Unzählig viele Autoren preisen die Kraft des Coachings an.
Coaching als Instrument zur Steigerung der sozialen Kompetenz von Führungskräften (z.B. Jetter/ Skrotzki, 2005), die Chancen des Online- und Tele- Coaching (z.B. Rauen, 2003), die Steigerung der Fähigkeit der Selbstreflexion (z.B. Linke, 2003), generell, Coaching als Förderinstrument, um Mitarbeiterpotentiale zu wecken und entwickeln (z.B. Haberleitner et al, 2007), Coaching als Instrument der Produktivitätsoptimierung (z.B. Haberleitner et al, 2007), Coaching für weibliche Führungskräfte mit Fokus auf rollenspezifische Unterstützung (z.B. Siegl, 2003) und Coaching gar als Mittel demographischen Entwicklungen entgegenzuwirken (z.B. Mecke, 2007). Kurz: Coaching hat Vorteile für Mitarbeiter, Führungskräfte, Unternehmen und die Akteure der privaten Umfelder.
Verallgemeinernd lässt sich formulieren, dass Coaching positiv auf die berufliche Rolle als Schnittfeld zwischen der Persönlichkeit und der Organisation wirkt (Rauen, 2003: 3).
Ist Coaching demnach ein Allheilmittel? Ganz sicher nicht. Auch das Konzept des Coachings unterliegt Widrigkeiten. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die Grenzen des Coachings skizziert und diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Coaching in der bisherigen Personalentwicklung
3. Dieser Arbeit zu Grunde liegendes Verständnis von Coaching
4. Grenzen des Coachings
4.1. Zuvor vereinbarte Grenzen/ definierte Tabus
4.2. Kompatibilität der Persönlichkeiten
4.3. Gewöhnung an das Coaching
4.4. Durchsetzen von Organisationszielen
4.5. Verantwortungsübernahme
4.6. Abgrenzung zu angrenzenden Arbeitsformen
4.6.1. Abgrenzung von Psychotherapie und Coaching
4.6.2. Abgrenzung von Supervision und Coaching
4.6.3. Abgrenzung von Mentoring und Coaching
4.6.4. Abgrenzung von Beratung und Coaching
4.6.5. Abgrenzung von Training und Coaching
4.7. Kosten des Coachings und Messbarkeit des Erfolges
5. Weitere diskussionswürdige Aspekte bezüglich der Grenzen des Coachings
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, das Coaching als Personalentwicklungsinstrument kritisch zu beleuchten und aufzuzeigen, dass es kein universelles Allheilmittel ist, sondern spezifischen Grenzen unterliegt, die in der Praxis beachtet werden müssen.
- Theoretische Einordnung von Coaching in die Personalentwicklung
- Definition und Wesensmerkmale professionellen Coachings
- Analyse praktischer und struktureller Grenzen des Coaching-Prozesses
- Abgrenzung von Coaching zu anderen Beratungs- und Bildungsformaten (Psychotherapie, Mentoring, Fachberatung, Training)
- Diskussion von Kostenaspekten und Erfolgsmessung
Auszug aus dem Buch
4.6.1 Abgrenzung von Psychotherapie und Coaching
Das Coaching bedient sich vieler Techniken und Methoden aus der psychotherapeutischen Praxis. So kommt es zum Einsatz von Gesprächstechniken, Kreativitätsübungen, Rollenspielen und vielem mehr. Dennoch ist Coaching im Rahmen der Personalentwicklung lediglich für gesunde Personen gedacht. (Schreyögg, 1995: 65 f)
Teilweise ist die Entscheidung, ob Psychotherapie oder Coaching als adäquates Instrument anzusehen ist, sehr schwierig. Im Folgenden werde ich die Unterschiede der beiden Instrumente skizzieren und soweit notwendig mit Beispielen untermauern.
Coaching wird in der Regel im Profit- Bereich eingesetzt und dient zumeist Entscheidungsträgern. Psychotherapie hingegen zielt auf keine spezielle wirtschaftliche Zielgruppe und wird im Non- Profit- Bereich angewandt.
Demzufolge steht im Coaching die berufliche Rolle zumeist mit Schwerpunkten wie Leistung und Führung im Vordergrund. Es besteht ein konkreter Bezug zur Unternehmensrealität und zur Gegenwart. In der Psychotherapie hingegen werden tiefgehende private und persönliche Schwierigkeiten im Kontext der individuellen Lebensgeschichte, zum Teil vergangenheitsbezogen bearbeitet.
