Diese Arbeit erforscht, wie positives Feedback die akademische Selbstwirksamkeit von Studierenden beeinflusst. Durch ein Online-Experiment, gestützt auf das Solomon Vier-Gruppen-Design, wurde untersucht, ob Studierende, die während eines Fähigkeitstests falsch positives Feedback erhalten, eine höhere Selbstwirksamkeit berichten als jene ohne Feedback. Die Untersuchung zeigt die Bedeutung von Feedback im Bildungskontext und dessen Potenzial, die Selbstwahrnehmung der eigenen Fähigkeiten positiv zu modifizieren. Diese Erkenntnisse sind relevant für die Gestaltung von Lehrmethoden und die Förderung der studentischen Entwicklung.
Der Übergang in ein Studium bringt viele Herausforderungen für Studierende und das Lehrpersonal mit sich. Im Rahmen eines Fernstudiums sind die Herausforderungen teilweise anderer Natur als in einem Präsenzstudium. Zum Beispiel entfällt das Zurechtfinden am neuen Studienort. Jedoch müssen die Studierenden in beiden Hochschulformen lernen, die Studienanforderungen zu bewältigen. Hierfür ist es notwendig, dass sich die Studierenden eine neue Identität als Hochschulstudenten schaffen. Zu dieser Identitätsbildung gehört, dass die Selbstwirksamkeit bzw. die Selbstwirksamkeitserwartung auf die neue Situation angepasst wird. Entsprechend Chemers, Hu und Garcia (2001) bedeutet Selbstwirksamkeit im Rahmen der Hochschulidentität, dass Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten vorliegt. Eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung ist demnach wichtig, um bspw. Entscheidungen in komplexen Umgebungen treffen zu können, wo große Mengen unterschiedlicher Informationen integriert, Feedback interpretiert, Wissen überprüft und überarbeitet sowie Auswahloptionen umgesetzt werden müssen. Entsprechend einer Arbeit von Hattie und Timperley (2007) kann Feedback die Selbstwirksamkeitserwartung steigern. Feedback kann jedoch ebenso dazu führen, dass die Bewältigung anspruchsvoller Aufgaben vermieden wird. Ergänzend hierzu schreibt Bamberg (2010), dass das Feedback ein notwendiges Mittel ist, um sich selbst weiterzuentwickeln, was wiederum die Annahme bestärkt, dass die Selbstwirksamkeitserwartung durch Feedback gesteigert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Feedback als Einflussfaktor auf die akademische Selbstwirksamkeit
2.1 Annäherung an den Begriff der akademischen Selbstwirksamkeit
2.2 Definition von Feedback
2.3 Feedback als Einflussfaktor auf die akademische Selbstwirksamkeit
2.4 Zwischenfazit
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Auswahl des Forschungsdesigns
3.2 Stichprobenumfang und Auswahlkriterien
3.3 Entwicklung und Struktur des Online-Experiments
3.3.1 Operationalisierung
3.3.2 Störvariablen und deren Kontrolle
3.3.3 Aufbau des Online-Experiments
3.3.4 Gestaltung und Layout
3.4 Versuchsablauf
3.4.1 Pretest
3.4.2 Online-Experiment
3.4.3 Auswertung
4 Ergebnisse
4.1 Feld- und Teilnehmeranalyse
4.1.1 Feldanalyse
4.1.2 Teilnehmeranalyse
4.2 Deskriptivstatistische Datenanalyse
4.3 Auswertung des Solomon Vier-Gruppen-Designs
4.3.1 Ergebnisse Test A und D
4.3.2 Ergebnisse Test E
5 Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.2 Qualität des eigenen Vorgehens und des Datenbestandes
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht experimentell, welchen Einfluss positives Feedback auf die akademische Selbstwirksamkeit von Studierenden hat, wobei speziell der Einsatz des Solomon Vier-Gruppen-Designs zur methodischen Fundierung dient.
- Akademische Selbstwirksamkeit und theoretische Grundlagen
- Konzept und Wirkungsweise von Feedback
- Experimentelle Versuchsplanung mit dem Solomon Vier-Gruppen-Design
- Datenanalyse mittels inferenzstatistischer Verfahren (ANOVA, ANCOVA)
- Validierungsmethoden und Gütekriterien für Online-Experimente
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswahl des Forschungsdesigns
Das Ziel dieser Arbeit ist es, eine Aussage über einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen der akademischen Selbstwirksamkeit und falsch positiv normativen Feedback während eines Fähigkeitstest herzustellen. Als wissenschaftliche Methode bietet sich hierfür ausschließlich das Experiment an (Tausendpfund, 2022, S. 471). Wobei hier die spezielle Form des Online-Experiments bzw. Web-Experiments angewendet wird (Döring, 2022, S. 471). Damit ein echtes Experiment vorliegt, erfolgt eine Randomisierung (R) der Versuchspersonen (VPN) in Experimentalgruppen (EG) und Kontrollgruppen (KG) (Kubbe, 2020, S. 111–112).
