Die im Mittelpunkt dieser Projektskizze stehende Geschichtseinheit soll in einer Einleitung kurz in ihrem Profil erstellt werden, damit die nachfolgenden Kapitel besser verständlich sind. Die Stunde befasst sich mit einem Unterrichtseinstieg über die Erziehung der Mädchen und Jungen im antiken Sparta dessen Hegemonie sich über das 5. bis 2. Jahrhundert vor Christus
erstreckte. Die Stunde befindet sich in der Mitte der Reihe zum thematischen Inhaltsfeld des Kernlehrplans Antike Lebenswelten und griechische Poleis und soll direkt an das Vorwissen der SuS anknüpfen. Wenn keine passende Lehrkraft für die Bearbeitung des Themas gefunden wird, kann das Inhaltsfeld auch flexibel auf andere Themenbereiche und eine andere Jahrgangsstufe verlagert werden. Dies werde ich dann in meiner Projektarbeit am Ende des Praxissemesters ausführlich darlegen. Der Zeitpunkt des Studienprojektes wird Mitte des zweiten Halbjahres (April/Mai 2020) sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Hinführen zur Thematik
2 Forschungsstand
3 Zentrale Fragestellung und Methodik
4 Merkmale und Gütekriterien des guten Geschichtsunterrichts
4.1 Narrative Kompetenz nach Pandel
4.2 Narrative Kompetenz nach Rüsen
4.3 Narrative Kompetenz im Kernlehrplan
5 Methodik, Messinstrumente, zeitliche Planung und Durchführung der Unterrichtsreihe
6 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, im Rahmen einer Unterrichtseinheit zu untersuchen, ob Schülerinnen und Schüler eine Lernprogression hinsichtlich ihrer narrativen Kompetenz entwickeln und wie sich diese durch den Einsatz von Bildquellen zur historischen Narration fördern lässt.
- Analyse des Forschungsstandes zur narrativen Kompetenz und zu Gütekriterien guten Geschichtsunterrichts.
- Gegenüberstellung narrativitätstheoretischer Ansätze nach Hans-Jürgen Pandel und Jörn Rüsen.
- Konzeption und Anwendung eines Pre- und Post-Test-Verfahrens mittels Essayanalyse.
- Untersuchung der Bedeutung von Bilddekonstruktion für den historischen Lernprozess.
- Evaluierung der Ergebnisse durch Experteninterviews mit Lehrkräften zur Förderung der narrativen Kompetenz.
Auszug aus dem Buch
4.1 Narrative Kompetenz nach Pandel
Vor allem Hans-Jürgen Pandel ist einer der Vorreiter der Geschichtsdidaktik, der sich ausgiebig mit dem Begriff der Narrativität auseinandersetzt. Narrativität steht in der Geschichtswissenschaft für den Begriff der historischen Erzählung, die sich grundlegend von dem der umgangssprachlichen, der literarischen Erzählung und fiktiven Erzählung unterscheidet. Geschichtsschreibung ist daher immer eine Narration. Dabei besteht die Narratio in ihrem Grundgeflecht aus mindestens zwei verschiedenen zeitlich differenzierten Ereignissen, die aber sinnvoll miteinander verknüpft werden, sodass eine sprachlich kohärente Struktur entsteht. Nach Pandel handelt es sich um eine „Zeitverlaufsstruktur“, die den Kern der Narration bildet. Für Pandel hat Sprache immer narrativen Charakter, da sie aus Sätzen, Gedanken und Wörtern besteht. So besitzen zum Beispiel die Wörter „Kriegsinvalide“ und „Narbe“ eine Narrativität, da sie in einem Kontext gedeutet werden müssen. Auch historische komplexe Begriffe wie „Reformation“ besitzen eine Narrativität in der zeitlich verschiedene Zustände vorausgesetzt werden. Bei der Narrativität kommt es immer zu Erzählstrukturen, die sich auf die jeweiligen Zeitperioden beziehen und immer mit Aussagen über bestimmte Ereignisse einhergehen. Er beschreibt, dass die zentrale Aufgabe des Historikers die Geschichtsschreibung sei, die wiederum aus den vergangenen Ereignissen und zeitlichen Strukturen besteht und daher immer narrativ organisiert ist.
Weiter definiert Pandel den Begriff der „Geschichtsschreibung als retrospektive Konstruktion“ der Vergangenheit, die von Menschen gemacht ist. Aus diesem Grund ist Geschichte auch nicht von sich aus schon (vor)strukturiert, sondern erhält ihre Struktur erst durch die kategorisierenden Einheiten und das Aufschreiben durch den Historiker in Form einer Periodisierung. Jedoch heißt der konstruierende Charakter nicht, dass der Historiker wahllos eine Geschichte konstruieren kann, sondern er muss sich immer auf glaubwürdige Referenzen beziehen und darf keine Fiktion miteinbringen. Daher muss er sich immer auf die Quellen Rückbeziehen und muss den Wahrheitsgehalt dieser prüfen. Auch ist jede Geschichte immer durch eine Retroperspektivität gekennzeichnet, sodass der Geschichtsschreiber erst dann mit der Arbeit beginnt, wenn die Geschichte bereits geschehen und abgeschlossen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hinführen zur Thematik: Die Einleitung skizziert die Bedeutung von Kompetenzorientierung im Geschichtsunterricht und erläutert die Zielsetzung der Projektskizze hinsichtlich der narrativen Kompetenz.
