Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der kaufmännischen Berufsschule für Einzelhandels-, Großhandels-, Bank- und Bürokaufleute beschäftige ich mich seit 2007 mit der Rezeption von Podcasts im Wirtschaftskunde-Unterricht. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass sich Podcasts gut als Unterrichtseinstieg bzw. zur Wiederholung von Lernstoff eignen könnten. Jedoch gab bzw. gibt es kaum Podcasts, die dafür geeignet sind. Aus diesem Grund startete ich die Serie "Wirtschaftskunde-Podcast", um Unterrichtsmaterial "von Schülern für Schüler" zu produzieren.
Das Ursprungs-Konzept von 2007 wurde mittlerweile in vier verschiedenen Lehrgängen im Unterricht verwendet und aufgrund der gewonnenen Erfahrungen immer wieder angepasst. Mit dieser Hausarbeit wurde nun die Gelegenheit wahrgenommen, dieses Konzept und die Erkenntnisse schriftlich festzuhalten.
Im Kapitel 2 wird ausgeführt, warum der ursprüngliche Ansatz "von Schülern für Schüler" in dieser Form nicht den gewünschten Erfolg brachte, warum aber die Podcast-Serie mit dem Ziel, den Schülern eine konstruktivistische Lernerfahrung zu ermöglichen, trotzdem weiter fortgeführt wird.
Kapitel 3 beschreibt, welche Vorarbeiten seitens der Lehrenden notwendig sind, um anschließend möglichst effizient eine sowohl inhaltlich als auch technisch qualitativ hochwertige und urheberrechtlich einwandfreie Rohfassung zu erstellen, die in kurzer Zeit zum fertigen Podcast geschnitten werden kann. Danach werden Ansätze zur Evaluation und Leistungsbeurteilung des Unterrichtsprojektes und Formen der Präsentation im Internet aus rechtlicher und technischer Sicht besprochen.
Die Hausarbeit schließt mit persönlichen Erfahrungen, Eindrücken, Gedanken und Erlebnissen während und nach dem Erstellprozess, die für ähnliche Projekte von Nutzen sein könnten.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1 Einleitung
2 Die Funktion von Podcasts in der Berufsschule
2.1 Die Rezeption von Podcasts als Lernhilfe
2.2 Die Produktion von Podcasts als Lernhilfe
3 Der Podcast-Projektunterricht im Detail
3.1 Projektvorbereitung
3.2 Projektdefinition
3.3 Projektdurchführung
3.3.1 Generalprobe
3.3.2 Aufnahme
3.3.3 Schnitt
3.4 Projektevaluation
3.5 Projektpräsentation
3.5.1 Rechtliche Aspekte
3.5.2 Technische Aspekte
4 Reflexion und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz von Podcasts im kaufmännischen Berufsschulunterricht, wobei der Schwerpunkt auf der Transformation vom passiven Konsum hin zur aktiven, projektorientierten Produktion von Lerninhalten durch die Schüler liegt.
- Vergleich von Rezeption und aktiver Produktion von Podcasts als Lernhilfe.
- Detaillierte Analyse des Podcast-Projektunterrichts in fünf Hauptphasen.
- Reflexion über Motivation, Urheberrecht und technische Rahmenbedingungen.
- Einsatz konstruktivistischer Lernansätze im schulischen Alltag.
- Erfahrungswerte aus der praktischen Umsetzung und Ausblicke auf internationale Formate.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Produktion von Podcasts als Lernhilfe
Deal (2007, S. 12) schreibt:
“Podcasting does not contain any inherent value. It is only valuable inasmuch as it helps the instructor and students reach their educational goals, by facilitating thoughtful, engaging learning activities that are designed to work in support of those goals.”
Deal‘s Aussage könnte so interpretiert werden, dass es Sinn hat, Lernende Podcasts aktiv produzieren zu lassen, anstatt eine passive Rezeption anzustreben. Beispielsweise können Lernende bestimmte Themen des Curriculums in Gruppen bearbeiten und daraus einen Podcast erstellen. Je aktiver, konstruktiver und sozialer Lernen ist, desto besser ist der Lernerfolg (Reinmann & Mandl, 2006).
