Adolf Loos‘ Kulturkritik, seine Absage am Gesamtkunstwerk sowie die damaligen Diskurse über den Stil Begriff sollen helfen, seine Bauten näher zu verstehen und die eben gestellten Fragen zu beantworten. Die damaligen Diskurse wiederzubeleben könnte dabei auch dem Lebensstil von heute mehr Sinn verleihen.
Um den zentralen Leitfragen nachzugehen, wird in der vorliegenden Arbeit eine begriffshistorische Untersuchung der Entwicklung des Stilbegriffs und außerdem eine nähere Bestimmung des modernen Stils durchgeführt. Hierfür wird zunächst die Grundlage mittels Loos‘ Voraussetzungen in der Architektur und der Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts geschaffen, welche den ersten Teil dieser Arbeit bilden. Im Anschluss daran folgt im zweiten Teil eine Darlegung von Loos‘ Kulturkritik und Architektur sowie ein Vergleich zu weiteren zeitgenössischen Kritikern und Künstlern aus Wien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Gang der Untersuchung
2. Historisches Bewusstsein im 19. Jhdt.
2.1. Stilvielfalt
2.2. Loos´ Stil – Jeder sei sein eigener Dekorateur
2.3. Das Gesamtkunstwerk
2.4. Loos‘ Kritik am Gesamtkunstwerk
3. Schlussbetrachtung
3.1. Zusammenfassung und Argumentation
3.2. Fazit / Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturkritische Position von Adolf Loos, insbesondere seine entschiedene Ablehnung des Konzepts des Gesamtkunstwerks und seine Auffassung eines modernen Stils. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Loos’ Architekturtheorie und seine Kritik am Ornament dazu beitragen können, heutige Fragen der Lebensgestaltung und Wohnkultur neu zu bewerten und ein Verständnis für authentische, vom Modediktat befreite Wohnräume zu entwickeln.
- Historische Entwicklung des Stilbegriffs im 19. Jahrhundert
- Kritik an Ornamentik und historisierendem Stilbewusstsein
- Das Konzept des Gesamtkunstwerks im Spannungsfeld zwischen Kunst und Alltag
- Adolf Loos’ Ideal des mündigen Bürgers und der „Outfitter“-Rolle des Architekten
- Die Bedeutung von Individualität und Zeitlosigkeit im Wohnraum
Auszug aus dem Buch
2.4. Loos‘ Kritik am Gesamtkunstwerk
Loos hingegen fordert neue Formen, die sich aus dem Alltag selbst bilden und nicht durch die Hand des Entwerfers entstehen. Er sagt: „Die Kunst ist etwas, was überwunden werden muß!“23 Die Revolution muss von unten her aus der Werkstatt erfolgen und kann nicht von oben vorgegeben werden. Das Gesamtkunstwerk als eigenständige künstlerische Schöpfung folgt keiner gestellten Aufgabe, sondern nur der Phantasie des Entwerfers. Es verhilft der Kunst zur Individualität und gibt dem Künstler eine reformatorische Rolle. Nach Loos‘ Ansatz steht aber nicht die Selbstdarstellung des künstlerischen Könnens, sondern die Eigenständigkeit und Individualität des Besitzers im Vordergrund. Er selbst bezeichnete sich daher als „Outfitter“, der seine Kunden beliefert und berät um ihnen ein eigenes Zuhause zu gestalten und ihnen das „Wohnen zu lernen“24. Sein Ideal war dabei stets ein eigenständiger, mündiger und weltoffenen Bürger, der sich selbst aussucht was zu ihm passt. Durch diese Arbeitsweise und Philosophie entstand oft eine enge Freundschaft mit seinen Auftraggebern.25
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in die heutige Individualisierungstendenz und das veränderte Konsumverhalten ein, welche die Grundlagen für die Auseinandersetzung mit dem Stilbegriff legen.
2. Historisches Bewusstsein im 19. Jhdt.: Hier wird der historische Kontext des Historismus und Jugendstils beleuchtet, um die Ausgangslage für Loos’ Kritik an ornamentaler Gestaltung und Modedenken zu definieren.
3. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Argumentation zusammen und zieht ein Fazit über die bleibende Relevanz von Loos’ Forderung nach einem bewussten, vom „Mode-Terror“ befreiten Wohnstil.
Schlüsselwörter
Adolf Loos, Gesamtkunstwerk, Moderne, Stilbegriff, Ornament, Kulturkritik, Wohnkultur, Individualisierung, Architektur, Historismus, Jugendstil, Alltag, Design, Lebensform, Zeitlosigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kulturkritik von Adolf Loos und seine fundamentale Abkehr vom Konzept des Gesamtkunstwerks zugunsten eines modernen, individuell geprägten Lebensstils.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Stilbegriffs im 19. Jahrhundert, die Kritik am Ornament, die Rolle des Architekten als Berater („Outfitter“) und die Emanzipation des Wohnraums von modischen Zwängen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Adolf Loos’ Architekturverständnis und seine Bauten durch eine begriffshistorische Einordnung besser verständlich zu machen und die zeitgenössische Relevanz seiner Thesen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählt eine begriffshistorische Untersuchung der Stilentwicklung sowie eine kritische Analyse architekturtheoretischer Schriften von und über Adolf Loos.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem historischen Kontext des 19. Jahrhunderts, der Dekonstruktion des Gesamtkunstwerks und dem Vergleich zwischen Loos’ Ansatz und konkurrierenden Auffassungen wie denen der Wiener Werkstätte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Adolf Loos, Ornament, Gesamtkunstwerk, Moderne und Individualisierung definiert.
Wie steht Adolf Loos zum „Garnitur-Denken“ der damaligen Architekten?
Loos lehnt das „Garnitur-Denken“ als pervers und unsinnig ab, da es die Bedürfnisse der Bewohner durch eine von oben diktierte, unbewegliche Raumgestaltung bevormundet.
Warum hält Loos die Wohnung für ein „niemals fertiges“ Projekt?
Da sich das menschliche Leben und die Bedürfnisse der Bewohner ständig weiterentwickeln, muss auch die Wohnung lebendig bleiben und darf nicht als starres, abgeschlossenes „Kunstwerk“ eines Dekorateurs fungieren.
Was bedeutet für Loos die Rolle des Architekten als „Outfitter“?
Der Architekt soll nicht als Künstler auftreten, der seine Phantasie aufzwingt, sondern als beratender Fachmann dienen, der dem Bauherrn hilft, seinen eigenen, authentischen Stil zu finden.
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- Anonym (Author), 2016, Adolf Loos über Kulturkritik. Seine Kritik am Gesamtkunstwerk und der moderne Stil, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1133505