In der Geschichte der Menschheit wurden zahllose Versuche unternommen System absoluter Herrschaft zu installieren. Die meisten dieser Versuche endeten in blutigen Aufständen und Revolutionen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es die nach wie vor relevante Idee von uneingeschränkter Souveränität auf idengeschichtlicher Ebene auf ihre Realisierbarkeit hin zu untersuchen. Die hierbei verwendeten Kategorien sind Furcht und Habgier. Thomas Hobbes, dessen „Leviathan“ wohl die ultimative Verkörperung des uneingeschränkten Fürsten darstellt, leitet aus diesen Kategorien sowohl die Entstehung als auch die Notwendigkeit unendlicher absoluter Herrschaft ab und erklärt damit Furcht und Habgier zu Mitteln des Machterhalts. Auch Adam Ferguson begründet die Entstehung absoluter Herrschaft mithilfe dieser beiden Kategorien sieht in ihnen aber gleichzeitig die Ursache für den Verfall selbiger. Die Frage nach der M achbarkeit absoluter Herrschaft scheint sich also auf die Frage nach der W irkung von Furcht und Habgier reduzieren zu lassen. Dementsprechend werden im Folgenden die Theorien Fergusons und Hobbes gegenübergestellt und aufeinander bezogen. Der „Leviathan“ b ildet dabei den Ausgangspunkt, welcher im Anschluss, unter Heranziehung der Fergusonschen Argumentation, auf seine Stichhaltigkeit hin überprüft wird um so letztlich eine Antwort auf die oben formulierte Fragen zu finden. Zunächst erfolgt aber eine kurze U mschreibung des gesellschaftlichen Umfelds der beiden Autoren, die notwendig ist um ihre Gedanken in das rechte historische Licht zu rücken.
Eine ganzheitliche Darstellung der Theorien Hobbes und Fergusons will und kann diese Arbeit nicht leisten. Ziel ist lediglich eine Untersuchung ihrer Werke hin auf Furcht und Habgier im Zusammenhang mit absoluter Herrschaft. Wo es notwendig oder zweckdienlich erschien wurden daher Verkürzungen der ursprünglichen Argumentationsstränge vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Der historische Rahmen
1.1 Das Schottland Adam Fergusons
1.2 Das Stuart England Thomas Hobbes
2. Furcht und Habgier
2.1 Thomas Hobbes
2.1.1 Der Krieg eines jeden gegen jeden als Ursache und Folge von Furcht und Habgier.
2.1.2 Absolute Herrschaft als rationale Konsequenz von Furcht und Habgier
2.1.3 Der Leviathan: Gerechter Herrscher oder Despot
2.2 Adam Ferguson
2.2.1 Korruption als Ursache und Folge von Furcht und Habgier
2.2.2 Despotie als Konsequenz von Furcht und Habgier
2.2.3 Die Endlichkeit absoluter Herrschaft
III. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Realisierbarkeit absoluter Herrschaft unter Rückgriff auf die Kategorien Furcht und Habgier. Ausgehend von Thomas Hobbes' "Leviathan" und der Gegenüberstellung mit Adam Fergusons Gesellschaftstheorie wird analysiert, inwiefern diese Triebkräfte Herrschaft begründen, aber zugleich deren langfristige Stabilität untergraben können.
- Die Entstehung absoluter Herrschaft durch Furcht und Habgier bei Thomas Hobbes.
- Die theoretische Untersuchung der Stabilität absolutistischer Herrschaftsmodelle.
- Die Analyse von Korruption als Destabilisierungsfaktor bei Adam Ferguson.
