Zu Beginn der Arbeit erscheint es mir wichtig, den aktuellen Forschungsstand zur Geschichtskultur im Geschichtsunterricht darzustellen. Möchte man Lernprozesse im Geschichtsbewusstsein verstehen und ordnen, muss man sich zwingend mit den vier historischen Lerntypen von Rüsen auseinandersetzen.
Um den Forschungsstand in einen didaktischen Kontext zu bringen, sollte man an dieser Stelle auch den höchst kontrovers geführten Disput zur Einbindung von Geschichtskultur in den Geschichtsunterricht zwischen Pandel und Bernd Schönemann anreißen. Im nächsten Schritt soll dann mit Hilfe von Jeisman und Hermann ein praktischerer Bezug von Geschichtsbewusstsein zum Unterricht hergestellt werden. In diesem Zusammenhang soll auch auf die Wichtigkeit von Geschichtsbewusstsein für die allgemeine Bildung hingewiesen werden. Da Geschichtsbewusstsein durch die eigenen Erfahrungen und konsumierten Medien besonders emotional behaftet ist, lohnt sich im Folgenden ein Blick auf das Potential von Emotionen im Geschichtsunterricht.
Im weiteren Verlauf soll dann das Medium der Musik als Quelle im Geschichtsunterricht ins Zentrum der Arbeit rücken.
Welche Musikquelle eignet sich besonders gut für den Unterricht? Was ist bei der Auswahl der Quelle zu beachten? An dieser Stelle sollen auch die Potentiale und Herausforderungen durch Musik als Quelle historischen Bewusstseins ausführlich untersucht werden. Um zu klären, welche Kompetenzen bei der Analyse einer Musikquelle gefördert werden können, wird hier ein Bezug zu Pandels Kompetenzmodell der Geschichtsdidaktik hergestellt.
Durch das gegebene Fundament und auch aus persönlichem Interesse entwickelt sich das Ziel, eine methodisch-didaktische Überlegung zu einer musikalischen Analyse eines Liedes im Geschichtsunterricht darzustellen. Dazu wird im letzten Kapitel zunächst eine methodische Überlegung zur musikalischen Analyse im Rahmen des Geschichtsunterrichts angestellt. Welches Instrumentarium steht den SuS bei der Analyse zur Verfügung?
Zum Ende dieser Arbeit soll schließlich ein Unterrichtsvorhaben konzipiert werden, welches der herausgearbeiteten Richtlinien und Möglichkeiten für die Verwendung von Musik als Quelle im Geschichtsunterricht gerecht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtskultur im Geschichtsunterricht
2.1. Aktueller Forschungsstand
2.2. Geschichtsbewusstsein im Unterricht
3. Musik im Geschichtsunterricht
3.1. Emotionen im Geschichtsunterricht
3.2. Musik als historische Quelle
3.3. Musik als Potential und Herausforderung für den Geschichtsunterricht
4. Methodisch-didaktische Überlegung
4.1. Methodik
4.2. Unterrichtsbeispiel
4.2.1. Historischer Kontext
4.2.2. Textanalyse
4.2.3. Musikalische Analyse
4.2.4. Absicht und Wirkung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potential von Musik als historischer Quelle im Geschichtsunterricht. Ziel ist es, ein methodisch-didaktisches Konzept zu entwickeln, das die Analyse von Musikliedern unter Berücksichtigung von emotionalen Aspekten und fachwissenschaftlichen Kompetenzmodellen in den Unterricht integriert.
- Verknüpfung von Geschichtskultur und Geschichtsbewusstsein im Unterricht
- Didaktische Bedeutung von Emotionen in historischen Lernprozessen
- Analyse von Musik als historisches Medium und Quelle
- Anwendung von Pandels Kompetenzmodell auf musikalische Quellen
- Entwurf eines praktischen Unterrichtsbeispiels zur Weimarer Republik
Auszug aus dem Buch
3.2. Musik als historische Quelle
Es hat lange gedauert, bis Musik als historische Quelle im Geschichtsunterricht einzog. Nicht zu unrecht wird schon lange Musik im Fremdsprachenunterricht genutzt, bedenkt man die kognitiven Aktivitäten die Musik bei einer Person auswirken kann. Erst mit dem wachsenden Interesse an historisch-politischen Liedern der Studentenbewegung in den 70er Jahren, begann man sich in der Geschichtsdidaktik damit auseinanderzusetzen.
Die fachspezifische Literatur verwies mit der Zeit auch hier auf die Emotionen, die notwendig seien für ein tieferes Verständnis von Vergangenheit. Trotz vieler geschichtsdidaktischen Veröffentlichungen zum Medium Musik, bleibt der Bereich der Lieder in der Forschung vernachlässigt. Zu groß ist offenbar der Respekt vor musiktheoretischen Aspekten von Liedern, weshalb meist nur der Text und nicht das Gesamtwerk untersucht wird. Dennoch war und ist Musik ein wichtiges Mittel und Medium der menschlichen Kommunikation, welches ihre Berechtigung für den Geschichtsunterricht verdient. Diese tendenziöse These soll in einem folgenden Kapitel aufgegriffen und bestätigt werden.
