„I don‘t like Mondays“. Diese Aussage nannte Brenda Ann Spencer als Grund für ihre schreckliche Tat, die sich am 29. Januar 1979 vor der Grover Cleveland Elementarity School in San Diego ereignete. Zu diesem Zeitpunkt war die Täterin gerade einmal 16 Jahre alt, als sie mit einem Gewehr das elterliche Haus verließ und zwei Menschen erschoss. Eine Tragödie, deren tatsächliche Ursache ein Rätsel bleibt. Der Ausspruch „I don't like Mondays“ unterstreicht die Sinnlosigkeit des Massakers und sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. Aufgrund dieser Tat veröffentlichte Sänger Bob Geldof mit der irischen Popgruppe The Boomtown Rats noch im selben Jahr das Lied „I don’t like Mondays“, welches in den 80-ern zum erfolgreichen Hit wurde.
Schon damals gewann das Thema „Amok“ an Bedeutung und die öffentliche Aufmerksamkeit, vor allem nach einer begangenen Tat. Dieser Effekt der Medien ist heute stärker ausgeprägt als jemals zuvor. Dabei gilt:
Je mehr Opfer ein Amoklauf fordert, desto höher das Medieninteresse.
Statistiken zufolge sind die Fallzahlen von Amoktaten, sowohl im privaten als auch öffentlichen Raum, in den letzten 15 Jahren angestiegen.
Dieser Fakt provoziert die Frage, ob wir uns noch häufiger auf Gewalttaten, wie in Deutschland vor allem zuletzt in Winnenden geschehen, einstellen müssen, die von Schülern begangen werden.
Nachdem mich die erschütternde Nachricht vom Amoklauf in Winnenden erreichte, war ich, wie meine Mitschüler und alle Personen, die ich kenne, schockiert und habe festgestellt, dass ich mich nie mit diesem Thema auseinander gesetzt habe, dass ich kaum Kenntnisse besitze und dass die Berichterstattung in den Medien und die öffentlich geführte Diskussionen mich zunehmend verwirrten. Auch in meiner Klasse hatte ich den Eindruck, dass sich die Schüler gerne näher mit dem Thema auseinander setzen möchten, es dazu jedoch bislang kein Angebot in der Schule gab. Hier sah und sehe ich Nachholbedarf. Somit wählte ich das Thema Amok, insbesondere an Schulen, aus, um mich im Rahmen der Facharbeit intensiver mit dem Themenkomplex befassen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte des Amoklaufs
2.1 Begriffsbestimmung und Definitionen
2.2 Herkunft und Historie
2.2.1 Kriegerischer Amok
2.2.2 Individueller Amok
2.3 Bilanz
3. Spezielle Form des Amoks: „School-Shootings“
3.1 Etymologie
3.2 Definition
3.3 Der erweiterte Suizid
4. Vergleich von drei Amokläufen
4.1 Columbine
4.1.1 Vorgeschichte und Tatplanung
4.1.2 Tathergang
4.1.3 Die Täter Eric Harris und Dylan Klebold
4.1.4 Bilanz
4.2 Emsdetten
4.2.1 Vorgeschichte und Tatplanung
4.2.2 Tathergang
4.2.3 Der Täter Bastian Bosse
4.2.4 Erworbene Waffen
4.2.5 Der Abschiedsbrief
4.2.6 Bilanz
4.3 Winnenden
4.3.1 Vorgeschichte und Tatplanung
4.3.2 Tathergang
4.3.3 Der Täter Tim Kretschmer
4.3.4 Der Abschiedsbrief
4.3.5 Bilanz
4.4 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Amokläufe
5. Die Mythen: Urteil oder Vorurteil?
5.1 Mythos I
5.2 Mythos II
5.3 Mythos III
5.4 Mythos IV
5.5 „Medienmanipulation“
6. Empirischer Abschnitt (Teil I)
6.1 Interview mit Dorothee Dienstbühl
6.2 Interview mit Dr. Uwe Füllgrabe
7. Empirischer Abschnitt (Teil II)
7.1 Methodische Vorgehensweisen
7.2 Anmerkung zur Durchführung
7.3 Die drei verschiedenen Umfragebögen
7.3.1 Bogen I: Schüler von 10-14 Jahre
7.3.2 Bogen II: Schüler von 15-17 Jahre
7.3.3 Bogen III: Lehrer
7.4 Auswertungen der Umfragen
7.4.1 Hauptschule
7.4.2 Realschule
7.4.3 Gymnasium
7.4.4 Lehrpersonal
7.4.5 Bilanz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Amok unter besonderer Berücksichtigung von „School-Shootings“, um die Hintergründe der Tat sowie die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu analysieren und gängige Mythen kritisch zu hinterfragen.
