Migrantenjugendliche haben laut einem Befund der Bildungsstatistik gegenüber deutschen Jugendlichen einen Nachteil im deutschen Bildungssystem. Durch die Untersuchung der relevanten Variablen soll geklärt werden, welche Faktoren den Bildungserfolg bzw. -misserfolg beeinflussen. In diesem Zusammenhang wird der Einfluss der Herkunftsfamilie besonders berücksichtigt.
Zunächst wird die spezifische Situation in der sich die Migrantenjugendlichen befinden untersucht, wobei der Identitätsprozess Jugendlicher im Vordergrund steht. Im darauf folgenden Abschnitt wird der Zusammenhang von Schule und Familie hinsichtlich der Bildungsaneignung Migrantenjugendlicher erläutert. Den Nachteil den Migrantenjugendliche im deutschen Bildungssystem haben versuchen drei Erklärungsansätze aufzuschlüsseln. Welche familialen Faktoren die Bildungsaneignung von Migrantenjugendlichen beeinflussen wird auf der Grundlange des Forschungsprojekts ‚Bildungsverhalten in Migrantenfamilien – Eine Sekundäranalyse des Sozio-ökonomischen Panels‛ untersucht. Das Fallbeispiel der Bildungsmigrantin Laura aus Guinea dient der Veranschaulichung, wie familiale Ressourcen in der Migrationssituation mobilisiert werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Identitätsbildung jugendlicher Migranten
3. Die Bildungsinstitutionen Schule und Familie
4. Migrantenjugendliche im deutschen Bildungssystem
5. Bildungserfolgsvariablen
5.1 Kulturelles Kapital/ Bildungsniveau der Migranteneltern
5.2 Einkommen der Migranteneltern
5.3 Anzahl der Kinder im Haushalt
5.4 Eingliederungsprozess der Migrantenfamilie
5.4.1 Alter der Mutter
5.4.2 Einreisealter des Kindes
5.4.3 Kulturelles Klima im Elternhaus
5.4.4 Deutschkenntnisse der Eltern
5.4.5 Staatsangehörigkeit/ Nationalität
6. Fallbeispiel
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Herkunftsfamilie auf den Bildungserfolg von Migrantenjugendlichen im deutschen Bildungssystem. Ziel ist es, mittels einer Sekundäranalyse des Sozio-ökonomischen Panels zu klären, welche familialen Faktoren und Kapitalressourcen den Bildungsweg beeinflussen und inwiefern sich die Migrationssituation auf diese Bedingungen auswirkt.
- Bedeutung des kulturellen, sozialen und ökonomischen Kapitals in der Familie
- Prozess der Identitätsbildung jugendlicher Migranten
- Zusammenwirken von Familie und Schule bei der Bildungsaneignung
- Einfluss der elterlichen Ressourcen und Eingliederungsprozesse auf den Schulerfolg
- Fallbeispiel zur Mobilisierung familialer Ressourcen in der Migration
Auszug aus dem Buch
6. Fallbeispiel
Das im Folgenden vorgestellte Fallbeispiel dient der Veranschaulichung, wie familiale Ressourcen in der Migrationssituation mobilisiert werden können und soll die individuellen Ermöglichungsstrukturen von Migrantenjugendlichen aufzeigen (vgl. Günther 2006: 107 ff.).
Laura ist zum Zeitpunkt des Interviews 24 Jahre alt und Bildungsmigrantin aus Guinea. Sie lebt seit fünf Jahren in Deutschland und studiert Betriebswirtschaft in Eisenach. Sie ist in Guinea aufgewachsen und hat dort ihr Abitur absolviert und ist anschließend zum Studium nach Deutschland gekommen. Sie stammt aus einer wohlhabenden Familie, die der Elite ihres Herkunftslandes angehört. Ihre Familie verfügt über entsprechendes kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital, welches ihnen erlaubt ihren Kindern eine höhere Schulbildung sowie ein Auslandsstudium zu ermöglichen. Da die wirtschaftliche und politische Lage des Landes eine überwiegend schlechte berufliche Zukunftsaussicht bietet, stellt die Migration ein erstrebenswertes Gut dar, mit dem sich alle Jugendlichen – entsprechend ihrer Möglichkeiten – auseinandersetzen.
