[...] Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, in einer 7. Klasse (Gymnasium) zu untersuchen, inwiefern
das LTB als Förderkonzept die Vorgaben des Gütesiegels umsetzen und erfüllen kann. Es soll
herausgefunden werden, ob mit seiner Hilfe individuelle Lernprozesse und -strategien diagnostiziert
werden und aus dieser Diagnose unter Berücksichtigung kognitiver Fähigkeiten und
fächerübergreifender Kompetenzen Fördermaßnahmen in den Lernebenen entwickelt werden
können (MSW 2008, S.4). Darüber hinaus soll geprüft werden, inwieweit das LTB in einer fächerübergreifenden Konzeption Anlass für den im Gütesiegel geforderten Ausbau der kollegialen
Kooperation (Team-Arbeit) gibt (ebd. S.5) (vgl. Abb. 1). Das Ergebnis dieser Arbeit
findet Eingang in die Weiterentwicklung des schulinternen Konzeptes der individuellen Förderung
am kommenden Pädagogischen Tag. Bei der Planung, Durchführung und Überprüfung
des Konzepts wurden vorwiegend die Lehrerfunktionen Diagnostizieren und Beraten sowie
Evaluieren, Innovieren, Kooperieren und Organisieren erfüllt.
In der vorliegenden Arbeit erfolgt zunächst eine Beschreibung der Theorie von LTB vor dem
Hintergrund des selbstgesteuerten Lernens und der individuellen Förderung. Ausgehend von
den theoretischen Grundlagen ergibt sich die Konzeption des LTB. Zu Beginn der Durchführung
werden die Vorbereitung des Projekts und die Einführung in die Reflexionsfähigkeit und
Selbstwahrnehmung der SuS dargestellt. Bei der Beschreibung der Durchführung beschränke
ich mich auf einzelne Beispiele aus Büchern verschiedener SuS, um dann anhand der LTB
dreier SuS Diagnose und Förderung der drei Kompetenzbereiche darzustellen. In einer abschließenden
Betrachtung wird das Projekt reflektiert und evaluiert, indem Möglichkeiten und
Grenzen des LTB-Schreibens aufgezeigt und mögliche Vorschläge zur Verbesserung gemacht
werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lerntagebücher und individuelle Förderung
2.1. Selbstgesteuertes Lernen
2.2. Das LTB
2.3 Individuelle Förderung
2.4 Diagnostizieren und Kooperieren im Rahmen individueller Förderung
3. Konzeption des Vorhabens
3.1 Fachübergreifende Konzeption
3.2 Das LTB-Schreiben als dialogischer Schreibprozess
3.3 Gestaltung und Aufbau des LTB
3.3.1 Form und Struktur
4. Durchführung des Konzepts
4.1 Angaben zur Lerngruppe
4.2 Schülerinnen-und-Schüler- und Eltern-integrierende Vorbereitungsphase
4.3 Kooperation mit den am Projekt beteiligten Lehrpersonen
4.4 Phase der Durchführung
4.4.1 Planung von Unterricht: zwei Beispiele
4.4.2 Erste Auswertung nach zwei Wochen
4.4.3 Diagnose und Förderung fachlich-inhaltlicher, sozialer und persönlicher Kompetenzen am Beispiel dreier ausgewählter LTB
4.4.3.1 Schülerin A
4.4.3.2 Schülerin B
4.4.3.3 Schüler C
5. Reflexion des Konzepts und der Durchführung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Lerntagebüchern (LTB) als Instrument zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern an einem Gymnasium. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob ein LTB, das als dialogischer Schreibprozess in einem fächerübergreifenden Kontext eingesetzt wird, die Vorgaben für individuelle Förderung erfüllen kann, diagnostische Erkenntnisse über Lernprozesse liefert und die kollegiale Kooperation unter Lehrkräften fördert.
- Einsatz von Lerntagebüchern als Diagnose- und Reflexionsinstrument
- Umsetzung individueller Förderung im Rahmen von Unterrichtsvorhaben
- Dialogische Schreibprozesse zwischen Lehrkräften und Schülern
- Fächerübergreifende Konzepte und kollegiale Team-Arbeit
- Förderung der Selbstregulationskompetenz bei Schülerinnen und Schülern
Auszug aus dem Buch
3.2 Das LTB-Schreiben als dialogischer Schreibprozess
Schreiben unterstützt die Reflexion des Lernprozesses, weil die SuS in den Dialog mit sich selbst treten. Es wird als Werkzeug zur Erkenntnisgewinnung verstanden, auf deren Basis Hilfe zur Klärung von Sachverhalten genutzt werden kann. Durch das Schreiben werden Inhalte und Erfahrungen aufgerufen und in eine bestimmte Form gebracht und geprüft (WINTER, S.264). Der Schreibprozess wird als aktiver Prozess des Wissenserwerbs und Denk- und Lernwerkzeug so eingesetzt, dass er implizites Wissen explizit macht und so dem Bewusstsein reflexiv verfügbar wird (HÜBNER et al., S.121). Es kommt daher nicht auf die Qualität des Geschriebenen, sondern auf den Schreibprozess selbst und seine Funktion an. Das Schreiben ist weder Produkt orientiert, noch zielt es auf die Wiedergabe von Informationen in vorgeschriebenen Textformaten ab und seine Dynamik ist geprägt von der individuellen Persönlichkeit des Schreibenden.
