In der Arbeit wird aufgrund der kritischen Literatur aus dem englisch- und deutschsprachigen Raum mit den Hauptproblemen der Theorie der indirekten Sprechakte von Searle auseinandergesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie der indirekten Sprechakte von Searle
3. Die Entwicklungs- und Modifizierungsvorschläge
3.1. Die Weiterentwicklung der Theorie
3.1.1. Ehrich/ Saile
3.1.2. Frank
3.2. Die Modifizierungsvorschläge
3.2.1. Sökeland
3.2.2. Meibauer
4. Die alternativen Theorien
4.1. Die Zweifel an der Kategorie der sekundären Illokution
4.1.1. Meyer-Hermann
4.1.2. Bertolet
4.2. Der Kontext als Grundlage (Levinson)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Hauptprobleme der Theorie indirekter Sprechakte von John R. Searle auf Basis kritischer deutsch- und englischsprachiger Fachliteratur zu identifizieren und einer Analyse zu unterziehen.
- Grundlagen und zentrale Thesen der Sprechakttheorie nach Searle
- Kritische Auseinandersetzung mit Erweiterungs- und Modifizierungsvorschlägen (u.a. Sökeland, Meibauer)
- Diskussion alternativer theoretischer Ansätze zur Kategorie der sekundären Illokution
- Kontextualisierung als theoretische Grundlage für indirekte Sprechhandlungen
- Bewertung der Rolle von Schlussfolgerungsprozessen bei der Interpretation von Sprechakten
Auszug aus dem Buch
2. Die Theorie der indirekten Sprechakte von Searle
Nach Searle vollzieht ein Sprecher einen indirekten Sprechakt, indem er einen anderen illokitionären Akt vollzieht. Genauer gesagt, er vollzieht einen primären, den indirekten Illokutionsakt, indem er den sekundären oder wörtlichen Illokutionsakt vollzieht.6 Die Ableitung der primären Illokution aus der wörtlichen erfolgt, aufgrund „der Sprechakttheorie, der allgemeinen Prinzipien kooperativer Konversation, außersprachlicher Hintergrundinformationen, über die Sprecher und Hörer gemeinsam verfügen, und die Fähigkeit des Hörers, Schlüsse zu ziehen“7. Das Problem ist dabei, dass solche Sätze wie Würdest du mir helfen? Du könntest ein bisschen aufräumen. Warum nicht hier aufhören? schon beinahe konventional als indirekte Bitten verwendet werden8 und der Hörer „sie einfach als Bitte hört“9. Laut Searle sind die aber keine Idiomen und nicht 'kontextuell mehrdeutig', sondern zwingen den Hörer genauso wie bei den nicht systematisch verwendeten Fällen X: Komm, wir gehen heute ins Schwimmbad. Y: Ich muss meiner Mutter helfen. (primäre: Absage, sekundäre: Feststellung) für die Ableitung des primären Illokutionszwecks bestimmte Schlussfolgerungen zu ziehen.10 Den Zusammenhang zwischen dem direkten und indirektem Gebrauch stellt er bei den konventionalen Sprechakten durch sogenannte Generalisierungen, die die Gelingensbedingungen betreffen, her.11
Zum Beispiel, beim Abendessen erfordert die Rekonstruktion der Äußerung „Kannst du mir das Salz reichen?“ als eine Bitte die folgenden Schlussfolgerungen12: Schritt 1: Der Sprecher hat mir eine Frage mit dem Inhalt gestellt, ob ich in der Lage sei, ihm das Salz zu reichen. (Annahmen über das Gespräch) Schritt 2: Der Sprecher verhält sich, wie ich annehme, in diesem Gespräch mit mir kooperativ und deshalb hat seine Äußerung ein Ziel oder einen Zweck. (Prinzipien kooperativer Kommunikation)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung zur Theorie indirekter Sprechakte nach Searle vor und skizziert den Aufbau der Untersuchung sowie die theoretische Ausgangsbasis.
2. Die Theorie der indirekten Sprechakte von Searle: Dieses Kapitel erläutert Searles Modell, bei dem durch den wörtlichen Vollzug eines sekundären Sprechakts ein primärer, indirekter Illokutionsakt durch Schlussfolgerungsprozesse abgeleitet wird.
3. Die Entwicklungs- und Modifizierungsvorschläge: Hier werden Ansätze von Linguisten wie Ehrich, Saile, Franck, Sökeland und Meibauer vorgestellt, welche Searles Theorie ergänzen, verfeinern oder an zentralen Stellen modifizieren.