Laura wurde unehelich geboren. Da ihre Großeltern die Beziehung ihrer Eltern abgelehnt haben, hatten sie ihren leiblichen Vater ins Ausland geschickt. Ihre Mutter beendete ihr Studium erfolgreich und sorgte allein für ihren Unterhalt. Kurze Zeit später heiratete die Mutter. Laura und ihre neue Familie – bestehend aus mehreren Stiefgeschwistern und Kindern aus der näheren Verwandtschaft – zogen mehrmals aus beruflichen Gründen innerhalb Guineas um. Laura wuchs nun als eins von sieben Kindern auf. Da beide Eltern sehr viel arbeiteten, fehlte ihr jedoch die Zuwendung ihrer Mutter. Die Kinder wurden vom Hausmädchen und der Köchin betreut. Als Laura etwa 15 Jahre alt war, trennten sich die Eltern und die Mutter zog mit ihr und dem Stiefbruder wieder in die Hauptstadt Guineas. Ihre Mutter erfuhr durch die Scheidung einen sozialen und beruflichen Abstieg. Durch Ehrgeiz erkämpfte sie sich wieder eine höhere berufliche Stellung und erlangte Anerkennung und Akzeptanz in der Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des bildungsstatistischen Nachteils von Migrantenjugendlichen ein und skizziert das methodische Vorgehen sowie das Fallbeispiel Laura.
2. Die Identitätsbildung jugendlicher Migranten: Das Kapitel beleuchtet den Adoleszenzprozess im Migrationskontext, wobei die Trennung vom Elternhaus als zentrales Element für die Entwicklung eines eigenen Identitätsentwurfs identifiziert wird.
3. Die Bildungsinstitutionen Schule und Familie: Hier werden Schule und Familie als Spannungsfelder für Migrantenjugendliche beschrieben, die oft durch kulturelle Differenzen und Konflikte in der Bildungsunterstützung geprägt sind.
4. Migrantenjugendliche im deutschen Bildungssystem: Das Kapitel diskutiert drei wissenschaftliche Erklärungsansätze für den Schulerfolg von Migrantenkindern, die von institutioneller Diskriminierung bis hin zu familiären Sozialisationsmustern reichen.
5. Bildungserfolgsvariablen: Dieser Abschnitt analysiert theoretisch und empirisch die Rolle von kulturellem, sozialem und ökonomischem Kapital bei der intergenerationalen Transmission in Migrationssituationen.
6. Fallbeispiel: Anhand von Laura aus Guinea wird veranschaulicht, wie eine Bildungsmigrantin familiale Ressourcen nutzt, um trotz persönlicher Umbrüche und Migrationshürden erfolgreich in Deutschland zu studieren.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Nachteile im Bildungssystem primär auf variierende familiäre Sozialisationsbedingungen zurückzuführen sind und nicht primär auf kulturelle Merkmale oder Diskriminierung.
Schlüsselwörter
Migrantenjugendliche, Bildungserfolg, Herkunftsfamilie, Sozio-ökonomisches Panel, Kulturelles Kapital, Humankapital, Bildungsaneignung, Adoleszenz, Migrationssituation, Sozialisation, Intergenerationale Transmission, Familiäre Ressourcen, Bildungsbenachteiligung, Identitätsbildung, Bildungsinstitutionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die den Bildungs- und Schulerfolg von Migrantenjugendlichen in Deutschland beeinflussen, wobei der Fokus besonders auf den Ressourcen und Strukturen der Herkunftsfamilie liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die intergenerationale Weitergabe von Kapital (kulturell, ökonomisch, sozial), der Einfluss von Migrationsprozessen auf die familiäre Sozialisation und die Identitätsbildung von Jugendlichen im Ausland.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, warum Migrantenjugendliche im deutschen Bildungssystem statistisch benachteiligt sind und welche konkreten familialen Faktoren diesen Bildungserfolg oder -misserfolg maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Sekundäranalyse des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels herangezogen, um den Zusammenhang zwischen dem Bildungserfolg von Migrantenkindern und den Ressourcen ihrer Familien zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Identitätsbildung und zu Bildungsinstitutionen sowie in die Analyse spezifischer Variablen wie Bildungsniveau der Eltern, Einkommen und dem Eingliederungsprozess.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Humankapital, intergenerationale Transmission, Bildungsinvestitionen, familiale Sozialisationsbedingungen und Identitätsbildung charakterisiert.
Wie spielt das Alter der Mutter eine Rolle für den Erfolg des Kindes?
Ein höheres Alter der Mutter korreliert in der Analyse oft mit einem geringeren Bildungsniveau und einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass im Elternhaus die kulturellen Gewohnheiten des Herkunftslandes sowie die dortige Sprache dominieren.
Warum wird im Fallbeispiel Laura als "Bildungsmigrantin" bezeichnet?
Laura stammt aus der Elite ihres Herkunftslandes und verfügt über Ressourcen, die ihr ein zielgerichtetes Auslandsstudium in Deutschland ermöglichen, was ihren Prozess der Adoleszenz und Identitätsfindung maßgeblich beeinflusst.
Konnten die Verfasser institutionelle Diskriminierung als Hauptgrund feststellen?
Nein, die vorliegende Analyse konnte keine direkten Effekte von Diskriminierung oder institutionellen Faktoren isolieren; vielmehr stehen die unterschiedlichen familiären Sozialisationsbedingungen als Haupterklärung im Vordergrund.
- Quote paper
- Katharina Glaser (Author), 2008, Der Einfluss der Migranteneltern auf die Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/116690