- Die Problematik der Machtausübung in künstlich befriedeten Gesellschaften.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Der Krieg eines jeden gegen jeden als Ursache und Folge von Furcht und Habgier
Um den im „Leviathan“ entwickelten Staats- und Gesellschaftsentwurf analysieren zu können scheint es in erster Linie notwendig Hobbes Menschenbild zu verstehen da dieses Basis jedweder seiner weiteren Folgerung ist. Hobbes beschreibt den Menschen als Körper in ständiger Bewegung, also als unaufhörlich handelndes und sich verhaltendes Subjekt, das, angetrieben von seinem Wunsch nach Selbsterhaltung, stets darauf bedacht ist, durch eben diese Bewegung das „Gute“ zu erreichen und das „Böse“ zu vermeiden. Wobei „gut“ und „böse“ Kategorien des einzelnen Individuums sind, die als übergeordnete gemeinsame Wertvorstellung aller nicht existieren. Dieses Streben des Erreichens und Vermeidens kann, auch wenn von Hobbes nicht eindeutig so formuliert, durchaus als Habgier, also als Verlangen soviel „Gutes“ wie möglich und sowenig „Böses“ wie nötig zu erfahren, bezeichnet werden. Eng daran geknüpft ist der bei Hobbes zentrale Begriff der Furcht, der, betrachtet man den einzelnen isolierten Menschen, zunächst einmal die Angst vor der Erfolglosigkeit des eigenen Strebens beschreibt.
Hebt man nun die gedachte Isolation des einzelnen auf und setzt ihn mit anderen Menschen, ebenfalls getrieben von Furcht und Habgier, in Beziehung, so erhält man diejenigen Verhältnisse, die Hobbes als „Naturzustand“ beschreibt. In diesem Zustand ist es das Ziel jedes einzelnen sein Streben gegen das aller anderen durchzusetzen, d.h., seine Habgier zu befriedigen und gleichzeitig möglichst wenig Anlass zur Furcht zu haben. Das Instrument um dies zu erreichen ist Macht, wobei Macht in diesem Zusammenhang als Gesamtheit der gegenwärtig verfügbaren Mittel des Individuums das „Gute“ zu erreichen und das „Böse“ zu vermeiden zu definieren ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Darstellung des Forschungsinteresses an der Realisierbarkeit uneingeschränkter Souveränität anhand der Konzepte Furcht und Habgier.
1. Der historische Rahmen: Einordnung der politischen Kontexte Schottlands bei Ferguson und der instabilen Verhältnisse im Stuart England bei Hobbes.
2. Furcht und Habgier: Theoretische Herleitung der Notwendigkeit von Herrschaft sowie die Analyse von Korruption und Despotie.
III. Fazit: Synthese der Ergebnisse, wonach Furcht und Habgier sowohl Bedingung für die Errichtung als auch für den Untergang absoluter Herrschaft sind.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Adam Ferguson, Leviathan, absolute Herrschaft, Furcht, Habgier, Naturzustand, Korruption, Despotie, Macht, Souveränität, Gesellschaftsvertrag, politische Instabilität, Selbsterhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische Machbarkeit und Stabilität absoluter Herrschaft unter Verwendung der Konzepte Furcht und Habgier.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Staatsphilosophie von Thomas Hobbes, die Gesellschaftstheorie von Adam Ferguson sowie die Dynamik von Macht und menschlicher Natur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob uneingeschränkte Souveränität auf Basis menschlicher Antriebe wie Furcht und Habgier dauerhaft realisierbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeschichtliche Analyse und Gegenüberstellung der Werke von Hobbes und Ferguson.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Rahmenbedingungen sowie die detaillierte Analyse der Machtkonzepte, des Naturzustands und der Korruptionsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören insbesondere der Leviathan, der Naturzustand, Korruption, Despotie sowie der Mechanismus von Furcht und Habgier.
Wie unterscheidet sich Fergusons Sichtweise von der Hobbes'?
Ferguson lehnt Hobbes' Naturzustand ab und sieht Gesellschaft als Resultat eines angeborenen sozialen Gefühls, während für Hobbes der Zwang eines Souveräns zur Befriedung essenziell ist.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass absolute Herrschaft endlich ist?
Die Arbeit argumentiert, dass ein despotischer Herrscher durch die Vernichtung der Freiheitsrechte auch die Motivationsgrundlage für Gehorsam in der Gesellschaft zerstört, was den Staatsapparat letztlich instabil macht.
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- Jan Trützschler (Author), 2003, Furcht und Habgier als Mittel des Machterhalts bei Hobbes und als Ursache des Machtverfalls bei Ferguson: Die Frage nach der Machbarkeit absoluter Herrschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/18437