Wie stellt sich die Lage der schwarzen Bevölkerung 13 Jahre nach dem Ende der Unterdrückung und Diskriminierung ganz real dar? Wurde Südafrika mit dem Sieg gegen das Apartheidregime von allen Formen des Rassismus befreit? Diese und andere Fragen sollen zentral sein, wenn es in der nachfolgenden Hausarbeit darum gehen wird, die aktuelle Situation des Rassismus in der südafrikanischen Republik einer kritischen Analyse zu unterziehen. Konkret soll bei dieser Untersuchung dabei die Beantwortung der folgenden Fragestellung im Mittelpunkt des Interesses stehen: Inwieweit stimmt die Wahrnehmung Südafrikas mit der Wirklichkeit des Landes noch überein und herrschen auch nach dem offiziellen Ende der Apartheid nicht noch immer zahlreiche, die südafrikanische Nation spaltende, Formen von Rassismus und struktureller Diskriminierung vor, die die weitere Entwicklung der Republik gefährden? Die Hausarbeit wird sich demnach mit der Entwicklung Südafrikas vor allem während und nach der Zeit der Apartheid auseinanderzusetzen haben und nach auch heute noch vorherrschenden Strukturen des Rassismus in der südafrikanischen Gesellschaft suchen, um die oberflächliche Wahrnehmung des Landes in Europa auf der einen mit den tatsächlichen Lebensverhältnissen der Bevölkerung auf der anderen Seite vergleichen zu können. Aus der Fragestellung ergibt sich zudem die im Folgenden zu untersuchende These: Die Vorstellung, mit dem formalen Ende der Apartheid sei auch der allgemeine Rassismus im Lande spürbar zurückgegangen, erscheint angesichts der noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung manifestierten latenten Form des Rassismus als eine übertrieben positive Einschätzung zur tatsächlichen Lage und übersieht die immanenten Probleme des Landes. Eben diese aufgestellte Behauptung auch faktisch zu untermauern und sie einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, wird Aufgabe der folgenden Ausarbeitung sein. Die Hausarbeit erhebt dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Dies wäre angesichts des Umfangs und der Komplexität der Problematik nicht zu leisten, ja geradezu utopisch. Vielmehr soll es darum gehen, das allgemeine Bild des vom Rassismus befreiten Südafrikas zu überprüfen und es punktuell den tatsächlich vorherrschenden Umständen gegenüberzustellen, um zu einer differenzierten Wahrnehmung Südafrikas zu gelangen und Ansätze für weitergehende Forschungsfragen zu eröffnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemdefinition, Fragestellung, Relevanz
1.2 Aufbau, Methode und Ziel der Arbeit
2 Hauptteil
2.1 Überblick: Südafrika aktuell
2.2 Rassismus in Südafrika bis 1994
2.2.1 Rassismus als Staatsziel: Die Zeit der Apartheid
2.2.2 Umgang mit der Apartheid auf internationaler Ebene
2.2.3 Versuch der Aufarbeitung durch die TRC
2.3 Rassismus im heutigen Südafrika
2.4.1 Rechtliche Grundlagen
2.4.2 Das Leben der Schwarzen: Situation in den Townships
2.4.3 Gleichberechtigung per Gesetz?
3 Schlussbetrachtung
3.1 Zusammenfassung
3.2 Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, inwieweit die Wahrnehmung Südafrikas als von Rassismus befreite "Regenbogennation" mit der realen Lebenssituation der schwarzen Bevölkerungsmehrheit übereinstimmt, und analysiert fortbestehende strukturelle Diskriminierungsformen.
- Entwicklung und Auswirkungen des Apartheidregimes bis 1994
- Die Rolle und Aufarbeitung durch die Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC)
- Analyse der aktuellen gesellschaftlichen und rechtlichen Situation in Südafrika
- Strukturelle Diskriminierung, Armut und soziale Ungleichheit in den Townships
- Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen zur Förderung benachteiligter Bevölkerungsgruppen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Rassismus als Staatsziel: Die Zeit der Apartheid
Apartheid als die räumliche, soziale und gesamtgesellschaftliche Trennung der Bevölkerung nach rassistischen Gesichtspunkten geht auf die Übernahme der Regierung durch die burische National Party im Jahre 1948 zurück. Die politische Unterstützung der Apartheidpolitik war auch und vor allem Ausdruck weit verbreiteter rassistischer Einstellung innerhalb der weißen südafrikanischen Bevölkerung.
