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Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland'

Wollte Hegel ein zweiter, ein deutscher Machiavelli sein?

Title: Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland'

Term Paper , 2009 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Rönicke (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

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Summary Excerpt Details

I. Einleitung

Hegel beginnt seine Schrift die Verfassung Deutschlands mit den Worten: „Deutschland ist kein Staat mehr.“ Ernst Cassirer sieht in diesem ungewöhnlichen Beginn eine politi-sche Verzweiflung, die er den historischen Umständen, in denen Hegel sich 1801 be-fand, zuschreibt. Ähnlich wie Fichte, der im Jahr 1807 einen Aufsatz über Machiavelli schrieb , zitierte Hegel in seiner Schrift aus Machiavellis Il Principe, genau wie Fichte sechs Jahre später, wählte er dafür das letzte, das 26. Kapitel. Hegel schrieb darauffol-gend: „Man kann annehmen, dass ein Mann, der mit dieser Wahrheit des Ernstes spricht, weder Niederträchtigkeit im Herzen, noch Spaß im Kopf hatte.“ Eine Würdi-gung Machiavellis, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten, die zwischen Hegel und dem Florentiner lagen, selten zu finden ist . Hegel interessiert sich vor allem auch für die historischen Hintergründe, die Machiavelli zur Niederschrift seines „Fürsten“ be-wegt haben. In der kurzen Schilderung der italienischen Geschichte kommt er zum Schluss: „es [Italien] hörte auf ein Staat zu sein.“ Damit schafft eine direkte Verbin-dung zwischen dem Italien Machiavellis mitsamt seinen politischen Problemen und dem Deutschland Hegels selbst, dem er eine ähnlich prekäre Lage unterstellt. Cassirer interpretiert in diese Haltung hinein, Hegel habe der zweite Machiavelli sein wollen.
Diese Behauptung Cassirers infrage stellend, ist es das Ziel dieser Hausarbeit, zu klären, in wieweit die politische Theorie Machiavellis in Hegels Verfassungsschrift Einzug hielt. Diese Schrift, die Hegel mit Anfang dreißig beendete, gilt als ein Werk des frühen Hegels. Im Vergleich zur Auseinandersetzung mit Hegels anderen Schriften, vor allem den späteren Werken (Phänomenologie des Geistes, Rechtsphilosophie uvm.) wurde es nur wenig diskutiert. Die meisten Rezipienten stellten es sogleich in Zusammenhang mit Machiavelli und dem Begriff der Staatsräson (z.B. Cassirer, Ottmann, Zenkert) . Keiner geht jedoch so weit, wie Cassirer. Beeinflusst durch Machiavelli – ja sicher.

Um der Frage nachzugehen, ob Hegel ein zweiter Machiavelli sein wollte, werden dessen Werke Il Principe und Discorsi betrachtet, die umfänglich Machiavellis Politisches Ideal beschreiben. Er hat mit der Niederschrift seines Gelegenheitswerkes Il Principe eine politische Notlage beschrieben und einen möglichen Ausweg. In den Discorsi breitet er seine politische Theorie, angelehnt an die Lektüre Polybios‘ und Livius‘, voll aus.
...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Begründung einer modernen Staatsethik bei Machiavelli und Hegel

II.1. Die politisch-historischen Hintergründe im Vergleich

II.2. Die Staatsethik bei Machiavelli

II. 3. Hegel und die Entwicklung einer deutschen Staatsethik

III. Machttheorien

III.1. Machiavellis Lehre der Technik der Macht

III.2. Herrschaft und Macht bei Hegel

III.3. Zusammenfassung

III. Die Verfassung

III. 1. Machiavellis Mischverfassung

IV. 2. Hegel zur Verfassung eines Staates

V. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Hausarbeit untersucht die Rezeption und Verbreitung von Machiavellis Staatsdenken im Werk Hegels, insbesondere in dessen Schrift "Die Verfassung Deutschlands", um zu klären, inwieweit beide Denker als geistesverwandt betrachtet werden können oder ob sie lediglich durch ähnliche krisenhafte historische Umstände geprägt waren.

