Die von der OECD ausgegebenen (nicht bindenden) globalen Verhaltensrichtlinien für multinationale Unternehmen (TNCs) werden vor dem Hintergrund normativer Anforderungen, die sich aus dem Phänomen der Globalisierung ergeben, erläutert und diskutiert. Im Hintergrund stehen u.a. der Menschenrechts- und Umweltschutz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff des multinationalen Unternehmens
3. Multinationale Unternehmen im Internationalen Recht
3.1. Anforderungen an das Internationale Recht
3.2. Umsetzungsmöglichkeiten der Anforderungen
4. Die OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen
5. Kritik an den OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen
6. Schluss
7. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen (MNU) den rechtlichen Anforderungen gerecht werden, die durch die zunehmende Globalisierung und die wachsende Macht multinationaler Konzerne an das internationale Rechtssystem gestellt werden. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das bestehende System des Internationalen Rechts angepasst werden muss, um den neuen globalen Akteuren regulatorisch begegnen zu können.
- Analyse der Rolle multinationaler Unternehmen in der globalisierten Weltwirtschaft.
- Untersuchung der Anforderungen an das internationale Recht in Bezug auf Arbeits-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards.
- Bewertung der OECD-Richtlinien hinsichtlich ihrer Struktur, Reichweite und rechtlichen Bindungswirkung.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Unterwerfung der Richtlinien unter nationales Recht.
- Diskussion über die Notwendigkeit einer globalen, völkerrechtlichen Lösung zur Regulierung privater Wirtschaftsakteure.
Auszug aus dem Buch
3. Multinationale Unternehmen im Internationalen Recht
Durch die im vorherigen Abschnitt im Ansatz geschilderte Rolle der MNU in der heutigen Wirtschaftswelt ergeben sich Probleme, aus denen sich Anforderungen in Form von Regulierungsbedürfnissen an das internationale Recht formulieren lassen. In Bezug auf die weltwirtschaftliche Entwicklung stellt Andersen generell eine „Steuerungslücke im Weltwirtschaftssystem“ (1995: 475) fest und fordert, „den Ordnungsrahmen einer sozialen, ökologisch verträglichen Marktwirtschaft auch auf der internationalen Ebene zu verankern“ (475).
Es werden tatsächlich erhebliche Probleme ersichtlich, wenn zwei Prinzipien als erstrebenswert erachtet werden: Die globale Verbreitung umfassender Individualrechte und das Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens, also die Gewährleistung eines Wirtschaftens, das anstrebt, für nachfolgende Generationen eine möglichst intakte Umwelt und eine befriedete Welt zu hinterlassen.
Diese Prinzipien sind nicht die Ziele einer marktwirtschaftlich orientierten Weltwirtschaft, ihr Ziel ist die Profitmaximierung. Deshalb bedarf es einer politischen Kontrolle und Korrektur eines ansonsten frei entfalteten Kapitalismus, um Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Menschenrechten zu erreichen. Eine rein profitorientierte Marktwirtschaft hat unter Umständen mehr Nutzen als Schaden von Umweltzerstörung (z. B. durch Tropenholzgewinnung, Ölförderung), Missachtung von Individualrechten (z. B. durch Kinderarbeit, Sieben-Tage-Woche) und im Einzelfall sogar von Kriegszuständen (z. B. durch Waffengeschäfte, Handel mit extrem verknappten Gütern); für das Überleben und den Fortschritt der Menschheit verhält es sich allerdings genau umgekehrt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der multinationalen Unternehmen innerhalb der globalisierten Wirtschaft ein und definiert das Ziel, die Eignung der OECD-Richtlinien zur rechtlichen Steuerung dieser Akteure zu prüfen.
2. Der Begriff des multinationalen Unternehmens: In diesem Kapitel wird der Begriff des multinationalen Unternehmens definiert, wobei die ökonomische Macht und die globale Steuerungsstruktur der Konzerne hervorgehoben werden.
3. Multinationale Unternehmen im Internationalen Recht: Das Kapitel beleuchtet die Schwierigkeit, MNU durch nationales Recht zu regulieren und fordert eine Ausweitung auf das internationale Rechtssystem.
3.1. Anforderungen an das Internationale Recht: Hier werden die spezifischen regulatorischen Bedarfe, insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte und ökologische Standards, detailliert hergeleitet.
3.2. Umsetzungsmöglichkeiten der Anforderungen: Dieses Unterkapitel diskutiert die Unterscheidung zwischen Völkerrecht und internationalem Privatrecht sowie die Eignung beider Systeme zur Regulierung der MNU.
4. Die OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen: Das Kapitel stellt die OECD-Richtlinien als wichtigstes, wenn auch nicht rechtlich bindendes Instrument ("soft law") vor.
5. Kritik an den OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen: Die Kritik fokussiert sich auf die begrenzte Reichweite und die Unverbindlichkeit der Richtlinien, die den globalen Herausforderungen nur bedingt gewachsen sind.
6. Schluss: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass ein reformiertes, globales Völkerrecht langfristig notwendig ist, um die Aktivitäten multinationaler Unternehmen wirksam zu regulieren.
7. Literatur: Das Kapitel listet die verwendeten Monographien, Lexika und Primärquellen auf.
Schlüsselwörter
Multinationale Unternehmen, Globalisierung, Internationales Recht, OECD-Richtlinien, Soft Law, Völkerrecht, internationales Privatrecht, Weltwirtschaftssystem, Unternehmensverantwortung, Arbeitsstandards, Umweltschutz, Standortwahl, Direktinvestitionen, globale Steuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rechtliche Herausforderung, die von multinationalen Unternehmen in einer globalisierten Welt ausgeht, und prüft, ob die OECD-Richtlinien hierfür eine ausreichende Antwort bieten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomische Globalisierung, die Schwäche nationalstaatlicher Regulierung gegenüber global agierenden Konzernen sowie die Anwendbarkeit völkerrechtlicher Normen auf private Wirtschaftsakteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob die OECD-Richtlinien als Instrument ausreichen, um die globalen Aktivitäten von MNU nachhaltig zu normieren und ob eine Reform des internationalen Rechtssystems hin zu einem globalen Rechtsüberbau erforderlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und rechtstheoretische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, internationalen Rechtsnormen und OECD-Dokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition multinationaler Unternehmen, den Grenzen des nationalen Rechts bei deren Kontrolle, der detaillierten Analyse der OECD-Richtlinien und einer abschließenden Kritik an deren begrenzter Wirksamkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind multinationale Unternehmen, globale Rechtslücke, OECD-Richtlinien, Völkerrechtssubjektivität und Soft Law.
Warum ist die Reichweite der OECD-Richtlinien ein Kritikpunkt?
Die Richtlinien gelten primär innerhalb der OECD-Mitgliedstaaten, während viele globale Herausforderungen gerade die politisch schwächeren Entwicklungsländer betreffen, die nicht in den Geltungsbereich der OECD-Regulierungen fallen.
Welche Bedeutung hat das "Soft Law" im Kontext dieser Untersuchung?
Die OECD-Richtlinien sind rechtlich nicht bindend. Die Arbeit diskutiert, ob dieser "weiche" Charakter ausreicht, um ein tatsächliches, verbindliches Unternehmensverhalten zu erzwingen, oder ob dadurch die gewünschte Steuerungswirkung ausbleibt.
- Arbeit zitieren
- Frank Stadelmaier (Autor:in), 2001, Die OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen im Kontext rechtlicher Anforderungen durch die globalisierte Weltwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/19161