Ausgehend von der Aufgabe des treuhänderischen Einkäufers für TV-Spots und Printanzeigen, die im Auftrag von Werbeagenturen nach Mediaplänen gestaltet werden, haben viele Mediaa-genturen heute eher die Rolle eines Unternehmens eingenommen, das mit der eigentlich ob-jektive zu bewertenden Ware „Raum und Zeit der Medienpräsenz“ inzwischen Handel auf eigene Rechnung treibt.Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, die derzeitige Mediaagenturlandschaft in Deutschland zu beleuchten, den Rollenwandel dieser Spezialagenturen aufzuzeigen und eine Einordnung vorzunehmen, welche Einflüsse die aktuell hinter uns liegende Wirtschaftskrise auf die Media-Agenturen hatte. Anschließend wird ausgehend von einer Studie zur Zukunft der Mediaagen-turen ein Fazit gezogen, in welchem medialen Umfeld Mediaagenturen sich selbst und ihre Arbeit in den kommenden Jahren definieren werden müssen
Inhaltsverzeichnis
1 Die Mediaagenturlandschaft
1.1 Einleitung
1.2 Die Aufgaben der Mediaagenturen – früher und heute
1.3 Deutsche Mediaagenturen und deren Netzwerke
2 Das Geschäft der Mediaagenturen im Umbruch
2.1 Die Folgen der Wirtschaftskrise
2.2. Scaling: Beraten und verkauft?
3. Über die (mögliche) Zukunft der Mediaagenturen
3.1 Die Studie „Media Agency 2014“
3.2 Rückintegration: Back to the roots!
3.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den fundamentalen Rollenwandel von Mediaagenturen in Deutschland unter dem Einfluss der globalen Wirtschaftskrise. Dabei wird analysiert, wie sich das Geschäftsmodell von einer treuhänderischen Beratung hin zu einer eigengeschäftlichen Handelsfunktion verschoben hat und wie diese Entwicklung durch den wachsenden Kostendruck seitens der Werbekunden vorangetrieben wurde.
- Historische Entwicklung der Mediaagenturen und ihrer Aufgaben
- Strukturanalyse internationaler Media-Netzwerke in Deutschland
- Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Agenturvergütung und Pitch-Verhalten
- Das Geschäftsmodell "Scaling" als neue Erlösquelle und Transparenzherausforderung
- Zukunftsperspektiven der Branche hinsichtlich digitaler Konvergenz
Auszug aus dem Buch
2.2. Scaling: Beraten und verkauft?
Werbekunden vertrauten lange darauf, dass die Mediaagenturen treuhänderisch für sie tätig sind und honorierten diese Leistung dementsprechend. Da der Wettbewerb um Werbeetats mit deren Größe zunimmt, spielen Werbekunden zunehmend ihre Marktmacht gegenüber Werbeagenturen und deren im Netzwerk zugehörige Mediaagenturen aus. Trotz stetiger Senkungen der AE-Provisionen, der kontroversen Forderung nach Konditionentransparenz im Mediaeinkauf und konsequenter Beanspruchung der im Einkaufsprozess von den Medien gewährten monetären Rabatte und Naturalrabatte wie Freispots müssen sich Mediaagenturen teilweise Renditevorgaben ihrer Networks von bis zu 30 Prozent erfüllen.
Scaling (verkürzt von engl. “[big] scale“ = „[Einkauf im großen] Maßstab“, auch Broking oder Trading) von Werbeplätzen ist eine weitere Entwicklung in der Bündelung von Werbeplätzen, die hauptsächlich dazu bestimmt ist neue Wege der Finanzierung für Mediaagenturen zu finden. Externe Dritt- oder Dachfirmen (oftmals Ausgründungen von etablierten Mediaagenturen oder deren Netzwerkholdings) kaufen bei den Medienvermarktern Werbezeiten bzw. -flächen auf eigene Rechnung, eigenes Risiko und ohne spezifischen Kundenauftrag auf.
GroupM Trading ist die zentrale Einkaufsorganisation für die Bündelung des Bedarfs der vier WPP-Netzwerkagenturen Mediacom, Mindshare, MEC und Maxus, die in Deutschland aktuell einen Anteil von etwa 40% des Mediageschäftes innehaben, das macht GroupM Trading zum weltweit größten Einkäufer und Zwischenhändler von Mediaplätzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Mediaagenturlandschaft: Das Kapitel führt in das Selbstverständnis von Mediaagenturen ein und verdeutlicht den Wandel vom treuhänderischen Einkäufer zum eigenwirtschaftlichen Handelspartner.
