Kindergartenkinder werden sowohl von Erzieherinnen als auch bei der Vorschuluntersuchung durch eine dementsprechend ausgebildete Fachkraft vom Gesundheitsamt auf ihre Schulfähigkeit überprüft. Dabei führen Erzieherinnen bewusste Beobachtungen anhand von Beobachtungsbögen, wie beispielsweise dem „Ravensburger Bogen“ durch. Sie sehen das Kind aber auch in normalen Alltagssituationen in der Gruppe agieren. In den meisten Kindergärten finden sogenannte „Schulanfängertreffen“ statt. Die Erzieherinnen sehen das Kind somit täglich im Umgang mit Gleichaltrigen. Außerdem können sie dabei beobachten, wie leicht, beziehungsweise schwer sich ein Kind beim konzentrierten Bearbeiten einer Aufgabe tut. Im vorliegenden Fall ist es nun so, dass das Kind bei Beobachtungen durch die Erzieherinnen als emotional noch zu unreif und kognitiv nicht ausreichend entwickelt definiert wurde. Die Eltern empfinden ihr Kind im häuslichen Umfeld jedoch als interessiert und aufgeweckt und sehen kein Hindernis für eine Einschulung. Die Differenz bei den Beobachtungen kann sich dadurch ergeben, dass das Kind sich allein, im sicheren häuslichen Umfeld anders zu verhalten weiß als in einer großen Gruppe. Kindergartengruppen bestehen beispielsweise in Baden-Württemberg zumeist aus in etwa 20 - 25 Kindern. In diesen Gruppen hat jedes Kind seine Rolle, der entsprechend es sich im Gruppen Kontext verhält. Dies bringt andere Aspekte der emotionalen und sozialen Kompetenz hervor als im familiären Umfeld. Das hinwiederum kann dazu führen, dass ein Kind von seinen Eltern gegensätzlich zur Erzieherin wahrgenommen wird. Dennoch haben beide das Kind richtig beobachtet.
Die Autorin wurde nun durch die Eltern beauftragt eine psychologische Diagnostik zur Schulreife des Kindes durchzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
2 kognitive und emotionale Schulreife
2.1 Schulreife und Schulfähigkeit
2.2 kognitive Voraussetzungen
2.2.1 Differenzierte auditive Wahrnehmung
2.2.2 Differenzierte visuelle Wahrnehmung
2.2.3 Behaltensleistungen
2.2.4 Fähigkeit zum konkret-logischen Denken
2.2.5 Begriffsbildung von Zahlen und Mengenbegriffen
2.2.6 passives Sprachverständnis und sprachliche Ausdrucksfähigkeit
2.3 emotionale Voraussetzungen
2.3.1 Freundschaften knüpfen und halten
2.3.2 Bedürfniswahrnehmung und -äußerung
2.3.3 Frustrationstoleranz
2.3.4 Umgang mit neuen und ungewohnten Situationen
3 Begutachtungsverfahren zum Feststellen der Schulfähigkeit
3.1 Wiener Entwicklungstest
3.2 Kieler Einschulungsverfahren (KEV)
3.3 Ablauf der diagnostischen Untersuchung
4 Diskussion
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die unterschiedlichen Einschätzungen zur Schulfähigkeit eines Kindes durch Eltern und Erzieherinnen mittels einer fundierten psychologischen Diagnostik zu klären und eine fundierte Empfehlung für den Schuleintritt auszusprechen.
- Grundlagen der kognitiven und emotionalen Voraussetzungen für die Einschulung.
- Methodische Anwendung des Wiener Entwicklungstests (WET).
- Einsatz und Durchführung des Kieler Einschulungsverfahrens (KEV).
- Vergleich und Diskussion der Beobachtungsergebnisse in Einzel- und Gruppensituationen.
- Empfehlungen zur Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz vor Schuleintritt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Wiener Entwicklungstest
Der Wiener Entwicklungstest (WET) erlaubt eine Testung des Könnens der Kinder in allen relevanten Bereichen. Er umfasst die Bereiche Motorik, visuelle Wahrnehmung, Gedächtnis, kognitive Entwicklung, Sprache und sozial emotionale Entwicklung. Somit ist er sowohl für die Feststellung von Stärken und Schwächen bei Kindern von drei bis sechs Jahren als auch für die förderdiagnostische Fragestellung einsetzbar. Da das Kind im vorliegenden Fall laut den Erzieherinnen aufgrund von kognitiver und emotionaler Unreife als noch nicht schulfähig definiert wurde und die Eltern zuhause den gegenteiligen Eindruck haben führt die Autorin dieser Arbeit die Teilbereiche des Wiener Entwicklungstests durch, in denen die kognitive Entwicklung und die sozial emotionale Entwicklung untersucht werden.
