In der vorliegenden Übersichtsarbeit wird ein Überblick über die kognitiven Symptome, insbesondere über die typischen dysfunktionalen Kognitionen der Störungsbilder Depression, generalisierte Angststörung, Zwangsstörung, Schizophrenie und Binge-Eating-Störung gegeben. Die dysfunktionalen Schemata werden für die jeweiligen Störungsbilder in den Bezügen zu auslösenden, aufrechterhaltenden und verstärkenden Bedingungsfaktoren in ihren regulativen Bedeutungszusammenhänge analysiert. In den Störungsbereichen werden implementierte, differenziertere Modelle des kognitiven Paradigmas in Bezug auf die o. g. psychischen Störungen thematisiert und anschließend global diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Depression
2.1. Die Symptome der depressiven Störungen
2.2. Die Relevanz der dysfunktionalen Kognitionen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Depression
2.3. Depressionstypische dysfunktionale kognitive Schemata und Grundannahmen
3. Die generalisierte Angststörung (GAS)
3.1. Symptomatiken der GAS
3.2. Die Bedeutung dysfunktionaler Kognitionen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der GAS
3.3. Inhalte und Klassifikation der dysfunktionalen Schemata der GAS
4. Die Zwangsstörung
4.1. Die Zwangsstörung und ihre Symptome
4.2. Der Beitrag der dysfunktionalen Kognitionen bei der Ätiologie und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung
4.3. Die Dimensionen dysfunktionaler Schemata der Zwangsgedanken
5. Die Binge-Eating-Störung (BES)
5.1. Die Symptomliste der BES in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen 11. Revision (ICD-11)
5.2. Das transdiagnostische Teufelskreismodell der BES
5.3. Die dysfunktionalen Überzeugungen und Bewertungen der BES
6. Die Schizophrenie
6.1. Kognitive Symptome der schizophrenen Störungen
6.2. Der Einfluss kognitiver Prozesse bei der Entstehung und Aufrechterhaltung schizophrener Symptome
6.3. Dysfunktionale Schemata und Überzeugungen, Metakognitionen sowie verzerrte Selbst- und Fremdbewertungen schizophrener Symptomatiken
7. Diskussion
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss dysfunktionaler Schemata auf die Entstehung und Aufrechterhaltung verschiedener psychischer Störungsbilder. Ziel ist es, die kognitiven Mechanismen und deren Rolle in regulativen Bedeutungszusammenhängen innerhalb des kognitiven Paradigmas systematisch darzulegen und zu analysieren.
- Analyse der kognitiven Symptome und dysfunktionalen Kognitionen.
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Schemata und Bedingungsfaktoren (auslösend, aufrechterhaltend, verstärkend).
- Vergleich verschiedener Störungsbilder (Depression, GAS, Zwangsstörung, BES, Schizophrenie).
- Diskussion aktueller kognitiver Störungsmodelle und therapeutischer Ansätze.
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Relevanz der dysfunktionalen Kognitionen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Depression
Nach Becks Modell der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Depression (Beck et al. 1992) führen neben biologischen Vulnerabilitäten (z.B. erbliche Disposition) vergangene biografische Lebenserfahrungen (z.B. Traumata, Bindungsstile) zur Bildung früher dysfunktionaler Schemata. Diese Schemata lenken den Prozess der Informationsverarbeitung von Reizen und Ereignissen in Form von Kognitionen, d.h. in Vorstellungen mit verbalem oder bildhaftem Inhalt (Beck et al., 1992). In Folge belastender Lebensereignisse (Stressoren) werden früher erworbene dysfunktionale Schemata reaktiviert, was wiederum nach Beck und Kollegen (1992, erweitert nach Hautzinger & Pössel, 2017) zur Ausbildung typischer kognitiver Verzerrungen, den sog. kognitiven Fehlern, führt.
Im Prozess der Suche nach schemakongruenten Informationen werden im Verlauf dieses Bewertungsprozesses Schemata in drei Klassen von Grundüberzeugungen, der sog. Kognitiven Triade, ausgedrückt. Nach Beck und Kollegen (1992) sind das unbewusste stabile Überzeugungen über ein negatives Selbstbild, negative Interaktionen mit der sozialen und unbelebten Umwelt sowie negative Zukunftserwartungen. Die dysfunktionalen Kognitionen in Gestalt der Grundannahmen stellen proximale und hinreichende Bedingungen für die Entstehung der Depression dar (Beck et al., 1992). Werden diese Kognitionen durch stressauslösende Faktoren aktiviert, führt dies zum Bewusstwerden negativer automatische Gedanken oder Vorstellungen, angesiedelt im Arbeitsgedächtnis, die die depressiven Symptomatiken des*der Patient*in begründen. Über Rückkopplungsprozesse führen negative Gefühle wie Traurigkeit und Ärger wiederum zur Vertiefung systematischer Fehler und maladaptiver Grundannahmen und damit zur Aufrechterhaltung der Depression (siehe Abbildung 1¹ im Anhang; Hautzinger & Pössel, 2017).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der dysfunktionalen Schemata und deren Bedeutung innerhalb der kognitiven Therapie sowie der psychischen Störungsbilder.