  • Vergleich der politisch-historischen Hintergründe Italiens (16. Jh.) und Deutschlands (19. Jh.).
  • Analyse der Staatsethik bei Machiavelli und Hegel hinsichtlich Macht und Verantwortung.
  • Untersuchung der Machttheorien, speziell der Konzepte Virtù, Fortuna, Occasione und Necessità.
  • Gegenüberstellung der Verfassungsideale, insbesondere der Mischverfassung und der Bedeutung staatlicher Institutionen.
  • Erarbeitung der Unterschiede im Staatsverständnis, speziell der Rolle des Volkes als Adressat der Theorie.

Auszug aus dem Buch

III.1. Machiavellis Lehre der Technik der Macht

In Il Principe beginnt Machiavelli in seiner Widmung an Lorenzo de’Medici mit einer Erläuterung des Zweckes der folgenden Kapitel. Einerseits sei es ein Geschenk, das er diesem unterbreite, um dessen Gnade zu erlangen. Das Geschenk ist „die Kenntnis der Taten großer Männer“, welche Machiavelli niedergeschrieben hat. Er äußert desweiteren seinen „sehnlichsten Wunsch“: „daß Ihr [Lorenzo de’Medici] jene Größe erlangen möget, die euch das Glück und eure Talente versprechen.“ Eine andere Übersetzung dieses Wunsches lautet: „Sie auf jener Höhe der Macht zu sehen, zu welcher Sie das Schicksal und ihre vortrefflichen Talente bestimmt haben.“ ‚Größe‘ meint also vor allem ‚Macht‘ des Lorenzo de’Medici und ist das Ziel Machiavellis, das er mit der Niederschrift seiner Kenntnisse in Il Principe verfolgt.

In dessen ersten Kapitel findet eine Auseinandersetzung mit „den Formen der Fürstenherrschaft und den Arten, sie zu erwerben“ statt. Wie also erlangt ein Fürst überhaupt Macht in einem Staat? Typisch Machiavelli wird in einer binären Codierung eine ererbte von einer neu erworbenen Herrschaft unterschieden. In ersterer „genügt es, die politischen Einrichtungen der Vorfahren lediglich nicht zu vernachlässigen und sie dem Zeitgeschehen anzupassen“. Der Focus in Il Principe ist aber vor allem auf die neu erworbenen Fürstentümer gerichtet. Entsprechend länger sind Machiavellis Ausführungen zum Machterwerb in denselben, die er mit einigen Beispielen seiner eigenen Zeit, zum Beispiel dem Versuch der Venetianer, die Lombardei zu gewinnen, und Beispielen aus der Zeit der Römer und deren Provinzen, untermauert. Unter anderem hätten letztere stets die Mächtigen ihrer neuen Provinzen geschwächt und den Schwächeren beigestanden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Hegel der "zweite Machiavelli" sein wollte, und verortet das Werk im historischen Kontext der Krisenzeit um 1800.

II. Begründung einer modernen Staatsethik bei Machiavelli und Hegel: Es wird untersucht, wie Machiavelli und Hegel auf instabile politische Lagen reagieren und welche Rolle der Begriff der Staatsethik dabei einnimmt.

II.1. Die politisch-historischen Hintergründe im Vergleich: Dieses Kapitel stellt die kriegerischen und instabilen Verhältnisse in Italien im 16. Jahrhundert den napoleonischen Kriegen und der deutschen Anarchie zu Hegels Zeit gegenüber.

II.2. Die Staatsethik bei Machiavelli: Der Autor erläutert Machiavellis Vorstellung eines modernen, weltlichen Staates, in dem der Fürst die Verantwortung für Stabilität und äußere Sicherheit trägt.

