Inwieweit sind Living History-Darstellungen und Reenactments für das historische Lernen im Generellen und besonders für den Lebensraum Schule förderlich?
Die vorliegende Arbeit verläuft nach einer klaren Struktur. Vorbereitend für die Auseinandersetzung mit Living History-Angeboten sollen im Hauptteil zunächst Definitionsangebote für die Begriffe Kultur sowie Materielle Kultur gegeben werden.
Darauf aufbauend soll als spezieller Aspekt die authentifizierende Funktion, die Bedeutung für die Materielle Kultur sowie die Wirksamkeit von Dingen theoretisch beleuchtet werden.
Eine Typologie von Living History-Formen ist für die anschließende Pro- und Kontradiskussion, welche in Teilen schon auf pädagogische Aspekte abzielt, sinnvoll und wird durch die Thesen sowie eine erklärende Abbildung von Markus Walz aufgeführt.
Als besonderes Ereignis innerhalb von Living-History-Darstellungen soll ebenfalls auf das Phänomen des Reenactments eingegangen werden. Eine Auflistung von Vorteilen, Nachteilen und Widersprüchen soll auch hier gegeben werden.
Aus den bisherigen Erkenntnissen soll dann im letzten Teil untersucht werden, welche Konsequenzen dies für den Lebensraum Schule und damit das historische Lernen hat. Für diese Analyse soll das niedersächsische Kerncurriculum für das Fach Geschichte an Gymnasien der Sek I. hinzugezogen werden.
Das Fazit stellt die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche weitere Forschungsfragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung und Fragestellung
1.2 Vorgehensweise & Methodik
2. Hauptteil
2.1 Materielle Kultur
2.1.1 Dinge
2.2 Living History
2.2.1 Definitionsversuche
2.2.2 Typologie
2.2.3 Für und Wider
2.3 Reenactment
2.4 Lebensraum Schule
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Living-History-Darstellungen und Reenactments für das historische Lernen, insbesondere im schulischen Kontext, und analysiert deren Chancen, Grenzen sowie die methodische Eignung für den Geschichtsunterricht.
- Grundlagen der materiellen Kultur und Bedeutung von Dingen
- Differenzierung und Typologie zwischen Living History und Reenactment
- Kritische Beleuchtung von Authentizität, Fiktion und Inszenierung
- Pädagogischer Mehrwert und Herausforderungen für den Geschichtsunterricht
- Analyse der Kompetenzentwicklung (Dekonstruktionsfähigkeit, Multiperspektivität)
Auszug aus dem Buch
1.1 Hinführung und Fragestellung
"Offenbar hat das Verstehen historischer Sachverhalte - auch - etwas damit zu tun, daß man sie sich vorstellen, d.h. daß man sich ein inneres Bild von ihnen machen kann."
Ritterspiele, Römerparks, TV-Experimente oder das Hamburger Dungeon – die Möglichkeiten zum Erleben von Geschichte scheinen vermutlich jedem schon einmal begegnet zu sein. Zuschauer haben im Rahmen von Living History-Events die Chance, Geschichte „live“ zu erleben. So bewirbt das Hamburger Dungeon, eine beliebte Touristenattraktion, ihr Museum als ein Erlebnis, welches „wahre Geschichten und düstere Gestalten“ bzw. „die schlechte alte Zeit zum Leben [erwecke]“. Das Tolle daran sei, dass man selbst in dieser unschönen Atmosphäre dabei sein könne.
Besucher dieses Spektakels hätten so die Möglichkeit, historische Persönlichkeiten wie den Piraten Klaus Störtebecker kennenzulernen oder sich vor dem Richter der Inquisition zu verantworten.
Da auch schon Kinder ab dem Alter von zehn Jahren teilnehmen dürfen, fragt man sich nach kurzer Internetrecherche, ob hier tatsächlich die Möglichkeit besteht, Geschichte zu erleben, bzw. historisch zu lernen. Vor allem die Kostüme der Darsteller hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Doch was heißt in diesem Zusammenhang Geschichte? Handelt es sich bei der Hamburger Attraktion um Geschichte? Kann man Geschichte „erleben“?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen Living History ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dessen Förderlichkeit für das historische Lernen und den Schulalltag.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Konzepte der materiellen Kultur, definiert Living History anhand von Typologien, diskutiert die Vor- und Nachteile von Reenactment und beleuchtet die Anwendungsmöglichkeiten sowie Herausforderungen im schulischen Bildungsbereich.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Living History trotz berechtigter Kritik ein großes Potenzial für historisches Lernen besitzt, sofern die Angebote in ein didaktisches Konzept eingebunden werden.
Schlüsselwörter
Living History, Reenactment, Geschichte, Materielle Kultur, Geschichtsdidaktik, Historisches Lernen, Authentizität, Schule, Dekonstruktion, Multiperspektivität, Inszenierung, Geschichtsvermittlung, Geschichtsaneignung, Didaktik, Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit Living-History-Darstellungen und Reenactments das historische Lernen unterstützen können und welche Rolle diese bei der Geschichtsvermittlung einnehmen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung materieller Kultur, die Differenzierung zwischen verschiedenen Living-History-Formen sowie die kritische Reflexion ihrer authentifizierenden Funktion.
Was ist das primäre Ziel oder die Kern-Forschungsfrage?
Es wird analysiert, inwieweit solche Darstellungsformen für das historische Lernen im Generellen und besonders für den Lebensraum Schule förderlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird ergänzend herangezogen?
Zur Untersuchung der Eignung für den Unterricht wird das niedersächsische Kerncurriculum für das Fach Geschichte an Gymnasien der Sekundarstufe I herangezogen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil ausführlich diskutiert?
Neben den Begriffsdefinitionen und Typologien werden die Vor- und Nachteile von Living History, Fragen der ethischen Gestaltung sowie die Anwendungsmöglichkeiten im schulischen Kontext behandelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Forschungsarbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Living History, Reenactment, Geschichtsdidaktik, Dekonstruktion, Authentizität und Materielle Kultur.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Living History und Reenactment?
Living History wird als Oberbegriff für das Nacherzählen von Vergangenheit verstanden, während Reenactment als eine spezielle Form des Nachspielens konkreter historischer Ereignisse (wie etwa Schlachten) unter Verwendung möglichst originalgetreuer Mittel definiert wird.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich des schulischen Einsatzes?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Living History-Angebote als bereichernde Ergänzung dienen können, jedoch professionell in ein pädagogisches Konzept eingebettet werden müssen und den klassischen Unterricht nicht ersetzen sollten.
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- Fabian Gedicke (Author), 2021, Living History und Reenactment. Chancen und Grenzen historischen Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1271913