2. Die Depression: Darstellung der depressiven Symptomatologie und die zentrale Rolle dysfunktionaler Kognitionen in Becks Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung.
3. Die generalisierte Angststörung (GAS): Analyse der GAS anhand eines Teufelskreismodells unter besonderer Berücksichtigung von Sorgen und metakognitiven Prozessen.
4. Die Zwangsstörung: Untersuchung der Entstehung von Zwängen durch maladaptive Bewertungsprozesse und die Funktion von neutralisierenden Handlungen.
5. Die Binge-Eating-Störung (BES): Erläuterung des Teufelskreismodells der BES und der Auswirkungen dysfunktionaler Kognitionen auf Figur, Gewicht und Essverhalten.
6. Die Schizophrenie: Betrachtung kognitiver Prozesse bei der Entstehung von Wahn und Positivsymptomatik sowie der Rolle dysfunktionaler Schemata.
7. Diskussion: Kritische Reflexion der dargestellten kognitiven Modelle und der Bedeutung für die therapeutische Praxis sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze.
8. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der kognitiven Therapie als etablierte Erweiterung verhaltenstherapeutischer Modelle.
Schlüsselwörter
Dysfunktionale Schemata, Kognitive Verhaltenstherapie, Depression, Generalisierte Angststörung, Zwangsstörung, Binge-Eating-Störung, Schizophrenie, Kognitive Triade, Metakognitionen, Teufelskreismodell, Kognitive Verzerrungen, Psychopathologie, Ätiologie, Aufrechterhaltungsfaktoren, Informationsverarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von dysfunktionalen Schemata in der Entwicklung und Aufrechterhaltung kognitiver Störungsmodelle bei verschiedenen psychischen Erkrankungen.
Welche Störungsbilder werden schwerpunktmäßig behandelt?
Der Fokus liegt auf Depression, generalisierter Angststörung (GAS), Zwangsstörung, Binge-Eating-Störung (BES) und Schizophrenie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die kognitiven Mechanismen und dysfunktionalen Überzeugungen, die zur Störungsaufrechterhaltung beitragen, über die genannten Störungen hinweg systematisch zu analysieren.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf das kognitive Paradigma und verhaltenstherapeutische Interventions- und Modellansätze.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind kognitive Schemata, Metakognitionen, die Kognitive Triade nach Beck sowie transdiagnostische Teufelskreismodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie dysfunktionale Schemata, kognitive Fehlinterpretationen, therapeutische Modellbildung und störungsspezifische kognitive Verzerrungen charakterisiert.
Wie unterscheiden sich Sorgen vom Typ I und Typ II bei der GAS?
Sorgen vom Typ I beziehen sich auf alltägliche äußere Ereignisse, während Sorgen vom Typ II, sogenannte Meta-Sorgen, Sorgen über die Sorgen selbst darstellen und eine entscheidende Rolle in der Chronifizierung der Störung spielen.
Welche Bedeutung kommt dem Paradoxon der Gedankenkontrolle bei Zwangsstörungen zu?
Das Paradoxon beschreibt, dass exzessive Versuche der Gedankenkontrolle paradoxerweise zu einer erhöhten Relevanz und Häufigkeit intrusiver Gedanken führen.
Wie beeinflussen dysfunktionale Schemata bei der Binge-Eating-Störung das Essverhalten?
Sie führen zu einer negativen Bewertung des eigenen Körpers und Gewichts, was Diätversuche auslöst, die wiederum durch Deprivation und negative Stimmung die Entstehung von Essanfällen begünstigen.
Inwiefern hat sich die Sichtweise auf die therapeutische Behandelbarkeit der Schizophrenie gewandelt?
Dank neuerer kognitiver Modelle zur Entstehung von Wahn und Positivsymptomatik wird Schizophrenie heute zunehmend als psychotherapeutisch beeinflussbar bewertet, anstatt sie als rein biologisch determiniert und schwer behandelbar anzusehen.
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- Luisa Beckmann (Author), 2021, Einfluss dysfunktionaler Schemata in der Entwicklung kognitiver Störungsmodelle. Depression, generalisierte Angststörung, Zwangsstörung, Schizophrenie und Binge-Eating-Störung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1164622