbreiteten Probleme von Schulabgängern beim Übergang in Ausbildung und Beruf sind nicht erst seit PISA (Programm zur internationalen Schüler-bewertung) bekannt. Oft werden von betrieblicher Seite mangelnde Kompetenzen der Jugendlichen beklagt. Hochschulen bemängeln ähnliche Probleme. Diese Diagnose muss ernst genommen werden, nicht zuletzt weil sie durch empirische Studien wie PISA und IGLU bestätigt werden. Die Defizite, die nicht zwangsläufig der ,Problemgruppe’ Haupt- und Förderschule zugeschrieben werden können, beziehen sich auf fehlende Basiskompetenzen, aber auch auf Defizite bei sozialen und personalen Kompetenzen wie Kooperationsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit oder der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen. Soft Skills, auch Schlüsselkompetenzen genannt, werden für einen geglückten Berufseinstieg immer wichtiger. Längst achten Unternehmen nicht mehr nur auf fachliche Qualität sondern auch auf weiche Faktoren wie Toleranz, Selbstreflexion, Organisationstalent, Umgangstil, Team- oder Kritikfähigkeit. Im deutschen Schulsystem zeigen sich allerdings einige strukturelle Probleme, die eine frühe Förderung von Schlüsselkompetenzen, die Bildungsexperten fordern, schwer machen. Bildung ist in Deutschland nicht als lebenslanger Prozess konzipiert, sondern konzentriert sich auf die Erstausbildung in Kindheit und Jugend. Lernen wird entsprechend oft als Vorratslernen verstanden, als Anhäufung von Wissen, das erst später angewandt wird. Das Konzept, Bildung als lebensbegleitenden Prozess zu begreifen, setzt erhebliches Umdenken voraus. Der Fokus wäre dann, Kinder und Jugendliche zu motivieren und sie zu befähigen für sich und ihre eigene Bildungsbiographie Verantwortung zu übernehmen. Deswegen ist es von großer Bedeutung, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und Methoden zur Soft Skill-Vermittlung zu implementieren, um den Anforde-rungen der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Die Erlebnispädagogik, als reformpädagogischer Ansatz, bietet diesbezüglich eine beachtenswerte Chance bei der Implementierung von Schlüsselkompetenzen, insbesondere auch an Gymnasien.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Aktueller Forschungsstand
Vorgehensweise
1. Kompetenzen und die Anforderung des modernen Lebens
Informations- und Wissensgesellschaft
Globalisierung
Demographischer Wandel
Multiethnische Gesellschaft
1.1 Kompetenzbegriff
1.1.1 Die OECD und die Definition von Schlüsselkompetenzen
1.1.2 Empfehlung des europäischen Parlaments und Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen
1.1.2.1 Hintergrund und Ziele
1.1.2.2 Schlüsselkompetenzen
Lernkompetenz
Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz
Zwischenfazit
1.1.3 Der bayerische Lehrplan für das Gymnasium und die Forderung nach Schlüsselkompetenzen
Profil und Anspruch des bayerischen Gymnasiums
1.1.4 Zwischenfazit
1.2 Grundlegende Merkmale von Schlüsselkompetenzen
1.2.1 Über das Schulwissen hinaus
1.2.2 Reflexion
1.2.3 Kombination von Schlüsselkompetenzen
1.3 Zwischenfazit und Überleitung
2. Erlebnispädagogik
2.1 Begriffsklärung und Geschichtliches
2.2 Pädagogisches Konzept
2.2.1 Erziehung und Erlebnis
2.2.2 Vom Erlebnis zur Erfahrung
2.2.3 Schwerpunkte in der Erlebnispädagogik
2.2.3.1 Motorische und kognitive Kompetenzen
2.2.3.2 Selbstkompetenz
2.2.3.3 Sozialkompetenz
2.3 Chancen der Erlebnispädagogik
2.3.1 Erkenntnisse aus der Hirnforschung
2.3.2 Konstruktivistischer Zusammenhang
2.3.2 Identität und Jugendforschung
2.4 Zwischenfazit und Überleitung
3. Erlebnispädagogik und Schlüsselkompetenzen an Schulen
Ziele im Kontext aktueller Schulentwicklung
3.1 Schlüsselkompetenzförderung durch Erlebnispädagogik im Kontext Schule
3.1.1 Gegensätze von Schule und Erlebnispädagogik
3.1.2 Chancen von Erlebnispädagogik und Schule
Jahrgangsstufe 5
Jahrgangsstufe 6
Jahrgangsstufe 7
Jahrgangsstufe 8
Jahrgangsstufe 9
Jahrgangsstufe 10
Jahrgangsstufe 11/12
3.1.3 Grenzen der modernen Erlebnispädagogik an Schulen
3.1.4 Lösungsansätze
3.2 Varianten und Beispiele erlebnispädagogischen Handelns in Bezug auf Schlüsselkompetenzförderung
3.2.1 Förderung personaler und sozialer Kompetenzen: Projektwoche „Starke Schüler starke Schule – wir lernen uns (selbst) kennen“
3.2.2 Förderung sozialer Kompetenzen: „Wir tauschen uns aus“. Ein Schüleraustausch an einem Gymnasium.
3.2.3 Förderung kognitiver und reflexiver Kompetenzen: „Eine Suchtprohylaxe-Woche an einem Gymnasium“
Fazit und perspektivisches Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Erlebnispädagogik als pädagogischen Ansatz zur Förderung von Schlüsselkompetenzen an bayerischen Gymnasien. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Erlebnispädagogik in den schulischen Kontext integriert werden kann, um den Anforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft und des modernen Arbeitsmarktes gerecht zu werden.
