Anhand herausragender Krisen und Paradigmenwechsel des 20. und 21. Jahrhunderts wird beschrieben, inwiefern sich die feministische Kritik am Kapitalismus parallel zur feministischen Strömung selbst veränderte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Begriffsdefinitionen und Ursprünge
Krisen und Wendezeiten im 20. Jahrhundert
Der Erste Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg
Der Kalte Krieg
Globalisierung
Wirtschafts- und Finanzkrise im 21. Jahrhundert
Vor der Krise
Während der Krise
Conclusio: „Nach“ der Krise?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer inhaltsanalytischen Literaturrecherche, wie historische und zeitgeschichtliche Krisen die feministische Kapitalismuskritik transformieren und welchen Einfluss diese Wendezeiten auf die Rezeption und Durchsetzungskraft feministischer Anliegen haben.
- Historische Analyse feministischer Kapitalismuskritik im 20. Jahrhundert
- Einfluss von Weltkriegen und dem Kalten Krieg auf feministische Strategien
- Die Rolle feministischer Perspektiven in der globalisierten Weltwirtschaft
- Kontrastierung feministischer Ansätze vor und während der Finanzkrise des 21. Jahrhunderts
- Systematisierung der Entwicklung feministischer Theoriebildung in Wendezeiten
Auszug aus dem Buch
Der Kalte Krieg
Der Kalte Krieg, welcher durch die Entstehung eines östlichen und eines westlichen Machtblockes, die jeweils in Verbindung mit einem bestimmten Militärbündnis und einer an die Ideologie angepassten wirtschaftlichen Organisation standen, gekennzeichnet war, hatte selbstredend weltweite Auswirkungen. Zweckdienlich soll hier dennoch von der Tendenz, insbesondere die Frauen des europäischen Raumes zu beleuchten, abgewichen werden. Mit den Vereinigten Staaten von Amerika bleibt die Analyse aber dennoch im globalen Westen verhaftet. Die Abweichung ist insofern erklärbar, als die US-amerikanischen Frauen in besonderer Weise vom Kalten Krieg und den propagandistischen Äußerungen beeinflusst wurden und, im Gegensatz zu den Frauen des Ostens, welche gleichfalls Interesse hervorrufen würden, feministische Strukturen nicht zwangsläufig als strukturschädigend anzusehen hatten.
Insbesondere in der unmittelbaren Nachkriegszeit und den darauffolgenden Jahren – die Autorin Kate Weigand nennt die Periode von 1945 bis in die frühen 1960er, worauf noch zurückzukommen sein wird – wurde den Rechten der Frau in den USA keineswegs eine hohe Priorität eingeräumt. Nach den Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise, des Angriffes auf Pearl Harbour und des Kriegseintrittes wollte man primär zu früherer Normalität zurückkehren. Frauen wurden überwiegend in den häuslichen Bereich zurückgedrängt, welchen sie während des Krieges, wie auch in Europa, teilweise verlassen hatten. (Vgl. Weigand, 2001: S.210) Dies mag auch politische Gründe gehabt haben, denn die weit verbreitete Annahme, dass Frauen aus biologischen, sozialen oder intellektuellen Gründen zwangsläufig eher friedliche Maßnahmen bevorzugen denn Krieg und dass dies bei Männern genau gegensätzlich ist, wurde ja bereits erwähnt. Dies aber wurde als weibliche Schwäche interpretiert: Die Ablehnung des Krieges per se sei als unpatriotisch, mindestens aber als problematisch zu sehen. (Vgl. Laville, 2002: S.124-126)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der feministischen Kapitalismuskritik und die methodische Herangehensweise an die Untersuchung verschiedener Krisenphasen.
Begriffsdefinitionen und Ursprünge: Theoretische Einordnung des Feminismus und der Kapitalismuskritik sowie historische Wurzeln der Bewegung.
Krisen und Wendezeiten im 20. Jahrhundert: Analyse, wie sich die Bedingungen für feministische Arbeit während der Weltkriege, des Kalten Krieges und der Globalisierung veränderten.
