Einleitung
Staatszerfall ist ein Phänomen, das im Zusammenhang mit vielen Ländern Subsahara-Afrikas wissenschaftlich diskutiert wird. m Verlauf dieser Hausarbeit soll dieser Prozess vom
funktionierenden Staat über Staatsversagen und Staatsverfall bis hin zum Endstadium, eben dem Staatszerfall, kurz skizziert werden. Auch die Ursachendiskussion wird daraufhin hier aufgegriffen, jedoch mit dem Ziel der Kontroverse die zwei Kategorien strukturelle Ursachen einerseits und Verstärker andererseits an die Hand zu geben.
Im zweiten Teil der Arbeit soll dann untersucht werden, ob sich ein Zusammenhang zwischen dem Zerfallsstadium der einzelnen Staaten und ihrer wirtschaftlichen Diversifizierung vermuten lässt. Kurz gesagt: Sind Staaten, deren BIP sich aus Umsätzen vieler unterschiedlicher Wirtschaftszweige und mehrerer Produktionsstufen bei der Verarbeitung im Inland abgebauter Rohstoffe zusammensetzt, weniger vom Staatszerfall, betroffen als die, deren Ökonomie maßgeblich von einem oder sehr wenigen Produkten und Produktionszweigen abhängig ist?
Es soll und kann jedoch im Rahmen dieser Arbeit keine abschließende Untersuchung über kausale Zusammenhänge geleistet werden. Vielmehr soll deutlich gemacht werden, dass in der politikwissenschaftlichen Diskussion um den maladen Staat in Subsahara-Afrika auch wirtschaftliche Zusammenhänge eine höhere Aufmerksamkeit verdienen könnten.
Am Rande wird auch ein Thema dieser Arbeit sein, ob die Verwendung der Begrifflichkeit „Staatszerfall“ für die Entwicklungen in Subsahara-Afrika überhaupt zweckmäßig ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Staatszerfall – was ist das?
2. Ursachen – diskutiert und kategorisiert
Verstärker
strukturelle Ursachen
3. Staatszerfall und Volkswirtschaft – eine (kleine) Metaanalyse
Afrikas schwächste und stabilste Staaten
Monokulturen – Staatlichkeit – Wachstum
Spurensuche im African Economic Outlook
Diversifizierung der Volkswirtschaften
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Diversifizierung und der Stabilität staatlicher Institutionen in Subsahara-Afrika, wobei der Fokus auf der Frage liegt, ob eine breitere ökonomische Aufstellung Staatszerfallsprozesse abmildern kann.
- Analyse von Staatszerfallsprozessen und deren theoretischer Einordnung.
- Unterscheidung zwischen strukturellen Ursachen und Verstärkern von Staatsversagen.
- Metaanalyse wirtschaftlicher Daten im Kontext staatlicher Stabilität.
- Evaluation von Diversifizierung als Faktor für Good Governance.
- Kritische Betrachtung neopatrimonialer Herrschaftsstrukturen.
Auszug aus dem Buch
3. Staatszerfall und Volkswirtschaft – eine (kleine) Metaanalyse
Um oben angeführte Hypothese zu überprüfen ist es zunächst notwendig, sowohl die am meisten von Zerfall betroffenen Staaten zu identifizieren, als auch deren Gegenstück, die afrikanischen Staaten mit den geringsten staatlichen Defiziten.
