Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema, in welcher Weise die
männliche Herrschaft die Frau in der heutigen Gesellschaft beeinflusst. Schwerpunkt ist dabei die symbolische Herrschaft des Männlichen. Die männliche Herrschaft ist so tief in unserem Unterbewusstsein verankert, dass wir diese in der Regel
im Ablauf des alltäglichen Lebens, aber auch in seinen Ausnahmen, nicht mehr wahrnehmen können. So kommt es, dass wir die Herrschaft nicht in Frage stellen, denn sie ist in unserem Leben derart allgegenwärtig, dass nicht ausreicht nur über
das Problem nachzudenken, um jene ins Wanken zu bringen. Jeder Mensch, sogar
die Forscher, sind in diesem Denken so verstrickt, dass sie über ihren eigenem Tellerrand nur sehr schwer hinaussehen können. Um diesem Problem auf den Grund
zu gehen, hat sich Bourdieu entschieden, die Kabylen und deren Verhalten zu untersuchen. Unserer heutigen westlichen Gesellschaft sind Sie auf den ersten Blick
sehr unähnlich, da sich bei Ihnen eine direktere, archaischere Form der männlichen
Herrschaft zeigt. Doch gerade durch die Kontrastierung dieser Gesellschaft, die dem
Betrachter erst so fremd erscheint, fällt es leichter den ungetrübten Blick für die eigene Gesellschaft zu schärfen, und doch die Eine oder Andere ungeahnte Parallele
zu entdecken. So Lässt sich erkennen, wie präsent diese Strukturen in unserem
Denken immernoch sind.
Im Laufe dieser Hausarbeit wird die männliche Herrschaft im Einzelnen erläutert, in
welchen Bereichen sie sich bemerkbar macht und wie sie sich im Habitus eingeprägt
hat, am Beispiel der Frau in der heutigen Gesellschaft. Wie weitreichend sie im Leben der Frau bei ihren Beruf und den ihr zugewiesenen häuslichen Tätigkeiten ist.
Doch das reine Erkennen der Strukturen, heißt noch lange nicht, sie zu überwinden oder
zu verändern. Dies wird auch im weiteren Verlauf der Hausarbeit erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
Die männliche Herrschaft bei Pierre Bourdieu
Einleitung
Begriffsbedeutung bei Bourdieu
Die Libido dominandi
Die Frau als Beherrschte
Der Beruf und die Frau
Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Texte von Pierre Bourdieu, wie die symbolische männliche Herrschaft die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft strukturell prägt und beeinflusst. Dabei steht die Forschungsfrage im Zentrum, wie diese tief im Habitus verankerten Herrschaftsmechanismen sowie das Konzept der "Libido dominandi" durchschaut, kritisiert und langfristig transformiert werden können.
- Die Analyse der symbolischen Herrschaft des Männlichen im Alltag.
- Die Bedeutung der Begriffe Habitus und Hexis im Kontext der Geschlechterrollen.
- Die Untersuchung der "Spiele um Macht und Ehre" als Ausschlussmechanismen für Frauen.
- Die Rolle der Sozialisation und Bildung beim Erhalt oder der Überwindung patriarchaler Strukturen.
- Perspektiven für eine symbolische Revolution zur Erreichung einer echten Gleichberechtigung.
Auszug aus dem Buch
Die Libido dominandi
Wie an vorausgegangener Stelle schon erläutert, wird das Männliche unablässig indoktriniert, an den sogenannten "Spielen" um Macht teilzunehmen. Diese Spiele drehen sich um die Ehre oder die Anhäufung von Macht und finden sich so beispielsweise in der Berufswelt in Karrierestrategien oder in höchster, aber auch brutalster Form, bei der Politik in Kriegen wieder. Dabei sind die Frauen aus diesem mythisch-rituellem System ausgeschlossen, und werden auf die Männer unterstützende Positionen verwiesen, ohne selbst an den Spielen teilnehmen zu dürfen. Die Spiele jedoch stellen sich selbst als harte Realität dar, und zeigen sich Jenen, die an ihnen teilnehmen dürfen, also den Männern, nur als ein Phänomen, dass für die Spielenden nahe an einen Sinn des Lebens heranreicht. Selbst wenn dieser nur konstruiert sein möge. Dadurch wird die Tatsache, männlich zu sein, zu einem Privileg, zu einer Eintrittskarte zu vermeintlich wirklich wichtigen Dingen im Leben, zu denen man als Frau keinen Zutritt erhält, auch wenn diese Einteilung an der Oberfläche mittlerweile zu bröckeln begonnen hat.
