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Chirac l’Africain - Analyse und Bilanz einer ambivalenten Außenpolitik zwischen nationaler Prägung und individuellem Rollenverständnis

Titel: Chirac l’Africain - Analyse und Bilanz einer ambivalenten Außenpolitik zwischen nationaler Prägung und individuellem Rollenverständnis

Diplomarbeit , 2008 , 94 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christina Höschele (Autor:in)

Politik - Region: Afrika

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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Jamais sans doute un président français ne se sera voulu, senti, aussi ,africain’ que celui –là“, so beginnt ein mit „Le rêve africain de Chirac“ betitelter Aufsatz der panafrikanischen Zeitschrift Jeune Africain. Dieser Satz formuliert annähernd die Prämisse, die der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt: Der französische Staatspräsident stand und steht in einem ganz besonderen Verhältnis zu Afrika. Wie dieses Verhältnis zu bewerten ist, sagt das Zitat aber noch nicht aus. Untersucht werden soll deshalb in dieser Arbeit die Haltung, welche Chirac Afrika als Präsident entgegenbrachte und somit die Motivation, aus der heraus er außenpolitisch handelte. Zweites Untersuchungsziel ist es, herauszufinden, wie man die Bilanz seines Wirkens in Folge einer als ambivalent zu bezeichnenden Politik hin zu einer tatsächlichen Veränderung oder Verbesserung der afrikanischen Verhältnisse bezüglich Demokratie, Frieden und Entwicklung bewerten kann. Hierin besteht auch die Schwierigkeit des Vorhabens: Es gilt, die Quellen gründlich zu sichten, um über den Staatsmann und Menschen Jacques Chirac ein Gesamtwerk zu komponieren, welches dennoch nicht pseudo-psychologisch oder sogar größenwahnsinnig dadurch wird, dass ein Feld, welches so komplex, so wenig durchschaubar und empirisch ist wie der einzelne Mensch, zum Gegenstand der (Kultur)Wissenschaft wird. Diese Arbeit soll leisten, all die - meist einseitig positiven oder negativen Darstellungen und Verwicklungen der Person Chiracs in die französische Afrikapolitik - auszuwerten und zu einer ausgewogenen Analyse von Chiracs persönlicher Motivation und seinen erzielten Ergebnissen zu gelangen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen und Rahmenbedingungen

