In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit durch historisches Lernen im Geschichtsunterricht ein Beitrag zu einer rassismuskritischen Bildungsarbeit geleistet werden kann und welche Probleme und Herausforderungen dabei auftreten können. Dazu wird in einem ersten Schritt anhand eines exemplarischen Kompetenzmodells für Historisches Lernen aufgezeigt, was unter dem Begriff verstanden werden kann, wie es stattfindet und welche Kompetenzen dafür benötigt werden. Anschließend wird der Rassismusbegriff auf seine Entwicklung hin im historischen Kontext betrachtet, sowie auf Funktionsmechanismen beleuchtet und genauer definiert. Es folgt eine kurze Einführung, weshalb Rassismuskritik als Aufgabe des Geschichtsunterrichts verstanden werden sollte. Abschließend findet eine Analyse statt, in der untersucht wird, inwieweit rassismuskritisches historisches Lernen im Geschichtsunterricht gelingen kann, welche Probleme und Herausforderungen dabei auftreten und welche potenziellen Lösungsansätze aus der Geschichtsdidaktik eingebracht werden können.
Spätestens durch die Flüchtlingskrise von 2015, die Übergriffe auf Asylsuchende und den aufkeimenden Fremdenhass zeigt sich deutlich, dass Rassismus in Deutschland das alltägliche Leben erreicht hat und Teil der Lebenswirklichkeit geworden ist. Folglich stehen auch LehrerInnen in der Verantwortung, sich kritisch mit Rassismus in der Gesellschaft auseinanderzusetzen und müssten darüber hinaus einen rassismuskritischen Bildungsauftrag übernehmen. Oftmals findet im schulischen Rahmen die Auseinandersetzung mit Rassismus vor allem in den Fächern Politik und Ethik statt, da dort verstärkt auf die sozialen, sozialpsychologischen und gesellschaftspolitischen Fragen der Thematik eingegangen werden kann. Jedoch kann auch im Fach Geschichte ein bedeutsamer Beitrag zur Rassismuskritik geleistet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kompetenzmodell für Historisches Lernen
Rassismus: Entwicklung, Funktionen, Definitionen
Rassismuskritik als Aufgabe des Geschichtsunterrichts
Analyse: Wie kann rassismuskritisches historisches Lernen im Geschichtsunterricht gelingen?
Herausforderungen und Probleme
Wie kann rassismuskritisches Lernen stattfinden?
Lösungsansätze aus der Didaktik
Auswertung und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Herausforderungen eines rassismuskritischen historischen Lernens im Geschichtsunterricht. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Auseinandersetzung mit historischen Inhalten und Machtstrukturen ein Beitrag zur rassismuskritischen Bildungsarbeit geleistet werden kann, wobei die Rolle der Lehrperson und die kritische Reflexion zentral sind.
- Analyse des Kompetenzmodells für Historisches Lernen im Kontext von Rassismuskritik.
- Untersuchung der historischen Entwicklung und Funktionsweisen von Rassismus.
- Identifikation von Herausforderungen bei der Umsetzung im schulischen Alltag (z.B. Schulbücher, Curricula).
- Darstellung von didaktischen Lösungsansätzen und Empowerment-Strategien.
- Reflexion der Rolle der Lehrperson bei der Dekonstruktion rassistischer Narrative.