Im Geschichtsunterricht kann man verschiedene Liedtypen und Themen in Betracht ziehen. Heimatlieder, Protestlieder, Kriegslieder oder auch religiöse Lieder können allesamt historisch relevante Informationen über weltanschauliche, soziale oder politische Probleme liefern. Laut Klenke ist jene Musikquelle besonders gut für den Unterricht geeignet, welche einen großen Inhalt an sozialer, weltanschaulicher oder politischer Natur gegeben hat.
Musik entsteht immer in einem historischen Kontext und spiegelt die Welt wieder in der sie geschaffen wurde. Dies kann an verwendeten Instrumenten, Stilistik, Rhythmik oder dem Text ausgemacht werden. Ihre Wirkung und Funktion kann auf unterschiedlichste Art aufgezeigt werden: Soldaten- und Arbeiterlieder können eine motivierende Wirkung äußern, Liebes- und Trauerlieder offenbaren starke Emotionen, Protestlieder und politische Lieder können Solidarität stiften, Kritik äußern oder eine Perspektive und Ausdrucksform der „kleinen Leute“ bieten. Letzteres ist besonders wertvoll, da Emotionen in der Geschichtsforschung meist nur der schriftkundigen Gruppe zuzuordnen ist. Ein Text oder ein auf Noten niedergeschriebenes, überliefertes Lied kann somit auch die Emotionen und Mentalitäten der Unterschichten wiedergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse an der Verbindung von Geschichtskultur und didaktischem Unterrichtsumfeld unter Einbezug aktueller geschichtsdidaktischer Theorien.
2. Geschichtskultur im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel erläutert den Forschungsstand zu Geschichtskultur und Geschichtsbewusstsein und diskutiert deren Bedeutung für die schulische Bildung.
3. Musik im Geschichtsunterricht: Es wird analysiert, wie Emotionen und Musik als historische Quellen den Unterricht bereichern und welche Herausforderungen bei deren Interpretation entstehen.
4. Methodisch-didaktische Überlegung: Dieses Kapitel präsentiert ein systematisches Vorgehen zur Einbindung von Liedern in den Unterricht, illustriert durch ein konkretes Praxisbeispiel zur Weimarer Republik.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Chancen und Schwierigkeiten von Musik als unterschätztem Unterrichtsmedium und fordert eine stärkere Implementierung in der Didaktik.
Schlüsselwörter
Geschichtskultur, Geschichtsunterricht, Geschichtsbewusstsein, Musik, Historische Quelle, Didaktik, Emotionen, Kompetenzmodell, Hans-Jürgen Pandel, Liedanalyse, Weimarer Republik, Historisches Lernen, Unterrichtsplanung, Propagandalied, Geschichtsdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodisch-didaktischen Einbindung von Musik als historische Quelle im Geschichtsunterricht und untersucht, wie Musik das Geschichtsbewusstsein der Schüler fördern kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Geschichtskultur, die Rolle von Emotionen im historischen Lernen sowie die praktische Umsetzung der Musikquellenanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine methodische Anleitung zu entwickeln, wie Musik im Geschichtsunterricht gezielt und fachgerecht zur Förderung historischer Kompetenzen eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse geschichtsdidaktischer Theorien und entwickelt basierend darauf ein praktisches Unterrichtsmodell, das anhand der Analyse von Liedern erprobt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Geschichtsbewusstsein und Musik sowie in einen praktischen Teil, der die Liedanalyse und deren Durchführung im Unterricht beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschichtskultur, Musik im Unterricht, Kompetenzmodelle nach Pandel, Liedanalyse und historisches Bewusstsein charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Musikanalyse nach dieser Arbeit von einer Standard-Quellenanalyse?
Der Ansatz integriert neben der klassischen Text- und Kontextanalyse explizit eine musikalische Ebene und ein Polaritätsprofil, um die emotionale Wirkung der Quelle bei den Schülern zu erfassen.
Warum wird im Beispiel das Lied "Auf, auf zum Kampf" zur Weimarer Republik gewählt?
Das Lied dient als exemplarisches Propagandalied, um den Schülern die Wirkungsweise und Verführungskraft von Musik sowie politische Protestformen der Zeit anschaulich zu vermitteln.
- Quote paper
- Jannik L. (Author), 2020, Musik als Medium der Geschichtskultur. Ein methodisch-didaktischer Versuch zur Implementierung von Musik als Quelle im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1185804