Der Erste Weltkrieg: Untersuchung der Herabwertung feministischer Anliegen durch den Krieg und die strategische Neuausrichtung vieler Akteurinnen.
Der Zweite Weltkrieg: Beschreibung der Marginalisierung feministischer Ziele zugunsten der Unterstützung des Vaterlandes und der Militärsysteme.
Der Kalte Krieg: Analyse der veränderten Rahmenbedingungen, die es US-amerikanischen Frauen erlaubten, feministische Anliegen stärker mit der Friedensbewegung zu verknüpfen.
Globalisierung: Erörterung der Schnittpunkte zwischen globalisierten kapitalistischen Strukturen und feministischen Forderungen.
Wirtschafts- und Finanzkrise im 21. Jahrhundert: Untersuchung der Rolle feministischer Ansätze in der Phase vor und während der globalen Finanzkrise ab 2007/08.
Vor der Krise: Betrachtung der Institutionalisierung und Professionalisierung des Feminismus sowie des Übergangs zur dritten Welle.
Während der Krise: Analyse der Rezeption feministischer Kapitalismuskritik unter den Bedingungen der Finanzkrise.
Conclusio: „Nach“ der Krise?: Zusammenfassende Erkenntnisse über das Verhältnis von Krisen, öffentlicher Wahrnehmung und der Durchsetzung feministischer Ideale.
Schlüsselwörter
Feministische Kapitalismuskritik, Feminismus, Weltwirtschaftskrise, Geschlechtergerechtigkeit, Transformation, Wendezeiten, Patriarchat, feministische Ökonomie, Globalisierung, Ideologie, soziale Ungleichheit, politische Partizipation, Friedensbewegung, Systemrevidierung, Frauenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die Entwicklung und die Ausprägungen feministischer Kapitalismuskritik im Kontext von historischen und gegenwärtigen Krisenphasen des 20. und 21. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Feminismus, die Analyse von Krisen wie Weltkriegen und der Finanzkrise, die feministische Ökonomie sowie die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Umbrüchen und feministischer Theoriebildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Modell zu systematisieren, das erklärt, wie sich feministische Kapitalismuskritik in Abhängigkeit von krisenhaften Wendezeiten verändert und warum ihre gesellschaftliche Rezeption dabei variiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer inhaltsanalytischen Lektüre wissenschaftlicher Literatur, um historische Beispiele zu erheben und daraus Schlussfolgerungen für die heutige Situation abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Krisen des 20. Jahrhunderts (Weltkriege, Kalter Krieg, Globalisierung) sowie eine spezifische Untersuchung der Rolle des Feminismus vor und während der Weltwirtschaftskrise ab 2007/08.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Feministische Kapitalismuskritik, Krise, feministische Ökonomie, Geschlechtergerechtigkeit und Systematisierung.
Warum spielt die Phase des Kalten Krieges eine besondere Rolle in der Argumentation?
Der Kalte Krieg wird als Ausnahme betrachtet, in der feministische Gruppen durch die Verknüpfung mit der Friedensbewegung im Gegensatz zu anderen Krisenzeiten eine größere Sichtbarkeit und ein höheres Selbstbewusstsein erlangen konnten.
Wie bewertet die Autorin die feministische Kapitalismuskritik in der jüngsten Finanzkrise?
Die Arbeit stellt fest, dass die feministische Kritik während der Krise zwar nicht ausstarb, aber an öffentlicher Sichtbarkeit verlor und gesellschaftlich erneut auf eine sekundäre Position gedrängt wurde.
Was bedeutet die "Vier-In-Einem-Perspektive" im Kontext der Arbeit?
Es handelt sich um ein radikales Gegenkonzept von Frigga Haug, das eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit fordert, um reproduktive und häusliche Arbeit aufzuwerten und gesellschaftliche Hierarchien aufzubrechen.
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- Claudia Liebeswar (Author), 2011, Feministische Kapitalismuskritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179654