Diese Arbeit entstand im Rahmen des französistischen Seminars „Paris vu par... – Der Mythos von Paris in der französischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts“. Sie verfolgt das Ziel, die Darstellung der Stadt Paris, als herausragender Repräsentant des Denkens und Wirkens der französischen Gesellschaft(en), in Émile Zolas 1883 erschienenen Roman Au Bonheur des Dames zu untersuchen.
Dazu soll in einem ersten Kapitel der historische und literaturgeschichtliche Hintergrund des Werkes und seines Inhaltes näher beleuchtet werden, bevor sich daraufhin mit der Analyse des Romans im Lichte obengenannten Zieles der Schwerpunkt der Arbeit anschließt.
Zur Illustrierung der Ausführungen herangezogene Zitate werden sowohl aus der französischen Originalausgabe, zuweilen aber auch aus einer deutschen Werkübersetzung entnommen, und sind entsprechend gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. SECOND EMPIRE, HAUSSMANNISIERUNG, NATURALISMUS – EINORDNUNG DES ROMANS IN SEINEN HISTORISCHEN UND LITERATURGESCHICHTLICHEN KONTEXT
2.1 GESCHICHTLICHER HINTERGRUND: DAS ZWEITE KAISERREICH UNTER NAPOLÉON III.
2.2 DAS AUFKOMMEN DES REALISMUS UND ÉMILE ZOLAS NATURALISMUS
2.3 DIE UMGESTALTUNG DER HAUPTSTADT DURCH BARON HAUSSMANN
3. DIE DARSTELLUNG VON STADT UND GESELLSCHAFT IM ROMAN AU BONHEUR DES DAMES
3.1 GRUNDLEGENDES
3.2 DER KAMPF ZWEIER MÄCHTE: DAS ALTE VS. DAS NEUE PARIS
3.3 DAS ZENTRALE MOTIV DER VERFÜHRUNG
3.4 ARCHITEKTUR UND STRATEGISCHER STANDPUNKT DES KAUFHAUSES IN HAUSSMANNS NEUEM PARIS
3.5 DAS KAUFHAUS ALS SPIEGEL DER GESELLSCHAFT
3.6 DER STANDPUNKT DES AUTORS ZWISCHEN KRITIK UND FORTSCHRITTSGLAUBEN
4. SCHLUSS
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Paris als zentralem Schauplatz und Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen in Émile Zolas Roman "Au Bonheur des Dames". Das Hauptziel besteht darin, die Verbindung zwischen der städtebaulichen Umgestaltung unter Haussmann, dem Aufstieg des modernen Konsums und den soziokulturellen Auswirkungen auf das Bürgertum und die Arbeiterschicht im Zweiten Kaiserreich zu analysieren.
- Historischer Kontext des Zweiten Kaiserreichs unter Napoléon III.
- Die ästhetische und soziale Transformation von Paris durch Baron Haussmann.
- Naturalistische Schreibweise und die Metaphorik des Kaufhauses als "Ungeheuer" oder "Maschine".
- Der Konflikt zwischen traditionellem Kleinhandel und aufstrebendem Warenhaus-Kapitalismus.
- Die Figur der Denise als Brücke zwischen sozialer Kritik und Fortschrittsoptimismus.
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Kampf zweier Mächte: das alte vs. das neue Paris
Die gesellschaftlichen und städtebaulichen Veränderungen zur Zeit Napoléons III. werden von Zola in diesem Roman anhand des Kampfes zwischen den alteingesessenen Händlern des vieux commerce und dem neuartigen großen Kaufhaus Octave Mourets (nouveau commerce) sichtbar gemacht (cf. Firges 1998: 103). So steht das oftmals seit Generationen in Familienbesitz weilende kleine Geschäft, mit seinem beschränkten Warenangebot und festem Kundenstamm für das alte, vor Haussmanns Stadtumbauprogramm bestehende Paris. Bereits im ersten Kapitel des Romans, als die verwaiste, 20-jährige Protagonistin Denise mit ihren beiden jüngeren Brüdern aus der Normandie in der Hauptstadt eintrifft, versetzt ihr der Anblick des Geschäftes ihres Onkels einen Stoß: Das Haus und der Laden erscheinen klein und dunkel, verkommen, übelriechend und feucht. Auf die Präsentation der Waren wird kaum Wert gelegt. Die Lebensverhältnisse der verwandten Familie sind bescheiden und äußerst beengt. Besonders die Frauen der Familie, Mme. Baudu und die Tochter Geneviève, wirken kränklich und kraftlos, letztere gar „bleich wie eine Schattenpflanze“ (Zola 1963: 13).