Auszug aus dem Buch
Rassismus: Entwicklung, Funktionen, Definitionen
Um das Phänomen des Rassismus besser verstehen zu können, muss der Begriff, welcher im Laufe der Zeit stets kontrovers betrachtet und behandelt wurde, in seinem historischen Kontext betrachtet werden. Dabei kann bei der antiken Theorie der Sklaverei von Aristoteles angesetzt werden. Diese basierte bereits auf der Grundannahme, dass Menschen sich nach biologischen Kriterien unterteilen lassen, wodurch eine Hierarchisierung nach Kulturen und Religionen geschaffen wurde. Für diesen Denkansatz wurde eine Farbsymbolik genutzt, nach der den „Schwarzen“ eine unterlegene Rolle zugeschrieben wurde. Durch das Erstarken des Christentums wurde diese metaphorische Figur vertieft und „weiß“ als Sinnbild von Tugend, Moral, Reinheit und Überlegenheit als Gegenposition etabliert und zum Mythos der „weißen Christlichen Überlegenheit“ aufgewertet. Aufgrund dieser „Hautfarben“-Konstrukte fanden Diskriminierungen und Verweigerung von Zugehörigkeit statt, beispielsweise gegen Muslime oder Juden. In der Phase der Kolonialisierung wurde es als ‚Bürde des weißen Mannes‘ verstanden, die kolonisierte Welt zu ‚zivilisieren‘ und zu ‚modernisieren‘. Es kam u. a. zur Exotisierung und Dämonisierung der Kolonisierten und zur Annahme, bzw. Erfindung der Existenz von Menschenrassen, mit der Machtbestrebungen und Gewalt legitimiert wurden. Auf dieser Grundlage entwickelte sich folglich auch die Ideologie und das Gedankengut der Nationalsozialisten und wurde zur Legitimation von Genozid, Verfolgung und Ermordung verwendet. Nach der Betrachtung dieses kurzgefassten historischen Kontextes kann zusammenfassend festgehalten werden, dass es sich bei Rassismus um eine „weiße“ Ideologie handelt, die „Rassen“ erfand, um die eigenen Ansprüche auf Herrschaft, Privilegien und Macht zu legitimieren und zu sichern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Rassismuskritik im Geschichtsunterricht vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
Kompetenzmodell für Historisches Lernen: Dieses Kapitel erläutert das Kompetenzmodell nach Gautschi, Hodel und Utz als theoretische Basis, um zu verstehen, wie Lernprozesse und historische Urteilsbildung im Unterricht funktionieren.
Rassismus: Entwicklung, Funktionen, Definitionen: Hier wird der Rassismusbegriff historisch hergeleitet und seine Funktion als Ideologie zur Machtlegitimierung sowie als Ordnungsprinzip heutiger Gesellschaften definiert.
Rassismuskritik als Aufgabe des Geschichtsunterrichts: Das Kapitel verdeutlicht den Bildungsauftrag der Schule und die besondere Verantwortung des Fachs Geschichte, Lernende für Rassismus zu sensibilisieren.
Analyse: Wie kann rassismuskritisches historisches Lernen im Geschichtsunterricht gelingen?: Diese Analyse befasst sich mit den Hürden wie einseitigen Narrativen in Schulbüchern sowie den Möglichkeiten, durch Selbstreflexion der Lehrkraft und transkulturelle Ansätze Rassismuskritik zu fördern.
Auswertung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein rassismuskritischer Geschichtsunterricht stark von der kritischen Selbstreflexion der Lehrperson abhängt und plädiert für eine nachhaltige strukturelle Veränderung in Bildungsinstitutionen.
Schlüsselwörter
Historisches Lernen, Rassismuskritik, Geschichtsunterricht, Kompetenzmodell, Kolonialismus, Othering, Weißsein, Diskriminierung, Didaktik, Empowerment, Geschichtsbewusstsein, Machtstrukturen, Lehrperson, Reflexion, Transkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Rassismuskritik als zentraler Bestandteil in das historische Lernen und den Geschichtsunterricht integriert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die historische Herleitung des Rassismus, die Analyse von Machtstrukturen im Bildungssystem sowie didaktische Strategien zur Sensibilisierung von Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie durch eine rassismuskritische Perspektive im Geschichtsunterricht rassistische Narrative dekonstruiert und eine reflektierte Urteilsbildung gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse didaktischer Konzepte und Kompetenzmodelle, die mit aktuellen rassismuskritischen Diskursen verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Herausforderungen durch bestehende Machtstrukturen in Schulen und Schulbüchern und diskutiert Lösungsansätze wie das Transkulturalitätskonzept.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Historisches Lernen, Rassismuskritik, Kompetenzmodell, Kolonialismus, Othering und Empowerment.
Welche Rolle spielt die Lehrperson laut dem Autor?
Die Lehrperson nimmt eine Schlüsselrolle ein; ihre eigene kritische Selbstreflexion ist unabdingbar, um nicht selbst diskriminierende Strukturen zu (re-)produzieren.
Warum ist das Thema Kolonialismus für die Arbeit so wichtig?
Der Autor argumentiert, dass viele rassistische Strukturen ihren Ursprung im Kolonialismus haben und eine rassismuskritische Bildung ohne die Aufarbeitung dieser Geschichte unvollständig bliebe.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Historisches Lernen als Rassismuskritik im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1183437