Die vorliegende Arbeit unterteilt sich in einen theoretischen und in einen unterrrichtspraktischen Teil.
Zunächst werden im ersten Teil der Arbeit grundlegende Fragen gestellt und mit Hilfe eines Ausschnittes der bereits bestehenden Spannweite an Veröffentlichungen beantwortet, beginnend damit was Literatur eigentlich ist und wieso sie im Schulunterricht benutzt werden sollte. Die Arbeiten von Sartre, Thaler und Lazar sind dabei nur einige, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Dass hier nur umrissen wird, welche Definitionen und Meinungen über den Literaturbegriff in den letzten Jahren vorherrschten, ist auf den formalen Rahmen der Arbeit zurückzuführen. Eine Vertiefung würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen und zu sehr vom eigentlichen Thema abweichen, könnte man sicherlich mehr als eine Arbeit zu diesem interessanten Thema verfassen.
Inwiefern literarische Texte in den Schulunterricht gehören und welche Funktionen sie dabei einnehmen können, klärt das Kapitel 2.2. Dabei werden verschiedene Veröffentlichungen berücksichtigt und näher erläutert. Insbesondere liegt hier der Fokus auf den Ideen und Vorschlägen von Collie/ Slater, Thaler und Hall. Obwohl sie sich teilweise eher auf den Fremdsprachenunterricht beziehen, lassen sich nicht nur einige Überschneidungen zur Funktion von literarischen Texten im bilingualen Sachfachunterricht feststellen, sondern es werden auch allgemeingültige Aussagen getroffen, die der Beschäftigung mit Literatur ihr Begründung liefern.
Darauf folgt ein Überblick, inwiefern fiktionale Texte im Geschichtsunterricht eine Rolle beziehungsweise keine Rolle spielen. Die Einführung in die Didaktik und Methodik von Michael Sauer spricht dieses Thema ebenso an wie das Handbuch Medien im Geschichtsunterricht, das von den Fachdidaktikern Jürgen Pandel und Gerhard Schneider herausgegeben wurde. Die literarischen Texte lassen sich hier am ehesten als narrative Texte bezeichnen und haben ihren Platz, wenn überhaupt, eher in den Erzählungen im Geschichtsunterricht. Die Meinungen darüber, ob und wie sie in den Unterricht einfließen sollen, sind sehr unterschiedlich. Die Vor- und Nachteile sollen anhand verschiedener Veröffentlichungen heraus- gearbeitet werden.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit bilingualem Unterricht. Zunächst einmal soll geklärt werden, was „bilingual“ überhaupt ist und was es im Sinne des Schulunterrichts bedeutet. (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begründung und Eingrenzung des Themas
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Literaturdidaktik
2.1. Was ist Literatur?
2.2 Wozu Literatur im Schulunterricht?
2.2.1 Fiktionale Literatur im Geschichtsunterricht
3. Bilingualer Unterricht
3.1 Versuch einer Begriffsdefinition: bilingualer Unterricht
3.2 Zur Entwicklung des bilingualen Sachfachunterrichts in Deutschland
3.2.1 Probleme des bilingualen Unterrichts
3.3 Der bilinguale Sachfachunterricht Geschichte
4. Zwischenfazit
5. Das unterrichtspraktische Vorhaben
5.1 Vorstellung der Schule
5.1.1 Besonderheiten des Faches Geschichte an der Schule
5.1.2 Geschichte als IB Kurs
6. Der Unterrichtsversuch
6.1 Planung
6.2 Durchführung
6.3 Auswertung
6.4 Reflexion
7. Zusammenfassende Betrachtung und Ausblick
8. Anhang
8.1 Unterrichtsskizzen zum Unterrichtsversuch
8.2 Text: Confession of Faith
8.3 Text: A Hanging
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und den Nutzen literarischer Texte im bilingualen Geschichtsunterricht, um einen neuen Zugang zu historischen Themen jenseits klassischer Quellenarbeit zu erschließen und die Motivation sowie das Geschichtsbewusstsein der Lernenden zu fördern.
- Verbindung von Literaturdidaktik und bilingualem Sachfachunterricht.
- Analyse der Rolle fiktionaler Texte im Geschichtsunterricht.
- Konzeption und praktische Durchführung eines Unterrichtsversuchs zum Thema Imperialismus.
- Evaluation des Einsatzes literarischer Texte im Vergleich zur traditionellen Quellenarbeit.