1.1 Einleitung: Hier wird der Anlass der Arbeit – eine Imagekampagne der OMG – sowie die Zielsetzung zur Beleuchtung des Rollenwandels und der Kriseneinflüsse dargelegt.
1.2 Die Aufgaben der Mediaagenturen – früher und heute: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der Gründung in den 1970er Jahren bis zur heutigen Professionalisierung und den veränderten Marktstrukturen nach.
1.3 Deutsche Mediaagenturen und deren Netzwerke: Es erfolgt eine detaillierte Übersicht über die wichtigsten Marktteilnehmer und deren organisatorische Einbettung in internationale Werbeholdings wie WPP, Omnicom oder Aegis.
2 Das Geschäft der Mediaagenturen im Umbruch: Hier wird die Transformation des Marktes analysiert, die maßgeblich durch Kostendruck und veränderte Kundenbeziehungen geprägt ist.
2.1 Die Folgen der Wirtschaftskrise: Dieses Kapitel erläutert, wie die Wirtschaftskrise zu mehr Pitches, Budgetänderungen und einem erhöhten Erfolgsdruck auf Agenturen führte.
2.2. Scaling: Beraten und verkauft?: Das Kapitel beleuchtet das Geschäftsmodell des "Scaling", bei dem Mediaagenturen als Zwischenhändler auf eigene Rechnung agieren.
3. Über die (mögliche) Zukunft der Mediaagenturen: Dieses Kapitel wagt einen Ausblick auf die technologischen und inhaltlichen Herausforderungen der Branche.
3.1 Die Studie „Media Agency 2014“: Analyse zukünftiger Medientrends wie digitale Konvergenz und die zunehmende Verschmelzung von Unterhaltung und Werbung.
3.2 Rückintegration: Back to the roots!: Es wird aufgezeigt, wie Agenturen ihr Leistungsspektrum wieder in Richtung Kreativität und Marktstrategie ausweiten.
3.3 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der künftigen Marktbedingungen und der Notwendigkeit einer transparenteren, erfolgsabhängigen Honorierung.
Schlüsselwörter
Mediaagenturen, Werbemarkt, Wirtschaftskrise, Mediaplanung, Mediaeinkauf, Scaling, Media-Netzwerke, WPP, Omnicom, Agenturvergütung, AE-Provision, Kundenbeziehungen, Digitale Konvergenz, Bruttoumsätze, Markttransformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Rollenwandel von deutschen Mediaagenturen und untersucht, wie sich ihr Geschäftsmodell durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strukturelle Veränderungen in den letzten Jahren gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten gehören die Geschichte der Mediaagenturen, die Struktur globaler Werbenetzwerke, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ab 2007 sowie neue Geschäftsmodelle wie das Trading bzw. Scaling von Medienflächen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Transformationsprozess der Mediaagenturen hin zu einer eigenwirtschaftlichen Handelsrolle aufzuzeigen und zu klären, welchen Einfluss die Wirtschaftskrise auf die Kunden-Agentur-Beziehung hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung von Branchenstudien wie "Media Agency 2014" und der Analyse aktueller Wirtschaftsdaten von Institutionen wie der OMG oder GWA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die aktuellen Marktstrukturen und Akteure in Deutschland beschrieben, bevor die ökonomischen Folgen der Krise und die neue Strategie des "Scaling" kritisch hinterfragt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Mediaagenturlandschaft, Rollenwandel, Scaling, Wirtschaftskrise, Mediennetzwerke und Performance-Messung im Marketing.
Warum ist das Thema "Scaling" für Werbekunden problematisch?
Scaling führt zu einer Intransparenz beim Medieneinkauf, da Kunden oft nicht mehr nachvollziehen können, ob die Media-Empfehlung neutral erfolgt oder auf bereits günstig eingekauften Kontingenten der Agentur basiert.
Welchen Einfluss hatte der Sarbanes-Oxley Act auf die Mediaagentur-Branche?
Der Sarbanes-Oxley Act wird als ein gesetzlicher Hebel diskutiert, um die Transparenz in der Finanzberichterstattung zu erhöhen und somit die Media-Compliance im Umgang mit Kundenbudgets in Zukunft besser zu regulieren.
- Arbeit zitieren
- Tobias Reinold (Autor:in), 2010, Die Rolle der Mediaagenturen im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167930