In dieser Arbeit soll geklärt werden ob es im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts schulischen Musikunterricht gab und wie er gestaltet wurde. Bei der Bearbeitung des Themas sollen nicht nur Fallbeispiele des Musikunterrichts, unterteilt nach einzelnen Schulformen, vorgestellt werden. Auch die zeitgenössische musikpädagogische Diskussion sowie staatliche Beschlüsse sollen hier erörtert werden. Von besonderem Interesse ist an dieser Stelle die Einschätzung der Aufgabe des Musikunterrichts seitens der Behörden und der Lehrer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lehrpläne zum Musikunterricht in Volks- und Mittelschulen – Anspruch und Wirklichkeit
2.1 Lernziele und Methodik
3. Lehrpläne für den Musikunterricht an Gymnasien
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Gestaltung, die theoretische Fundierung sowie die praktische Umsetzung des schulischen Musikunterrichts im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts unter Berücksichtigung bildungspolitischer Rahmenbedingungen und zeitgenössischer pädagogischer Diskussionen.
- Historische Entwicklung der Bildungsreformen und ihre Auswirkungen auf den Musikunterricht
- Anspruch und Realität der musikalischen Erziehung an Volks- und Mittelschulen
- Vergleichende Analyse verschiedener Lehrmethoden (z. B. Natorp, Zeller, Nägeli)
- Rolle des Gesangunterrichts zur Veredelung von Kirchengesang und Nationalbildung
- Organisation des Musikunterrichts an Gymnasien anhand ausgewählter Fallbeispiele
Auszug aus dem Buch
2. Lehrpläne zum Musikunterricht in Volks- und Mittelschulen – Anspruch und Wirklichkeit
Das Jahr 1809 war für den schulischen Musikunterricht von entscheidender Bedeutung, insbesondere die Bildungsreform von Friedrich Wilhelm Christian Karl Ferdinand Freiherr von Humboldt. Humboldt hatte Philosophie und Staatswissenschaft studiert und sich mit den Werken Kants, Goethes und Schillers befasst, seine Leidenschaft galt jedoch der Sprachwissenschaft. In den Jahren 1802-1808 vertrat er den preußischen Staat als Diplomat im Vatikan, bevor er, nach dem Zusammenbruch Preußens, 1909 als Sektionschef für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern nach Berlin berufen wurde. Zunächst führte er das dreiteilige Schulsystem bestehend aus Elementarschule, Neuhumanistischem Gymnasium und Universität ein. Die von Humboldt initiierte Bildungsreform, die das gesamte Unterrichtswesen der staatlichen Aufsicht unterstellte, verfolgte das Ziel, im zivilen Bereich ein eigenverantwortliches, hochqualifiziertes Personal heranzubilden.
In seiner Immediateingabe aus dem Jahre 1809 „Über geistliche Musik“ unterbreitete er Vorschläge „wie die Wirksamkeit der Musik auf den öffentlichen Gottesdienst und die Nationalbildung erhöht werden könne“. Weiter schrieb er:
„Da hier nicht von theoretischen Verbesserungen, sondern recht eigentlich von der Veredlung derjenigen Musik die Rede ist, die man, weil sie vor Versammlungen aus allen Ständen und unter der Autorität des Staats ausgeübt wird, die öffentliche nennen kann; so kommt alles allein auf die Bildung einer richtigen Schule an, damit der Grund gelegt werde, dass das Volk, wo es jetzt bereits Musik hört, häufiger gute ausgeführt vernehme, selbst nach richtig erlangter Fertigkeit mit darin einstimme und den Eindruck, wenn nicht gleich rein und voll, wenigstens doch mit nicht allzu ungeübten Sinnen nicht allzu dürftig und fehlerhaft empfange.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung, ob und wie schulischer Musikunterricht im frühen 19. Jahrhundert existierte und gestaltet wurde, unter Einbeziehung zeitgenössischer pädagogischer Diskurse und behördlicher Vorgaben.
2. Lehrpläne zum Musikunterricht in Volks- und Mittelschulen – Anspruch und Wirklichkeit: Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung der Humboldtschen Bildungsreform und die darauffolgenden Bemühungen von Pädagogen wie Natorp, Zeller und Nägeli, den Gesangunterricht durch spezifische Lehrmethoden zu systematisieren und religiös-sittlich zu begründen.
2.1 Lernziele und Methodik: Hier werden die unterschiedlichen Ansätze zur Vermittlung musikalischer Fertigkeiten sowie der intensive Methodenstreit unter Pädagogen und Beamten bezüglich der Effizienz verschiedener Lehransätze analysiert.
3. Lehrpläne für den Musikunterricht an Gymnasien: Dieses Kapitel zeigt auf, dass der Musikunterricht an Gymnasien ab 1813 zum Pflichtfach wurde, die inhaltliche Ausgestaltung jedoch stark variierte und oft den einzelnen Institutionen überlassen blieb.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass der Musikunterricht im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts primär als Gesangunterricht zur Veredelung der Kirchenmusik konzipiert war und eine Vereinheitlichung aufgrund interner methodischer Streitigkeiten nur schleppend vorankam.
Schlüsselwörter
Musikunterricht, 19. Jahrhundert, Gesangunterricht, Lehrpläne, Humboldt, Pädagogik, Natorp, Zeller, Nägeli, Kirchenmusik, Elementarschule, Bildungsreform, Solmisation, Schulmusik, Musikdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation und der Gestaltung des schulischen Musikunterrichts in Deutschland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die bildungspolitischen Rahmenbedingungen, die Rolle des Gesangs als Erziehungsmittel sowie die methodischen Debatten zwischen einflussreichen Pädagogen der Epoche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit klärt, in welcher Form Musikunterricht stattfand, welche Lernziele verfolgt wurden und inwiefern staatliche Bemühungen zur Vereinheitlichung der Inhalte erfolgreich waren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten, Zirkularien, Lehrplänen und fachpädagogischen Schriften basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Entwicklungen an Volks- und Mittelschulen unter besonderer Berücksichtigung der Lehrmethoden von Natorp, Zeller und Nägeli sowie eine Betrachtung der Situation an Gymnasien.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Musikpädagogik, Elementargesang, Reformbestrebungen, Lehrplanentwicklung und die Veredelung des Kirchengesangs.
Warum stand der Gesangunterricht so stark im Zentrum der damaligen Bemühungen?
Gesang wurde als ein besonders geeignetes Medium angesehen, um religiöse, sittliche und nationale Identität zu formen sowie als Mittel gegen die „Rohheit“ der Bevölkerung eingesetzt.
Welche Bedeutung hatte der Methodenstreit (z.B. Eitzsche Methode vs. Tonika-Do) für die Schulpraxis?
Der methodische Streit führte zu einer großen Verunsicherung unter den Lehrkräften, da keine einheitliche Linie gefunden werden konnte und die theoretisch anspruchsvollen Konzepte oft an der schulischen Realität scheiterten.
- Arbeit zitieren
- MA Guido Maiwald (Autor:in), 2005, Schulischer Musikunterricht im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191935