„Überhaupt lernt niemand etwas durch bloßes Anhören, und wer sich in gewissen Dingen nicht selbst tätig bemüht, weiß die Sache nur oberflächlich.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Das Konzept des Entdeckenden Lernens, das in den 1970er Jahren im Zuge der Reformbemühungen gefordert wurde, knüpft an ältere erziehungswissenschaftliche Ideen an (z.B. Dewey) und überschneidet sich mit anderen pädagogischen Begriffen, wie etwa Roths „originaler Begegnung“.
Das Entdeckende Lernen fordert den Lerner heraus, sich eigenständig mit einem Thema auseinander zu setzen: So soll er selbständig Problemstellungen erkennen, Fragen entwickeln, Hypothesen bilden, Lösungswege und Erklärungen konzipieren, Antworten formulieren und diese vor Anderen präsentieren.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Entdeckenden Lernen im Geschichtsunterricht, wobei insbesondere die Umsetzung dieses Konzeptes im Archiv betrachtet werden soll. Dazu wird in einem ersten Abschnitt zunächst das Konzept des Entdeckenden Lernens näher betrachtet, während im zweiten Abschnitt das Archiv als außerschulischer Lernort im Vordergrund steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entdeckendes Lernen
2.1 Das Konzept des Entdeckenden Lernens
2.2 Vor- und Nachteile des Entdeckenden Lernens
2.3 Entdeckendes Lernen und (Geschichts-)Unterricht
2.3 Entdeckenden Lernen – Ein Lernprozess
2.4 Entdeckendes Lernen in der Praxis des Geschichtsunterrichts
- „Wie bringe ich meine Schüler dazu, Fragen an die Geschichte zu stellen?“
3. Entdeckendes Lernen im Archiv
3.1 Das Archiv als außerschulischer Lernort
3.2 Ziele der Archivarbeit
3.3 Vom „Unterricht im Archiv“ zur „Forschung im Archiv“
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept des Entdeckenden Lernens im Kontext des Geschichtsunterrichts, mit einem besonderen Fokus auf die praktische Umsetzung im Archiv als außerschulischem Lernort. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schüler durch eigenständige Auseinandersetzung mit Originalquellen zu einer tieferen historischen Erkenntnis gelangen und welche methodischen Möglichkeiten sowie Herausforderungen dabei für Lehrkräfte entstehen.
- Grundlagen und Lernprozess des Entdeckenden Lernens
- Herausforderungen und didaktische Chancen im Geschichtsunterricht
- Funktion des Archivs als authentischer Lernort
- Methoden der Archivarbeit für Schüler
- Praktische Implementierung: Vom „Unterricht im Archiv“ zur „Forschung im Archiv“
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Archiv als außerschulischer Lernort
Das „Archiv ist eine Einrichtung, bestimmt zur planmäßigen Erfassung, Ordnung, Verwahrung, Verwaltung und Verwertung des bei einer juristischen oder physischen Person oder einem sonstigen rechtlich geschlossenen Interessenkreis entstandenen Schriftgutes, Bild- oder Tonschriftgutes, welches für den laufenden, d.h. öfters wiederkehrenden Geschäftsverkehr entbehrlich ist, aber mit Rücksicht auf seine wissenschaftliche, politische, rechtliche, wirtschaftliche oder technische Beweiserheblichkeit oder seinen allgemeinen kulturellen Wert als dauernd aufbewahrungswürdig erscheint.“
Das Archiv ist im Gegensatz zu anderen außerschulischen Lernorten, wie etwa das Museum, das sich mit Ausstellungen an die Öffentlichkeit wendet, von seinem Ursprung her nicht primär für die Öffentlichkeit angelegt, sondern zu rechtlichen Nachweiszwecken. Dass Archive für die Öffentlichkeit zugänglich sind, war lange keine Selbstverständlichkeit. Als Schlüsseldatum zu nennen ist der 25.6.1794, an dem in Paris im Rahmen der Revolution die Öffnung der Archive für die Bürger garantiert wurde. In den anderen europäischen Ländern verging allerdings noch gut ein Jahrhundert, bis die öffentliche Nutzung von Archiven rechtlich zugesichert wurde. In der Bundesrepublik Deutschland gab es lange Zeit kein Archivgesetz, dass das Recht auf den Zugang zu Archiven festschrieb, man konnte sich lediglich auf Artikel 5 des Grundgesetzes berufen, der „Informationsfreiheit“ zusicherte. Erst 1987 wurde für die Länder, 1988 für den Bund, ein Archivgesetz erlassen. Das Gesetz über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen vom 16. Mai 1989 besagt:
„Archivgut kann nach Ablauf der Sperrfristen gemäß Absatz 2 nutzen, wer ein berechtigtes Interesse an der Nutzung glaubhaft macht. Ein berechtigtes Interesse ist insbesondere gegeben, wenn die Nutzung zu amtlichen, wissenschaftlichen oder publizistischen Zwecken oder zur Wahrnehmung von persönlichen Belangen begehrt wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Konzept des Entdeckenden Lernens und skizziert die methodische Anlage der Arbeit, die den Prozess des historischen Lernens im Archiv beleuchtet.
2. Entdeckendes Lernen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, Vor- und Nachteile sowie den idealtypischen achtstufigen Lernprozess des Entdeckenden Lernens im Geschichtsunterricht.
3. Entdeckendes Lernen im Archiv: Hier wird das Archiv als außerschulischer Lernort analysiert, wobei Ziele, Methoden und die schrittweise Einführung von Schülern in die Archivarbeit im Mittelpunkt stehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Archivarbeit trotz des hohen Zeitaufwands ein gewinnbringendes Instrument zur Förderung individueller Lernwege und historischer Kompetenzen darstellt.
Schlüsselwörter
Entdeckendes Lernen, Geschichtsunterricht, Archivarbeit, außerschulischer Lernort, Quellenarbeit, historische Kompetenz, Handlungsorientierung, rekonstruktives Lernen, Schülerwettbewerb, Archivpädagogik, Methodenkompetenz, Historizität, Originalquellen, schülerzentrierter Unterricht, Geschichtsbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des entdeckenden Lernens im Geschichtsunterricht und untersucht insbesondere, wie Archive als außerschulische Lernorte genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des entdeckenden Lernens, die Besonderheiten historischen Lernens, die Funktion und Nutzung von Archiven sowie die praktischen Anforderungen an Lehrer und Schüler.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie entdeckendes Lernen schrittweise in die schulische Praxis implementiert werden kann, um Schülern durch die Arbeit mit Originalquellen einen authentischen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche basiert und bestehende Konzepte der Geschichtsdidaktik kritisch auf die Archivarbeit überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das entdeckende Lernen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Archivarbeit, inklusive der schrittweisen Hinführung der Schüler zum eigenständigen Forschen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind entdeckendes Lernen, Archivarbeit, Geschichtsunterricht, Quellenkompetenz und Handlungsorientierung.
Welche Rolle spielt die Lokalgeschichte bei der Archivarbeit?
Die Lokalgeschichte wird als besonders geeignet hervorgehoben, da sie eine räumliche und zeitliche Nähe zum Lebensbereich der Schüler schafft und die Recherche durch eine überschaubare Quellenlage erleichtert.
Was unterscheidet das "freies Entdecken" vom "Unterricht im Archiv"?
Während der "Unterricht im Archiv" stärker durch den Lehrer strukturiert und vorab ausgewählt ist, zeichnet sich das "freie Entdecken" durch ein höheres Maß an Autonomie der Schüler aus, bei dem eigene Fragen und Hypothesen im Vordergrund stehen.
- Arbeit zitieren
- Katharina Beyer (Autor:in), 2011, Entdeckendes Lernen im Archiv, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187074