„Es ergibt ein Bild, das beruhigt!“, so kommentierte Baden-Württembergs Kultusministerin Marion Schick dieser Tage eine Pressemeldung ihres Ministeriums, die sich erneut mit dem wohl
meist diskutiertem Thema im Bereich Bildung, dem G8, befasst. Diese Pressemeldung veröffentlichte die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die herausfand, dass der Notendurchschnitt von G8 Schülern in der Sekundarstufe II nur um 0,44 Notenpunkte hinter dem der Schüler des
G9 zurückliegt.1 Doch sind diese Zahlen und Ergebnisse wirklich so beruhigend, wie Kultusministerien Schick sie kommunizieren möchte oder rühren sie eher von der Tatsache her, dass, auf Kosten der Qualität der schulischen Ausbildung, das Anforderungsniveau im G8 soweit gesenkt wurde, damit sich keine Leistungsunterschiede zwischen G8 und G9 feststellen lassen?
Diese Frage will der vorliegende Essay weder klären, noch kann er sie beantworten. Hingegen soll untersucht werden, inwieweit sich drei zentrale Themenbereiche (Funktion von Schule, Schulsystem, soziale Ungleichheit und Durchlässigkeit und Schulqualität/Qualitätssicherung) aus dem Seminar mit G8 vereinen lassen und, falls nötig, herausgearbeitet werden, worin eventuelle
Hindernisse begründet liegen. Dabei werden nun im Folgenden (Punkt 2) zunächst die einzelnen Themenbereiche definiert, über weiterführende Literatur mit dem Thema G8 verknüpft (3) und abschließend in einer kurzen Conclusio (4) bewertet werden. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass aufgrund der Länderhoheit
im Bereich Bildung und der damit resultierenden Unterschiede grundsätzlich auf das Land Baden-Württemberg Bezug genommen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Themen aus dem Seminar
2.1 Funktionen und Aufgabe von Schule (Schultheorie 1)
2.2 Schulsystem, soziale Ungleichheit und Durchlässigkeit (Schultheorie 2)
2.3 Schulqualität/Qualitätssicherung (Schulentwicklung)
3 Analyse der Fakten zu G8 im Hinblick auf das im Seminar Erlernte
3.1 G8 und die Qualifikationsfunktion von Schule
3.2 G8 und die Qualität der schulischen Ausbildung
3.3 G8 und Selektion von Schule
3.4 G8 und Durchlässigkeit von Schulen
4 Bewertung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die aktuelle Debatte um das achtjährige Gymnasium (G8) kritisch mit erziehungswissenschaftlichen Theorien zu verknüpfen und zu untersuchen, inwieweit das G8-Modell mit den zentralen Funktionen von Schule, wie sie in der Schultheorie definiert sind, vereinbar ist.
- Funktionen und Aufgaben von Schule (Qualifikation, Selektion, Integration)
- Schulsystem, soziale Ungleichheit und Durchlässigkeit
- Schulqualität und Qualitätssicherung durch Schulentwicklung
- Analyse der Auswirkungen von G8 auf die Qualifikationsfunktion und Schulleistungen
- Bewertung der Selektionsmechanismen und Durchlässigkeit innerhalb des aktuellen Schulsystems
Auszug aus dem Buch
G8 und die Qualifikationsfunktion von Schule
Polemisierende Sätze wie „Seit PISA wissen wir, was Bildung ist: Bildung ist, wenn 15-jährige ’ausreichende Kompetenzen’ im Lesen, Schreiben, Rechnen und in den Naturwissenschaften zeigen.“ sind hinlänglich bekannt; doch wie viel Wahrheit steckt dahinter? Fakt ist, dass in der eingangs erwähnten Studie nur die Fächer Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften untersucht wurden; dass dabei die größten Differenzen im Fach Latein, mit einem Unterschied von 0,92 Notenpunkten, auftraten, wird aufgrund der Tatsache, dass sich die Leistungen sowieso im hohen Bereich befänden und nur die wenigsten Schüler Latein belegten, somit also kaum ein repräsentatives Ergebnis erzielt werden könne, abgetan. Lässt man dies alles außer Acht, so findet sich dennoch in keiner Untersuchung eine Erwähnung der Künste und der Sozialwissenschaften. Ortwin Nimczik, seines Zeichens Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der HfM Detmold, mahnt deshalb zurecht an, dass die Schulreform die schon lange bestehende Tendenz unterstütze, sich nur auf die Kernfächer zu fixieren und Musik sowohl als Schulfach, als auch als AG links liegen zu lassen. Selbiges gilt aber auch für Fächer wie Geschichte, Sozial- bzw. Gemeinschaftskunde oder Religion/Ethik, ganz zu schweigen von Sport, in Zeiten, in denen ständig über die steigende Zahl an übergewichtigen Kindern diskutiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Einleitende Darstellung der G8-Debatte und Abgrenzung des Untersuchungsrahmens auf das Land Baden-Württemberg.
2 Themen aus dem Seminar: Definition der erziehungswissenschaftlichen Grundlagen wie Schultheorien, soziale Selektion und Aspekte der Schulqualität.
3 Analyse der Fakten zu G8 im Hinblick auf das im Seminar Erlernte: Empirische Betrachtung der G8-Auswirkungen unter Berücksichtigung von Qualifikation, Selektion und Durchlässigkeit.
4 Bewertung: Kritische Würdigung der G8-Reform unter Einbeziehung sozialer Gerechtigkeit und Überlegungen zu alternativen Bildungsmodellen.
Schlüsselwörter
G8, Schultheorie, Schulqualität, Qualifikationsfunktion, Selektion, Durchlässigkeit, Gymnasium, Bildungspolitik, Baden-Württemberg, soziale Ungleichheit, Schulentwicklung, Leistungsbewertung, Reformpädagogik, Schulzeitverkürzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit der Schulzeitverkürzung am Gymnasium (G8) mit zentralen pädagogischen Funktionen und gesellschaftlichen Anforderungen an das Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schultheorie (Funktionen von Schule), den Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit sowie der Qualitätssicherung innerhalb des schulischen Systems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die G8-Reform anhand theoretischer Konzepte zu hinterfragen und zu bewerten, ob das Modell den Anforderungen an eine hochwertige und gerechte Ausbildung gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung aktueller bildungspolitischer Studien und Pressemeldungen, um das Thema zu diskutieren.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Qualifikationsfunktion von Schule, die Qualität der Ausbildung unter G8-Bedingungen, Selektionsprozesse und die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Schultypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie G8, Schultheorie, Selektion, Durchlässigkeit, Schulqualität und Bildungsgerechtigkeit definiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Gymnasiums im G8-Kontext?
Der Autor kritisiert, dass das Gymnasium zum Statussymbol wurde und die Selektion durch G8 verstärkt wird, während alternative Bildungswege fälschlicherweise als minderwertig angesehen werden.
Welche Rolle spielt das sogenannte „Salemjahr“ in der Argumentation?
Das Salemjahr wird als Beispiel für ein Modell genannt, das Schülern Zeit zur persönlichen Entwicklung geben könnte, aber aufgrund finanzieller und politischer Widerstände verhindert wurde.
- Quote paper
- Johannes Hammer (Author), 2011, G8 und LPO - (un)vereinbar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168960