Ein Blick in ein Klassenzimmer einer österreichischen Volksschule verrät es: jedes 4. bis 5. Kind leidet bereits in jungen Jahren an einer massiven Essstörung. Wird dann noch der Blick in das Innere einer Jausenbox eines der Kinder gestattet, wird schnell klar, woher das Zuviel auf den Rippen kommen könnte. In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, wie es sein kann, dass trotz der ständigen Medienpräsenz des Themas „gesunde Ernährung“ das Übergewicht (Adipositas) sogar bei den Kleinen ein so großes Problem darstellt. Welche Faktoren beeinflussen das Ernährungsverhalten bzw. welche Faktoren müssen berücksichtigt werden, um eine tatsächliche Verhaltensänderung in Bereich der gesunden Ernährung herbei zu führen? Ein Praxisleitfaden am Ende der Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, um die Komplexität des Themas nochmals zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Forschungsfrage
1.2. Aufbau und Recherche / Methode
2. Aufbau der Arbeit
2.1. Begrifflichkeiten
2.1.1. Sex / Gender / Gender Mainstreaming
2.1.2. Doing gender beim Essverhalten
2.1.3. Essen vs. Ernährung
2.1.4. Gesunde Ernährung
2.1.5. Ernährungsbedingte Krankheiten
2.1.6. Adipositas
2.1.6.1. Psychosoziale Folgen von Adipositas
2.1.6.2. Risikofaktoren für Adipositas
2.1.7. BMI (Body-Mass-Index)
2.1.8. Prävention
2.2. Grundlegende Annahmen und Konstrukte
2.2.1. Entwicklung der Geschlechtsidentität
2.2.1.1. Erklärungsansätze für die Entwicklung der Geschlechtsidentität
2.2.2. Entwicklung des Essverhalten
2.2.3. Pränatale Prägung
2.2.4. Postnatale Prägung
2.2.5. Mere Exposure Effekt
2.2.6. Spezifisch-sensorische Sättigung
2.2.7. Essen und Emotionen: Geschlechtsunterschiede
2.2.8. Kognitive Steuerung
2.3. Gesundheitspsychologische Theorien und Ernährungsverhalten
2.3.1. Health Belief Model (Einstellungsmodell)
2.3.2. Sozialkognitive Theorie von Bandura
2.4. Ernährung der Vorbilder: Männer und Frauen in Österreich
2.5. Ist-Situation Ernährung Jungen und Mädchen in Österreich
3. Therapiekonzepte für adipöse Jungen und Mädchen
3.1. Ernährungsmanagement
3.2. Sport und Bewegung für Jungen und Mädchen
3.3. Verhaltenstherapeutische Ansätze für Jungen und Mädchen
3.4. Ernährungserziehung / Ernährungswissen
4. Adipositas Prävention im Kindesalter: Settingbezogene Maßnahmen
4.1. Schulbasierte Prävention der Adipositas
4.1.1. Ansatzpunkt Sportunterricht
4.1.2. Ansatzpunkt Ernährung in der Schule
4.1.3. Ansatzpunkt Familie bzw. Eltern und Schule
5. Schluss / Fazit
6. Praxisleitfaden
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Faktoren, die das Ernährungsverhalten von Kindern im Volksschulalter beeinflussen, um nachhaltige Möglichkeiten zur Prävention von Adipositas aufzuzeigen und ein länger anhaltendes Wohlbefinden zu fördern. Die Forschungsfrage lautet: „Wie kann das Ernährungsverhalten von Jungen und Mädchen im Volksschulalter positiv beeinflusst werden?“
- Psychologische und soziologische Einflüsse auf das Ernährungsverhalten (z. B. Geschlechtsidentität, Emotionen, soziale Umwelt).
- Entwicklungsbiologische Aspekte und Prägungsphasen von der pränatalen Zeit bis zum Schulalter.
- Therapeutische und präventive Ansätze im schulischen und familiären Setting.
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahrnehmung und Umsetzung von Ernährungsempfehlungen.
- Die zentrale Rolle der Eltern als Vorbilder und Gestalter des häuslichen Ernährungsumfelds.
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Doing gender beim Essverhalten
„Wenn Männer und Frauen das Gleiche tun, ist es noch lange nicht Dasselbe“ (vgl. Monika Setzwein in Kolip/Altgeld (Hrsg.), 2006, S. 48)
Alltägliche Zuordnungen von Verhaltensweisen zu typisch „männlich“ und typisch „weiblich“ kennen wir zu genüge. Wie kommen diese aber zustande und was bedeutet in diesem Zusammenhang doing gender?