Die verbreitetsten Versuchspläne für ein einfaktorielles Design sind die Nachher-Untersuchung mit Kontrollgruppe und die Vorher-Nachher-Untersuchung mit Kontrollgruppen (Tausendpfund, 2022, S. 324–326).
Eine Sonderform stellt das Solomon Vier-Gruppen-Design (SFGD) dar (Sarris & Reiß, 2005, S. 66), das in Tabelle 2 dargestellt ist. Der von Solomon (1949) entwickelte experimentelle Versuchsplan kombiniert dazu die beiden voran genannten Designs (Stapf, 2018, S. 1567). Der SFGD dient insbesondere dazu, Pretest-Effekte zu kontrollieren, wie sie in der Vorher-Nachher-Untersuchung mit Kontrollgruppen auftreten können (Döring & Bortz, 2016, S. 731). Hierunter werden Effekte verstanden, die auf die Selbstauskunft der VPN zurückzuführen sind, sowie mögliche Wechselwirkungen zwischen dem Treatment und dem Pretest (Bröder, 2011, S. 91; Kubbe, 2020, S. 114). Da die beiden Designs Nachher-Untersuchung mit Kontrollgruppe und Vorher-Nachher-Untersuchung mit Kontrollgruppe als intern valide gelten (Sedlmeier, 2002, S. 52), wird dies ebenso für das SFGD angenommen. Insbesondere, weil bei diesem Versuchsplan die Schwächen der beiden erstgenannten Designs eliminiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Herausforderungen des Studiums ein und skizziert das Ziel, den Einfluss von positivem Feedback auf die akademische Selbstwirksamkeit mittels eines Online-Experiments zu prüfen.
2 Feedback als Einflussfaktor auf die akademische Selbstwirksamkeit: Das Kapitel erläutert theoretische Konzepte der akademischen Selbstwirksamkeit sowie die Definition von Feedback und dessen Rolle als Modulator.
3 Methodisches Vorgehen: Hier wird das experimentelle Studiendesign, insbesondere das Solomon Vier-Gruppen-Design, sowie die Operationalisierung und der Ablauf des Online-Experiments beschrieben.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Feld- und Teilnehmeranalyse sowie die inferenzstatistische Auswertung der erhobenen Daten mittels ANOVA und ANCOVA.
5 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund bestehender Literatur und erörtert kritisch die Reliabilität sowie Validität des eigenen Vorgehens.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Grenzen der internen Validität und gibt Impulse für zukünftige Forschungsreplikationen.
Schlüsselwörter
Akademische Selbstwirksamkeit, Feedback, Online-Experiment, Solomon Vier-Gruppen-Design, Stichprobenumfang, Operationalisierung, Störvariablen, Feldanalyse, Teilnehmeranalyse, Deskriptive Statistik, Varianzanalyse, ANCOVA, Interne Validität, Gütekriterien, Leistungsmessung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von positivem Feedback auf die akademische Selbstwirksamkeit von Studierenden in einem experimentellen Setting.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentrale Felder sind die psychologische Konstrukt-Validierung von Selbstwirksamkeit, Feedback-Strategien in Lernprozessen und die methodische Umsetzung komplexer Versuchspläne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch ein Online-Experiment kausale Aussagen darüber zu treffen, ob falsch positiv normatives Feedback während eines Fähigkeitstests das Selbstkonzept von Studierenden beeinflussen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?
Die Verfasserin nutzt ein Solomon Vier-Gruppen-Design, um systematisch Pretest-Effekte zu kontrollieren und kausale Rückschlüsse aus einer zweifaktoriellen Anordnung zu ziehen.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung des methodischen Versuchsaufbaus, die Auswertung der Umfragedaten und eine kritische Diskussion der Validität.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind akademische Selbstwirksamkeit, Feedback, Solomon Vier-Gruppen-Design, inferenzstatistische Datenanalyse und interne Validität.
Was zeigt das Ergebnis der Feldanalyse?
Nach der Datenbereinigung blieb ein Datensatz von 128 Studierenden, wobei die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden (ca. 90 %) sich im Bachelor-Studium befand.
Warum wurde das Solomon Vier-Gruppen-Design gewählt?
Das Design wurde gewählt, um Schwächen einfacherer Untersuchungen zu eliminieren, insbesondere um den Einfluss von Pretest-Effekten auf die Messung der akademischen Selbstwirksamkeit zu kontrollieren.
- Arbeit zitieren
- Madeleine Hartleff (Autor:in), 2022, Der Einfluss von positivem Feedback auf die akademische Selbstwirksamkeit von Studierenden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1450490