II. 3. Hegel und die Entwicklung einer deutschen Staatsethik: Hier wird Hegels Wunsch nach einem starken Staat analysiert, der seine Gesundheit besonders in der Bewegung des Krieges offenbare.

III. Machttheorien: Dieser Abschnitt vergleicht die theoretischen Grundlagen der Machtausübung bei beiden Denkern.

III.1. Machiavellis Lehre der Technik der Macht: Der Fokus liegt auf der Instrumentalisierung von Macht durch Virtù, Occasione, Fortuna und Necessità.

III.2. Herrschaft und Macht bei Hegel: Hegel betrachtet Macht primär als einigendes Element und setzt sie in den Kontext der Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft.

III.3. Zusammenfassung: Die Kernaussagen zur Macht bei beiden Denkern werden zusammengeführt und Unterschiede in der Zielrichtung (Fürst vs. Volk) hervorgehoben.

III. Die Verfassung: Analyse der Ansichten zu Verfassungsformen und staatlicher Stabilität.

III. 1. Machiavellis Mischverfassung: Machiavellis Präferenz für eine Mischverfassung (nach römischem Vorbild) als Garant für Stabilität wird dargelegt.

IV. 2. Hegel zur Verfassung eines Staates: Hegel argumentiert für die Notwendigkeit einer "richtigen" Verfassung und betont die Variationsbreite von Staatsorganisationen.

V. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Gemeinsamkeiten und Unterschiede und ordnet das Denken beider Autoren in einen realistischen politischen Kontext ein.

Schlüsselwörter

Machiavelli, Hegel, politische Theorie, Staatsethik, Macht, Verfassung, Staatsräson, Virtù, Fortuna, politischer Realismus, Souveränität, Machtstaat, Gemeinwohl, Geschichte, Deutschland

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Ähnlichkeiten und Unterschiede im politischen Denken von Machiavelli und Hegel, insbesondere wie beide Denker in krisenhaften Zeiten nach Wegen zur staatlichen Einigung und Stabilisierung suchten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Staatsethik, die Konzepte von Macht, Herrschaft und Verfassung sowie die historische Kontextualisierung der jeweiligen Schriften.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Behauptung zu prüfen, Hegel habe der "zweite Machiavelli" sein wollen, indem die politische Theorie beider Autoren in Bezug auf ihre Zielsetzung und Umsetzung verglichen wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, bei der primäre Quellentexte von Machiavelli und Hegel unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die politisch-historischen Hintergründe, die Staatsethik, spezifische Machttechniken, die Konzepte zur Verfassungsgebung und die Rolle der Staatsgewalt bei beiden Denkern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Machiavelli, Hegel, politische Theorie, Staatsethik, Macht, Verfassung, politischer Realismus und Souveränität.

Worin besteht laut der Arbeit der Hauptunterschied zwischen Machiavelli und Hegel bei der Adressierung ihrer Theorie?

Während Machiavelli seine Ratschläge primär an die Mächtigen und Fürsten richtet, versteht sich Hegel eher als "Volkserzieher", der versucht, das gesamte Volk in den Prozess der staatlichen Einigung einzubeziehen.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des "Zufalls" in Hegels Staatsdenken?

Hegel ordnet die Verschiedenartigkeit von Verfassungen dem Bereich des Zufalls zu, betrachtet diesen jedoch als Teil der Wirklichkeit eines Staates, der innerhalb moderner Staatsorganisationen zugelassen werden muss.

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Details

Title
Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland'
Subtitle
Wollte Hegel ein zweiter, ein deutscher Machiavelli sein?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Politische Theorie, Dozent: Prof. Herfried Münkler
Grade
1,3
Author
Katrin Rönicke (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V167760
ISBN (Book)
9783640844630
ISBN (eBook)
9783640847167
Language
German
Tags
Machiavelli Hegel Politische Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Rönicke (Author), 2009, Die Rezeption und Verbreitung Machiavellis Staatsdenkens am Beispiel Hegels 'Die Verfassung von Deutschland', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167760
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