Damit die Lernprozesse von den beteiligten Lehrkräften diagnostiziert und individuell gefördert werden können, wurde der Schreibprozess dialogisch angelegt. So wird das LTB-Schreiben zum Kommunikationsmittel: Die SuS teilen ihre Gedanken mit, und die Lehrkräfte lesen ihre Eintragungen und antworten darauf im LTB, indem sie Sachverhalte aufnehmen und kommentierten und zur Auseinandersetzungen anregen. Beim dialogischen Lehren und Lernen bzw. Schreiben ist die Sprache des Verstehens zentral (SEILER et al., S. 74ff): Die SuS schildern ihre Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und den Lernbedingungen, und die Lehrkräfte lernen kognitive, metakognitive und motivational-emotionale Voraussetzungen und Prozesse der SuS verstehen. Wenn SuS „die Verunsicherung spüren, sie zugeben und zulassen und dabei einen Ort suchen, wo man Tritt fassen und ihr standzuhalten vermag, das ist es, worauf es in der ersten Phase des Lernens ankommt“ (MÜLLER, S.25). Solch ein Ort ist das LTB; das Trittfassen und die Standfestigkeit vermag die Lehrperson durch ihre Eintragungen zu fördern. Es geht in der Auseinandersetzung der Lehrkräfte mit dem LTB darum, wahrzunehmen und zu verstehen versuchen, wie SuS gedacht, gelernt und empfunden haben; auf dieser Basis wird von den Lehrkräften Rückmeldung gegeben, was sie verstanden haben, sie legen ihre persönlichen Sichtweisen dar, stellen Fragen, ermutigen oder verweisen auf Sachverhalte, mit denen sich die SuS auseinander setzen sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung individueller Förderung im Schulkontext und führt das Lerntagebuch als mögliches Instrument zur Lernbegleitung und Diagnose ein.
2. Lerntagebücher und individuelle Förderung: Dieser Abschnitt fundiert das selbstgesteuerte Lernen theoretisch und definiert das Lerntagebuch als Monitoring-Instrument für Lernprozesse.
3. Konzeption des Vorhabens: Hier werden das fächerübergreifende Design des Projekts sowie der dialogische Charakter des Schreibens im Lerntagebuch konzeptionell begründet.
4. Durchführung des Konzepts: Dieser umfangreiche Hauptteil dokumentiert die praktische Umsetzung in der Klasse, die Rolle der Lerngruppe sowie die diagnostischen Auswertungen anhand von Fallbeispielen.
5. Reflexion des Konzepts und der Durchführung: Das Fazit bewertet den Projekterfolg kritisch, reflektiert methodische Grenzen und gibt Empfehlungen für eine zukünftige Implementierung.
Schlüsselwörter
Individuelle Förderung, Lerntagebuch, LTB, Selbstgesteuertes Lernen, SGL, Prozessdiagnostik, Dialogisches Schreiben, Reflexion, Metakognition, Kooperatives Lernen, Schulentwicklung, Unterrichtsqualität, Lernprozessbegleitung, Schülerorientierung, Kompetenzentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den praktischen Einsatz von Lerntagebüchern als Instrument zur individuellen Förderung in einer 7. Gymnasialklasse, um Lernprozesse besser diagnostizieren und begleiten zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind das selbstgesteuerte Lernen, die pädagogische Diagnose von Lernvoraussetzungen, die individuelle Förderung nach den Vorgaben des Gütesiegels NRW sowie die Kooperation zwischen Lehrkräften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern das Lerntagebuch dabei hilft, individuelle Lernprozesse zu diagnostizieren und darauf aufbauend wirksame Fördermaßnahmen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Untersuchung, bei der das Lerntagebuch als Diagnoseinstrument in vier verschiedenen Fächern eingesetzt wurde. Die Analyse erfolgt exemplarisch anhand der Lerntagebücher dreier ausgewählter Schülerinnen und Schüler.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt die Vorbereitung der Lerngruppe, die Einführung der Lerntagebücher, die Kooperation der Lehrkräfte sowie die konkrete Durchführung und Auswertung anhand von Fallbeispielen (Schülerin A, Schülerin B, Schüler C).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Individuelle Förderung, Lerntagebuch, selbstgesteuertes Lernen, Prozessdiagnostik und dialogisches Schreiben sind die wesentlichen Begriffe, die den theoretischen und praktischen Rahmen abstecken.
Warum ist die fächerübergreifende Konzeption so wichtig?
Sie ermöglicht es, den Lernenden ganzheitlicher zu betrachten und fördert die Kooperation innerhalb des Lehrerkollegiums, da Einblicke in verschiedene Lernbereiche und soziale Kompetenzen möglich werden.
Welche Erkenntnisse lassen sich aus den Fallbeispielen gewinnen?
Die Fallbeispiele zeigen, dass das Lerntagebuch sowohl für Schüler mit Schwierigkeiten als auch für ehrgeizige Lerner hilfreich ist, um Lernstärken und -blockaden zu identifizieren und den Schreibdialog zur individuellen Beratung zu nutzen.
- Arbeit zitieren
- Lars Berghaus (Autor:in), 2009, Bietet sich das Lerntagebuch im Rahmen der individuellen Förderung als Methode der Lerndiagnose und der individuellen Förderung an?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189139