2.1 Die Rollentheorie

2.2 Demokratiedefizit und Wertorientierung in der Außenpolitik

2.3 Anwendung der Rollentheorie in der Außenpolitik

2.3.1 Vorstellung der Makroebene

2.3.2 Vorstellung der Mikroebene

2.3.3 Zusammenführung von Makro- und Mikroebene

3 Die Prägung der postkolonialen französischen Afrikapolitik (bis 1995)

3.1 Gaullistische Einflüsse und Grundprinzipien

3.1.1 Grandeur und indépendance

3.1.2 Die domaine réservé des Präsidenten

3.2 Entkolonialisierung versus Neokolonialismus

3.2.1 Françafrique

3.2.1.1 Praxis der réseaux

3.2.1.2 Politische und verwaltende Strukturen

3.2.1.3 Finanzpolitische Zusammenarbeit

3.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung und Demokratisierung

3.2.3 Schutzmacht und Stabilisierung

3.3 Zwischenfazit

4 Chiracs politischer Werdegang und Persönlichkeit

4.1 Politischer Werdegang

4.1.1 Frühe Einführung in die réseaux

4.1.2 Persönlicher politischer Stil

4.1.2.1 Politische Überzeugungen

4.1.2.2 Präferenz der Außenpolitik gegenüber der Innenpolitik

4.1.2.3 Zwischenmenschlicher Stil

4.2 Wahrnehmung, Einstellungen, Werte und Interessen

4.2.1 Kenner der arts premiers

4.2.2 Freund der Kulturen

4.3 Zwischenfazit

5 Chiracs ambivalente Afrikapolitik

5.1 Chirac l’Africain: Wie bewertet man die Bezeichnung?

5.2 Zwischen gaullistischer Prägung und eigener Interpretation

5.3 Allianz der Eliten oder Volksnähe?

5.4 Kritisierter Sippenchef und anerkannter Anwalt Afrikas

5.5 Ein umstrittener Mediator

5.6 Militärisches désengagement mit Einflusswahrung

5.7 Zielkonflikt: Demokratie versus Stabilität

5.8 Entwicklungshilfe: Reform oder réseaux?

6 Fazit und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit analysiert das außenpolitische Handeln des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in Bezug auf das subsaharische Afrika. Ziel ist es, das ambivalente Verhältnis zwischen Chiracs persönlicher Motivation, geprägt durch seine Persönlichkeit und Werthaltungen, und der traditionell neokolonialistisch geprägten Struktur der französischen Afrikapolitik zu untersuchen und kritisch zu bilanzieren.

  • Anwendung der Rollentheorie zur Verknüpfung von Makro- und Mikroebene in der Außenpolitik.
  • Aufarbeitung der historischen Grundlagen und Strukturen der französischen Afrikapolitik (Françafrique).
  • Analyse der Persönlichkeit und des politischen Stils von Jacques Chirac als handelnder Akteur.
  • Untersuchung von Chiracs Rolle in Konflikten, Affären und Beziehungen zu afrikanischen Staatschefs.
  • Kritische Bewertung der Zielkonflikte zwischen Demokratieförderung und Stabilitätssicherung.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Françafrique

„Françafrique“, dieser Terminus wurde erstmals 1955 von dem ivorischen Staatspräsidenten Houphouët Boigny gebraucht, um die engen Beziehungen und die gute Zusammenarbeit zu definieren, die sein Land mit der Kolonialmacht pflegte. Inzwischen wird der Terminus tendenziell eher negativ konnotiert, spätestens seit den Werken Verschaves. In diesen geht er es an, die „mafiösen“ Strukturen der franko-afrikanischen Beziehungen zu enthüllen. Seine Beschreibungen dieser „partie immergée, hors la loi, de l’iceberg des relations franco-africaines“ sind skandalös und stehen im krassen Gegensatz zur grandeur de la France: Vorsätzlich erzeugte Abhängigkeit der afrikanischen Länder von französischen Geldern, Plünderung der Rohstoffe durch französische Firmen, Korruption und Veruntreuung von Entwicklungshilfegeldern zugunsten französischer und afrikanischer Eliten, militärische Unterstützung ausgesuchter Diktatoren als „Platzhalter“ Frankreichs und Unterdrückung der Unabhängigkeitsbewegungen durch gefälschte Wahlen und Mord - die Liste scheint endlos und wird noch durch die darauffolgenden Publikationen Verschaves noch erweitert.

Doch längst nicht nur Verschave ordnet Françafrique als ein mafiöses System mit zweifelhaften Strukturen ein, das aufgrund politischer, wirtschaftlicher und finanzieller Bedürfnisse französischer und afrikanischer Eliten aufrechterhalten wurde; auch Glaser, Smith, Clapham, Hugeux und weitere Afrikaexperten sind dieser Meinung. Man findet den Terminus Françafrique bis heute in der französischen Presse vertreten sowie in zahlreichen Buchpublikationen und Aufsätzen zu den franko-afrikanischen Beziehungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Ambivalenz von Chiracs Afrikapolitik ein und stellt die theoretische Basis der Rollentheorie zur Verknüpfung von Makro- und Mikroebene vor.

2 Theoretische Grundlagen und Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die Rollentheorie und das Demokratiedefizit in der Außenpolitik als methodisches Werkzeug für die Analyse des Akteurs.

3 Die Prägung der postkolonialen französischen Afrikapolitik (bis 1995): Hier werden die historischen und strukturellen Bedingungen der französischen Afrikapolitik, insbesondere der Begriff Françafrique, dargelegt.

