Das Konzept der Demokratisierung, bestehend aus kontinuierlichen Wandlungs- und Optimierungsprozessen, ist bisher noch nicht in allen Dimensionen ergründet und muss, unter anderem bedingt durch die steigende Massenmigration, neu durchdacht werden. Die Migration ist ein gesamtgesellschaftliches Thema und problematisiert konstruktivistisch festgelegte Grenzen, innerhalb derer die Menschen sich zugehörig fühlen. In diesem Zusammenhang kann die Demokratisierung verstanden werden als eine noch unvollständige Demokratie, die versucht, Zugehörigkeit zu ermöglichen. Eine Subkategorie der Zugehörigkeit ist die Staatsbürgerschaft, ein gesellschaftliches sowie sozial bedeutungstragendes Element für das Bewusstsein der Einwanderungsgesellschaft. Der Staatsbürgerschaft wird ein partizipatorischer Charakter beigemessen, um gesellschaftlich und politisch eine formale Zugehörigkeit sowie ein aktives Mitbestimmungsrecht zu erhalten. Eng an den Terminus der Staatsbürgerschaft angelehnt, ist der Begriff des Citizenship, die Erlangung eines vollwertigen Bürgerstatus unabhängig von Kultur, Religion oder Sprache. Bis 2001 jedoch blieb der Diskurs, in Deutschland einen Bürgerstatus als Migrant:in erwerben zu können, erfolglos. Lediglich der Erwerb der Staatsangehörigkeit wurde ermöglicht, womit bereits in den inhärenten Strukturen der Bundesrepublik eine Differenzierung zwischen Bürger und Nicht-Bürger vollzogen wurde. Darüber hinaus führten auch das Konzept die nationale Identität auf die Abstammung zurückzuführen sowie Othering-Diskurse dazu, dass Migrant:innen sich nicht zugehörig fühlen, denn Othering-Diskurse umfassen die aktive Erzeugung von Differenzen, die Migrant:innen gegenüber dem „Deutschsein“ abgrenzen (vgl. Podcast: Demokratisierung – das Politische der Pädagogik).
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellungen
2. Erste Frage
3. Zweite Frage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen Demokratisierung, staatlicher Zugehörigkeit und den transnationalen Anforderungen an die Schule und die Soziale Arbeit. Im Fokus steht dabei die kritische Auseinandersetzung mit Mechanismen der Exklusion und der Konstruktion von Differenz innerhalb bildungspolitischer und institutioneller Strukturen, mit dem Ziel, Ansätze für eine inklusivere, globale Verantwortung der Bildungsinstitutionen aufzuzeigen.
- Demokratisierungsprozesse im Kontext der Migrationsgesellschaft
- Die Rolle der Schule als Ort der Differenzkonstruktion und Privilegierung
- Transnationale Dimensionen in der Sozialen Arbeit und Bildung
- Kritik an defizitorientierten Migrationsbegriffen
- Entwicklung von Perspektiven für Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe
Auszug aus der Publikation
Erste Frage:
Das Konzept der Demokratisierung, bestehend aus kontinuierlicher Wandlungs- und Optimierungsprozessen, ist bisher noch nicht in allen Dimensionen ergründet und muss, unter anderem bedingt durch die steigende Massenmigration, neu durchdacht werden. Die Migration ist ein gesamtgesellschaftliches Thema und problematisiert konstruktivistisch festgelegte Grenzen, innerhalb derer die Menschen sich zugehörig fühlen (vgl. Knappik/Mecheril). In diesem Zusammenhang kann die Demokratisierung verstanden werden als eine noch unvollständige Demokratie, die versucht, Zugehörigkeit zu ermöglichen. Eine Subkategorie der Zugehörigkeit ist die Staatsbürgerschaft, ein gesellschaftliches sowie sozial bedeutungstragendes Element für das Bewusstsein der Einwanderungsgesellschaft.
Der Staatsbürgerschaft wird ein partizipatorischer Charakter beigemessen, um gesellschaftlich und politisch eine formale Zugehörigkeit sowie ein aktives Mitbestimmungsrecht zu erhalten. Eng an den Terminus der Staatsbürgerschaft angelehnt, ist der Begriff des Citizenship, die Erlangung eines vollwertigen Bürgerstatus unabhängig von Kultur, Religion oder Sprache. Bis 2001 jedoch blieb der Diskurs, in Deutschland einen Bürgerstatus als Migrant:in erwerben zu können, erfolglos. Lediglich der Erwerb der Staatsangehörigkeit wurde ermöglicht, womit bereits in den inhärenten Strukturen der Bundesrepublik eine Differenzierung zwischen Bürger und Nicht-Bürger vollzogen wurde (vgl. Terkessidis).
Zusammenfassung der Kapitel
Fragestellungen: Kapitel zur Einführung in die zentralen Aufgabenstellungen der Arbeit, die sich auf Demokratisierung, Staatsbürgerschaft und transnationale Dimensionen konzentrieren.
Erste Frage: Analyse der Demokratisierung im Kontext der Migrationsgesellschaft und die kritische Beleuchtung des Staatsbürgerschaftsbegriffs sowie historischer Pädagogik-Diskurse.
Zweite Frage: Erörterung der Transnationalität als Prozess und der daraus resultierenden Anforderungen an die Soziale Arbeit und Bildungsinstitutionen hinsichtlich eines neuen Gerechtigkeitsverständnisses.
Schlüsselwörter
Demokratisierung, Migrationsgesellschaft, Staatsbürgerschaft, Citizenship, Inklusion, Exklusion, Transnationalität, Soziale Arbeit, Differenzkonstruktion, Chancengleichheit, Bildungsdefizit, Migrationspädagogik, Partizipation, Identität, Diskursanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Demokratisierung und Zugehörigkeit im Kontext einer modernen Migrationsgesellschaft und hinterfragt dabei kritisch staatliche und schulische Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Migrationspädagogik, das Konzept der Staatsbürgerschaft, die Transnationalität in der Sozialen Arbeit sowie die Analyse von Differenzkonstruktionen in Bildungsinstitutionen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Schule und Soziale Arbeit so umgestaltet werden können, dass sie gesellschaftliche Exklusionsmechanismen abbauen und eine echte gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Vorgehensweise, die historische Wandlungsprozesse und aktuelle bildungspolitische sowie sozialpädagogische Diskurse miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der PISA-Studie und der Kritik am Begriff "Migrationshintergrund", der Gestaltung von Schule als Ort des Miteinanders sowie der Notwendigkeit eines transnationalen Ansatzes für eine faire Bildungslandschaft.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Schlagworten gehören Demokratisierung, Migrationsgesellschaft, Transnationalität und die reflexive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Privilegien.
Inwiefern spielt der Begriff "Migrationshintergrund" eine Rolle?
Die Autorin/der Autor argumentiert, dass dieser Begriff reduzierend wirkt, funktional zur Fremdzuschreibung genutzt wird und oft zur Rechtfertigung von Bildungsdefiziten dient, anstatt gesellschaftliche Ungleichheiten zu adressieren.
Was versteht die Arbeit unter dem "transnationalen Ansatz" in der Sozialen Arbeit?
Der transnationale Ansatz bedeutet, den nationalstaatlichen Denkrahmen zu verlassen, um globale gesellschaftliche Entwicklungen und die Rechte der Adressat:innen unabhängig von ihrer Herkunft in den Mittelpunkt des pädagogischen Handelns zu stellen.
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- Anonym (Author), 2024, Demokratisierung im Kontext von Migration und Klassengesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1458996