Die Theorie der Sozialwahl als interdisziplinäres Wissenschaftsfeld zwischen Ökonomie, den Sozialwissenschaften und der Psychologie thematisiert die kollektive Präferenzbildung. Im Bereich der Ökonomie werden dabei zumeist Verteilungsfragen diskutiert, theoretisch aufgearbeitet und praktischer Betrachtung in der Realität unterzogen. Letzteres bildet das Kerngebiet der Empirischen Sozialwahl, welche im Rahmen des Seminars thematischer Schwerpunkt von Laura Mahl und meiner Person war. Aufbauend auf die in Gaertner (2006) vorgestellten Studien durch Yaari und Bar-Hillel (1984) und Gaertner und Jungeilges (2002) wird vor diesem Hintergrund betrachtet, welche Faktoren die individuelle wie kollektive Präferenzbildung beeinflussen. Dabei steht eine Kategorisierung von sozialen nach Rawls (1971) Maximin-Prinzip zur Besserstellung der Schwächsten konstruierten und utilitaristischen Präferenztendenzen im Mittelpunkt. Ein Ziel besteht darin, Situationen und die diese begründenden Eigenschaften in ihrer Bedeutung für die Präferenzbildung zu analysieren und Schlüsse für die Ausgestaltung zum Beispiel von Entscheidungssituationen im politischen Prozess zu ziehen. Weiterhin werden anhand der Studienergebnisse Interpretationen angestellt, welche realen Faktoren für beobachtete Präferenzmuster konstitutiv sein können. Dahingehend wurden Betrach-tungen über die Zeit und hinsichtlich politökonomischer Charakteristika mittels wiederholter Durchführung der Studien auch an verschiedenen Standorten vorgenommen. Im ersten Abschnitt der Arbeit werden ganz allgemein zur Theorie der Sozialwahl der Entwicklungsprozess, die zentralen Fragestellungen und Probleme sowie notwendige formale Anforderungen betrachtet. Anschließend wird eine Einführung in die Empirische Sozialwahl gegeben und im Vorgriff auf die Studienbetrachtung wichtige Begriffe erläutert. Der Kern der Arbeit gibt einen Einblick in die Arbeit von Gaertner und Jungeilges (2002) und bietet weiterführende Interpretationsansätze an. Diese werden in Zusammenhang mit Thesen des Wissenschaftsfeldes aus der Literatur gestellt und diskutiert. Abschließend wird ein Überblick über die zentralen Ergebnisse gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Social Choice Theory
2.1 Historische Einordung und Überblick
2.2 Ein intuitiver Aggregationsansatz
2.3 Soziale Wohlfahrtsfunktion
3. Empirical Social Choice
3.1 Verteilungskonzepte
3.1.1 Rawlssches Äquitätsprinzip
3.1.2 Utilitarismus
3.2 Empirische Studie zur Sozialwahl
3.2.1 Problemstellung
3.2.2 Theoretische Fundierung
3.3 Ergebnisdarstellung
3.3.1 Problem 1 ohne Ordnungskenntnis - zeitlich
3.3.2 Problem 1 mit Ordnungskenntnis - zeitlich
3.3.3 Problem 2 ohne Ordnungskenntnis - zeitlich
3.3.4 Problem 2 mit Ordnungskenntnis - zeitlich
3.3.5 Problem 1 ohne Ordnungskenntnis - geographisch
3.4 Diskussion im Thesenkontext in der Literatur
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die individuelle und kollektive Präferenzbildung beeinflussen, wobei der Schwerpunkt auf empirischen Sozialwahlstudien liegt. Es wird analysiert, inwieweit Präferenzen zwischen Rawlsschen Maximin-Prinzipien und utilitaristischen Ansätzen schwanken und welche realen Faktoren, wie zeitliche oder geographische Aspekte, diese Muster konstituieren.
- Analyse der kollektiven Präferenzbildung
- Kategorisierung von Maximin- vs. utilitaristischen Präferenzen
- Einfluss der Informationsstruktur auf Verteilungsentscheidungen
- Empirische Untersuchung von Studierendengruppen
- Diskussion von Globalisierungseffekten auf soziale Präferenzen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Theorie der Sozialwahl als interdisziplinäres Wissenschaftsfeld zwischen Ökonomie, den Sozialwissenschaften und der Psychologie thematisiert die kollektive Präferenzbildung. Im Bereich der Ökonomie werden dabei zumeist Verteilungsfragen diskutiert, theoretisch aufgearbeitet und praktischer Betrachtung in der Realität unterzogen. Letzteres bildet das Kerngebiet der Empirischen Sozialwahl, welche im Rahmen des Seminars thematischer Schwerpunkt von Laura Mahl und meiner Person war.
