Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Kleruskritik in Jaroslav Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“.
Diese Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil zeigt welche Verfahren von Jaroslav Hašek angewandt werden, um eine Kleruskritik zu äußern. Der zweite Teil zeigt, welche Funktion die Kleruskritik im Kontext der gesellschaftskritischen Kriegssatire hat und wie sie sich in diese einpasst. Es wird erörtert, inwiefern die Verwendung von religiösen Elementen die satirische Komponente fördert und beeinflusst.
Zunächst soll eine kurze Einführung über Parodie und Satire die Grundlagen der Untersuchung liefern (Kapitel 2). Anschließend werden die dargestellten Verfahren auf verschiedene Textpassagen des Romans angewandt, um deren Funktion und Bedeutung aufzuzeigen. Dazu werden einige der im Roman aufkommenden Heiligenlegenden betrachtet (Kapitel 3.1-3.3) und ihre Funktion bzw. Bedeutung (Kapitel 3.4) diskutiert. Anschließend werden das im Roman erscheinende Sündenkonzept (Kapitel 4.1) auf die im Roman auftretenden Vertreter des Klerus angewandt (Kapitel 4.2) und einige Anekdoten Schwejk’s (Kapitel 4.4) sowie die verwendeten Ausdrücke religiösen Inhalts (Kapitel 4.5) betrachtet. In Kapitel 5 sollen die Verwendung religiöser Zeremonien und die Rituale des Romans kritisch analysiert werden. Es folgt eine Zusammenfassung der vorangegangenen Ergebnisse und ein Versuch zur Erfassung der Kleruskritik im Gesamtkonzept der Satire (Kapitel 6).
Das Ziel der Arbeit ist es hervorzuheben, dass die Thematik der Religion insofern ein große Rolle spielt, dass sie wichtige Einblicke in Bezug auf die Entwicklung des Romans als Satire gibt und zeigt, dass „Der brave Soldat Schwejk“ nicht nur ein gesellschaftskritischer Roman ist, sondern auch eine moralische Kritik in Bezug auf den Klerus enthält.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER BEGRIFF DER SATIRE UND IHRE VERFAHREN
3 DAS VERFAHREN DER PARODIE
3.1 Die Legende des Heiligen Martin
3.2 Die Legende des Heiligen Johannes Nepomuk
3.3 Weitere Heiligenlegenden
3.4 Funktion und Bedeutung der Heiligen
4 DAS VERFAHREN DER HERABSETZUNG
4.1 Das Konzept der Sünde
4.2 Repräsentanten der Kirche
4.3 Funktion und Bedeutung der Diskreditierung von Geistlichen
4.4 Religiöse Ausdrücke oder Anekdoten
4.5 Anrufen der Heiligen als Fluch
5 MISSINTERPRETATION DER MESSEN
5.1 Die Gefangenenmesse
5.2 Die Feldmesse
5.3 Der Versehvorgang / Die Krankensalbung
6 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kleruskritik in Jaroslav Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Das Ziel der Untersuchung ist es aufzuzeigen, wie Hašek durch Verfahren wie Parodie, Herabsetzung und Missinterpretation religiöser Rituale eine moralische Kritik am Klerus übt, die eng mit der übergreifenden Kriegssatire des Werkes verknüpft ist.
- Analyse der satirischen Verfahren Parodie, Herabsetzung und Verspottung
- Untersuchung der Heiligenlegenden und deren ironischer Umdeutung
- Kritische Beleuchtung der Darstellung von Klerikern im Roman
- Analyse religiöser Zeremonien wie der Feldmesse und des Versehvorgangs
- Einordnung der Kleruskritik in das Gesamtkonzept der Kriegssatire
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Legende des Heiligen Martin
Die Legende des Heiligen Martin verwendet Schwejk zur Betonung von Oberst Fliedler’s Tugendhaftigkeit und Güte zu dessen Lebzeiten.
