In der nachfolgenden Arbeit sollen Antworten auf die Frage gefunden werden, welchen Hürden junge Erwachsene im Übergang von stationärer Jugendhilfe in die Verselbstständigung gegenüberstehen und inwieweit durch Jugendhilfemaßnahmen im Übergang zur Selbstständigkeit gesellschaftliche Benachteiligungen entstehen. Des Weiteren wird die Rolle von Dritten wie die Herkunftsfamilie, das soziale Umfeld sowie die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe in diesem Prozess geklärt.
Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können bedarf es vorab einer Begriffsbestimmung, denn über welchen Prozess wird geredet, wenn von Leaving Care die Rede ist und wie wird eigentlich ein Übergang aus dem sozialen Blickwinkel definiert? Nachdem die Begrifflichkeiten genauer definiert wurden, widmet sich die Arbeit dem Leaving Care-Prozess, in dem neben den Rahmenbedingungen der Hilfen zur Erziehung, primär der stationären Jugendhilfe, die Entwicklungsphasen im jungen Erwachsenenalter betrachtet werden.
Im Anschluss wird der Fokus auf die sozialen Beziehungen im Umfeld des jungen Erwachsenen gelegt. Hierzu zählen neben dem sozialen Umfeld auch die Herkunftsfamilie sowie Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, die den Prozess vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen begleitet haben und ggf. noch begleiten. Hierdurch erhalten sie einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Entwicklung des jungen Volljährigen. Durch den Prozess der Verselbstständigung sieht sich der junge Mensch vor neuen Lebens- und Entwicklungsaufgaben. Hierbei können die benannten sozialen Beziehungen sowohl als Ressourcen wie auch als weitere Stolpersteine dienen. Auf diesen Faktor wird ebenfalls ein Augenmerk gelegt. Den Abschluss der Projektarbeit stellt ein umfängliches Fazit dar, dass die erarbeiteten Erkenntnisse nochmals in Hinblick auf die Beantwortung der Ausgangsfrage, zusammenfasst. Des Weiteren liegt hierbei der Fokus eine Überprüfung auf der Verifizierbarkeit der Hypothese, dass ein gelingender Übergang in die Selbstständigkeit stark von den aufgebauten sozialen Beziehungen und der Position rund um die Herkunftsfamilie abhängig ist.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Begriffsdefinitionen
2.1 Care Leaver
2.2 Partizipation
2.3 Verselbstständigung/Selbstständigkeit
2.4 Übergang im sozialen Kontext
3. Leaving Care
3.1 Die Lebensphase im jungen Erwachsenenalter
3.2 Rahmenbedingungen der Hilfen zur Erziehung
3.3 Leaving Care: Aus der Jugendhilfe in eine selbstständige Lebensführung
4. Soziales Umfeld und die Bedeutung für ein Leaving Care
4.1 Die Herkunftsfamilie
4.2 Soziale Beziehungen
4.3 Die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen für junge Erwachsene beim Übergang aus der stationären Jugendhilfe in die Verselbstständigung. Das Hauptziel besteht darin zu klären, welche Hürden in diesem Prozess bestehen und welche Rolle das soziale Umfeld sowie Fachkräfte bei der Bewältigung dieses Übergangs spielen.
- Prozess des "Leaving Care" und Definition von Übergängen im sozialen Kontext
- Die Lebensphase des jungen Erwachsenenalters und deren Anforderungen
- Strukturen und Rahmenbedingungen der Hilfen zur Erziehung
- Die Bedeutung der Herkunftsfamilie als mögliche Ressource oder Belastungsfaktor
- Unterstützungsfunktion sozialer Netzwerke und die Rolle von Fachkräften der Jugendhilfe
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Lebensphase im jungen Erwachsenenalter
Im jungen Erwachsenenalter sieht sich der junge Mensch einem Übergang gegenüber, der viele Entscheidungen verlangt und der nicht reversibel ist. Er macht sich auf den Weg, vom klassischen Jugendlichen ins Erwachsenenalter zu gelangen. Als Startpunkt dieses Prozesses kann das Verlassen einer allgemeinbildenden Schule angesehen werden, da hier schon erste wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Erfolgt ein Wechsel in ein Ausbildungsverhältnis oder wird die schulische Laufbahn weitergeführt, um später ggf. einen akademischen Abschluss anzustreben? Den Endpunkt stellt meist die Familiengründung oder das Ende einer Ausbildung und somit die Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses (vgl. 14.Kinder-und Jugendbericht 2013:186). Diese beiden Punkte zeigen, dass diese Phase sehr variabel ist, aber auch geprägt von nachhaltigen Entscheidungen, die Einfluss auf den weiteren Lebensverlauf haben werden.