4 Chiracs politischer Werdegang und Persönlichkeit: Dieses Kapitel analysiert Chiracs politische Sozialisation, seinen persönlichen Stil und seine Werte, die seine außenpolitische Haltung prägten.

5 Chiracs ambivalente Afrikapolitik: Der Hauptteil untersucht Chiracs Rollenperformance in der Praxis, seine Rolle als Mediator sowie das Spannungsfeld zwischen Demokratieförderung und Stabilität.

6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Chiracs zwiespältiges Vermächtnis sowie den Einfluss von Strukturen auf die Handlungsspielräume eines Präsidenten.

Schlüsselwörter

Jacques Chirac, Afrikapolitik, Françafrique, Rollentheorie, Neokolonialismus, Außenpolitik, Frankreich, Entwicklungshilfe, Postkolonialismus, Staatspräsident, Demokratiedefizit, réseaux, politische Kultur, Diplomatie, Internationale Beziehungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die Afrikapolitik des französischen Präsidenten Jacques Chirac und analysiert, inwieweit seine persönlichen Überzeugungen mit den etablierten neokolonialistischen Strukturen der französischen Außenpolitik kollidierten oder korrespondierten.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Verknüpfung von nationalen, historisch gewachsenen Strukturen (Makroebene) und dem individuellen politischen Handeln sowie der Persönlichkeit Chiracs (Mikroebene).

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist eine ausgewogene Bilanzierung von Chiracs Motivation und den tatsächlichen Ergebnissen seiner zwölfjährigen Amtszeit in Bezug auf Demokratie, Frieden und Entwicklung in den afrikanischen Partnerländern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt als theoretisches Gerüst die Rollentheorie (Role Theory), um das ambivalente Verhalten Chiracs im internationalen System und die Komplexität seiner außenpolitischen Rolle zu erklären.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden Chiracs Handlungen in verschiedenen Bereichen wie Entwicklungspolitik, Mediation bei afrikanischen Krisen und militärischem Engagement analysiert, unter besonderer Berücksichtigung seiner informellen Beziehungen (réseaux).

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Françafrique, Rollenperformance, Neokolonialismus, politische Kultur und das Spannungsfeld zwischen Demokratie und Stabilität charakterisiert.

Warum wird Chirac oft als „Chirac l’Africain“ bezeichnet?

Die Bezeichnung spiegelt sein außerordentliches Interesse an Afrika, seine häufigen Reisen und seine persönlichen, teils sehr engen Beziehungen zu afrikanischen Staatschefs wider, auch wenn diese Bezeichnung in der Literatur unterschiedlich bewertet wird.

Welchen Einfluss hatte das System der „réseaux“ auf Chiracs Politik?

Die Netzwerke (réseaux) bildeten ein undemokratisches, oft undurchsichtiges System, das es Chirac ermöglichte, persönlichen Einfluss auszuüben, das jedoch gleichzeitig Reformen im Sinne von Transparenz und Demokratie erschwerte.

Wie bewertet die Arbeit Chiracs Verhältnis zur Demokratie?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Chirac zwar demokratische Rhetorik nutzte, in der Praxis jedoch oft formelle Kriterien über reale demokratische Prozesse stellte und Stabilität oft dem demokratischen Wandel vorzog.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Chirac l’Africain - Analyse und Bilanz einer ambivalenten Außenpolitik zwischen nationaler Prägung und individuellem Rollenverständnis
Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Autor
Christina Höschele (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
94
Katalognummer
V144812
ISBN (eBook)
9783640548903
ISBN (Buch)
9783640552719
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chirac französische Außenpolitik Frankreich Kolonialismus Afrika l'Africain France-Afrique réseaux
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christina Höschele (Autor:in), 2008, Chirac l’Africain - Analyse und Bilanz einer ambivalenten Außenpolitik zwischen nationaler Prägung und individuellem Rollenverständnis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/144812
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Leseprobe aus  94  Seiten
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