Nichtsdestotrotz bestätigt Bourdieu im Gespräch mit Catherine Portevin, dass Männlichkeit durch diese Tatsache zu einer Art von Adel avanciert. Und tatsächlich finden sich die selben Privilegien und positiven Erwartungen an den Adel beim Dasein des Männlichen wieder. Innerhalb der Spiele um Macht steht der Einzelne (Mann) sich Anderen gegenüber und muss sich behaupten, er muss seine Ehre immer wieder bestätigen, muss um diese kämpfen und sie durch kämpfen bewahren. Das selbe Konzept von Ehre findet sich im Adel wieder, spätestens wenn man überlieferte Geschichten von „Ehrenduellen“ im Bewusstsein hat, fallen einem die Parallelen zum Konzept der Ehre auf. Im Gespräch mit Portevin führt Bourdieu seine Gedanken zum Konzept der männlichen Ehre und der Spiele dem Leser auch wieder durch seine Feldstudien beim Algerischen Stamm der Kabylen näher. Auch dieser Stamm kennt ein ausgeprägtes System der männlichen Ehre, das sogar sehr stark an den Adel erinnert, und als schärfer und deutlicher gezeichnetere Version der hier innerhalb der europäischen Gesellschaften vorgefundenen Verhältnisse gelten darf.
Zusammenfassung der Kapitel
Die männliche Herrschaft bei Pierre Bourdieu: Einführender Überblick über die Thematik der Arbeit und die Relevanz der untersuchten Texte.
Einleitung: Definition des Untersuchungsgegenstandes, der Relevanz der symbolischen Herrschaft und der methodischen Herangehensweise Bourdieus mittels ethnologischer Vergleiche.
Begriffsbedeutung bei Bourdieu: Theoretische Herleitung und Differenzierung der zentralen Begriffe Habitus und Hexis als strukturierte und strukturierende Größen.
Die Libido dominandi: Analyse des "Verlangens zu herrschen" als mythisch-rituelles System, das Männer exklusiv zur Macht befähigt und Frauen ausschließt.
Die Frau als Beherrschte: Untersuchung der gesellschaftlichen Rollenzuweisung, der Internalisierung der eigenen Unterordnung und der Schwierigkeit, diese durch Quoten allein aufzubrechen.
Der Beruf und die Frau: Auseinandersetzung mit der Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt, den symbolischen Barrieren und den Anforderungen an das Auftreten.
Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion über die Möglichkeiten einer symbolischen Revolution und die Notwendigkeit, das System der männlichen Herrschaft kritisch zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, männliche Herrschaft, symbolische Herrschaft, Libido dominandi, Habitus, Hexis, Geschlechterverhältnis, Sozialisation, Machtspiele, Emanzipation, Macht, Ehre, symbolisches Kapital, Rollenbilder, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die männliche Herrschaft durch symbolische Strukturen das Leben und die Handlungsmöglichkeiten von Frauen in der heutigen Gesellschaft beeinflusst und einschränkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziologischen Konzepte von Pierre Bourdieu, die Analyse von Geschlechterverhältnissen, das Funktionieren von Machtstrukturen sowie der Einfluss von Sozialisation und Bildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die tief verankerte, oft unbewusste symbolische Herrschaft des Männlichen sichtbar zu machen und aufzuzeigen, durch welche Mechanismen sie reproduziert wird und wie eine Überwindung möglich sein könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Textanalyse der Werke "Die männliche Herrschaft" und "Teilen und herrschen" von Pierre Bourdieu, ergänzt durch soziologische Reflexionen auf aktuelle gesellschaftliche Zustände.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Habitus/Hexis), die Analyse der "Spiele um Macht und Ehre" (Libido dominandi), die Stellung der Frau in Gesellschaft und Beruf sowie die Kritik an rein oberflächlichen Lösungsansätzen wie Quoten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere symbolische Herrschaft, Libido dominandi, Habitus, soziale Reproduktion und die kritische Analyse patriarchaler Machtspiele.
Warum bezieht sich Bourdieu so stark auf die Kabylen?
Bourdieu nutzt die archaischeren Strukturen der Kabylen als Kontrastfolie, um die für westliche Gesellschaften oft unbewussten und deshalb schwieriger zu greifenden Formen der männlichen Herrschaft deutlicher hervortreten zu lassen.
Welche Rolle spielt die Mode oder das Auftreten für die berufliche Anerkennung der Frau?
Das Auftreten (z.B. das Tragen von Röcken) fungiert oft als symbolisches Hindernis, da es Frauen in widersprüchliche Erwartungshaltungen zwingt, die ihre berufliche Autorität untergraben können, während Männern das Auftreten als Machtinstrument dient.
Ist die Einführung von Frauenquoten laut dem Autor die Lösung?
Nein, Quoten werden als bloße oberflächliche Maßnahme kritisiert. Eine wirkliche Veränderung erfordert laut Bourdieu eine systematische, symbolische Revolution, die bereits im Bildungsbereich ansetzt und das Machtsystem selbst transformiert.
- Arbeit zitieren
- Peter Müller (Autor:in), 2004, Die männliche Herrschaft bei Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/124262