Doing gender in Bezug auf das Essverhalten heißt, dass der Mensch ein zwanghaftes Interesse daran hat, mit seinem Essverhalten eindeutig auszudrücken welchem Geschlecht er angehört (vgl. Setzwein in Kolip/Altgeld, 2006, S. 46). Als Beispiel wäre hier die schon lange bekannten und in der Gesellschaft verankerten Verhaltensweisen in bezug auf Essen zu nennen die den Männern und Frauen zugeordnet werden. Männer haben demnach eine besonders ausgeprägte Vorliebe für energiereiches sogenanntes rotes Fleisch oder Alkohol bzw. Frauen eher das Verlangen nach vegetabiler Kost, wobei bei den Frauen Aspekte wie Kaloriengehalt und Gesundheitswert einen besonders hohen Stellenwert einnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Essstörungen und Adipositas bei Kindern und formuliert das Ziel, Möglichkeiten zur nachhaltigen Verbesserung des Ernährungsverhaltens aufzuzeigen.
2. Aufbau der Arbeit: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begrifflichkeiten, psychologische Annahmen, Theorien und die Ist-Situation der Ernährung in Österreich.
3. Therapiekonzepte für adipöse Jungen und Mädchen: Der Abschnitt stellt kombinierte Interventionsansätze aus Ernährungsmanagement, Bewegung und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen vor.
4. Adipositas Prävention im Kindesalter: Settingbezogene Maßnahmen: Hier werden präventive Möglichkeiten in der Schule unter Einbeziehung des Sportunterrichts und der Elternbeteiligung diskutiert.
5. Schluss / Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der elterlichen Vorbildfunktion und die Notwendigkeit eines frühen, ganzheitlichen Ansatzes zusammen.
6. Praxisleitfaden: Der Leitfaden bietet eine strukturierte Übersicht der wichtigsten Erkenntnisse für die praktische Anwendung in der Prävention.
Schlüsselwörter
Ernährungsverhalten, Adipositas, Volksschulalter, Gesundheitspsychologie, Gender, Prävention, Esskultur, Ernährungserziehung, Sozialkognitive Theorie, BMI, Körperbild, Modelllernen, Gesundheitsförderung, Elternbeteiligung, Kindesentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Faktoren, die das Ernährungsverhalten von Kindern im Volksschulalter beeinflussen, und sucht nach Wegen, dieses Verhalten positiv zu verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologischen Grundlagen des Essverhaltens, geschlechtsspezifische Unterschiede, präventive Ansätze bei Adipositas sowie die Rolle des sozialen Umfelds.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, wie das Ernährungsverhalten von Jungen und Mädchen im Volksschulalter positiv beeinflusst werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine umfangreiche Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken (CINAHL, PUBMED) durchgeführt, kombiniert mit einer Analyse aktueller gesundheitspsychologischer Theorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert Begrifflichkeiten, die Entwicklung des Essverhaltens, therapeutische Konzepte und settingbezogene Präventionsmaßnahmen für Schulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Ernährungsverhalten, Adipositas, Gender, Prävention und Ernährungserziehung.
Wie unterscheidet sich die geschlechtsspezifische Herangehensweise an Nahrung laut der Arbeit?
Jungen verbinden das Essen oft mit einem positiven Lustgefühl, während Mädchen es stärker mit Kontrolle, Sorgen um das Gewicht und negativen Gefühlen verknüpfen.
Warum ist das "Doing gender"-Konzept in der Ernährung relevant?
Es erklärt, wie Kinder durch gesellschaftliche Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit unbewusst dazu angehalten werden, ihr Essverhalten ihrem Geschlecht anzupassen.
Warum betont die Autorin die Vorbildwirkung der Eltern?
Eltern sind die primären Bezugspersonen, deren genussvolles und gesundes Essverhalten von Kindern durch Beobachtungslernen direkt imitiert wird.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Prävention von Adipositas?
Die Schule dient als zentrales Setting, da Kinder dort einen Großteil ihres Tages verbringen und Lehrer einen engen Kontakt pflegen, um Ernährungsbildung niederschwellig zu vermitteln.
- Quote paper
- Silvia Lackner (Author), 2010, Wie kann das Ernährungsverhalten von Jungen und Mädchen im Volksschulalter positiv beeinflusst werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162005