- Historische Einordnung des Amok-Begriffs
- Analyse und Vergleich dreier prominenter Amokläufe (Columbine, Emsdetten, Winnenden)
- Kritische Auseinandersetzung mit verbreiteten Mythen zum Thema Amok
- Empirische Untersuchung der Ängste und Einstellungen von Schülern und Lehrern
- Diskussion über Präventionsmaßnahmen und gesellschaftliche Reaktionen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Tathergang
Das Ereignis begann um 11:08 Uhr (Ortszeit), als sich Eric und Dylan in separaten Kraftfahrzeugen auf den Weg in Richtung Schule machte. Etwa 3 Minuten später erreichte Eric den „Junior Student“ - und Dylan den „Senior Student“ Parkplatz. Aufgrund der getrennten lokalen Lage konnten sie jeweils einen Hauptausgang der Schule im Auge behalten und dabei trotzdem das Hauptziel, die Cafeteria, ins Visier nehmen.
Kurz vor der Ankunft wurde eine Bombe eine halbe Meile (~800 m) vor der Schule gelegt, die um 11:14 Uhr explodieren sollte, um somit die Einsatzkräfte abzulenken. An der Schule angekommen, transportierten Eric und Dylan unauffällig, mit Hilfe eines Seesackes zwei 9 kg schwere Propanbomben in die Cafeteria.
Diese Sprengsätze wurden so konzipiert, dass sie um 11:17 Uhr, im Abstand von einer Minute, detonieren sollten. Hier hielten sich zu dieser Zeit aufgrund der Mittagspause 480 Schüler auf. Das sind fast ein Viertel aller Schüler an dieser Schule. Durch eine Überwachungskamera konnte das Betreten von Eric und Dylan und die Installation der Sprengkörper nicht aufgezeichnet werden, da in diesem Zeitraum die Videobänder ausgewechselt wurden. Auf dem neuen Band ist nur die Existenz der Bomben verzeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Motivation des Verfassers und Erläuterung der Zielsetzung der Facharbeit vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse.
2. Vorgeschichte des Amoklaufs: Historische Herleitung und Begriffseinordnung von Amok, vom kriegerischen Handeln hin zur individuellen Tat.
3. Spezielle Form des Amoks: „School-Shootings“: Definition und Merkmale der spezifischen Gewaltform an Bildungseinrichtungen sowie die Abgrenzung zum erweiterten Suizid.
4. Vergleich von drei Amokläufen: Detaillierte Rekonstruktion und analytischer Vergleich der Fälle Columbine, Emsdetten und Winnenden.
5. Die Mythen: Urteil oder Vorurteil?: Kritische Auseinandersetzung mit weit verbreiteten, aber oft unzutreffenden Annahmen über Täter und Ursachen.
6. Empirischer Abschnitt (Teil I): Experteninterviews zur Einordnung der Medienwirkung und Präventionsansätze.
7. Empirischer Abschnitt (Teil II): Darstellung und Analyse einer schulinternen Umfrage zur Wahrnehmung von Gewalt und Sicherheit an Schulen.
Schlüsselwörter
Amok, School-Shootings, Columbine, Emsdetten, Winnenden, Jugendgewalt, Prävention, Medienberichterstattung, Narzissmus, Täterprofil, Waffenrecht, Schüler, Lehrer, Mobbing, erweiterter Suizid.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Amok, insbesondere in Form von School-Shootings, und untersucht deren Ursachen, Hintergründe und die gesellschaftliche Wahrnehmung.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung des Amok-Begriffs, eine detaillierte Fallanalyse dreier Amokläufe, die Auseinandersetzung mit Mythen über Täter und die empirische Untersuchung der Sicherheitswahrnehmung an einer Schule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Phänomen Amok an Schulen wissenschaftlich fundiert zu beleuchten, die Täterbiographien zu vergleichen und gängige Vorurteile durch den heutigen Wissensstand zu widerlegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden Literatur- und Quellenanalysen durchgeführt sowie eine empirische, fragebogengestützte Analyse an einem Schulzentrum, ergänzt durch Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung des Themas, die detaillierte Analyse der Fälle Columbine, Emsdetten und Winnenden, die Widerlegung gängiger Amok-Mythen sowie die Präsentation der Umfrageergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Dokument?
Zentrale Begriffe sind neben „Amok“ und „School-Shootings“ auch Begriffe wie „Täterprofil“, „Prävention“, „Medienmanipulation“ und „Narzissmus“.
Warum liegt ein Fokus auf den Fällen Columbine, Emsdetten und Winnenden?
Diese Fälle dienen als repräsentative Beispiele, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen internationalen und deutschen Amokläufen aufzuzeigen und die Entwicklung des Phänomens über die Zeit darzustellen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Rolle der Medien?
Der Autor kritisiert die sensationsorientierte und oft unreflektierte Berichterstattung, die zur Mythenbildung beiträgt und potenzielle Nachahmungstäter durch eine mediale Aufwertung anziehen kann.
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- David Dang (Author), 2010, Amok - Ausdruck der Verzweiflung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183483