Kaum eine Tatsache gilt in unserer Gesellschaft als so unumstößlich, wie die Geschlechtszugehörigkeit. Niemand kann sich aussuchen, ob er als Junge oder Mädchen geboren wird. Man ist eben entweder männlich oder weiblich.Deswegen beschäftige ich mich in der vorliegenden Arbeit mit einem Phänomen, das gesellschaftlich und wissenschaftlich umstrittener, da kausal nicht erklärbar ist; dem Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung, obwohl die eigenen Geschlechtsorgane eindeutig ausgebildet und voll funktionstüchtig sind: der Transsexualität. Ich möchte der Frage nachgehen, was Transsexualität ist, wie sie erklärt werden kann und wie mit transsexuellen Menschen verfahren wird, die einen Arzt aufsuchen. Da die Transsexualität als eine Störung der Geschlechtsidentität gilt, beginne ich mit der Klärung des Begriffs der Geschlechtsidentität und den wichtigsten Erklärungsansätzen zu ihrer Entstehung. Anschließend soll es darum gehen, was unter Transsexualität zu verstehen ist und wie sie sich äußert. Es folgt ein Einblick in die wichtigsten Ansätze zur Entstehung der Transsexualität sowie in das Vorgehen bei ihrer Behandlung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlechtsidentität
2.1 Die Komponenten der Geschlechtsidentität
2.1.1 Die Kern-Geschlechtsidentität
2.1.2 Die Geschlechtsrolle
2.1.3 Die Geschlechtspartnerorientierung
3. Theorien zur Entwicklung der Geschlechtsidentität
3.1 Psychoanalytischer Ansatz nach Margaret Mahler
3.2 Lerntheoretischer Ansatz nach John Money
3.3 Kognitiv-struktureller Ansatz nach Lawrence Kohlberg
4. Transsexualität
4.1 Zum Begriff der Transsexualität
4.2 Symptome
4.3 Diagnostik
4.4 Die Rechtslage
5. Erklärungsansätze für die Transsexualität
5.1 Somatisch
5.2 Psychoanalytisch
5.2.1 Robert Stoller
5.2.2 Leslie Lothstein
5.3 Zusammenfassung
6. Behandlungsmöglichkeiten bei transsexuellen Patienten
6.1 Therapeutische Behandlung
6.1.1 Verhaltenstherapie bei transsexuellen Kindern
6.1.2 Therapie bei transsexuellen Jugendlichen
6.1.3 Therapie bei transsexuellen Erwachsenen
6.2 Die Geschlechtsangleichung
7. Die Rolle der therapeutischen/ sozialpädagogischen Begleitung
8. Kritische Betrachtung
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Transsexualität als Störung der Geschlechtsidentität. Ziel ist es, den Begriff der Geschlechtsidentität zu klären, verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für die Entstehung von Transsexualität zu beleuchten und das klinische Vorgehen bei der Behandlung sowie die Rolle der sozialpädagogischen Begleitung kritisch zu diskutieren.
- Definition und Komponenten der Geschlechtsidentität
- Theoretische Perspektiven zur Identitätsentwicklung (Psychoanalyse, Lerntheorie, Kognitivismus)
- Symptomatik und diagnostische Kriterien der Transsexualität
- Medizinische und therapeutische Behandlungsstrategien
- Kritische Reflexion über die Angemessenheit chirurgischer Geschlechtsangleichungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Psychoanalytischer Ansatz nach Margaret Mahler
Margaret Mahlers Konzept entstand aus psychoanalytischen Erkenntnissen und hebt die frühkindliche Entwicklung als entscheidend für die Bildung der Geschlechtsidentität hervor.
In den ersten zwei Lebensmonaten hat das Kind noch keine Selbstwahrnehmung, so dass es kaum zwischen sich selbst und der Mutter, die seine Bedürfnisse befriedigt, differenzieren kann. Es erlebt eine Art Symbiose zwischen sich und seiner Mutter. Erst im dritten Lebensmonat entwickelt das Kind innerhalb dieser Symbiose die Wahrnehmung des eigenen Körpers, sowie von Innen und Außen und von Ich und Nicht-Ich. In dieser Phase sieht Mahler einen wichtigen Schritt für das Identitätsgefühl des Kindes: die Entwicklung des sog. Urvertrauens. Das Urvertrauen ist für die spätere Sicherheit im Bezug auf das eigene Geschlecht und die Beziehungsfähigkeit grundlegend. Die Ursachen für einen mangelnden Aufbau des Vertrauens liegen in der Mutter-Kind Beziehung: wenn sich die Mutter dem Kind z.B. aus Überforderung physisch und emotional entzieht, als frustriert erlebt wird oder nur eingeschränkten körperlichen Kontakt zulässt.