Auch die weiteren, im Verlaufe der Handlung vorgestellten Vertreter des alten Handels, wie etwa der kauzige Schirmhändler Bourras, fügen sich in dieses Bild. Zola stellt sie dem Leser als alte und todgeweihte Menschen vor, die sich jeglicher Weiterentwicklung bzw. Fortschrittsgedanken verschließen und dem neuen, riesigen Konkurrenten mit Wut und Unverständnis begegnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Der Autor erläutert die Entstehung der Arbeit im Kontext eines französistischen Seminars und skizziert das Ziel, die Stadt Paris als Repräsentant der französischen Gesellschaft bei Zola zu untersuchen.
2. SECOND EMPIRE, HAUSSMANNISIERUNG, NATURALISMUS – EINORDNUNG DES ROMANS IN SEINEN HISTORISCHEN UND LITERATURGESCHICHTLICHEN KONTEXT: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund des Zweiten Kaiserreichs, definiert den literarischen Naturalismus Zolas und beleuchtet die radikalen städtebaulichen Umbaumaßnahmen unter Baron Haussmann.
3. DIE DARSTELLUNG VON STADT UND GESELLSCHAFT IM ROMAN AU BONHEUR DES DAMES: Der Hauptteil analysiert den Konflikt zwischen altem Handel und modernem Warenhaus, das zentrale Motiv der Verführung, die Architektur des Konsums sowie die Rolle des Kaufhauses als sozialer Spiegel und Kritikfeld.
4. SCHLUSS: Die Arbeit fasst zusammen, wie Zola den soziokulturellen Wandel und das Spannungsfeld zwischen Kapitalismuskritik und Fortschrittsglauben literarisch verarbeitet und bewertet.
Schlüsselwörter
Émile Zola, Au Bonheur des Dames, Second Empire, Haussmannisierung, Realismus, Naturalismus, Paris, Konsumgesellschaft, Warenhaus, Stadtumbau, Sozialkritik, Fortschrittsglaube, Industrielle Revolution, Kapitalismus, Soziologie der Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Émile Zolas Roman "Au Bonheur des Dames" unter Berücksichtigung des historischen Hintergrunds des Zweiten Kaiserreichs in Frankreich und der städtebaulichen Veränderungen in Paris.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen den Wandel der urbanen Struktur durch Haussmann, das Aufkommen der modernen Konsumkultur durch Warenhäuser sowie die soziologische Beschreibung der Gesellschaft in Zolas naturalistischem Romanwerk.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Darstellung von Paris als Spiegelbild des gesellschaftlichen Denkens und Handelns im 19. Jahrhundert in Zolas Werk zu untersuchen und dabei den Konflikt zwischen Fortschritt und Tradition zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in seinen historischen, soziologischen und literaturtheoretischen Kontext einbettet und dabei Zolas naturalistische Arbeitsweise (Milieutheorie, Beobachtung) anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Wettbewerb zwischen altem Kleinhandel und modernem Warenhaus, dem Motiv der Verführung, der architektonischen Symbolik des Kaufhauses sowie den Lebensbedingungen der Angestellten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Naturalismus, Second Empire, Haussmannisierung, Konsumgesellschaft, Warenhaus und soziale Determiniertheit geprägt.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Denise im Roman?
Denise fungiert als zentrale Figur, die trotz Mitleid mit den Verlierern des Wandels an den Fortschritt glaubt und durch ihre Position einen Ausgleich zwischen kapitalistischem Erfolg und sozialer Verantwortung anstrebt.
Was bedeutet das Bild des "Ungeheuers" oder "Kolosses" in der Analyse?
Diese Metaphern beschreiben die raumgreifende, bedrohliche Natur des modernen Kaufhauses, das kleine Geschäfte verdrängt und das Leben der Menschen im Viertel sowie der Angestellten dominiert.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2010, Emile Zola: Au Bonheur des Dames oder Das Paris des Second Empire, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163596