Diese im Zuge des Seminars „Chancengerechtigkeit beim Bildungserwerb“ entstandene Arbeit soll, nach einer Einführung in die Thematik, die oft synonym verwendeten Termini „Chancengleichheit“ und „Chancengerechtigkeit“ definieren und voneinander abgrenzen, denn, wie sich bald herausstellen wird, handelt es sich dabei nicht um dieselbe Bedeutung; Gleichheit entspricht bei näherer Betrachtung nämlich nicht zwingend Gerechtigkeit. Weiters soll ein Einblick in die vermeintliche Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich gegeben und darüber diskutiert werden, was sich seit den 60er Jahren, in welchen diese Begriffe erstmals Einzug in die allgemeine sowie in die bildungspolitische Diskussion gefunden haben, verändert hat.
In den Zeiten zunehmender Ungleichheit innerhalb der meisten Nationalstaaten, ein derzeitiger Tatbestand, erwächst das Bedürfnis nach einer gerechten Chancenverteilung. Chancenungleichheit im Bildungsbereich entsteht nicht nur zwischen Menschen mit bzw. ohne Migrationshintergrund, das Phänomen findet sich genauso innerhalb der Gruppe ohne Migrationshintergrund, wenngleich erstere Gruppe generell dennoch am stärksten davon betroffen ist. Unabhängig davon erweist sich das Phänomen der Chancenungleichheit jedoch meist in Zusammenhang von der Bildung der Eltern; Bildung oder Nicht-Bildung ist in unserer so genannten Wissensgesellschaft demzufolge vererblich – oder erblich belastet.
Um dem entgegenzuwirken, wurden bereits etliche Konzepte zur Chancengerechtigkeit entwickelt, jedoch spricht man trotzdem noch immer von einer Illusion der Chancengerechtigkeit, da unter den Schlüsselbegriffen Gleichberechtigung und der Chancengleichheit gleiche Ausgangsbedingungen im Bildungssystem geschaffen werden, was aber zu einer maskierten Form der Reproduktion der Ungleichheit führt, indem privilegierte Schüler durch den gleichen Wettbewerb unter Ungleichen profitieren.
Nach einer theoretischen Auseinandersetzung mit den Schlagworten Meritokratie und sozialer Lotterie, die in das Thema einführen, soll das aktuelle österreichische Bildungssystem kritisch beleuchtet und mit jenen erfolgreicheren verglichen werden, die dem Ziel der Chancengleichheit eher gerecht werden. Nachdem das Phänomen des Othering vorgestellt wird, werden die Unterschiede im Bildungserfolg von Migrationsanderen in Österreich aufgeschlüsselt und analysiert und schließlich sollen die bisher gesetzten Maßnahmen des Österreichischen Bildungssystems vorgestellt und bewertet werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Allgemeines
1.1. Das meritokratische Weltbild
1.2. Gleichheit und Gerechtigkeit
1.3. Die genetische und soziale Lotterie
2. Bildung und Chancengerechtigkeit
2.1. Ein theoretischer Lösungsansatz
2.2. Unterschiedliche Bildungssysteme – unterschiedliche Chancen
2.3. Othering als eine Konsequenz
2.4. Erklärungsansätze zur Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
2.4.1. individuelle Ebene
2.4.2. Gruppenebene
2.4.3. staatlich-institutionelle Ebene
3. Maßnahmen im österreichischen Bildungssystem
3.1. Allgemeines
3.2. Konkrete Maßnahmen in Bezug auf Mehrsprachigkeit an Schulen
3.2.1. Qualitätssicherung durch Bildungsstandards
3.2.2. Sprachförderung
3.2.3. Interkulturelles Lernen
3.3. Chancengleichheit als Resultat?
III. Schluss
Literatur
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit?
Chancengleichheit bezieht sich oft auf gleiche Ausgangsbedingungen, während Chancengerechtigkeit hinterfragt, ob diese Bedingungen tatsächlich zu fairen Ergebnissen führen oder bestehende soziale Ungleichheiten lediglich reproduzieren.
Warum wird Bildung in der Wissensgesellschaft als "vererbbar" bezeichnet?
Studien zeigen, dass der Bildungserfolg von Kindern in hohem Maße vom Bildungsstand und dem sozioökonomischen Hintergrund der Eltern abhängt, was zu einer sozialen Vererbung von Bildungschancen führt.
Was versteht man unter dem Begriff "Meritokratie"?
Meritokratie beschreibt ein System, in dem Status und Belohnung ausschließlich auf individueller Leistung basieren. Die Arbeit kritisiert dies als oft illusionär, da Startbedingungen nie völlig gleich sind.
Welche Rolle spielt "Othering" im Bildungsbereich?
Othering beschreibt die Abgrenzung und Markierung von Gruppen (z. B. Schülern mit Migrationshintergrund) als "anders", was zu Diskriminierung und geringerem Bildungserfolg führen kann.
Welche Maßnahmen im österreichischen Bildungssystem werden untersucht?
Die Arbeit beleuchtet Bildungsstandards zur Qualitätssicherung, gezielte Sprachförderung sowie Konzepte zum interkulturellen Lernen an Schulen.
- Quote paper
- Antje Schrammel (Author), 2012, Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit beim Bildungserwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/195872