- Herausforderungen einer bilingualen Fachdidaktik für das Fach Geschichte.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Fiktionale Literatur im Geschichtsunterricht
Stellt man sich die Frage welche Art von Medien im Geschichtsunterricht verwendet wird, so werden einem wohl zuerst die „Quellen“ einfallen. Als Quelle sind alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen zu bezeichnen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann (Kirn, 29). Schriftliche Zeugnisse, die uns hinterlassen wurden, stehen im historischen Lernen im Vordergrund. Dies können unter anderem Briefe, Inschriften, Urkunden, Tagebucheinträge, Flugschriften, Gesetzestexte oder Notizen sein. Der Verfasser beziehungsweise Autor der Quelle sollte genau angegeben sein und die Quelle in ihrer gesamten Echtheit vorkommen. Abgesehen von den schriftlichen Quellen gibt es fernerhin sprachliche Medien, beispielsweise die Geschichtserzählung. Sie kommt wohl einem fiktionalen Medium am nahesten, ist sie doch
„(…) eine novellistische Form der Darstellung von Geschichte, die auf der Grundlage von geschichtswissenschaftlichen erhobenem historischem Wissen einen historischen Sachverhalt oder Episoden aus dem Leben einer historischen Person oder Persönlichkeit durch den Einsatz von fiktionalen Elementen spannend und motivieren zu vermitteln versucht(e).“ (Bergmann, 76)
Allerdings dienten Geschichtserzählungen durch ihre monoperspektivische Art eher als ein Medium des Gesinnungsunterrichts. Zudem war die Lehrkraft dabei eine Art auktorialer Erzähler, der eine Geschichte präsentierte, welche in sich schlüssig und stimmig war. Diese Art von Geschichtsunterricht wurde insbesondere nach der Zeit der Nationalsozialisten abgelehnt, da SuS nicht zu hirnlosen Zombies einer Regierung gemacht werden sollen, sondern zu kritischen, selbstdenkenden Betrachtern ihrer Umwelt. Erzählungen und Fiktion sollte dazu benutzt werden die SuS „auf die Illusionswirkung des Erzählens aufmerksam zu machen und ihnen Kriterien an die Hand zu geben, wie sie diese durchschauen können“ (Bergmann, 76-77).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Thema durch das persönliche Interesse an der Verknüpfung von Anglistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2. Literaturdidaktik: Dieses Kapitel definiert den Literaturbegriff und untersucht den Nutzen von Literatur im schulischen Kontext sowie speziell die Rolle fiktionaler Texte im Geschichtsunterricht.
3. Bilingualer Unterricht: Hier werden Begriffsdefinitionen des bilingualen Unterrichts erörtert und die historische Entwicklung sowie die spezifischen Bedingungen in Deutschland und NRW beleuchtet.
4. Zwischenfazit: Das Zwischenfazit fasst die theoretischen Erkenntnisse über das Spannungsfeld zwischen bilingualem Sachfachunterricht und der Literaturdidaktik zusammen.
5. Das unterrichtspraktische Vorhaben: Dieses Kapitel stellt die Goetheschule in Essen als Schauplatz des Versuchs vor und erläutert die Besonderheiten des Geschichtsunterrichts an dieser Institution.
6. Der Unterrichtsversuch: Hier wird die Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichtsversuchs zum Thema Imperialismus detailliert beschrieben und reflektiert.
7. Zusammenfassende Betrachtung und Ausblick: Das Fazit bewertet die Ergebnisse der Arbeit und formuliert die zukünftige Notwendigkeit einer fachdidaktischen Auseinandersetzung mit fiktionaler Literatur im Geschichtsunterricht.
8. Anhang: Der Anhang enthält die konkreten Unterrichtsskizzen sowie die im Unterricht verwendeten englischsprachigen Texte.
9. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis aller verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Bilingualer Unterricht, Geschichtsunterricht, Literaturdidaktik, fiktionale Literatur, Imperialismus, Fachdidaktik, Englisch, Sprachförderung, Geschichtsbewusstsein, Quellenarbeit, Unterrichtsversuch, Schulpraxis, Multiperspektivität, Sprachkompetenz, Narration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Funktionen von literarischen Texten im bilingualen Geschichtsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft die Theorie der Literaturdidaktik mit den Modellen des bilingualen Unterrichts und wendet diese Erkenntnisse exemplarisch auf das Fach Geschichte an.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie literarische Texte als funktionales Material eingesetzt werden können, um Schülern einen motivierenden Zugang zu geschichtlichen Themen zu verschaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Analyse des Forschungsstands wird ein unterrichtspraktischer Versuchsansatz an einer weiterführenden Schule gewählt, um die Wirkung fiktionaler Texte empirisch zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Literaturdidaktik und bilingualen Unterrichtsmodellen sowie einen praktischen Teil, in dem ein konkreter Unterrichtsversuch zum Thema Imperialismus durchgeführt und ausgewertet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie bilingualer Geschichtsunterricht, fiktionale Literatur, Sprachförderung und Geschichtsbewusstsein geprägt.
Warum wird fiktionale Literatur kritisch betrachtet?
Die Geschichtsdidaktik begegnet fiktionalen Texten oft mit Skepsis, da befürchtet wird, dass Schüler Fiktion mit historischer Realität verwechseln könnten.
Was ergab der durchgeführte Unterrichtsversuch?
Es zeigte sich, dass die Schüler mit literarischen Texten einen leichteren Zugang zu komplexen Themen fanden und motivierter arbeiteten als bei einer rein quellenbasierten Vorgehensweise.
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- Anonym (Author), 2011, Zur Funktion literarischer Texte im bilingualen Sachfachunterricht Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184322