„[…] aber wenn Sie wünschen, Herr Oberlajtnant, wer ich nur lauter Gutes von ihm sprechen. Er war Ihnen, Herr Oberlajtnant, ein fertiger Engel auf die Soldaten. Er war Ihnen so brav wie der Heilige Martin, was Martinsgänse an die Armen und Hungrigen verteilt hat.“ (Hašek 2000: 605)
Offensichtlich unterlaufen Schwejk hier eine Reihe von bewussten oder unbewussten Fehlern. Schwejk lässt den Hl. Martin Gänse verteilen. Anscheinend vermischt Schwejk hier die Inhalte zweier Legenden aus dem Leben des Hl. Martins.
Der Legende des Hl. Martins nach, kam dieser mit 18 Jahren im Winter des Jahres 334 Jahren als Gardeoffizier nach Amiens, einer Stadt etwa 115 km nördlich von Paris. Der Winter war der Sage nach entsetzlich kalt. Am Tor zur Stadt saß ein Bettler und Martin, der damals bereits dafür bekannt gewesen sein soll, dass er sein Sold zum größten Teil für Arme und Hungrige spendete, hatte Mitleid mit diesem Bettler, der frierend am Wegesrand saß. Da Martin nichts bei sich trug, was er diesem Bettler hätte geben können, außer seinem Mantel, teilte er diesen mit dem Bettler. In der Nacht darauf erschien Martin Jesus Christus und Martin entscheid sich, sich taufen zu lassen und Christ zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Kleruskritik und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise.
2 DER BEGRIFF DER SATIRE UND IHRE VERFAHREN: Theoretische Grundlagen zur Definition von Satire und Vorstellung der Analyseinstrumente.
3 DAS VERFAHREN DER PARODIE: Untersuchung von Heiligenlegenden, die durch Schwejks Erzählweise parodiert und ironisiert werden.
4 DAS VERFAHREN DER HERABSETZUNG: Analyse der Darstellung des Sündenkonzepts und der diskreditierenden Zeichnung von Klerikern.
5 MISSINTERPRETATION DER MESSEN: Untersuchung der rituellen Handlungen im Roman und deren satirische Entwertung durch Fehlinterpretationen.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION: Synthese der Ergebnisse und Einordnung der Kleruskritik in den Kontext der allgemeinen Kriegssatire.
Schlüsselwörter
Kleruskritik, Jaroslav Hašek, Schwejk, Kriegssatire, Parodie, Herabsetzung, Heiligenlegenden, Feldmesse, Religionskritik, Literaturanalyse, Feldkurat Katz, Satire, Missinterpretation, moralische Kritik, Romananalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kleruskritik im Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die satirischen Verfahren Parodie, Herabsetzung, Verspottung und Missinterpretation von religiösen Inhalten und Akteuren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hašek die Institution Kirche und ihre Repräsentanten kritisiert und wie diese Kritik als integraler Bestandteil der Kriegssatire fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textpassagen des Romans auf Basis theoretischer Konzepte zu Satire und Parodie untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Heiligenlegenden, das Sündenkonzept, die Darstellung von Geistlichen sowie die Untersuchung religiöser Rituale wie der Feldmesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kleruskritik, Kriegssatire, Schwejk, Parodie und religiöse Entwertung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen echtem Glauben und der Institution Kirche?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Hašek weniger den Glauben an sich angreift, sondern vielmehr die Institution Kirche und das als verlogen empfundene Verhalten ihrer Vertreter.
Welche Rolle spielt Feldkurat Katz bei der Kleruskritik?
Feldkurat Katz dient als primärer Repräsentant der Kirche, dessen ungebührliches Verhalten und mangelnde Ernsthaftigkeit bei der Amtsführung zentral für die satirische Diskreditierung des Klerus sind.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Heberling (Autor:in), 2007, Die Kleruskritik im Kontext der Kriegssatire am Beispiel des Romans „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/151054