Nachdem bereits 1913 durch den Land Act eine räumliche Aufteilung des Landes und damit die Abschiebung der schwarzen Bevölkerung in landwirtschaftlich nur sehr schlecht nutzbare Flächen (die Bantustans oder so genannten Homelands, welche zunächst 7% und später 13% der gesamten Landfläche ausmachten) durchgesetzt wurde, folgten in den 50er Jahre zahlreiche weitere Gesetze, die das System der absoluten Rassentrennung bestärkten. So wurden Mischehen zwischen den vier verschiedenen, in der Verfassung durch den Population Registration Act von 1950 verankerten, „Bevölkerungsgruppen“ („Weiße“, „Farbige“ und „Eingeborene“, letztere später offiziell als „Schwarze“ bezeichnet) unter Strafe gestellt, verbot der Group Areas Act von 1950 ein räumliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Hautfarbe und führte der Separate Amenities Act von 1953 zu einer vollständigen Trennung aller öffentlicher Einrichtungen.
Dieser gesetzlichen Grundlage des Apartheidsystems folgen auch später noch weitere Gesetze, die eine Isolation und Desintegration der schwarzen Bevölkerung aus Südafrika zum Ziel hatten (vgl. hierzu etwa den Black Homeland Citizenship Act von 1970). Schulen und der öffentliche Nahverkehr, Badestrände und Kinos, ganze Berufszweige und die Besteuerung, der Wohnort und die allgemeinen Lebensverhältnisse; kurzum die gesamte Gesellschaft wurde von der rassistischen Apartheidideologie erfasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert das Forschungsproblem der Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung Südafrikas und der tatsächlichen Lebensrealität der schwarzen Bevölkerung und legt das methodische Vorgehen dar.
2 Hauptteil: Analysiert historisch die Zeit der Apartheid, die internationalen Reaktionen und die Aufarbeitung durch die TRC, um anschließend die aktuelle rechtliche und faktische Situation sowie staatliche Förderprogramme kritisch zu untersuchen.
3 Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Hoffnung auf eine vollständige Überwindung des Rassismus bisher durch strukturelle Defizite und fortbestehende soziale Ungleichheit enttäuscht wurde.
Schlüsselwörter
Südafrika, Apartheid, Rassismus, Diskriminierung, Wahrheits- und Versöhnungskommission, TRC, Regenbogennation, soziale Ungleichheit, Townships, Post-Apartheid, Menschenrechte, Black Economic Empowerment, Transformation, politische Gewalt, gesellschaftlicher Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie es um die Situation des Rassismus in Südafrika 13 Jahre nach dem Ende der Apartheid bestellt ist und inwieweit das internationale Bild einer befreiten "Regenbogennation" der Realität entspricht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Apartheid, die Aufarbeitung durch die TRC, die heutige verfassungsrechtliche Situation sowie die fortbestehenden sozialen und ökonomischen Probleme der schwarzen Bevölkerungsmehrheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung Südafrikas als erfolgreiche Demokratie und den realen Lebensverhältnissen der schwarzen Bevölkerung kritisch aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der aktuelle Berichte von Menschenrechtsorganisationen und offizielle Daten genutzt werden, um die Thematik einer kritischen Bewertung zu unterziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der historische Kontext der Apartheid, internationale Reaktionen und die Arbeit der Wahrheitskommission analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der aktuellen rechtlichen Gleichstellung gegenüber der faktischen sozialen Benachteiligung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rassismus, Apartheid, soziale Ungleichheit, Post-Apartheid, Transformation, Menschenrechte und strukturelle Diskriminierung geprägt.
Wie bewertet die Arbeit den Erfolg der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC)?
Die Arbeit stuft die TRC als teilweise gelungen ein, kritisiert jedoch, dass die Konzentration auf individuelle Fälle die strukturellen Ursachen von Rassismus und Ungerechtigkeit ausklammerte und der Prozess der Versöhnung keinesfalls abgeschlossen ist.
Welche Rolle spielt die Verfassung von 1996 in der Argumentation?
Die Verfassung wird als sehr fortschrittlich hinsichtlich der rechtlichen Gleichstellung gewürdigt, dient jedoch gleichzeitig als Kontrastfolie, um die Diskrepanz zwischen diesem rechtlichen Anspruch und der realen Diskriminierung im Alltag aufzuzeigen.
- Arbeit zitieren
- Jens Marquardt (Autor:in), 2007, Rassismus in Südafrika, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/118782