Aufbauend auf die in Gaertner (2006) vorgestellten Studien durch Yaari und Bar-Hillel (1984) und Gaertner und Jungeilges (2002) wird vor diesem Hintergrund betrachtet, welche Faktoren die individuelle wie kollektive Präferenzbildung beeinflussen. Dabei steht eine Kategorisierung von sozialen nach Rawls (1971) Maximin-Prinzip zur Besserstellung der Schwächsten konstruierten und utilitaristischen Präferenztendenzen im Mittelpunkt. Ein Ziel besteht darin, Situationen und die diese begründenden Eigenschaften in ihrer Bedeutung für die Präferenzbildung zu analysieren und Schlüsse für die Ausgestaltung zum Beispiel von Entscheidungssituationen im politischen Prozess zu ziehen. Weiterhin werden anhand der Studienergebnisse Interpretationen angestellt, welche realen Faktoren für beobachtete Präferenzmuster konstitutiv sein können. Dahingehend wurden Betrachtungen über die Zeit und hinsichtlich polit-ökonomischer Charakteristika mittels wiederholter Durchführung der Studien auch an verschiedenen Standorten vorgenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das interdisziplinäre Feld der Sozialwahltheorie ein und definiert den Fokus auf die empirische Untersuchung von Verteilungspräferenzen basierend auf bestehenden Studien.
2. Social Choice Theory: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick sowie eine theoretische Einordnung der Sozialwahltheorie und erläutert Konzepte wie die Soziale Wohlfahrtsfunktion.
3. Empirical Social Choice: Dieser Hauptteil analysiert Verteilungskonzepte wie Rawls und Utilitarismus und präsentiert die Ergebnisse der empirischen Studien zu individuellen Präferenzmustern in verschiedenen Situationen.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Präferenzheterogenität und die Einflussfaktoren auf die Entscheidungsbildung zusammen.
Schlüsselwörter
Sozialwahltheorie, Empirical Social Choice, Rawls, Maximin-Prinzip, Utilitarismus, Präferenzbildung, Wohlfahrtsfunktion, Verteilungskonzepte, interpersoneller Nutzenvergleich, kollektive Entscheidung, Konsensbildung, empirische Studie, ökonomische Präferenzen, Spieltheorie, Gesellschaftsvertrag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Sozialwahltheorie und untersucht, wie Individuen in Verteilungssituationen zwischen verschiedenen theoretischen Wohlfahrtskonzepten wählen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Gegenüberstellung von Rawlsschen Maximin-Präferenzen und utilitaristischen Ansätzen sowie die Analyse von Faktoren, die diese Entscheidungen beeinflussen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, Situationen und Eigenschaften zu analysieren, die für die kollektive Präferenzbildung bedeutsam sind, und Rückschlüsse für politische Entscheidungsprozesse zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf die Sekundäranalyse empirischer Studien, insbesondere jene von Gaertner und Jungeilges (2002), die Präferenzen von Studierenden anhand konstruierter Verteilungsprobleme untersuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Verteilungskonzepte und eine detaillierte Auswertung empirischer Studienergebnisse unter Berücksichtigung zeitlicher und geografischer Faktoren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Sozialwahltheorie, Empirical Social Choice, Rawls, Utilitarismus, Präferenzbildung, Wohlfahrtsfunktion und Verteilungskonzepte beschreiben den Kern der Arbeit am treffendsten.
Warum spielt der "Schleier des Nichtwissens" nach Rawls eine Rolle in der Untersuchung?
Das Konzept dient als theoretischer Rahmen, um zu verstehen, wie Individuen in einer fiktiven Situation ohne Wissen über ihre eigene Stellung zur Minderung von Ungleichheiten tendieren.
Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen den Ergebnissen im Baltikum und in Osnabrück?
Die Ergebnisse zeigen, dass im Baltikum eine wesentlich stärkere Präferenz für utilitaristische Leistungskriterien besteht, was auf den historischen Systemwechsel vom Sozialismus zur Marktwirtschaft zurückgeführt wird.
- Quote paper
- Martin Thienel (Author), 2008, Empirical Social Choice, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161711