- Anforderungen an Schlüsselkompetenzen im 21. Jahrhundert
- Wissenschaftliche Fundierung der Erlebnispädagogik (Hirnforschung, Konstruktivismus, Identitätsforschung)
- Gegenüberstellung von Schule und Erlebnispädagogik
- Konkrete Implementierungsmöglichkeiten in den bayerischen Lehrplan
- Fallbeispiele für erlebnispädagogisches Handeln im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Über das Schulwissen hinaus
Wie man mit den genannten Herausforderungen bestmöglich umgeht und wie der Mensch seine Kompetenzen einsetzen soll, erfordert Fähigkeiten, die über das Schulwissen hinausgehen. Allein das Wiedergeben von angesammeltem Wissen genügt nicht, um komplexe Aufgaben in sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen konstruktiv zu lösen. Schlüsselkompetenzen setzen die Mobilisierung von kognitiven, praktischen und kreativen Fähigkeiten voraus. Darüber hinaus müssen psychosoziale Ressourcen wie Einstellung, Motivation und Wertevorstellungen geschult werden. Kognitive Fähigkeiten reichen nicht aus, um bspw. Teambuildingprozesse zu verstehen und umsetzten zu können, dies muss aktiv erlebt werden. Flexibilität, Eigenverantwortung, Innovationsfähigkeit, Kreativität, Selbstverantwortung und Eigenmotivation werden gefordert. Fähigkeiten, die nicht kognitiv mental durchdacht werden können, sondern erlebt und erfahren werden müssen. Kernstück bildet schließlich die Fähigkeit des selbstständigen Denkens als Ausdruck der Übernahme von Verantwortung des eigenen Lernens und Handelns. (DeSeCo, 2005). Schlüsselkompetenz bedeutet also „Können“ und nicht nur „Wissen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kompetenzen und die Anforderung des modernen Lebens: Analyse der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und Definition von Schlüsselkompetenzen durch OECD, EU und den bayerischen Lehrplan.
2. Erlebnispädagogik: Theoretische Grundlagen und pädagogisches Konzept der Erlebnispädagogik sowie deren Legitimation durch moderne Forschungsergebnisse.
3. Erlebnispädagogik und Schlüsselkompetenzen an Schulen: Untersuchung der Implementierung erlebnispädagogischer Methoden in den Schulalltag sowie Darstellung konkreter Praxisbeispiele.
Schlüsselwörter
Schlüsselkompetenzen, Erlebnispädagogik, Bayerisches Gymnasium, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Methodenkompetenz, Handlungsorientierung, Bildungsplan, Persönlichkeitsentwicklung, Lebenslanges Lernen, Konstruktivismus, Hirnforschung, Identitätsfindung, Schulentwicklung, Projektwoche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Erlebnispädagogik als pädagogisches Konzept dazu beitragen kann, notwendige Schlüsselkompetenzen bei Schülern an bayerischen Gymnasien zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der Kompetenzbegriff im Kontext moderner Anforderungen, die erlebnispädagogische Methodik sowie die Verknüpfung dieser Ansätze mit dem staatlichen bayerischen Lehrplan.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Begriff Schlüsselkompetenzen theoretisch zu klären und eine wissenschaftlich fundierte Perspektive zu entwickeln, die den Einsatz erlebnispädagogischer Maßnahmen zur Förderung dieser Kompetenzen an staatlichen Gymnasien legitimiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit herangezogen?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse, die Erkenntnisse aus der Hirnforschung, dem Konstruktivismus sowie der Jugend- und Identitätsforschung in Bezug auf erlebnispädagogische Konzepte auswertet.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Vordergrund?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einbettung der Erlebnispädagogik, die Gegenüberstellung von Schule und Erlebnispädagogik sowie die praktischen Lösungsansätze zur Implementierung im Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Schlüsselkompetenzen, Erlebnispädagogik, Handlungsorientierung, Selbstkompetenz und Schulentwicklung beschreiben.
Inwieweit unterscheidet sich der Ansatz der Erlebnispädagogik vom klassischen Schulunterricht?
Während klassischer Unterricht oft produkt- und wissensorientiert sowie lehrerzentriert agiert, setzt die Erlebnispädagogik auf einen ganzheitlichen, prozessorientierten und wachstumsorientierten Ansatz, bei dem der Schüler eigenverantwortlich handelt.
Welche konkreten Möglichkeiten der Umsetzung werden für Gymnasien vorgeschlagen?
Die Autorin schlägt vor, erlebnispädagogische Elemente nicht nur als isolierte Wandertage, sondern systematisch durch Projekte, Seminare, Kooperationsübungen und die Förderung von Reflexionsphasen in den Unterrichtsalltag zu integrieren.
Welche Rolle spielt der bayerische Lehrplan in diesem Zusammenhang?
Der Lehrplan wird als Ausgangspunkt betrachtet, der zwar bereits Freiräume und Kompetenzorientierung vorsieht, aber in der Praxis einer konsequenten, handlungsorientierten Ausgestaltung durch die Schulen noch bedarf.
Warum wird die Förderung der Sozial- und Selbstkompetenz als so dringlich erachtet?
Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, wie Globalisierung und komplexer werdender Lebenswelten, reichen rein kognitive Fachleistungen für ein erfolgreiches Leben nicht mehr aus; gefordert sind zunehmend soziale Reife und reflexive Fähigkeiten.
- Arbeit zitieren
- Naomi Erb (Autor:in), 2012, Schlüsselkompetenzen und Erlebnispädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196903