3.1. Die Weiterentwicklung der Theorie: Darstellung von Ansätzen, die Searles Grundannahmen stützen, aber durch Erweiterungen wie differenzierte Illokutionsindikatoren präzisieren wollen.
3.1.1. Ehrich/ Saile: Analyse ihres Artikels, in dem sie nicht-direkte Sprechakte über konstitutive Voraussetzungen definieren und zusätzlich 'implizite' Sprechakte als Kategorie einführen.
3.1.2. Franck: Auseinandersetzung mit Francks Kritik an der Ambiguität von Indikatoren und ihrem Vorschlag zur Interpretation nicht stark konventionalisierter Äußerungen.
3.2. Die Modifizierungsvorschläge: Übersicht über Ansätze, die kritisch an die Probleme der Searleschen Theorie herangehen und strukturelle Anpassungen vorschlagen.
3.2.1. Sökeland: Diskussion von Sökelands linguistischer Untersuchung, die den Fokus auf Fragesätze legt und den Begriff des Gelingens durch den des Glückens ersetzt.
3.2.2. Meibauer: Vorstellung von Meibauers Kritik an Searles Gelingensbedingungen und seine Hinwendung zu Grices Implikaturentheorie.
4. Die alternativen Theorien: Zusammenfassung von Ansätzen, die die Grundannahmen der Searleschen Sprechakttheorie radikaler in Frage stellen oder durch kontextuelle Modelle ersetzen.
4.1. Die Zweifel an der Kategorie der sekundären Illokution: Untersuchung der Argumente von Forschern, die die Trennung in primäre und sekundäre Illokution als theoretisch überflüssig oder falsch erachten.
4.1.1. Meyer-Hermann: Analyse von Meyer-Hermanns Kritik, wonach die Annahme zweier Illokutionsrollen zu unnötigen Komplikationen in der Theorie führt.
4.1.2. Bertolet: Zusammenfassung von Bertolets Ansicht, dass in einer Äußerung lediglich ein einziger Sprechakt vollzogen wird.
4.2. Der Kontext als Grundlage (Levinson): Erläuterung von Levinsons Ansatz, der Sprechakte als kontextverändernde Operationen begreift und die semantische Fixierung zurückweist.
5. Fazit: Abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Searles Modell der doppelten Illokution stark kritisiert wird und kontextuelle bzw. implikaturtheoretische Ansätze bevorzugt werden.
Schlüsselwörter
Indirekte Sprechakte, Searle, Illokution, Sprechakttheorie, Primäre Illokution, Sekundäre Illokution, Gelingensbedingungen, Konversationsmaximen, Implikatur, Kontext, Sprachpragmatik, Illokutionsindikatoren, Meyer-Hermann, Levinson, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Theorie der indirekten Sprechakte von John R. Searle und untersucht die daran geübte Kritik durch verschiedene fachwissenschaftliche Positionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Illokution, die Rolle von Schlussfolgerungsprozessen bei der Interpretation indirekter Äußerungen sowie die Frage, ob die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Illokutionsebenen haltbar ist.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Hauptprobleme und Schwachstellen der Searleschen Theorie aufzuzeigen, indem die kritische Literatur aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum systematisch gegenübergestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der Literaturanalyse, bei der zentrale theoretische Texte zur Pragmatik verglichen, zusammengefasst und hinsichtlich ihrer Kritikpunkte bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Searles Basistheorie, gefolgt von einer Vorstellung diverser Modifizierungsvorschläge (wie von Sökeland oder Meibauer) und endet mit einer kritischen Prüfung alternativer Theorien, beispielsweise von Meyer-Hermann und Levinson.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind indirekte Sprechakte, Illokutionskraft, Gelingensbedingungen, konversationelle Implikaturen, Kontextabhängigkeit und die Trennung von wörtlicher Bedeutung und tatsächlichem Sinn.
Warum hält Meyer-Hermann die Kategorie der sekundären Illokution für überflüssig?
Meyer-Hermann argumentiert, dass die Annahme eines gleichzeitigen Vollzugs zweier verschiedener Illokutionsakte (wörtlich und indirekt) empirisch nicht haltbar und theoretisch unnötig kompliziert sei.
Welchen Lösungsansatz schlägt Levinson für das Problem indirekter Sprechakte vor?
Levinson schlägt vor, die Annahme fester wörtlicher illokutionärer Kräfte von Sätzen aufzugeben und stattdessen Sprechakte als Funktionen zu betrachten, die Kontexte verändern.
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- Tamara Shvetsova (Author), 2008, Die Kritik an der Theorie der indirekten Sprechakte von Searle, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183290