Die englische Bezeichnung „Borderline“ bedeutet übersetzt Grenzlinie. Mit „Borderline“ bezeichnet man eine Persönlichkeitsstörung, die ihren Namen aufgrund ihrer anfänglichen Einordnung im Grenzbereich zwischen den neurotischen und den psychotischen Störungen erhielt, da bei dieser Störung Symptome aus beiden Bereichen identifiziert werden konn-ten. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung äußert sich unter anderem durch impulsive und aggressive Reaktionen, selbstschädigendes Agieren, extreme Ängste und ein geringes Selbstwertgefühl. Ursachen dieser Persönlichkeitsstörung werden in Vernachlässigung, Misshandlung, körperlicher Gewalt und Verwahrlosung gesehen. Diese Missstände kom-men in der heutigen Gesellschaft immer häufiger vor, was ein erhöhtes Vorkommen der Borderline-Persönlichkeitsstörung begünstigt.
Dieser Sachverhalt hat zur Folge, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung, die zu gro-ßem persönlichem Leiden und Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Umfeld führt, sowohl in der Praxis der Psychotherapie als auch in der Forschung einen bedeuten-den Stellenwert einnimmt und zunehmend an Beachtung gewinnt. Im klinischen Kontext gehört sie heute zu den am häufigsten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen.
Aufgrund dessen spielen spezifische Behandlungsmethoden wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie nach Linehan und die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie nach Kernberg eine immer bedeutsamere Rolle.
Auf der Grundlage dieser Aspekte habe ich die folgende Fragestellung entwickelt, die ich in meiner Arbeit untersuche:
Durch welche Merkmale sind die Dialektisch-Behaviorale Therapie und die Übertra-gungs-fokussierte Psychotherapie als mögliche Interventionsformen der Borderline-Persönlichkeitsstörung gekennzeichnet und in welchen Aspekten bestehen Gemein-samkeiten und Unterschiede beider Therapieformen?
Um zu einem umfassenderen Verständnis der Störung beizutragen und um die Grundlagen auf denen die Therapieformen aufbauen zu verdeutlichen, werde ich anfänglich sowohl die Symptomatik, als auch die Ätiologie und Diagnostik der Borderline-Persönlichkeitsstörung kurz erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Symptomatik der Borderline-Persönlichkeitsstörung
3. Diagnostik
4. Ätiologie
5. Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung
5.1. Grundlegende Aspekte der Therapieformen
5.2. Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan
5.3. Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (TFP) nach Otto Kernberg
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen, Merkmale sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) und der Übertragungs-fokussierten Psychotherapie (TFP) als Interventionsformen bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- Grundlagen der Borderline-Persönlichkeitsstörung (Symptomatik, Diagnostik, Ätiologie)
- Struktur und Methoden der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) nach Marsha Linehan
- Struktur und Prinzipien der Übertragungs-fokussierten Psychotherapie (TFP) nach Otto Kernberg
- Vergleich der therapeutischen Settings und Zielsetzungen beider Verfahren
- Evaluation der Wirksamkeit psychotherapeutischer Ansätze bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Auszug aus dem Buch
5.2. Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan
In den 80er Jahren entwickelte die amerikanische Psychologin Marsha Linehan die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die als störungsspezifische ambulante Therapie für chronisch suizidale Patientinnen mit BPS konzipiert wurde und als Manual vorliegt. Bis heute zählt die DBT als strukturiertes kognitivverhaltenstherapeutisches Verfahren zu den wissenschaftlich am besten abgesicherten Verfahren und wird modifiziert sowohl mit Männern, als auch mit Frauen durchgeführt (vgl. Linehan et al., 1996 und Bohus, 2002).
Der DBT liegt ein Rational zugrunde, das einen zentralen Aspekt der Störung in einer Dysfunktion der Affektregulation sieht und besonders die soziale Komponente bei der Entstehung der BPS betont.
Die DBT integriert mehrere Methoden aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, der kognitiven Therapie, der Gestalttherapie, der Hypnotherapie und dem Zen-Buddhismus. Das Modul-Konzept beinhaltet eine Kombination aus Einzeltherapie, Gruppentherapie und Supervision. Die ambulante Einzeltherapie erstreckt sich auf einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren mit 1-2 Behandlungsstunden pro Woche. Zeitgleich ist in der DBT wöchentlich einmal für zwei bis drei Stunden eine Gruppe zum Fertigkeitentraining verankert, die sich an einem Manual orientiert und über einen Zeitraum von sechs Monaten stattfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Borderline-Persönlichkeitsstörung ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Merkmale sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede von DBT und TFP.
2. Symptomatik der Borderline-Persönlichkeitsstörung: Dieses Kapitel beschreibt die Kernproblematik der Affektregulationsstörung sowie assoziierte Symptome wie Impulsivität, Identitätsstörungen und zwischenmenschliche Schwierigkeiten.
3. Diagnostik: Es werden die operationalisierten Diagnosekriterien nach DSM-IV erläutert, die als Grundlage für die Identifikation der Störung dienen.
4. Ätiologie: Dieses Kapitel beleuchtet das komplexe Zusammenwirken von genetischen, neurobiologischen und psychosozialen Faktoren bei der Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
5. Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung: Die Arbeit gibt einen Überblick über störungsspezifische Behandlungskonzepte und stellt detailliert die Ansätze von DBT und TFP dar.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach beide Therapieverfahren evidenzbasierte Interventionsformen darstellen, die trotz unterschiedlicher methodischer Schwerpunkte zu positiven Ergebnissen führen.
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Dialektisch-Behaviorale Therapie, Übertragungs-fokussierte Psychotherapie, Affektregulation, Psychotherapie, DBT, TFP, Diagnostik, Ätiologie, Therapiekonzept, Impulskontrolle, Objektbeziehungstheorie, klinische Wirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert zwei bedeutende psychotherapeutische Ansätze für die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung: die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (TFP).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben einer allgemeinen Einführung in Symptomatik, Diagnostik und Ursachen der Störung stehen die manualisierten Therapiekonzepte von Marsha Linehan und Otto Kernberg im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifizierung der charakteristischen Merkmale beider Therapieformen sowie die Herausarbeitung ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der praktischen Anwendung.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Fachpublikationen, Manuale und randomisiert-kontrollierter Therapiestudien zur Wirksamkeit der genannten Behandlungsformen.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen von BPS sowie die detaillierte Ausarbeitung der methodischen Struktur, der Zielsetzungen und der Wirksamkeitsnachweise von DBT und TFP.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Affektregulation, kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Psychotherapie, Therapiecompliance und klinische Wirksamkeit definiert.
Worin unterscheiden sich DBT und TFP grundlegend?
Während die DBT als verhaltenstherapeutisch-strukturiertes Verfahren stark auf Fertigkeitentraining und Affektregulation setzt, basiert die TFP auf der psychoanalytischen Objektbeziehungstheorie und arbeitet primär mit der therapeutischen Übertragungsbeziehung.
Welche Bedeutung haben Therapieverträge in beiden Verfahren?
In beiden manualisierten Verfahren dienen Therapieverträge dazu, den therapeutischen Rahmen zu sichern, Kriseninterventionen zu regeln und den Umgang mit suizidalem oder therapiegefährdendem Verhalten verbindlich festzulegen.
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- Corinna Walte (Author), 2010, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160234