In den folgenden Monaten lernt das Kind schließlich, sich als von der Mutter getrennt wahrzunehmen; die Phase der Individuation beginnt. Mit wachsender Mobilität übt das Kind die räumliche Trennung von der Mutter sowie die Rückkehr. Die Interaktion zwischen Mutter und Kind ist gekennzeichnet von Signalen, die das Kind gibt und den selektiven Reaktionen der Mutter. Aufgrund dieser Reaktionen beginnt das Kind, sein Verhalten zu verändern und sich an die Mutter anzupassen. Es benötigt jedoch immer den emotionalen Rückhalt der Mutter. Ist dieser durch feindselige Reaktionen oder Zurückweisung nicht gegeben, kann das Kind das, laut Mahler, als Ablehnung sich selbst gegenüber auffassen, also seinem Geschlecht gegenüber. Um die Zuneigung der Mutter zu erlangen, können gegengeschlechtliche Verhaltensweisen übernommen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die gesellschaftliche Relevanz der Geschlechtszugehörigkeit und Zielsetzung der Untersuchung von Transsexualität.
2. Geschlechtsidentität: Definition des Konzepts sowie Erläuterung der Komponenten Kern-Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und Geschlechtspartnerorientierung.
3. Theorien zur Entwicklung der Geschlechtsidentität: Darstellung der Ansätze von Margaret Mahler, John Money und Lawrence Kohlberg.
4. Transsexualität: Definition des Begriffs, Beschreibung der Symptomatik, diagnostische Kriterien und rechtliche Rahmenbedingungen.
5. Erklärungsansätze für die Transsexualität: Diskussion somatischer und psychoanalytischer Erklärungsmodelle unter Einbeziehung von Stoller und Lothstein.
6. Behandlungsmöglichkeiten bei transsexuellen Patienten: Überblick über therapeutische Ansätze für unterschiedliche Altersgruppen sowie den Ablauf einer Geschlechtsangleichung.
7. Die Rolle der therapeutischen/ sozialpädagogischen Begleitung: Erörterung der Unterstützungsmöglichkeiten beim sozialen Übergang und der Bewältigung des neuen Lebensalltags.
8. Kritische Betrachtung: Reflexion über die medizinische Praxis und die Debatte um die Sinnhaftigkeit operativer Eingriffe bei Identitätsproblemen.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der ungeklärten Ätiologie und der ethischen Herausforderungen im Umgang mit Transsexualität.
Schlüsselwörter
Transsexualität, Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle, Geschlechtsangleichung, Psychoanalyse, Lerntheorie, Kognitive Entwicklung, Identitätsentwicklung, Verhaltenstherapie, Sozialpädagogische Begleitung, Somatische Theorien, Geschlechtsumwandlung, Persönlichkeitsstörung, Identitätskonflikt, Körperbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Thematik der Transsexualität, betrachtet diese als eine Störung der Geschlechtsidentität und untersucht die damit verbundene Problematik für die Betroffenen sowie die therapeutischen Vorgehensweisen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Geschlechtsidentität in der Kindheit, die verschiedenen theoretischen Erklärungsansätze für Transsexualität, die diagnostische Einordnung sowie die medizinische Behandlung und sozialpädagogische Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte klären, was Transsexualität ist, wie sie wissenschaftlich erklärt werden kann und wie der klinische sowie therapeutische Umgang mit Menschen aussieht, die eine Geschlechtsangleichung anstreben.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Arbeit nutzt psychoanalytische Konzepte, lerntheoretische Ansätze und kognitionspsychologische Theorien zur Identitätsbildung, um das Phänomen Transsexualität einzuordnen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Entstehungstheorien, die diagnostischen Kriterien, die konkreten therapeutischen Behandlungsschritte bei verschiedenen Altersgruppen und die kritische Auseinandersetzung mit der operativen Geschlechtsangleichung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Geschlechtsidentität, Transsexualität, Geschlechtsangleichung, Psychoanalyse und therapeutische Begleitung charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Mutter-Kind-Symbiose nach Stoller?
Stoller sieht in einer gestörten, symbiotischen Beziehung zur Mutter einen wesentlichen Faktor, der die gesunde Loslösung des Kindes verhindert und somit die Entwicklung einer transsexuellen Identität begünstigen kann.
Warum ist die Behandlung bei Erwachsenen laut den zitierten Autoren schwierig?
Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei Erwachsenen die Identitätsstörung bereits zu fest in der Persönlichkeit verankert ist und oft der Wunsch nach einer Operation stärker ist als die Einsicht in eine psychische Behandlungsnotwendigkeit.
- Arbeit zitieren
- Hanna Kunze (Autor:in), 2010, Transsexualität als eine Störung der Geschlechtsidentität, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167283