Die emotionale Betroffenheit der in der Psychotherapie behandelten Themen ist zumeist um ein vielfaches größer, als die im Coaching.
Ziel des Coachings ist die Verfolgung von Leistungszielen. Ziel der Psychotherapie ist hingegen die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit einer Person.
Coaching bedarf (betriebs-) wirtschaftlichen Know- Hows, Psychotherapie nicht.
In der Psychotherapie wird zumeist ursachenorientiert analysiert, im Coaching geht es vorrangig um die Erreichung eines Soll- Zustandes.
Coaching ist eine kurz- bis mittelfristige, Psychotherapie eine eher langfristige Maßnahme. (Rauen, 2003: 6)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Coachings ein und stellt die Fragestellung nach den Grenzen des Coaching-Konzepts als zentrales Thema der Arbeit vor.
2. Coaching in der bisherigen Personalentwicklung: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Coachings vom Beratungsinstrument für Top-Manager hin zum festen Bestandteil der Personalentwicklung.
3. Dieser Arbeit zu Grunde liegendes Verständnis von Coaching: Hier wird Coaching als interaktiver, personenzentrierter Prozess definiert und von bloßen Sammelbegriffen für Weiterbildung abgegrenzt.
4. Grenzen des Coachings: Dieses Hauptkapitel analysiert kritisch die Voraussetzungen, Einschränkungen und notwendigen Abgrenzungen von Coaching gegenüber anderen Disziplinen.
5. Weitere diskussionswürdige Aspekte bezüglich der Grenzen des Coachings: Der Autor weist darauf hin, dass die Arbeit lediglich einen Ausschnitt betrachtet und weitere Aspekte wie verschiedene Coaching-Formen für zukünftige Vertiefungen relevant sind.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Coaching ein wertvolles Instrument ist, jedoch klare Grenzen hat und bei klinischen oder strukturellen Problemen durch andere Maßnahmen ergänzt oder ersetzt werden muss.
Schlüsselwörter
Coaching, Personalentwicklung, Selbstreflexion, Beratungsformate, Psychotherapie, Führungskräfteentwicklung, Abgrenzung, Professionalität, Prozessberatung, Selbstmanagement, Organisationsziele, Erfolgsmessung, Supervision, Mentoring, Training
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Coaching als Instrument der Personalentwicklung und setzt sich kritisch mit der Annahme auseinander, dass Coaching universell einsetzbar sei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Coaching, die Identifikation von Grenzen des Coachings (sowohl personell als auch strukturell) sowie die Abgrenzung zu ähnlichen Arbeitsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Grenzen des Coachings in der Personalentwicklung aufzuzeigen, um ein realistisches Verständnis für dessen Anwendungsmöglichkeiten und Einschränkungen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung bestehender Definitionen und Abgrenzungskriterien für verschiedene Beratungsformate.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Tabuzonen, die Kompatibilität von Coach und Coachee, die Problematik der Verantwortungsübernahme und vergleicht Coaching detailliert mit Psychotherapie, Supervision, Mentoring, Fachberatung und Training.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Coaching, Personalentwicklung, professionelle Abgrenzung, Beratung, Reflexion und Wirksamkeitsgrenzen charakterisiert.
Warum ist die Abgrenzung zur Psychotherapie so wichtig?
Die Abgrenzung ist essenziell, da Coaching für gesunde Menschen im beruflichen Kontext konzipiert ist, während Psychotherapie auf klinische Störungen und tiefgreifende private Heilungsprozesse abzielt.
Kann ein Coach auch Probleme im Unternehmen durchsetzen?
Nein, der Autor betont, dass ein Coach nicht als "verlängerter Arm" der Geschäftsführung oder zum Missionar für Organisationsziele agieren darf, da dies das notwendige Vertrauensverhältnis zerstören würde.
Warum ist eine "Gewöhnung" an das Coaching problematisch?
Eine zu starke Gewöhnung kann dazu führen, dass der Coachee seine eigenen Selbstregulationsfähigkeiten verliert, anstatt sie durch das Coaching nachhaltig zu stärken und den Coach somit überflüssig zu machen.
- Arbeit zitieren
- Thorben Marahrens (Autor:in), 2008, Die Grenzen des Coachings in der PE, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170805