2 Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Qualitätsmerkmale des Unterrichts und bestehende Studien zur narrativen Kompetenz, die als theoretische Basis für das Projekt dienen.
3 Zentrale Fragestellung und Methodik: Hier werden die Forschungsfragen sowie die methodische Planung der Ausgangslagendiagnostik durch Pre- und Post-Essays beschrieben.
4 Merkmale und Gütekriterien des guten Geschichtsunterrichts: Das Kapitel verknüpft allgemeine Unterrichtsqualität mit geschichtsdidaktischen Anforderungen und führt die Theorien zu narrativer Kompetenz von Pandel und Rüsen sowie Vorgaben im Kernlehrplan ein.
4.1 Narrative Kompetenz nach Pandel: Erläuterung des Narrativitätsbegriffs nach Pandel als retrospektive Konstruktion im Rahmen der Geschichtsschreibung.
4.2 Narrative Kompetenz nach Rüsen: Darstellung der Typen historischen Erzählens nach Rüsen und deren Relevanz für die Herausbildung von Geschichtsbewusstsein.
4.3 Narrative Kompetenz im Kernlehrplan: Zusammenfassung der Anforderungen an narrative Kompetenz gemäß den Lehrplänen von Nordrhein-Westfalen und Bayern.
5 Methodik, Messinstrumente, zeitliche Planung und Durchführung der Unterrichtsreihe: Detaillierte Darstellung der diagnostischen Vorgehensweise, der Essayanalyse und der Zeitplanung für das Studienprojekt.
6 Ausblick: Fazit und Reflexion über die Repräsentativität der Studie sowie Anregungen für weitere Forschungsvorhaben.
Schlüsselwörter
Narrative Kompetenz, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsdidaktik, Historisches Erzählen, Unterrichtsqualität, Historisches Lernen, Bildanalyse, Essayanalyse, Kompetenzorientierung, Lehrplan, Hans-Jürgen Pandel, Jörn Rüsen, Lernprogression, Quellenarbeit, Didaktische Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht ihre narrative Kompetenz entwickeln und fördern können, um ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu erlangen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der narrativen Kompetenz, die Anforderungen von Kernlehrplänen sowie die praktische Anwendung von Analysemethoden (Essays und Experteninterviews) im Geschichtsunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob es seitens der Schülerinnen und Schüler zu einer belegbaren Lernprogression hinsichtlich der narrativen Kompetenz im Verlauf einer Geschichtsanalyse-Einheit kommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt ein qualitatives Forschungsdesign, bestehend aus einer vergleichenden Essayanalyse (Pre- und Post-Test) sowie Experteninterviews mit Lehrkräften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der narrativen Kompetenz durch Pandel und Rüsen, der Analyse von Gütekriterien für Geschichtsunterricht sowie dem konkreten methodischen Aufbau des Forschungsprojekts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Narrative Kompetenz, Historisches Erzählen, Geschichtsbewusstsein, Bilddekonstruktion und didaktische Diagnostik.
Welche Rolle spielen Bildquellen in dem geplanten Studienprojekt?
Bildquellen fungieren als wesentliches Instrument für die Ausgangsdiagnostik und den Lernprozess, da sie die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, historische Ereignisse zu dekonstruieren und in eine zeitlich strukturierte Erzählung zu bringen.
Warum wird das Experteninterview als Ergänzung zur Essayanalyse durchgeführt?
Das Experteninterview dient dazu, die persönliche Einschätzung erfahrener Lehrkräfte über die Relevanz der Förderung narrativer Kompetenz einzuholen und mögliche Hemmnisse in der Unterrichtspraxis zu identifizieren.
Wie unterscheidet sich die Theorie nach Pandel von der nach Rüsen?
Pandel fokussiert stark auf die sprachliche Struktur und Konstruktion der Vergangenheit als wissenschaftliches Erzählen, während Rüsen eine stärkere prozessorientierte Unterteilung in fünf Typen des historischen Erzählens vornimmt und deren Sinnbildungsfunktion betont.
Wird die Studie als repräsentativ für den Geschichtsunterricht in NRW eingestuft?
Nein, die Autorin betont ausdrücklich, dass es sich um eine qualitative Stichprobe handelt, die für eine einzige Klasse konzipiert ist und daher keinen Anspruch auf allgemeine Repräsentativität für alle Schulen oder Standorte in NRW erhebt.
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- Dean Sánchez Pedregoso (Author), 2020, Qualitative Forschungsanalyse zur Lernprogression der narrativen Kompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1467536