Inwiefern ist es möglich und sinnvoll mit Kindern zu philosophieren? Die "Gewitternacht-Kartei" von Rainer Oberthür und Alois Mayer als praktisches Beispiel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Können Kinder wirklich philosophieren?
3. Philosophieren mit Bildern bzw. Bildkärtchen
4. Die „Gewitternacht-Kartei“
5. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Begründbarkeit sowie die praktische Umsetzbarkeit des Philosophierens mit Kindern. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, wie durch den Einsatz von Bildern und Bildkärtchen philosophische Reflexionsprozesse auch bei Kindern angeregt werden können, die noch nicht über ausgereifte begrifflich-argumentative Fähigkeiten verfügen.
- Philosophische Begründbarkeit des Philosophierens mit Kindern
- Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlichen Einwänden
- Erweiterung des Rationalitätsbegriffs durch symbolische Formen
- Methodik des anschaulichen Philosophierens
- Praktische Anwendung der „Gewitternacht-Kartei“
Auszug aus dem Buch
3. Philosophieren mit Bildern bzw. Bildkärtchen
„Bilder erschließen die Welt und bieten durch ihre mehrdeutigen Symbole viel Raum zum Philosophieren.“ Diese These von Brüning und Martens (eine Erweiterung eines Zitates von George Orwell) ist insofern nicht unproblematisch, da zwar in der Unterrichtspraxis des Philosophierens häufig Bilder oder andere anschauliche Materialien benutzt werden, diese Art des Philosophierens jedoch meist nur für jüngere oder vermeintlich denkschwache Schüler eingesetzt wird. „Richtiges“ Philosophieren habe dagegen aber in „rein abstrakter, prinzipienorientierter und begrifflich-argumentativer Weise“ stattzufinden. Dieser Streit darüber, wie man überhaupt philosophieren kann, soll hier jedoch nicht weiter beleuchtet werden, zumal Ansätze der gegensätzlichen Arten (begrifflich-argumentativ versus symbolistisch) schon im vorherigen Kapitel dargestellt wurden. Wichtig ist jedoch, dass man weder in der unreflektierten Anschauung von Bildern stecken bleibt, noch das man „verkopft“ ins Abstrakte abhebt.
Laut Martens gehört das Denken in Bildern „wesentlich zum anschaulichen, konkreten Philosophieren hinzu“. Es ist aber nicht immer eindeutig, ob dieses Denken nur Mittel oder auch Ausdruck philosophischen Denkens ist. Martens bietet daher drei Unterscheidungen an:
1. Das Denken über Bilder als bloße rezeptive Bildbetrachtung;
2. Bilder als äußeres Hilfsmittel für das Philosophieren, u.a. als Visualisierung in Form von Tafelbildern;
3. Bildliches Denken als anschauliches, kreatives Denken, das entweder als Denken in sprachlichen Bildern, Denken in visuellen Bildern oder als Deuten und Herstellen szenischer Bilder praktiziert werden kann.
Diese Unterscheidungen zeigen, dass das Denken in Bildern sowohl ein Unterrichtsmittel als auch Ausdruck philosophischen Denkens sein kann. Vor allem das szenisch-bildliche Denken, also das Deuten und Herstellen szenischer Bilder kann den Abschluss eines philosophischen Denkprozesses bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Philosophierens mit Kindern ein und stellt die leitende Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit vor.
2. Können Kinder wirklich philosophieren?: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit verschiedenen philosophischen, pädagogischen und entwicklungspsychologischen Einwänden gegen das Philosophieren mit Kindern auseinander.
3. Philosophieren mit Bildern bzw. Bildkärtchen: Hier wird der theoretische Rahmen für den Einsatz von Bildern und Bildkärtchen als methodisches Mittel zur Förderung philosophischer Reflexion erläutert.
4. Die „Gewitternacht-Kartei“: Das Kapitel stellt die „Gewitternacht-Kartei“ als konkretes exemplarisches Unterrichtsmaterial vor und beschreibt dessen methodische Anwendung.
5. Reflexion: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Relevanz und Möglichkeit eines frühen Philosophierens mit Kindern durch symbolistische Ansätze.
Schlüsselwörter
Philosophieren mit Kindern, Bildkärtchen, Gewitternacht-Kartei, symbolistische Philosophie, pädagogische Ansätze, Erkenntnistheorie, Bilddidaktik, philosophische Kompetenzen, Grundschule, Nachdenken, Reflexion, kindliches Denken, Unterrichtsmethode, Symbolik, rationale Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie Kinder bereits im Grundschulalter philosophieren können und welche methodischen Zugänge dabei sinnvoll sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Legitimierung des Philosophierens mit Kindern sowie auf die praktische Integration von Bildern und Bildkärtchen als philosophische Impulsgeber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nachweis zu erbringen, dass Philosophieren nicht zwingend an hochdifferenzierte, abstrakte Fähigkeiten gebunden ist, sondern durch den Einsatz symbolischer Formen kindgerecht gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine literaturbasierte Analyse bestehender philosophischer Positionen (u.a. von Martens, Nordhofen und Cassirer) und reflektiert diese im Kontext didaktischer Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Einwände gegen das Philosophieren mit Kindern entkräftet, darauf aufbauend methodische Zugänge zum bildgestützten Philosophieren definiert und schließlich die praktische Anwendung der „Gewitternacht-Kartei“ detailliert beschrieben.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Philosophieren mit Kindern, Bildkärtchen, symbolistisches Philosophieverständnis, didaktische Methoden und die Förderung kindlicher Reflexionsfähigkeit.
Was macht die „Gewitternacht-Kartei“ als Unterrichtsmaterial besonders?
Sie ermöglicht durch die Herauslösung der Bilder aus dem ursprünglichen Buchkontext eine eigenständige, assoziative Auseinandersetzung mit philosophischen Fragen, die Kinder direkt anspricht.
Warum wird im Text der „Mut zur Langsamkeit“ betont?
Die „Verlangsamung der Bildwahrnehmung“ ist notwendig, damit Kinder die Zeit finden, Details wahrzunehmen, eigene Assoziationen zu entwickeln und in einen tieferen Denkprozess einzusteigen.
- Quote paper
- Andreas Fuhrmanski (Author), 2010, Formen des Philosophierens mit Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193549