Ein weiterer Faktor, der das junge Erwachsenenalter betrifft, ist der externe Einflussfaktor durch Institutionen. Waren es im Jungendalter meist ausschließlich Schulen, mit denen der junge Mensch konfrontiert war, gestaltet sich dies in der Folge etwas vielfältiger. So können Ausbildungsbetriebe und Schule in Kombination oder auch Hochschulen mit verschiedenen Praktika relevant werden. Alternativ kann eine weiterführende Schule den Rahmen bieten, der bereits aus dem Jugendalter gewohnt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Übergangs von der stationären Jugendhilfe in die Selbstständigkeit ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen der Arbeit.
2.Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden zentrale Fachbegriffe wie Care Leaver, Partizipation, Verselbstständigung sowie die Definition von Übergängen im sozialen Kontext erläutert.
3. Leaving Care: Das Kapitel beleuchtet die Lebensphase des jungen Erwachsenenalters, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Hilfen zur Erziehung und den spezifischen Prozess des Leaving Care.
4. Soziales Umfeld und die Bedeutung für ein Leaving Care: Hier wird die Rolle der Herkunftsfamilie, sozialer Beziehungen sowie der Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe als Ressourcen oder Hindernisse im Verselbstständigungsprozess analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen für Fachkräfte und junge Erwachsene bei der Gestaltung eines gelingenden Übergangs.
Schlüsselwörter
Leaving Care, Care Leaver, stationäre Jugendhilfe, Verselbstständigung, Selbstständigkeit, Partizipation, Übergang, junge Erwachsene, Herkunftsfamilie, soziale Beziehungen, Fachkräfte, Soziale Arbeit, Hilfen zur Erziehung, Lebensführung, Identitätsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation junger Erwachsener, die den Übergang von der stationären Jugendhilfe in ein eigenständiges Leben vollziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lebensphase des jungen Erwachsenenalters, der Verselbstständigungsprozess, die Bedeutung des sozialen Umfelds sowie die Rolle der Jugendhilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit sucht nach Antworten darauf, welchen Hürden junge Erwachsene beim Übergang gegenüberstehen und wie soziale Beziehungen diesen Prozess beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Projektarbeit, die auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Fachberichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lebensphase des jungen Erwachsenenalters, die Rahmenbedingungen der Jugendhilfe sowie die Relevanz der Herkunftsfamilie und Fachkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Leaving Care, Care Leaver, Verselbstständigung, Soziale Arbeit und Übergangsgestaltung.
Warum spielt die Herkunftsfamilie eine so große Rolle?
Die Herkunftsfamilie fungiert für die meisten jungen Menschen als "Rettungsschirm". Bei Care Leavern ist diese Ressource jedoch oft durch belastete Beziehungen eingeschränkt oder nicht vorhanden.
Was ist die größte Herausforderung beim Übergang aus der Jugendhilfe?
Der "harte Cut" zwischen dem Ende der institutionalisierten Jugendhilfe und dem plötzlichen Erfordernis der eigenverantwortlichen Lebensführung ohne ein stabiles Netzwerk stellt eine zentrale Herausforderung dar.
- Arbeit zitieren
- Jan Berrens (Autor:in), 2021, Leaving Care. Von der Jugendhilfe in die Selbstständigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1170074