Im Subtest zur Kognitiven Entwicklung gibt es folgende Varianten: erstens das Muster-Legen, bei dieser Testform legt der Testleiter ein Muster aus zwei verschiedenfarbigen Mosaiksteinen vor oder das zu testende Kind legt eines nach einem vorgezeichneten Muster nach. Die zweite Testform nennt sich Bunte-Formen. Bei dieser werden Tafeln mit geometrischen Figuren unterschiedlicher Farbe vervollständigt, welche aus fünf vorgegebenen Antwortkärtchen herausgesucht werden müssen. Die dritte Testform wird als Gegensätze betitelt. Dabei müssen die Kinder Sätze vervollständigen, welche dann ein Gegenteil beinhalten. Beispielsweise der Teddy ist weich, der Stein ist… (hart). Der vierte Subtest ist ein Quiz. Dieses beinhaltet Fragen, welche im Zusammenhang mit der Lebenswelt der Kinder stehen. Die Fragen steigern hierbei immer mehr ihren Schwierigkeitsgrad. Ein Beispiel hierfür wäre die Frage, warum man nicht auf die Herdplatte fassen sollte. Zur sozial-emotionalen Entwicklung gibt es den Subtest, welcher unter dem Titel Fotoalbum läuft. Dem Kind werden dabei elf schwarz-weiß Fotografien gezeigt auf die unterschiedliche mimische Ausdrücke zu sehen sind. Diese soll es erkennen und benennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen der häuslichen Wahrnehmung der Eltern und der schulischen Einschätzung der Erzieherinnen bezüglich der Schulfähigkeit eines Kindes.
2 kognitive und emotionale Schulreife: Dieses Kapitel definiert die modernen Konzepte der Schulfähigkeit und erläutert die notwendigen kognitiven sowie emotionalen Kompetenzen, die ein Kind für den erfolgreichen Schuleintritt benötigt.
3 Begutachtungsverfahren zum Feststellen der Schulfähigkeit: Es werden die wissenschaftlichen Testinstrumente Wiener Entwicklungstest und Kieler Einschulungsverfahren vorgestellt sowie deren spezifischer Ablauf bei der Untersuchung des Kindes detailliert beschrieben.
4 Diskussion: Die Ergebnisse der diagnostischen Tests werden kritisch reflektiert, wobei die Einflussfaktoren der Testumgebung und die emotionale Belastung des Kindes bei der Beurteilung besonders hervorgehoben werden.
5 Ausblick: Der Ausblick formuliert die Empfehlung zur Zurückstellung des Kindes bei gleichzeitiger gezielter Förderung im emotionalen und sozialen Bereich durch Eltern und Erzieherinnen.
Schlüsselwörter
Schulfähigkeit, Schultreife, Wiener Entwicklungstest, WET, Kieler Einschulungsverfahren, KEV, kognitive Entwicklung, emotionale Reife, soziale Kompetenz, Frustrationstoleranz, Diagnostik, Beobachtungsbogen, Frühförderung, visuelle Wahrnehmung, auditive Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Diagnostik zur Feststellung der Schulfähigkeit eines Kindergartenkindes, bei dem zwischen Eltern und Erziehern unterschiedliche Einschätzungen zum Entwicklungsstand bestehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Schulfähigkeit, die Durchführung standardisierter Diagnostikverfahren und die Beobachtung von emotionalen und kognitiven Fähigkeiten in verschiedenen sozialen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch eine neutrale psychologische Testung Klarheit über den Entwicklungsstand des Kindes zu gewinnen und eine fundierte Entscheidungshilfe für die Schulleitung zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommen der „Wiener Entwicklungstest“ (WET) zur Erfassung kognitiver Fertigkeiten und das „Kieler Einschulungsverfahren“ (KEV) zur ganzheitlichen Einschätzung in verschiedenen sozialen Situationen zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Schulreife, die detaillierte Vorstellung der Testinstrumente sowie die Schilderung der praktischen Testdurchführung mit dem Kind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselaspekte sind unter anderem Schulfähigkeit, emotionale Reife, Frustrationstoleranz und die diagnostische Validität von Testverfahren im Vorschulalter.
Warum spielt das „Unterrichtsspiel“ eine wichtige Rolle im KEV?
Das Unterrichtsspiel ermöglicht es, das Kind in einer gruppendynamischen Situation mit Gleichaltrigen zu beobachten, was ein realistischeres Bild der sozialen Kompetenz und Frustrationstoleranz liefert als eine isolierte Einzeluntersuchung.
Wie gehen die Instrumente mit der emotionalen Komponente um?
Während der WET vor allem kognitive Basiskompetenzen abprüft, bietet das KEV durch das Unterrichtsspiel die Möglichkeit, emotionale Reaktionen und soziale Interaktionsmuster in einem schulähnlichen Umfeld zu evaluieren.
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- Stefanie Kunath (Author), 2022, Psychologische Diagnostik und Begutachtung. Kognitive und emotionale Schulreife, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1173906