Dabei soll es vorrangig darum gehen, diejenigen zu bestimmen, die in Bezug auf ihre staatlichen Kernfunktionen defizitär sind. Die Aufstellung der Failed States von Fund for Peace und Foreign Policy eignet sich dafür jedoch nur relativ bedingt, weil die dabei ausgewerteten Kriterien sich nicht auf die Kernfunktionen von Staatlichkeit beschränken.41
Die wesentlichen Staatsfunktionen misst hingegen die Weltbank im Rahmen ihres „Governance Matters“ Projektes: Political Stability and Absence of Violence/Terrorism kann als Indikator für ein intaktes Gewaltmonopol betrachtet werden, Government effectiveness beschreibt, inwieweit der Staat seine öffentlichen Aufgaben wahrnimmt, Regulatory Quality und Rule of Law lassen erkennen, wie effizient staatliche Bürokratie ist und als wie zuverlässig das Rechtssystem gilt. Mit Control of Corruption ist zusätzlich ein Hinweis darauf gegeben, ob die staatliche Verwaltung starke Tendenzen zu neopatrimoniale Strukturen aufweist. Lediglich der Punkt Voice and Accountability, ein Instrument zur Messung demokratischer Strukturen, kann in diesem Kontext vernachlässigt werden, da es zumindest als umstritten gelten muss, ob nur Demokratien funktionierende Staaten sein können.42
Im Ergebnis macht es jedoch ohnehin kaum einen Unterschied, ob man den Failed States Index oder die WGI der Weltbank heranzieht, da die schwächsten afrikanischen Staaten jeweils die gleichen sind: Somalia, Tschad, Sudan, die Demokratische Republik Kongo und Simbabwe.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert den Prozess des Staatszerfalls und führt die Forschungsfrage ein, ob wirtschaftliche Diversifizierung die Stabilität von Staaten in Subsahara-Afrika positiv beeinflussen kann.
1. Staatszerfall – was ist das?: Dieses Kapitel definiert den Begriff Staatszerfall und erläutert anhand der „apokalyptischen Trias“ von Gero Erdmann die verschiedenen Stadien von Staatsversagen bis zum Staatszerfall.
2. Ursachen – diskutiert und kategorisiert: Hier werden die Ursachen des Staatszerfalls in strukturelle Faktoren und Verstärker unterteilt, wobei insbesondere neopatrimoniale Strukturen als Kernursache identifiziert werden.
3. Staatszerfall und Volkswirtschaft – eine (kleine) Metaanalyse: Das Kapitel vergleicht wirtschaftliche Indikatoren stabiler und zerfallener Staaten, um den Zusammenhang zwischen Exportdiversifizierung und staatlicher Leistungsfähigkeit zu prüfen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Diversifizierung zwar tendenziell mit Stabilität korreliert, aber gute Regierungsführung und die Überwindung neopatrimonialer Strukturen die entscheidenden Faktoren bleiben.
Schlüsselwörter
Staatszerfall, Subsahara-Afrika, Neopatrimonialismus, Diversifizierung, Volkswirtschaft, Good Governance, Staatsversagen, Wirtschaftsstruktur, Exportabhängigkeit, Staatlichkeit, Institutionen, Rentenökonomie, Politische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Phänomen des Staatszerfalls und der wirtschaftlichen Struktur in Ländern Subsahara-Afrikas.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition und Kategorisierung von Staatszerfall, die Analyse neopatrimonialer Herrschaftsstrukturen sowie den Einfluss von wirtschaftlicher Diversifizierung auf die staatliche Stabilität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Prüfung der Hypothese, ob Staaten mit einer breiteren wirtschaftlichen Basis und höherem Verarbeitungsgrad von Exportgütern weniger anfällig für Zerfallsprozesse sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine (kleine) Metaanalyse durchgeführt, die auf vorhandenen Indizes wie dem Failed States Index und den World Governance Indicators der Weltbank basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Ursachendiskussion und einen empirischen Teil, der afrikanische Staaten hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Diversifizierung und Stabilität vergleicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Staatszerfall, Neopatrimonialismus, Diversifizierung, Volkswirtschaft und Good Governance.
Warum spielt der „neopatrimoniale Staat“ eine so zentrale Rolle?
Laut der Arbeit ist dieser Strukturtyp für die mangelnde Trennung von öffentlichem und privatem Gut verantwortlich, was Korruption fördert und die institutionelle Zuverlässigkeit untergräbt.
Welche Rolle spielt Simbabwe als Sonderfall in der Analyse?
Simbabwe wird als deutlicher Ausreißer betrachtet, da es trotz eines relativ hohen Industrialisierungsgrades aufgrund politischer Fehlentscheidungen massiv in den Staatszerfall geraten ist.
- Arbeit zitieren
- Ferdinand Kosak (Autor:in), 2011, Staatszerfall in Subsahara-Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/186924