Aus der didaktischen Perspektive ergeben sich einige Vorteile bei dieser konstruktivistischen Lernaktivität: Durch die Produktion von Podcasts in Gruppen wird die Partizipation der Lernenden und die Zufriedenheit mit der gesamten Lernerfahrung erhöht (Reinmann, 2008, S. 16). Diese Zufriedenheit entsteht durch das Abdecken der menschlichen Grundbedürfnisse nach Autonomie, sozialer Eingebundenheit und Kompetenz (Bianco & Jocher-Wiltschka, 2009, S. 7ff):
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Motivation für den Einsatz von Podcasts im Wirtschaftskunde-Unterricht und die Zielsetzung der Arbeit, ein bestehendes Unterrichtskonzept zu dokumentieren und zu reflektieren.
2 Die Funktion von Podcasts in der Berufsschule: Das Kapitel differenziert zwischen der rezeptiven Nutzung von Podcasts als Lernmedium und der aktiven Produktion durch Schüler im Sinne eines konstruktivistischen Lernansatzes.
3 Der Podcast-Projektunterricht im Detail: Dieses Kapitel erläutert die praktische Durchführung eines Podcast-Projekts in fünf Phasen von der Vorbereitung über die Aufnahme bis hin zur Evaluation und Präsentation.
4 Reflexion und Ausblick: Hier werden die gesammelten Erfahrungen aus 28 Produktionen analysiert, Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen bewertet und zukünftige Potenziale wie etwa fremdsprachige Podcasts diskutiert.
Schlüsselwörter
Podcasts, Berufsschule, Projektunterricht, Konstruktivismus, Audio-Produktion, Wirtschaftskunde, Mediendidaktik, eEducation, Lernhilfe, Urheberrecht, Schüler, Gruppenarbeit, Wissensvermittlung, kreatives Potenzial, Unterrichtsprojekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Integration von Podcasts als Lehrmethode an einer kaufmännischen Berufsschule, insbesondere den Wandel von reinem Konsum zu schülerzentrierter Medienproduktion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die didaktische Einordnung von Podcasts, die praktische Projektorganisation und die Reflexion über Lernerfolg, Motivation und rechtliche Anforderungen bei der Veröffentlichung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die schriftliche Fixierung und kritische Reflexion eines entwickelten Konzepts, das darauf abzielt, Schülern durch die Podcast-Produktion konstruktivistische Lernerfahrungen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem projektorientierten Ansatz („project-based learning“), der über mehrere 10-Wochen-Lehrgänge hinweg in der Praxis erprobt und mittels Feedbackschleifen adaptiert wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des Podcast-Einsatzes sowie die detaillierte Beschreibung der fünf Projektphasen, inklusive technischer und rechtlicher Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Berufsschule, Projektunterricht, Konstruktivismus, Audio-Produktion und Mediendidaktik geprägt.
Warum wird im Projekt verstärkt auf die Produktion und nicht auf die Rezeption gesetzt?
Die Rezeption von Podcasts zeigte sich als weniger effektiv, da Schüler beim passiven Konsum oft die Motivation verlieren oder oberflächlich lernen, während die Produktion die Autonomie und Kompetenz fördert.
Welche Rolle spielt das Urheberrecht im Projekt?
Das Urheberrecht ist ein zentraler Aspekt; da die Einholung von Rechten für kommerzielle Jingles zeitaufwendig ist, werden im Projekt ausschließlich lizenzfreie Werke unter Creative-Commons-Lizenzen verwendet.
Wie gehen die Schüler mit den technischen Anforderungen um?
Die technische Hürde ist real, da kaum Schüler Vorkenntnisse in Audioschnitt-Software haben, weshalb der Lehrende hier unterstützend eingreifen oder die Komplexität durch geeignete Rahmenbedingungen reduzieren muss.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Päd. Werner Prüher (Autor:in), 2011, Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178430