Angelehnt an den Buchtitel Susan Okins "Muliculturalism is bad for women", wird in dieser Hauptseminarsarbeit kritisch hinterfragt ob Multikulturalismus in Deutschland wirklich schlecht für Frauen ist. Zunächst wird allgemein auf die nationale und internationale Debatte um Mulitkulturalismus und die Benachteiligung von Frauen eingegangen und dann anhand der Anwendung der Scharia, häuslicher Gewalt, Zwangsheiraten und Bildung die Situation analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Feministische Kritik am Multikulturalismus
2.1. Internationale Debatte
2.1.1. Susam Moller Okin
2.1.2. Clare Beckett und Marie Macey
2.1.3. Sawitri Saharto
2.2. Deutsche Debatte
2.2.1. Seyran Arteş
2.2.2. Necla Kelek
3. Die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland
3.1. Anwendung der Scharia
3.1.1. Rechtliche Grundlagen
3.1.2. Beispiele für die Anwendung
3.1.2.1. Umgang mit polygamen Ehen
3.1.2.2. Scheidungsrecht
3.2. Häusliche Gewalt
3.3. Zwangsverheiratungen
3.4. Bildung
4. Fazit
4.1. Bewertung der Fallsbeispiele
4.2. Ist Multikulturalismus in Deutschland schlecht für Frauen?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die feministische Kritik am Multikulturalismus mit einem spezifischen Fokus auf die deutsche Gesellschaft. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob der Multikulturalismus – oder das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft – Frauen tatsächlich benachteiligt, indem theoretische Debatten mit empirischen Daten aus verschiedenen gesellschaftlichen Handlungsfeldern abgeglichen werden.
- Feministische Kritik an multikulturellen Minderheitenrechten
- Analyse der Scharia-Anwendung im deutschen Rechtskontext
- Empirische Untersuchung von häuslicher Gewalt bei Migrantinnen
- Problematik von Zwangsverheiratungen und Bildungszugängen
- Debatte um Parallelgesellschaften und Integrationspolitik
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Susan Moller Okin
Susan Moller Okin ist eine der schärfsten Kritikerinnen des Multikulturalismus und leitete die Diskussion über Multikulturalismus in Zusammenhang mit Feminismus ein (Saharso 2008: 11). Okin selbst fällt es schwer eine Definition von Multikulturalismus aufzustellen. In ihren Texten bezieht sie sich, wenn sie von Multikulturalismus spricht, auf die Forderung von Minderheitengruppen (meist in liberalen Demokratien) durch Gruppenrechte ihre Kultur bzw. Lebensart zu schützen (Okin 1999: 10). Hier entsteht der zentrale Konflikt zwischen den individuellen Menschenrechten und kultureller Autonomie.
Sie begründet die aktuelle Debatte damit, dass in westlichen Ländern nach Dekaden der geforderten Assimilation von Immigranten, heute der Forderung nach weniger repressiven Maßnahmen nachgegangen wird und neue Wege gesucht werden müssen, wie mit kultureller Differenz umgegangen werden soll. Die zentrale Frage für Okin ist allerdings vielmehr wie reagiert werden soll, wenn die Forderungen der Minderheitengruppen mit einem der zentralen Elemente der liberalen Demokratie, der Gleichberechtigung, in Konflikt stehen. Sie kritisiert die bisherige Gestaltung von Minderheitenrechten auf verschiedene Weise. Einerseits werden die Kulturen ihrer Meinung nach monolith behandelt obwohl vielmehr beachtet werden müsste inwiefern Unterschiede innerhalb der Gruppe bestehen oder auch die verschiedenen Gruppen sich untereinander unterschieden. Zudem blenden die Verteidiger von Gruppenrechten meist den privaten Bereich aus, der jedoch für die die Entscheidung darüber, welche Art von Leben man führen will ausschlaggebend ist. Abgesehen davon werden die Minderheitengruppen zumeist von älteren, männlichen Mitgliedern in der Öffentlichkeit vertreten, die nicht repräsentativ für die Gruppe stehen können. (Okin 1999: 9-12, 24)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der deutschen Gesellschaft durch Migration und führt in die theoretische Kontroverse um Multikulturalismus und die zentrale Forschungsfrage der Arbeit ein.
2. Feministische Kritik am Multikulturalismus: Dieses Kapitel erörtert die internationale und deutsche Debatte, wobei Kritikerinnen wie Susan Moller Okin, Seyran Ateş und Necla Kelek als zentrale Stimmen gegen eine unkritische Gewährung von Minderheitenrechten angeführt werden.
3. Die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland: Hier werden anhand der Fallbeispiele Scharia-Anwendung, häusliche Gewalt, Zwangsverheiratungen und Bildungszugang die praktischen Auswirkungen für Frauen in Minderheitenkulturen analysiert.
4. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, bewertet die feministische Kritik als berechtigt und plädiert für eine aktive staatliche Politik zum Schutz der Frauenrechte vor patriarchalen Strukturen.
Schlüsselwörter
Multikulturalismus, Feminismus, Frauenrechte, Minderheitenrechte, Deutschland, Integration, häusliche Gewalt, Zwangsverheiratung, Bildungschancen, Scharia, Parallelgesellschaften, Susan Moller Okin, Seyran Ateş, Necla Kelek, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, ob multikulturelle Ansätze in der Gesellschaft potenziell frauenfeindliche Strukturen legitimieren oder verschärfen, insbesondere unter Bezugnahme auf die deutsche Integrationsdebatte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Rechtsprechung (Scharia), häusliche Gewalt, Zwangsverheiratung und Bildungssituation von Mädchen mit Migrationshintergrund.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Kritik feministischer Theoretikerinnen an multikulturellen Minderheitenrechten durch empirische Daten aus Deutschland gestützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse internationaler und nationaler Debatten mit einer empirischen Auswertung existierender Studien und Statistiken zu den gewählten Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Diskussion der feministischen Positionen und eine anschließende detaillierte Analyse der Lebensrealitäten von Frauen in kulturellen Minderheitengruppen in Deutschland.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Multikulturalismus, Feminismus, Minderheitenrechte, Integration und die Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau innerhalb patriarchaler Traditionen.
Wie bewertet die Autorin die Anwendung der Scharia in Deutschland?
Sie kritisiert, dass durch unklare Rechtsauslegungen und eine teils „falsche Toleranz“ von Gerichten patriarchale Praktiken begünstigt werden, was im Widerspruch zu grundgesetzlichen Menschenrechten steht.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des Multikulturalismus?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Schutz der individuellen Frauenrechte Vorrang vor kulturellen Gruppenrechten haben muss und der deutsche Staat bisher tatenlos zugesehen hat, anstatt aktiv für Integration und Gleichberechtigung zu sorgen.
- Quote paper
- Luisa Friederici (Author), 2010, Feministische Kritik am Multikulturalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180114